ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Samstag, 4. Juni 2011

Gäste sind nun mal so. Unpopuläre Gedanken zur Erstkommunion.

Morgen wird in unserer Kirche Erstkommunion gefeiert. Die Kinder haben sich ein dreiviertel Jahr auf dieses große Ereignis vorbereitet. Die Katechetinnen haben viel Zeit, Engagement und Zuwendung eingesetzt, den Kindern zu zeigen, dass sie geliebt und erwünscht sind und jetzt dazu gehören zu der großen Mahlgemeinschaft. Vielleicht haben die Kinder sogar eine Ahnung davon bekommen, dass Kommunion etwas ganz Besonderes ist.

Auch die Gemeinde hat sich auf dies große Fest vorbereitet. Der Garten wurde in Ordnung gebracht und die Kirche festlich geschmückt. Das macht man so, wenn man Gäste erwartet. Mit großer Sorgfalt wurden die Texte und Gebet der Messfeier ausgewählt und anders als sonst wird die Kirche brechend voll sein. Auch die Abschiedsgeschenke liegen bereit.

Abschiedsgeschenke?
 Für die meisten Kinder wird der Tag ihrer Erstkommunion zugleich der letzte Kirchenbesuch für die nächsten Jahre sein. Alle Jahre wieder herrscht bei den Zurückbleibenden Enttäuschung darüber, dass weder Eltern noch Kinder durch die Kommunionvorbereitung dazu motiviert wurden, auch zukünftig zum Gottesdienst zu kommen. Dabei ist das ja kein neues Phänomen. Bei meiner eigenen Erstkommunion vor 40 Jahren war es schon genauso. Geklagt wurde darüber ebenfalls.

Vielleicht ist ein Blickwechsel nötig: Erstkommunion ist kein Fest bei der die „Pfarrfamilie“ ein großes Ereignis innerhalb der eigenen Familie feiert. Vielmehr lädt die Gemeinde Eltern und Kinder ein, für ein knappes Jahr bei ihr zu Gast zu sein. Und wie das so ist mit Gästen: viele freuen sich über die Einladung und kommen ihr gerne nach, denn sie bekommen bei ihrem Besuch sehr viel Zuwendung. Gäste sind in der Regel neugierig. Sie sind offen und bereit, Neues zu entdecken und kennen zu lernen. Sie freuen sich auch an anderen Gästen, mit denen sie vielleicht Gemeinsamkeiten entdecken. Freundschaften können dabei entstehen, eher untereinander, seltener mit den GastgeberInnen.

Gäste bringen häufig Gastgeschenke mit: sie bereichern die Gemeindemesse mit ihrer Anwesenheit und einige auch mit der Bereitschaft, sich aktiv ein zu bringen. Aber Gäste bringen auch sich selbst mit. Ihre persönliche Geschichte mit Gelungenem und Enttäuschungen, ihre Vorlieben und Abneigungen, ihre Wünsche. Aber als Gast ist man mit Wünschen entweder sehr zurückhaltend oder sehr forsch. In allem spürt man die eigene Fremdheit und die Abhängigkeit vom Gastgeber.

Irgendwann ist die große Feier da: zum einen der Höhepunkt, auf den die ganze Zeit hin gefiebert wurde, aber auch der Abschied. Abschied von der Gruppe, Abschied von den Katechetinnen, häufig auch Abschied von der Gemeinde. Und wie das so bei Gästen ist: man verspricht einander, in Kontakt zu bleiben und mal wieder vorbei zu kommen. Manchmal werden auch Gegeneinladungen ausgesprochen: Besuch du mich doch auch mal! Und zum Abschied wird noch mal groß aufgefahren.

Aber wie das so ist mit Gästen und GastgeberInnen: nach dem großen Fest kommt das große Aufräumen, dann das tiefe Durchatmen und schon hat einen der Alltag wieder. Irgendwie ist man auch froh darüber.

Die Gäste reisen weiter, auf ihrem Lebensweg. Wenn sie sich nicht zu sehr über ihre GastgeberInnen geärgert haben, fühlen sie sich vielleicht reich beschenkt und denken gerne und noch lange an die gemeinsame Zeit zurück. Heimat haben sie in der Regel nicht gefunden. Wenn man fremd ist, geht das nicht so schnell. Manche schauen später tatsächlich noch mal kurz vorbei, bei einem Fest vielleicht oder zur Sternsinger-Aktion. Da dürfen sie in der Rolle des Gastes bleiben, die ihnen ja vertraut ist. Die Gegenbesuche fallen in der Regel ganz aus.

Anstatt darüber enttäuscht zu sein, wäre es vielleicht hilfreicher zu akzeptieren: Gäste sind eben so! Sie kommen, bleiben eine Weile, lassen sich umsorgen und packen auch ein wenig mit an, aber dann reisen sie weiter. Und niemand hat etwas falsch gemacht. 

Und dann gibt es da ja auch noch den großen Gastgeber, der selber mitreist, bei dem auch alle GastgeberInnen eingeladen sind, der großen Respekt hat vor ihren Mühen und selber gerne bei ihnen zu Gast ist. Mal ist er Gastgeber, mal der Gast, mal bewirten wir ihn, mal lassen wir uns selber einladen. Wir kommen uns entgegen, gehen ein Stück miteinander, dann trennen sich unsere Wege scheinbar wieder, weil wir etwas anderes in den Blick nehmen. In seiner Rolle als Gastgeber kann er gut damit umgehen, macht da auch bei Erstkommunionfamilien keinen Unterschied. Gäste und Gastgeber sind nun mal so.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.