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Donnerstag, 2. Juni 2011

Himmelfahrt.

Vielleicht geht Ihnen das morgens auch so: einer meiner ersten Blicke geht Richtung Himmel. Wie ist das Wetter? Scheint die Sonne? Wird es regnen? Wie warm mag es wohl sein? Und was verheißen die Wolken, die da zu sehen sind?

Gerade die Wolken faszinieren mich besonders. Gerade heute an Himmelfahrt. Es gibt so viele verschiedene: Schönwetterwolken, Schäfchenwolken, Schleierwolken, Gewitterwolken, Haufenwolken und wie sie alle heißen.

Was verbinden Sie persönlich mit Wolken? Nehmen Sie sich einfach mal einen Moment Zeit und schauen in Stille in den Himmel. Welche Wolkengeschichten und -erfahrungen tauchen in Ihrer Erinnerung auf?

Als ich bei der Vorbereitung zu diesem Gottesdienst kurz andeutete, dass ich vermutlich etwas über Wolken sagen wollte, wurden in unserem Team gleich die vielfältigsten Erinnerungen an Wolken wach. Zum Beispiel an Wolken, die bei einer Bergwanderung zunächst über mir sind, die ich dann durchquere und mit etwas Glück oben in strahlendem Sonnenschein unter mir dahinziehen sehen kann. Oder die Wolken, die bei dem Blick durch ein Flugzeugfenster unter mir wie riesige Watteberge wirken. Und dann gab es noch das Kinderspiel, mit etwas Phantasie Figuren in den Wolken zu entdecken.

Wie alles haben Wolken aber auch negative Seiten:
einmal, wenn sie ausbleiben, wenn es über Wochen keine Wolken am Himmel gibt und es einfach nicht regnen will, sodass alles Grün vertrocknet.
Oder wenn sie zu mächtig werden, sich auftürmen zu einer Wolkenwand, einem Unwetter oder schwerem Gewitter, wenn sie ohne Unterbrechung regnen und alles überschwemmt wird.
Und schließlich, wenn sie in Form einer radioaktiven oder Aschewolke Mensch, Natur und Technik bedrohen. Wolken können wirklich sehr faszinierend sein.

Christi Himmelfahrt feiern wir heute, 40 Tage nach Ostern. In der Lesung aus der Apostelgeschichte ist auch die Rede von einer Wolke. Jesus „wurde vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ heißt es dort.

Wolken waren den Aposteln und auch den Evangelisten ein vertrautes religiöses Bild. Es wird sie unmittelbar an verschiedenste Stellen aus den Büchern erinnert haben, die wir das Alte oder erste Testament nennen.

Sie werden sich an die bedrohlichen Wolken der großen Flut erinnert haben, an die Rettung der Schöpfung und der Menschheit in Noahs Arche und an Gottes Bogen in den Wolken, dem Zeichen seines ewigen Bundes mit allen Wesen.

Ganz zentral in der Erinnerung des Volkes Israel war seine Errettung aus der Knechtschaft in Ägypten unter der Führung von Mose. Bei ihrer langen Wanderung durch die Wüste heißt es, dass Gott sie begleitete in einer Feuersäule bei Nacht und einer Wolkensäule am Tag. Eine Wolke ist schon etwas besonderes in der Wüste, verheißt sie doch Schutz durch ihren Schatten und Leben und Fruchtbarkeit in ihrem Regen. 40 Jahre lang begleitet Gott sein Volk auf seiner Flucht und der Suche nach einer neuen Heimat, also durch eine lange Zeit der Wandlung. Die Wolke ist dabei eine ständige Verheißung dafür, dass die Israeliten unter Gottes Schutz stehen, leben und zu einem großen Volk heranwachsen werden.

Unterwegs spricht Gott zu Mose. Wieder ist es eine Wolke, die dabei eine wichtige Rolle spielt. Gott spricht aus ihr heraus zu Mose und Mose geht in die Wolke, begibt sich mitten hinein in diese unbegreifbare Wirklichkeit Gottes.

Die Psalmen greifen diese tiefe Erfahrung des Exodus und das Bild der Wolke immer wieder auf und auch wir haben eben von Erde, Wasser, Luft und Feuer gesungen und damit andeutungsweise diese Tradition fortgesetzt.

Wenn die Apostelgeschichte davon spricht, dass Jesus „vor ihren Augen emporgehoben wurde, und eine Wolke ihn aufnahm“ dann schwingen diese alttestamentlichen Bilder mit. Dann spricht daraus die Überzeugung und der Glaube: Jesus ist jetzt ganz nah bei diesem Gott, der uns schon durch unsere ganze Geschichte hindurch begleitet hat. Er ist eins geworden mit dem, der uns schützt und Leben spendet.

