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Dienstag, 10. Mai 2011

Brief an Maria

Liebe Maria,
der Mai gilt im katholischen Milieu unserer Nordhalbkugel als einer deiner Monate. Der Frühling mit all seinem Grün und dem Reichtum der vielen Farben nach dem Grau des Winters wird mit dir und dem neuen Leben durch die Geburt deines Sohnes in Verbindung gebracht, lese ich bei katholisch.de. Frühling ist für mich eigentlich eher ein Gleichnis für die Auferstehung, die dann gefeiert wird. Aber um neues Leben gehts ja sowohl bei der Geburt wie bei der Auferstehung.

Was sagst du zu den Maiandachten, die jetzt überall gefeiert werden? Ich kann damit, ehrlich gesagt, wenig anfangen. Du bist da so weit weg. Himmelskönigin nennen sie dich dort, präsentieren dich kostbar und kitschig, aber nicht so, dass ich dich noch als die erkennen kann, die du warst: eine Frau aus dem Volk.

Interessant finde ich dich.
Du scheinst eine tolle Familie gehabt zu haben. Auch wenn es deinem Vater erst mal die Sprache verschlagen zu haben scheint, als er von deinem Werden erfuhr, scheinen er und deine Mutter dir sehr viel Geborgenheit, Wissen, Mut und Urvertrauen mit auf deinen Lebensweg gegeben zu haben. Wie sonst hättest du als so junge Frau eine so schwerwiegende Entscheidung treffen können, als es um die Schwangerschaft mit deinem Sohn ging. Du hast dir dies zugetraut und wusstest dich zugleich getragen von einem Größeren. Das finde ich bewundernswert. Auch dein Mann Josef scheint sich gut um dich gekümmert und für eure Familie gesorgt zu haben.

Viel durchgemacht hast du mit deinem Sohn. Das werden viele Jungsmütter gut nachempfinden können und auch wir Mädelsmütter kennen die Wirren der Pubertät. Drei Tage hast du ihn gesucht bei dieser Pilgerreise.  Drei Tage hast du gebraucht, um ihn wieder zu finden, um dich mit ihm, seiner Person und seinem Auftrag auseinander zu setzen. Zeit, schon mal zu spüren, wie es sich anfühlt, wenn er nicht (mehr) greifbar da ist. In diesen Tagen hast du offenbar viel dazu gelernt. Drei Tage, die mich an die Zeitspanne zwischen seinem Tod und seine Auferstehung erinnern. Drei Tage hast du auch nach seiner Hinrichtung gebraucht, um sein neues Dasein zu entdecken. Diese erste Trennung hat dich möglicherweise dafür bereits sensibilisiert.

Abgegrenzt hat sich dann später dein Sohn auch von dir. Du solltest deine Ahnung um ihn bei der Hochzeit nicht preisgeben, solltest dich nicht um ihn kümmern, dir keine Sorgen um ihn machen. Heranwachsenden ist sowas einfach peinlich.

Wie schmerzhaft muss es für dich gewesen zu sein, deinen Sohn seinen Weg gehen zu lassen, zu sehen, wie er viele anzieht, aber auch zum Ärgernis wird bis zur Katastrophe. So einen Schmerz aus zu halten schaffen nur Mütter und beste Freunde. Als du dann wusstest, dass er nicht weg ist, hat mann dir und deinen Freundinnen nicht geglaubt. Typisch Männer! Aber Geduld hattest du ja schon mit deinem Sohnemann gelernt, und konntest sie so ihre eigenen Erfahrungen machen lassen. Du warst ziemlich klug! Bist wohl auch nicht gleich mit allem so heraus geplatzt, sondern hast lange darüber nachgedacht, was du so erlebt hat. An deiner Besonnenheit könnte sich mancher Kirchenmensch wirklich ein Beispiel nehmen!
Zu denen, die zusammenblieben und sich gestärkt wussten durch Gottes Geistkraft, hast du gehört bis an dein Ende.

Unterschiedlichste Blüten haben Menschen, die dich bewundert haben, über all die Jahrhunderte hervor gebracht. Manche nehmen sie so ernst, dass sie Wesentlicheres darüber aus dem Blick verlieren. Auch darüber machst du dir sicher deine Gedanken, da wo du jetzt bist, nahe bei Gott, wo du dich schon immer wusstest. Ob du über unsere Gedanken lächelst oder lauthals lachst? Ob du wohl mit deinen Freundinnen kichernd die Bilder betrachtest, die man von dir gemalt hat? Ich bin gespannt, dir irgendwann einmal begegnen zu können! - Aber nicht in so einer Maiandacht. Ich weiß, du verstehst das.

Ameleo

Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    auch in der katholischen Kirche hat sich viel
    geändert. Hier gibt es Pfarreien ohne Maiandachten.

    Für mich war es früher schön. Es gibt viele
    sehr schöne Marienlieder.

    Die Hoffnung, Maria mal zu treffen, habe ich
    nicht mehr.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,

      deine Worte klingen sehr traurig. Ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht und du wieder zuversichtlicher nach vorne blicken kannst!

