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Samstag, 28. Mai 2011

Dialog zu Joh 14,15-21 und Apg 8, 5-8.14-17 (6. Sonntag nach Ostern, Lesejahr A)

Guck mal, was ich hier habe!
Eine Fernbedienung? Wozu hier in der Kirche? Hast du irgendwo einen Fernseher aufgestellt oder einen CD-Player?
Nein, habe ich nicht. Ich dachte, so eine Fernbedienung würde zu den Bibeltexten passen.
Wie das denn? Sowas hatten die damals doch noch gar nicht. Die brauchst du doch für elektrische Geräte. Zum An- und Ausschalten, zum laut oder leise Stellen oder um das Programm zu wechseln. Elektrizität war zur Zeit der Bibel doch noch gar nicht entdeckt worden.
So meine ich das ja auch nicht. Aber du hast ganz gut zusammen gefasst, was man mit einem solchen Gerät machen kann. Nur eine wichtige Sache hast du noch vergessen.
Und was?
Diese Fernbedienung funktioniert nur, wenn das Gerät, zu dem sie gehört, auf stand-by steht.
Wenn es also eigentlich angeschaltet ist, aber in Bereitschaft wartet.
Genau. Kannst du mal stand-by ins Deutsche übersetzen?
Du meinst: so Wort für Wort? Also: stand = stehen oder Stand und by = bei, stand bei. … Ah: Beistand!
Richtig!
Ich erinnere mich dunkel: von Beistand, also einem Beistand war eben im Johannesevangelium die Rede. Stand by – Beistand. Meinst du das?
Ja, Jesus verspricht seinen Freundinnen und Freunden, sie nicht allein zu lassen, sondern ihnen einen Beistand zu schicken. Vielleicht kann man diesen Beistand, den Heiligen Geist, ja verstehen als Gott, der immer ansprechbar in unserer Nähe ist, so zu sagen: auf Stand-by, in Bereitschaft.
So meinst du das also. Und was ist dann mit der Fernbedienung? Du denkst doch nicht etwa, Gott oder den Heiligen Geist könnten wir an- und ausschalten, mal auf laut und mal auf leise, gerade wie es uns passt?!
Nein, das wäre etwas platt. Gott können wir nicht steuern wie ein technisches Gerät, auch wenn er – wie im stand-by – immer für uns im Hintergrund da ist.
Aber was können wir dann tun? Ich schau noch mal in den Bibeltext: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Steht da. Hilft uns das jetzt weiter? - Hm, Jesus fordert uns als erstes auf, zu lieben, Gott, unseren Nächsten und uns selbst. Und dann kommt erst das mit den Geboten. -
Genau. Um mit dem Heiligen Geist, mit Gott, der immer in Bereitschaft ist, in Kontakt zu sein, ist die Liebe etwas ganz wichtiges. Wenn Jesus später sagt, er sei in uns und wir wären in ihm, dann...
… dann ist er also irgendwie in jeder und jedem von uns drin. Und wenn ich einen anderen Menschen liebe, also ihn achte und schätze dann liebe ich gleichzeitig Gott.
Auch wenn du selbst gut und liebevoll mit dir umgehst, kann das ein Ausdruck deiner Liebe zu Gott sein, der in dir ist.
Ist das denn nicht egoistisch? Mich selbst lieben?
Das kann natürlich passieren, aber die Gefahr ist nicht so groß, wenn du diesen Satz: „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.“ im Kopf und im Herzen behälst.
Noch mal zurück zu Fernbedienung und Stand-by: neulich brauchte ich Ersatz für eine kaputte Fernbedienung. Mit der neuen war das gar nicht so einfach. Die musste ich erst auf meinen Fernseher einstellen. Vielleicht passt diese Erfahrung ja auch zu unserem Nachdenken: Damit die Verbindung zwischen mir und dem Heiligen Geist-Beistand klappt, muss ich mich auf ihn ein Stück einstellen. Ich muss mich öffnen für diesen Geist, sonst hat er keine Chance bei mir. Ich muss also selbst auch in gewisser Weise selbst auf stand-by gehen.
Aber was macht dieser Heilig-Geist-Beistand eigentlich?
Ich denke da an die sogenannten Geistesgaben. Sieben kennt unsere Tradition, aber in der Bibel stehen noch mehr. Der Beistand oder die Kraft des Geistes schenkt uns Weisheit, sie gibt uns unseren Verstand und Erkenntnis.

Ich erinnere mich dunkel. Da waren dann auch noch Rat und Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Welche kennt die Bibel noch?
Die Gaben Krankheiten zu heilen und prophetisch zu reden fallen mir noch ein.
Wenn wir uns offen halten für den Empfang des Heiligen Geistes, dann können wir also beschenkt werden mit ganz vielen Gaben. -
Weißt du, was mir grade auffällt?
Nein, was?

In der ersten Lesung, also bei der Erzählung aus der Apostelgeschichte, da ging es doch auch um den Heiligen Geist.
Genau. „Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.“ war zum Beispiel der letzte Satz.

