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Samstag, 21. Mai 2011

Berufung

Erst ein Beitrag zum Thema „Berufung“ auf „Den Himmel im Herzen und die Füße auf der Erde“, dann einer in Publik Forum. Google findet zu diesem Thema sofort mehr als 5,2 Mio Einträge. Und Wikipedia klärt mich darüber auf, das „Berufung“ in unterschiedlichster Art gebraucht wird:
  • im Sinn einer Bitte, ein Amt wie z.B. eine Professur anzunehmen,
  • im juristischen Sinn als Rechtsmittel gegen ein Urteil,
  • und im religiösen Kontext als das Verspüren eines „inneren Rufes“ zu einer bestimmte Lebensaufgabe oder einen bestimmten Dienst in der Kirche,
  • ach ja: auch ein Buch mit diesem Titel gibt es von John Grisham.
Die Weite des Begriffes überrascht mich ebenso wie mich die Engführung im religiösen Kontext ärgert.

Berufung halte ich zunächst einmal für eine sehr persönliche Erfahrung. Eine ganz konkrete Person ist gemeint mit der Bitte, dieses oder jenes Amt zu übernehmen. Und um einen ganz bestimmten personengebundenen Einzelfall geht es bei Gericht, bei dem zumindest eine Partei in der konkreten Situation nicht mit dem Urteil einverstanden ist.

Berufung ist für mich persönlich ein zutiefst prägendes Erlebnis, das ich religiös deute und in dessen Zusammenhang mir klar wird: so muss mein Weg jetzt weitergehen, etwas anderes kommt gar nicht in Frage. Und trotz aller Steine im Weg und vielfältiger Umwege bleibt so etwas wie ein Ziel vor Augen, dass ich getrieben von einer inneren Antriebskraft weiter und weiter verfolge.

Und im kirchlichen Kontext? Wenn da von „Berufungspastoral“ die Rede ist, geht es hauptsächlich um geistliche Berufe wie Priester, Diakone oder Ordensleute. Manche Arbeitsstellen weiten ihren Blick auf andere Berufe im Bereich der Kirche aus und befassen sich so auch mit ReligionslehrerInnen, KirchenmusikerInnen, PfarrsekretärInnen, Pastoral- und GemeindereferentInnen sowie sozial-caritativen Berufen.

Auch das greift mir noch zu eng. Ein Blick in biblische Bücher, angestoßen durch den Publik-Forum-Artikel, zeigt mir: da werden Führungspersönlichkeiten berufen, die einen politischen Auftrag haben wie beispielsweise Mose. Da sollen Propheten den Herrschenden einmal ordentlich die Meinung sagen, weil sie ihre Macht ausnutzen. Oder eine junge Frau soll ein besonderes Kind auf die Welt bringen. Jede Aufgabe und jede Arbeit kann etwas sein, hinter dem eine Berufung steht. Ob es um das Ergreifen eines Handwerks geht oder um einen Bürotätigkeit, ob jemand Kinder aufzieht oder während einer Arbeitslosigkeit Zeitungen austrägt und mit den Leuten ins Gespräch kommt: hinter allem kann ein Ruf stehen: genau dich brauche ich dafür, genau dich will ich.

Auch wenn wirtschaftliche Interessen wenig Rücksicht nehmen auf die je persönliche Fähigkeiten und Begabungen, jedem Menschen wäre die Sensibilität zu wünschen, zu spüren, wozu er oder sie persönlich im tiefsten Inneren gerufen ist. Auch wenn es unwahrscheinlich erscheint: häufig eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, auch die ungewöhnlichste Berufung wenigstens ansatzweise im Leben umzusetzen.

Aufgabe einer biblisch verstandenen Berufungspastoral wäre es nach meiner Ansicht, um Erkenntnis zu bitten für die je eigene Berufung, unabhängig davon, ob diese Berufungen in den innersten Raum von Kirche oder auf andere Wege führen und um den Beistand der göttlichen Geistkraft, dieser persönlich erkannten Berufung durch alle Hindernisse hindurch zu folgen.