      Alles Liebe
      Ameleo

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  2. Früher ging man bei uns jeden Abend und betete aus so einem hellblauen (meine Mutter sagt grünen) Andachtsheftchen. Da war Maria die Himmelskönigin und wirklich ganz weit weg hoch oben. *schmunzel* Mir ist die Erinnerung so kostbar. Ich war richtig muffig als ich vor ein paar Jahren erfuhr, dass es das hellblau-grüne Heftchen nicht mehr gibt. Jetzt gibt es nur noch sonntags am frühen Abend eine Maiandacht. Und die ist so wie dein Brief. Nahe am Leben, eine Betrachtung. Irgendwie schön. Trotzdem fehlt mir bei diesen Andachten etwas. Vielleicht der Kitsch? Für mich war das kein Kitsch. Das ganze Himmelblau und Frühlingsgrün und Wunderschön, prächtige, hohe und mächtige, hilfreich, holdselige, himmlische Frau - ist ein Stück katholische Heimat für mein Herz.

    Vielleicht vergleichbar mit dem furchtbaren Stickbild über der Couch meiner Mutter. Es wäre nicht ihr Wohnzimmer, wenn dieses Bild nicht mehr da hängt.

    Und so fühle ich auch, wenn ich nun die Maiandacht nicht mehr habe.
    Am Sonntag war ich die Jüngste dort mit meinen 43. Und hab den Altersschnitt radikal gesenkt. Wir waren insgesamt 7 Betende. Sie habens wegen mir nicht ausfallen lassen, weil ich "mich aufgerafft" hätte.

    Rührend oder?
    Ratlos, aber katholisch
    Huppicke

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    1. Das Marienthema hat ja wirklich was speziell Katholisches in all seiner Widersprüchlichkeit: Die Lieder als Stück katholische Heimat fürs Herz - irgendwie schon, trotz wunderschön, prächtige und Maria Maienkönigin. Aber wirklich Zugang zu Maria bekomme ich erst jetzt, über 50, als Jungsmutter. Da ist mir die kluge, geduldige Frau aus dem Volk viel näher gerückt und ich merke, dass mir die alten Lieder, die Marienaltäre und das Lourdeswasser eher den Zugang erschwert haben. Und wenn ich jetzt empört berichtet bekomme, dass von unseren 5 Kommunionkindern nur 3 an der verordneten Maiandacht mit sakramentalem Segen teilgenommen haben, muss ich echt schlucken. Warum verordnet, warum mit eucharistischem Segen verbunden? Ich merke gerade, wie sich die überwunden geglaubte Enge und Strenge wieder breitmacht. Mal schauen, ob ich vielleicht doch zu einer Andacht gehe – und wenn, dann hoffentlich mit einer großen Portion Gelassenheit :_)

      Auch ratlos und katholisch
      Martina

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    2. Als Jugendliche war ich in meiner Funktion als Lektorin in Maiandachten, habe damit den Altersdurchschnitt ebenfalls extremst nach unten gezogen und die geringe Zahl der Betenden um einen zweistellige Wert ansteigen lassen.

      Für mich waren sowohl diese Andachten als auch die Marienlieder immer etwas Befremdliches. In einem evangelischen Umfeld war es dann schon ein ziemlicher Spagat, aus diesem eigenen Befremden heraus auf Anfragen, Angriffe und Ablehnung zu reagieren.

      Versöhnt mit Maria haben mich zum einen das Theologiestudium, in dem ich andere Bilder von ihr und Zugehensweisen auf sie kennenlernen durfte, zum anderen ein ökumenisches Gebet, dass ich mit einer evangelischen Pastorin zusammen für eine internationale Gruppe mit Leuten aus allen möglichen Konfessionen (von Orthodoxen bis Freikirchlern) gestaltet habe.

      Kindern würde ich niemals die Teilnahme an einer solchen Andacht verordnen! Mit Jugendlichen in der Firmvorbereitung könnte ich mir schon eher vorstellen, in der Gruppe verschiedenen Formen der in der eigenen Gemeinde praktizierten gottesdienstlichen Feiern zu besuchen und kennen zu lernen. In der Gruppe wäre dann in einem anschließenden Reflexionsgespräch die Möglichkeit, über ein mögliches Befremden oder Angerührtsein zu sprechen und Toleranz zu lernen gegenüber den verschiedenen Arten von Frömmigkeit, besonders denen, die nicht die eigenen sind.

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    3. Liebe Ameleo, ich würde mich sehr freuen, wenn du das erwähnte ökumenische Gebet mit uns teilen würdest - wenn du möchtest!

      Liebe Grüße und hab einen guten Tag
      Martina

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    4. Liebe Martina,
      das war 1997. Ich glaube nicht, dass ich das noch irgendwo finde.
      Liebe Grüße
      Ameleo

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  3. Macht nichts, ich wünsche mir auch immer wieder, dass ich mein Geschriebenes vor 15 Jahren schon ordentlich und wiederfindbar abgespeichert hätte.

    Bei Andrea Schwarz (Du Gott des Weges segne uns) habe ich eines gefunden, das passt durchaus auch zum Aufbruch des Katholikentages:

    MARIA
    SCHWESTER INM GLAUBEN

    von Gott berührt
    hast du dich
    auf den Weg gemacht
    du hast dich
    aufgemacht
    um Gott
    zur Welt
    zu bringen

    Maria
    Schwester im Glauben

    ich will mich
    aufmachen
    mich auf den Weg machen
    weil ich mich und meine Welt
    zu Gott bringen will

    weil ich das suche
    was du gefunden hast

    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Sehr schöner Text!
    Danke!

    Ameleo

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