Zurück zu uns heute. In unserer Umgangssprache gebrauchen wir das Bild der Wolke, um damit auch Gefühlslagen auszudrücken. Und genau wie Wolken eine eher positive und eine eher negative Seite haben können, gibt es mindestens zwei gegensätzliche Redewendungen mit diesem Bild.

Wenn zum Beispiel jemand richtig gut drauf ist, verliebt sogar oder glücklich ohne Ende weil die eigene Fußball-Mannschaft wider erwarten gesiegt hat, dann sagen wir: er oder sie schwebt auf Wolke sieben. Große Freude und eine richtige Hochstimmung drücken sich darin aus.

Gedrückte Stimmung verbindet man dagegen eher mit tiefen, grauen, dicken Wolken, und spricht dann davon, dass sich Sorgen wie eine dunkle Wolke über das Leben legen. Wie gut, wenn sich die Sorgen dann langsam aber unaufhörlich wie Wolken verziehen oder aufreißen und wieder den Blick auf die Sonnenseite des Lebens freigeben.

So eine Stimmung eines dicht bewölkten, verhangenen Himmels müssen die Freundinnen und Freunde Jesu empfunden haben, als er Karfreitag hingerichtet wurde. Erst nach und nach riss dieser dunkle Gefühls-Wolken-Vorhang auf und sie begannen zu verstehen und zu glauben, dass dieser ihr Jesus immer noch da war, dass mit seinem Tod nicht alles zu Ende war.

Während sein Tod sie zutiefst erschüttert und umgeworfen hat und die biblischen Texte auch gewaltige Bilder von einem Erdbeben und einem Verdunkeln der Sonne benutzen, haben sich in den anschließenden 40 Tagen nach Ostern, diese dunklen Wolken nach und nach ganz gemächlich verzogen.

40 Jahre dauerte der Exodus durch die Wüste bis sich Israel von einem den Fleischtöpfen Ägyptens nach jammernden Haufen zu einem eigenständigen Volk gewandelt hatte. 40 Tage nach Ostern brauchten Jesu Freundinnen und Freunde, um ihr Verständnis und ihr Bild von Jesus verwandeln zu lassen. 40 Tage sind auch uns jedes Jahr wieder geschenkt, um dieses unfassbare Ereignis von Tod und Auferstehung immer wieder neu durch zu buchstabieren und immer tiefer zu begreifen.

Allerdings: Letztlich werden uns Auferstehung und Himmelfahrt Jesus und wird uns Gott in seiner Fülle wohl für immer wie hinter Wolken verborgen bleiben.
Was bleibt, ist eine Sehnsucht nach dem, was in und hinter diesen verhüllenden Wolken ist. Reinhard Mai drückt es in seinem Lied so aus: Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen. Und Udo Lindenberg ist sich sicher: Hinter dem Horizont geht’s weiter.

Heute an diesem Himmelfahrtstag erinnern wir uns daran, wie Jesus vor den Augen seiner Freundinnen und Freunde emporgehoben wurde, und ihn die Wolke der immerwährenden Gegenwart Gottes aufnahm. Aber auch uns gelten die Worte der Boten Gottes: Bleibt nicht dabei, nur träumend in den Himmel zu schauen. Es ist Zeit, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen. Dieser Jesus hat seine Spuren hier auf der Erde hinterlassen. Er hat seinen Jüngerinnen und Jüngern und damit auch uns gezeigt, dass Gott nicht der weit entfernte, da oben in den Wolken Verborgene ist. Er ist hier auf der Erde zu finden. Er hat als Mensch unter uns Menschen gelebt, und wir können ihm auch heute begegnen in unserem Nächsten, hier: vor, hinter und neben uns sitzend im Gottesdienst, in den Kindern, die gleich wieder zu uns dazu stoßen werden, zu Hause und in jedem Menschen, der unter der Sonne und den Wolken des Himmels auf dieser Erde daheim ist.

Wenn wir aber etwas von Gottes Gegenwart in dieser Welt, in unserem Leben entdeckt haben, sollten wir uns daran freuen, aber nicht versuchen, es fest zu halten. Gott bleibt ungreifbar wie eine Wolke, sein tiefstes Wesen bleibt uns letztlich verhüllt.

(Ansprache in einem ökumenischen Himmelfahrtgottesdienst unter freiem Himmel)

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