Das erinnert mich irgendwie an Firmung.
Auf diese Stelle wird Firmung ja auch zurückgeführt. Zusätzlich zur Taufe wurden den neuen Christen in Samarien von den Aposteln die Hände aufgelegt. Wie auch den Jugendlichen aus unserer Gemeinde im Juli.
Damit sie offen sein können und selbst auf stand-by gehen, für die Beziehung zu Gott, der in seinem heiligen Geist immer in Bereitschaft für uns ist. -
Mir ist bei den Texten noch etwas aufgefallen.
Da bin ich aber gespannt.
Lukas und Johannes, also die beiden, die die Bibeltexte von heute aufgeschrieben haben, die hatten auch so eine Art Stand-by.
Wie meinst du das?
Wenn ich die Texte so höre, dann erinnern die mich an ganz viele andere Geschichten aus der Bibel. Ich glaube, das haben die absichtlich gemacht.
Da hast du aber wirklich sehr genau hin gehört. Sag mal ein paar Beispiele!
Also: wenn ich in der Erzählung aus der Apostelgeschichte „Samarien“ höre, denke ich zum Beispiel an den barmherzigen Samariter.
Den hatte Jesus seinen Zuhörern und Zuhörerinnen als positives Beispiel in Sachen Nächstenliebe genannt. Dabei mochten die Juden die Leute aus Samarien nicht besonders, weil sie einen anderen Glauben hatten.
Und dann war da noch diese Frau am Jakobsbrunnen, die zum Schluss ihren Freundinnen sagte: „Vielleicht war das ja der Messias.“
Genau, die kam auch aus Samarien.
Und ist ebenfalls ein Vorbild, weil sie als erste Frau erkannt hatte, welch besonderer Mensch Jesus war. Und sie glaubte daran, obwohl nicht den gleichen Glauben hatte wie Jesus.
Das war wirklich eine tolle Frau! Und diese Region Samarien, von der die Juden damals eigentlich nichts hielten, die Jesus ihnen aber immer wieder als Vorbild gezeigt hatte, dieses Samarien nimmt jetzt den christlichen Glauben. Das ist wirklich beispielhaft.
Ist dir auch im Text aus dem Johannesevangelium etwas aufgefallen?
Da ist das etwas mehr versteckt. Ist dir aufgefallen, dass es da am Anfang heißt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Und später ist es umgedreht: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Einmal so rum, einmal anders rum. Beides gehört also ganz eng zusammen: das Lieben und das Gebote halten.
Das mit dem Gebot der Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe hatten wir ja schon. Bei Geboten denke ich aber auch an die 10 Gebote.
Genau, die lesen wir ja meistens ohne die Geschichte drum herum. Aber Gott sagt vor den 10 Geboten in etwa: Ich habe euch aus Ägypten heraus geführt. Ich liebe euch. Jetzt liebt mich auch und zeigt das, in dem ihr meine Gebote achtet.
Dann verweist der Johannes, der dies Evangelium aufgeschrieben hat, also auf die Schriften, die wir das alte Testament nennen.
Ja, denn er kannte die alten Texte sehr gut. Auch seine Zuhörer und Zuhörerinnen kannten sie viel besser als wir heute. Und sie haben das gemerkt, dass er sie mit diesem Zusammenhang von „lieben“ und „Gebote halten“ an etwas erinnern wollte, was sie schon kannten.
Und auch das Versprechen, dass dieser Heilig-Geist-Beistand bei ihnen bleiben wird erinnert an alte Texte: an die Propheten nämlich!
Von den Propheten wird doch immer im Advent vorgelesen.
Genau. Der Prophet Ezechiel hat nämlich auch schon verheißen, dass Gott letztendlich bei den Menschen wohnen wird.
Jetzt verstehe ich, was du mit dem stand-by gemeint hast, das Johannes und Lukas für sich hatten: sie hatten immer die alten Texte und Überlieferungen im Hintergrund für ihren Glauben.
Es ist eine ganze Menge, was in diesen beiden schwierigen Texten steht.
Aber zum Schluss muss ich dir noch etwas Persönliches sagen.
Da bin ich ja mal gespannt.
Du hast nicht viel Ahnung von Englisch. Stand-by wird gar nicht mit Beistand übersetzt.
Du hast ja Recht. Aber mit diesem Bild von der Fernbedienung und dem Stand-by sind wir den Texten trotzdem ein ganzes Stück näher gekommen. Ich finde es ermutigend, Gottes stand-by in seiner Geistkraft und in den biblischen Texten immer im Hintergrund zu wissen.
Und weißt du was? Wir haben jetzt genug geredet. Ich nehme meine Fernbedienung und schalte uns beide jetzt einfach auch mal auf stand-by.

(Die Idee mit der Fernbedienung habe ich "geklaut" bei Pfr. Matthias Blaha, auf der Datenbank der HP vom Predigtpreis. Zum Original gehts hier.)

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