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Freitag, 8. Juli 2011

Vor-, Nach- und Weiterdenkliches zum Dialogprozess in der katholischen Kirche

Heute wurde der so genannte "Dialogprozess" in der katholischen Kirche offiziell begonnen. katholisch.de fasste die „Standortbestimmung“ der katholischen Bischöfe heute in einem Artikel zusammen.

Begonnen werden soll dieser auf fünf Jahre angelegte Dialogzeitraum mit einer „Sammlung für den vor uns liegenden Prozess“, wird Erzbischof Zollitsch zitiert. Das finde ich spannend, denn „Sammlung“ ist überaus mehrdeutig. Ein Themenkatalog kann damit ebenso gemeint sein wie auch eine Zusammenführung verschiedener Personen mit unterschiedlichsten Meinungen. Im kirchlichen Sprachgebrauch (und nicht nur dort) hat „Sammlung“ darüber hinaus auch eine religiös-spirituelle Dimension: es ist nötig, mich immer wieder zu sammeln und damit innerlich auszurichten auf ein religiöses oder anderes bedeutsames Geschehen. Dem Dialogprozess wäre zu wünschen, dass alle drei Dimensionen (und noch mehr) einen Raum bekommen: die Themen, die Personen und der „Dahinter“.

Wenn es um neu zu entwickelndes Vertrauen geht, hoffe ich, dass tatsächlich „noch keine fertigen Fünf-Jahres-Pläne“ vorliegen, wie Zollitsch weiterhin betonte. Wer arbeitet schon gerne für den Papierkorb,
investiert Zeit, Gedanken und Herzblut für eine Sache, die bereits geklärt ist – wie leider so oft im kirchlichen Bereich.

Limburgs Bischof Tebartz-van Elst sei die Bereitschaft und Fähigkeit zu einer solchen Offenheit ohne fixe Pläne gewünscht. Seine bei katholisch.de paraphrasierten und zitierten Äußerungen „Es gehe nicht um Kompromisse im Sinne von Tarifverhandlungen, oder um den Erfolg bestimmter Interessengruppen, sondern um die Frohe Botschaft, die die Kirche verkünde“ und "Die Glaubenswahrheiten, die uns in Schrift und Tradition geschenkt wurden, sind weder Streitmasse noch Verhandlungssache", halte ich für völlig kontraproduktiv. Mit solchen Äußerungen und Festlegungen wird von Beginn an Streit provoziert. Leider haben außer ihm erfahrungsgemäß etliche weitere Kirchenmänner Angst vor ergebnisoffenen Gesprächen. Daraus sprich für mich ein extremer Mangel an Vertrauen auf das Wirken der göttlichen Geistkraft. Dieser Kontrollzwang, auf Gespräche Einfluss nehmen zu wollen (oder zu müssen), erschwert einen gelingenden Dialog .

Für wenig hilfreich für einen gelingenden Dialog halte ich auch die Kataloge mit Wünschen oder Forderungen in die eine wie die andere Richtung, eine infantilisierende Rede von "Ungehorsam" und das von vielen aufgebauschte Horrorszenario einer drohenden Kirchenspaltung. Das Schöne an der katholischen Kirche ist für mich, dass sich hier so viele verschiedene Menschen und Meinungen unter einem Dach und Glauben zusammen finden und zusammen raufen (müssen). Da haben Traditionalisten ebenso Platz wie feministische Theologinnen oder sollten es zumindest haben. Ähnlich wie in einem Buntglasfenster oder Mosaik gibt es in der Kirche (und muss es unverzichtbar geben!) die unterschiedlichsten Färbungen, Formen und Schattierungen. Erst zusammen ergeben sie ein Bild, durch das - Naturwissenschaft und Glaube zusammenführend -  etwas "hindurch scheinen" kann, optisch wie religiös. Ein solches lebendiges, bewegtes und sich immer wieder änderndes Zusammenspiel haben wir offensichtlich noch nicht hinreichend gelernt.

Damit die Gespräche des Dialogprozesses gelingen, seien allen Beteiligten die „Aufmerksamkeitsregeln für kommunikative Prozesse“ auf Bernhard Nitsches Blog „Allzumenschliches – Allzugöttliches“ dringend ans Herz gelegt. Mit Hilfe und Blick auf diese "Regeln" müssen im Gespräch auch sehr unterschiedlicher Gesprächspartner weder Asymmetrien geleugnet noch Verschiedenheiten negiert werden. Was in diesem lesenswerten Artikel in Bezug auf inter-konfessionellen, inter-kulturellen und inter-religiösen Dialog beschrieben wird, sollte mit größter Selbstverständlichkeit auch Grundlage eines innerkirchlichen Dialogs sein!

Kommentare:

  1. Ich stimme prinzipiell zu. Was mir persönlich schwer im Magen liegt, sind die als "Minimalforderungen" bezeichneten Maximalforderungen, die in einem Offenen Brief an die Konferenzteilnehmer verkündet worden. So schlägt man jedes Gespräch tot.
    Siehe auch:
    http://predigtgarten.blogspot.com/2011/07/schade-fur-den-mannheimer-dialog-wie.html

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  2. Inhaltlich habe ich mit den so genannten "Minimalforderungen" keine Probleme. Auch stimme ich darin überein, dass darüber hinaus Wesentliches mehr geändert werden muss. Der Umgangsstil ist dafür ein wichtiges Beispiel. Nur ist es für einen Dialog nicht förderlich, wenn die einen provokativ fordern und die anderen ihnen extrem abwertend Unzurechnungsfähigkeit und Inkompetenz unterstellen. Dieser gegenseitige Schlagabtausch führt zu nichts. Er schafft im Gegenteil nur "Verlierer".
    Zunächst wäre vielmehr schweigendes, dem Gegenüber gute Absichten unterstellendes Zuhören angesagt, dann der Versuch zu verstehen, was den oder die anderen, der oder die so verschieden ist, bewegt, ohne gleich zu be- und verurteilen. Und im Gegenzug wäre dann eine eigene, die andere nicht diffamierende Positionierung angesagt. Wenn es um vertrauenbildende Maßnahmen gegenüber einer Öffentlichkeit gehen soll, dann nur, wenn das Vertrauen und der Respekt vor einander und der jeweiligen Verschiedenheit auch intern gelernt und gelebt wird. Ohne das wird es niemals Glaubwürdigkeit geben. Wir sind verschieden und werden es bleiben, weil das gut so ist.

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