Im Vertrauen auf diese Geistkraft kann dann auch Kirche gelassen durch eine Zeit gehen, in der scheinbar nur wenige zu einem geistlichen Beruf oder Dienst berufen sind.

Kommentare:

  1. Ja, Berufung kann man unter vielerlei Aspekten sehen. Einen bestimmten Beruf zu ergreifen und eben keinen anderen. Den Mann zu heiraten und zu lieben und eben keinen anderen.
    Aber ich möchte hier gerne einen Kommentar zur geistlichen Berufung schreiben. Und ich schreibe hier auch "nur" zum Thema Ordensberufung, da bei uns in der alt-katholischen Kirche der Zölibat freigestellt ist, und sich die Frage für Priester nicht stellt, ob sie Priester werden oder Familie gründen.
    So ist es ja auch mit der geistlichen Berufung zum Ordensleben. Ich traue mich Gott an mit Allem was ich bin und dafür verzichte ich z.B. auf eine Familie oder einen Partner.
    Berufung ist auch meiner Meinung nach immer eine Entscheidungsfrage des Einzelnen die Gott uns auch treffen läßt.
    Ich gebe dir Recht, wenn du schreibst, dass die sog. Berufungspastoral zu kurz greift.
    Ich finde, in der Berufungspastoral wird zu oft darauf geschaut, ob jemand einem bestimmtem Bild z.B. einer Nonne oder eines Mönchs entspricht. Ob bestimmte Verhaltensmuster mit dem konform laufen, was man letztendlich darzustellen hat.
    Ich höre oft von Menschen, dass ihnen gesagt wurde, sie hätten keine Berufung. Frei nach dem Motto: Viele sind berufen aber nur Wenige auserwählt.
    Denn, und da gebe ich dir auch Recht, eine Berufung ist Gottes Entscheidung und nicht die eines Menschen.
    Ob ein Mensch in eine Gemeinschaft oder einen Beruf passt oder nicht, das ist eine ganz menschliche und oft auch gesellschaftliche Seite und Frage. Aber das liegt nicht an der Berufung, sondern schlichtweg am Zwischenmenschlichen.

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  2. Liebe Britta,
    wenn ich dich richtig verstehe, betonst du sehr den dialogischen Charakter von Berufung, der eine Entscheidung, im besten Fall ein "Ja" des/der Berufenen fordert. Darüber muss ich erst noch weiter nachdenken, ehe ich dazu etwas sagen kann. Ich habe selbst es nicht so erlebt, dass ich bewusst eine Entscheidung hätte treffen müssen für Beruf oder Partnerschaft oder Kind oder... Es war eher ein inneres "du musst" bzw. "dieses oder jenes ist jetzt dran", das sich schlicht richtig an fühlte.

    Den Akzent, dass andere, näherhin Institutionsvertreter darüber entscheiden, ob wirklich eine Berufung (in diesem Fall erst einmal eng geführt auf geistl. Berufung) vorliegt, hatte so präzise nicht im Blick. Ich stimme dir zu, dass die Entscheidungsträger von gesellschaftlichen und auch kirchlichen Vorgaben sowie persönlichen Vorlieben geprägt sein können. Sie "prüfen" eine Berufung also mit einer gewissen Subjektivität und können irren. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass bei meinem ersten Gespräch mit dem Bistum, bevor ich anfing Theologie zu studieren, die Äußerung fiel: wir können Sie nicht gebrauchen. Auch während der Studienzeit hieß es immer wieder: wir stellen nicht mehr an. Es hat sich - zumindest für mich - nicht bewahrheitet. Andere hatten und haben es da wesentlich schwerer.

    Deine Anmerkungen machen mir deutlich: das Thema "Berufung" ist sehr komplex und sicher sehr stark vom persönlichen Erleben geprägt.

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