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Freitag, 20. Mai 2011

Der gute Hirte 6 – Zusammenschau

Annäherungen an ein biblisches Bild

Quelle: http://www.clipart-kiste.de/

Beim Durchlesen der verschiedenen biblischen Texte finde ich besonders bezeichnend, dass zunächst Hirten selbst in Gott ihren Hirten erkennen. So wie sie Verantwortung für ihre Herde übernehmen, die ihnen wiederum Vertrauen entgegen bringt, so empfinden sie ihre Beziehung zu ihrem Schöpfer.

Dort, wo jedoch keine Bereitschaft besteht, die eigene Hirtenaufgabe auch bezogen auf den Mitmenschen zu übernehmen, enden  Beziehungen dramatisch (Abel: "Bin ich der Hüter meines Bruders?").


Erfahrungen mit dem eigenen Hirte-sein werden zunehmend idealisierend auf Gott übertragen. Aus diesem Gottesbild heraus erwachsen Vorstellungen über das Verhalten vorbildlicher Herrscherpersönlichkeiten. In der Person Davids, der zunächst einfacher Hirte ist und später König wird, verschmelzen die Bilder vom "Hirten" und vom "König".

In Jesus, dem "Hirten aller Hirten" erfährt das Bild eine Wandlung: wie auch schon Ezechiel erkennt und kritisiert er die "falschen Hirten", die nur das eigene Wohl und ihre Macht im Sinn haben. Damit wird eine Versuchung des Hirte-seins benannt: der Machtmissbraucht. In Solidarität mit denen, die unter diesem Missbrauch leiden, wird Jesus, der Hirte, zum Schaf, zum Lamm in seiner Herde. Damit wird er zu einem der Schwächsten unter den Schwachen und verstärkt und erneuert so den Dienstcharakter, den das Hirtenamt ursprünglich besaß.

An Petrus deligiert er später dieses Hirtenamt. In den Kleinbauern Büchern von Reinhard Körner lernte ich, dass die Bezeichnung von Petrus als einen "Kephas" ein Spitzname ist. Mit "Kephas" wird einer von diesen Felsbrocken benannt, die den Bauern auch heute noch auf dem Feld immer im Weg herum liegen und die Arbeit erschweren. Ein vergleichbarer Spitzname in unserer Sprache wäre "Betonkopf", so Körner. An einen Betonkopf also überträgt Jesus das Hirtenamt. Petrus wird sich seiner Schwäche gerade dann, wenn es auf ihn ankäme, schmerzlich bewußt. Diese Bewußtheit seiner eigenen Schwachheit macht gleichzeitig seine Stärke aus und hält ihn dafür wach, sein Leitungsamt nicht zu missbrauchen. Daran sollten sich viele der heutigen Hirten ein Beispiel nehmen!

Wer ist heute Hirte und wer die Herde? Abhängig von der jeweiligen Situation kann jeder Mensch, kann ich beides sein: Mal bin ich Hirtin, die auf andere Acht gibt und dafür sorgt, dass es ihnen gut geht. In anderen Situationen ist es gut für mich zu wissen, dass ich mich "behütet" wissen kann von jemand, der oder die mich nährt, mir neue Wege aufzeigt und neues Land und frisches Wasser zeigen will.

Dort wo Hirten nicht mehr das Wohl derer sehen, für die sie verantwortlich sind, ist ihnen entschieden zu widerstehen mit der Widerspenstigkeit eines Kephas. Und für jeden Hirten und jede Hirtin ist es wichtig, ganz jesuanisch regelmäßig einen Rollentausch zu vollziehen und sich in einer Herde als Schaf unter anderen (be-)hüten zu lassen.

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