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Freitag, 1. Juli 2011

Kirche wohin?

… lautet die Überschrift des aktuellen Artikels aus „Christ in der Gegenwart“. Johannes Röser analysiert in diesem überaus lesenswerten Artikel sehr präzise die gegenwärtige Situation der katholischen Kirche und blickt dabei sowohl über den europäischen wie auch den konfessionellen Tellerrand. Hier zusammemfassend einige seiner Thesen:
  • Eine neue Kirchenspaltung gibt es längst, denn 90% der Gläubigen – auch außerhalb Deutschlands und Europas – nehmen nicht mehr oder kaum noch am kirchlichen Leben teil. Die Rolle der sog. neuen geistlichen Bewegungen wird in diesem Zusammenhang massiv überschätzt.
  • Nötig ist eine „Entwicklung im Wesenskern des Christusverständnisses wie Christusbekenntnisses aus dem Geist der Zeit und nicht - wie polemisch gegen Reformbestrebungen eingewendet wird - aus dem Zeitgeist.“
  • „Weder Progressive noch Konservative, weder Liberale noch Traditionalisten haben bisher das „Ei des Kolumbus" gefunden, um in der alle Christen erschütternden Gottes-, Glaubens- und Kirchenkrise wirklich durchgehend überzeugende Perspektiven zu eröffnen. Das gilt ebenso für Evangelische wie Orthodoxe.“
  • Es sind „heutzutage überwiegend „konservative" Leute der breiten Mitte des Gottesvolks, die über die bleierne Stagnation erheblich beunruhigt sind.“ Von traditionalistischer Seite werden sie und „Persönlichkeiten moderater Haltung, Priester wie Laien, ... plötzlich als „Altliberale", „Altkluge", „Achtundsechziger" und „Aussterbende" beleidigt und lächerlich gemacht.“ Dabei handelt es sich bei den „allermeisten zutiefst Reformwilligen ... um Katholiken, die ihr sakramentales Leben ernst nehmen und pflegen, die regelmäßig sonntags zur Kirche gehen und die als verantwortungsvolle Eltern ihren Kindern ein glaubwürdiges Christsein und eine glaubwürdige Kirche, geistig auf der Höhe der Zeit, vermitteln wollen.“ „Viele einstmals als konservativ eingeordnete Katholiken wollen mittlerweile im Bewusstsein der Tradition am energischsten den reformerischen Aufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils weiterentwickeln.“
  • Selbst Bischöfe leiden „darunter, dass sie selber in Rom denunziert werden - und dass die Denunzianten fast durchweg vom traditionellen Spektrum mit ihrer „Information" dort anscheinend immer wieder auf genug Leute treffen, die ihren Einflüsterungen wohlwollend begegnen, statt sie auch einmal barsch und energisch an den Ortsbischof zurückzuverweisen.“ (Denunziation ist in meinen Augen die niedrigste Form von innerkirchlichem Mobbing und ebenso wie andere Formen des Machtmissbrauchs durch nichts zu legitimieren. Der gegenwärtige Umgang mit Denunzianten birgt in meinen Augen ein hohes Skandalpotential in sich. Anm. der Bloggerin)
  • „John L. Allen, Vatikankorrespondent für die amerikanische Zeitung „National Catholic Reporter", stellt in seinem jüngsten Buch „Das neue Gesicht der Kirche" über die Zukunft des Katholizismus (Gütersloh 2011) fest, dass die restaurativen Orientierungen momentan weltweit gefördert werden und in den Vordergrund drängen.“
  • Auch die einladende, einfühlende dialogische Sprache vieler Konzilsdokumente“ ist in neueren lehramtlichen Texten durch „apodiktisch schneidende Formulierungen“ verdrängt worden.
  • Eine Ursache für die restaurativen Orientierungen sieht Allen in der „Sehnsucht einer mittleren und jüngeren Generation nach Halt und Orientierung in einer unübersichtlichen pluralistischen Welt, in der überkommene Bindungen und Vorstellungen brüchig geworden sind.“ „Entsprechende kirchliche Kreise“ können charakterisiert werden durch
    • „eine tiefe Abneigung gegen die Vielfalt des Religiösen innerhalb wie außerhalb der je eigenen Glaubensgemeinschaft“,
    • eine rein defensiv-apologetischen Absicherung „mit lehramtlichen Weisungen in der Art neuer Katechismen gegen andere“ und dem Versuch „die „wahre" alte Lehre mit dem starken Arm bischöflicher oder vatikanischer Autorität durchzusetzen
    • Polemik gegen die „Neuerungssüchtigen", „Zeitgeistigen" gerne auch gegen „modernistische" katholische Theologen und Journalisten, die angeblich „Protestantisierung" betreiben.
  • Als Konsequenzen aus diesen Erfahrungen „ziehen sich die Reformerischen mittlerweile zurück.“, denn „die meisten Katholiken werden nicht ihre Zeit und ihre Mittel für Anliegen verwenden wollen, die kaum Erfolgsaussichten haben. … Ihre Energien möchten diese recht wertkonservativ Glaubenden lieber dort einsetzen, wo ihre kreativen Ideen und Anstrengungen nicht vergeudet werden wie in der Kirche. In Deutschland ist ein Beleg für diese Tendenz, dass sich etliche der einst innerkirchlich engagierten jüngeren Leute mittlerweile in der Grünen-Bewegung beheimatet fühlen, wo sie ihre Innovationsleistungen besser gewürdigt sehen.“
  • Die reformerische Geisteskraft erlischt jedoch nicht, sondern wendet sich in eine andere Richtung, weg von der Kirche innen nach draußen in die Welt.
  • Als Beispiel dafür wird aufgeführt „die weltweit tätige, inzwischen in vielen „Ablegern" präsente römische Basisgemeinschaft Sant'Egidio. Sie wurde nach dem Konzil „während des liberalisierenden Aufbruchs von progressiven Katholiken gegründet…, die die Kirche nicht verlassen wollten. Statt sich auf Kämpfe innerhalb des Katholizismus einzulassen, entschied man sich in Sant'Egidio dafür, sich auf die Mission der Kirche ad extra zu konzentrieren: Man kümmerte sich um die Armen, wurde gegen die Todesstrafe aktiv, fand Strategien zur Friedensstiftung und Konfliktlösung und bemühte sich um den ökumenischen und interreligiösen Dialog.“
  • Solche Aufbrüche haben in Zukunft eine große Chance, denn „auf diese Weise könnten die Reformkräfte andernorts überleben und später eventuell eine innerkirchliche Renaissance erfahren.“
  •  Letztlich entscheidend für die Zukunft der Kirche ist die Gottesfrage, und darin vor allem die Frage nach dem Umgang mit der Tatsache, dass „in einer wissenschaftlich erfahrbaren, durch das Experiment nachprüfbaren Welt die radikale Unsichtbarkeit Gottes – allen Offenbarungsbehauptungen zum Trotz“ eine ständige Herausforderung bleibt.
  • Es kann nicht mehr um ein blindes „Du musst einfach nur glauben und vertrauen!" gehen sondern um eine Annäherung an das „was „sehend" macht, was vielleicht doch auf die Spur eines Ahnens führt, fern alter magischer und mythologischer Glaubensweisen“. Denn es geht letzten Endes „in der aktuellen Debatte über die Zukunft der Kirche gar nicht in erster Linie um die Rettung der Kirche. Es geht viel tiefer einzig und allein um Gott - und Mensch.“ Darum muss gerungen und gestritten werden.
Es lohnt, den ganzen Artikel zu lesen!

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