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Dienstag, 14. Juni 2011

Pfingstliches Feuer

Pfingsten campe ich, wie tausende andere auch. Setze mich Natur und Wetter stärker aus als in meinen schützenden Wohnungswänden. Nehme klamme Decken und Klamotten und einen mal staubigen mal matschigen Weg zur Toilette in Kauf. Bin dafür meinen Zelt- und Wohnwagen-NachbarInnen um etliches näher.

Zentraler Treffpunkt: ein Lagerfeuer, inzwischen umgangssprachlich „Laber- feuer“ genannt, was der Sache näher kommt. Wenn sich der Duft von Gegrill- tem verzogen hat und auch alle Marshmallows geschmolzen und verputzt sind, bleiben Gespräche, Lieder und der Blick in die Flammen. Die passen gut zu Pfingsten, ebenso wie die hier erlebbare Zusammengehörigkeit.

In Zelten zu leben und um Feuer zu sitzen ist heute noch Alltag für manche Völker, zu biblischen Zeiten war es für viele die Erfahrungswelt. Mose sah einen Dornenbusch brennen und verstand darin etwas von seinem Gott und seinem eigenen Auftrag. Später gab es dann diese Feuersäule, die die Israeliten bei Nacht begleitete bei ihrem langem Exodusweg. Für das Volk das Zeichen: Gott ist mit uns, schützt uns und geht uns voran. Eine enorme Einsicht: nicht das Feuer selbst ist ein Gott, sondern unser Gott kann darin und dahinter erkannt werden. Er ist uns ein Gegenüber geworden, erfahrbar und ansprechbar.

Die Exoduserzählung war den FreundInnen Jesu als die zentrale Erfahrung ihres Volkes präsent, auch als sie sich zurückgezogen hatten hinter verschlossene Türen, nachdem diese schlimme Sache mit der Kreuzigung passiert war. Auch die Erfahrungen mit dem Auferstandenen hatten nur eine Zeitlang Licht in ihre trüben Gedanken gebracht. Aber dann war sie wieder da: die Feuersäule des Exodus. Diesmal geht sie nicht voran sondern kommt über sie und lässt sich auf jeder und jedem von ihnen nieder. Da werden Erinnerungen wach an: Gott ist uns nah! Wir sind das Volk, unterwegs mit einer großen Verheißung! Und eine neue Erkenntnis bricht sich Bahn: dieses himmlische Feuer ist nicht mehr nur ein Gegenüber, sondern es brennt in jeder und jedem. „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch.“ wurde hier Realität. „Ich und der Vater sind eins“ verstanden sie neu: Gott war mit Jesus, aber auch mit jeder und jedem von ihnen eine Einheit eingegangen. Da machte sie stark und so überzeugend, dass alle, denen sie begegneten, es ihnen ansah und sofort verstand.

Später wurde versucht, diese Erfahrung der brennenden Gottesnähe und -einheit fest zu halten in Formulierungen und Sätzen, auf die man sich einigte. Aus lodernden Flammen wurden so flackernde Lichtlein.

Mystisch veranlagte Männer und Frauen gaben dieser Erfahrung in ihren ureigenen Worten immer neue Flügel. Sie verließen die schützenden Wände kirchlicher Gedankengebäude und begaben sich in die Unsicherheit und Vorläufigkeit eines Zeltglaubens. Versuchten auszudrücken, was es für sie und uns heute heißen kann: „Ich und der Vater sind eins.“ Luden und laden ein, diese Erfahrung selbst zu machen, in aller Einmaligkeit. Ermutigen, sich selbst anstecken zu lassen und zu brennen, sich der großen Feuersäule anzuschließen und auf eigene Faust mit dem eigenen Licht dunkle Ecken auszuleuchten. Und so brennen sie bis heute: bunte, helle, zum Versammeln und Labern einladende und ansteckende, begeisternde und wärmende, pfingstliche Feuer.

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