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Mittwoch, 13. Juli 2011

Beobachtungen zum Dialogprozess: zwischen Überfülle und Langeweile, Häme und Euphorie

Da hat es also die Auftaktveranstaltung zum Dialogprozess in Mannheim gegeben. Mit Interesse habe ich die ersten Veröffentlichungen dazu verfolgt. Innerhalb kürzester Zeit entwickelten diese sich jedoch geradezu lawinenartig. Ebenso die Äußerungen auf diversen Blogs. Die Masse ist erschlagend. Und für fast jede_n scheint etwas dabei zu sein:
  • "Die" "Traditionalisten" mokieren sich darüber, dass sie nicht vertreten gewesen wären, lästern über die World-Café-Methode (wobei ich mich schon frage, welcher Art von Bildung/Fortbildung/Erwachsenenbildung die darüber Spottenden in den letzten 10 Jahren "genossen" haben...) und sehen in den Ergebnissen der Situationsanalyse nur wiederholt die Forderungen der "Reformbewegung".
  • "Die" "Reformorientierten" hingegen haben ebenfalls den Eindruck, nicht vertreten gewesen zu sein, so dass ihre Anliegen explizit kaum zur Sprache kommen konnten.
  • Einige stellen sogar in Frage, ob hier der "normale Katholik" vertreten war.
In den Artikeln, Kommentaren und Blogs werden dabei die immer gleichen Positionen, Argumente und Sarkasmen wiederholt. Nichts Neues unter der Sonne, das langweilt mich unendlich.

Ganz anders dem gegenüber die lebendigen Berichte der Beteiligten. Sie waren (bis auf Ausnahmen) angetan von der Atmosphäre, haben den Eindruck ein Stück voran gekommen zu sein und blicken hoffnungsvoll auf den weiteren Prozess.

Und nun?
Es muss meiner Meinung nach gelingen, sowohl die Stimmen der Extrempositionen als auch der gemäßigteren zu Wort kommen zu lassen. Den Ansatz bei persönlichen Erfahrungen mit daraus erwachsenden verallgemeinernden Konsequenzen finde ich dabei Erfolg versprechender als das Formulieren von be- und verharrenden Positionen und Forderungen.

Ebenso wichtig: der Blick auf den Umgang mit dem Scheitern: sowohl von Kirche als Institution wie auch im persönlichen Leben. Die ihr so oft vorgeworfene Anpassung an den "Zeitgeist" scheint im Umgang mit dem Scheitern voll zum Tragen zu kommen: es herrschen der Anspruch von Vollkommenheit, absoluter Wahrheit, Idealisierung und Betonung des äußeren Scheins. Brüche haben es da schwer, taugen wahlweise eher zur Vertuschung, Verdammung oder zum Voyeurismus. "Bei euch aber soll es anders sein."

Der Blick auf die Weltkirche sollte ebenfalls immer wieder selbst riskiert und nicht "Rom" überlassen werden. Welche der auf den Plakaten festgehaltenen Diagnosen betreffen wirklich nur Deutschland bzw. den deutschsprachigen Raum? Auf globale Fragen muss es globale Antworten geben, da ist es unredlich, von einem geforderten Sonderweg zu sprechen.

Vor all zu viel Euphorie halte ich dennoch nichts. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt, dass letztlich jede Aufbruchsstimmung sich durchboxen musste gegen extreme gegensätzliche Meinungen, ernst zu nehmende Kritiker, ewige Nörgler und bremsende Zauderer. Aus systemischer Sicht sind sie alle wichtig für das Ganze, denn sie behalten möglicherweise im Blick, was sonst unter den Tisch fallen würde. Gefährlich wird es nur, wenn sie aus einem gewissen Größenwahn heraus ihre Rolle im Gesamt aus dem Auge verlieren oder zu viel Raum zugestanden bekommen.
"Wir befinden uns zweifelsohne in einer reformatorischen Zeit, die nach Antworten auf die tiefe Glaubenskrise verlangt, die weit mehr ist als eine Kirchenkrise. Wer die Kirche allein mit amtlich „erhobenem Zeigefinger“ meint reformieren zu können, hat die Krise so wenig erfasst wie eine Kirchenkritik, die lediglich um sich und ihre Lieblingsthemen kreist."
bringt es Dominikaner Dr. Tiemo Rainer Peters OP in seinen lesenswerten "Reflexionen": "Zwischen Gehen und Bleiben" auf den Punkt. (hier als pdf. ab S. 7). "Wenn's euch bei uns nicht gefällt, dann werdet doch evangelisch" enthält somit ebenfalls ein Fünkchen Wahrheit: ja, es geht um eine Art der Reformation, die sich am Evangelium orientieren muss. Aber nein: dies suchen und finden wir nicht draußen, bei einer anderen Konfession, sondern genau hier in der eigenen im fortgesetzten Dialog.

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