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Montag, 22. August 2011

Königinnen

England und die Niederlande haben eine, Schweden und Dänemark auch. Bienenvölker haben eine, Ameisenvölker auch schon mal mehrere. Auch in Deutschland gibt es welche: Kartoffel- und Spargelköniginnen, Heide- und Ernteköniginnen, Rhododendron-, Kirschblüten-, Sonnenblumen-, Wurzel- und Weinköniginnen und wie sie alle heißen.

Auch in der Bibel werden welche genannt und ihre Geschichten erzählt. Da war zum Beispiel Waschti. Ihr Mann, der persische König Ahasverosch, wollte sie vorführen, um seine Macht anderen Völkern zu demonstrieren. Waschti hat sich dem widersetzt, was für ihren Mann eine ungeheure Provokation war. Daher wurde sie von ihm bestraft und verstoßen, um nicht fälschlicherweise mit ihrer Widerständigkeit zum Vorbild für die Frauen des Volkes zu werden. Die Jüdin Esther wurde an ihrer Stelle zur Königin gewählt. Diese verhielt sich völlig anders und verheimlichte lange Zeit aus guten Gründen ihre jüdische Identität. Doch sie lernte auch aus dem Verhalten Waschtis und nutzte Ahasveroschs Vorliebe für üppige Feste um geschickt agierend ihr jüdisches Volk zu retten.

Obwohl Waschti und Esther Königinnen genannt werden, sind sie Königsgemahlinnen, hatten also kein offizielles politisches Mandat. Demgegenüber scheint die Königin von Saba eine wichtige, reiche und kluge Herrscherin gewesen zu sein.

Während die tierischen Königinnen hauptsächlich für die Produktion von Nachwuchs wichtig sind, haben die deutschen Königinnen rein repräsentative Aufgaben, entfernt vergleichbar also mit Waschti und Esther sollen sie die Kasse klingeln lassen.

In der Bibel wird von einer Frau allerdings nicht gesagt, dass sie eine Königin gewesen wäre: Maria, deren Königinnenfest heute, am 22. August gefeiert wird, hat weder geherrscht noch war sie nur schmückendes Beiwerk. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Gedanke von Maria als Königin, der von Pius XII. 1954 mit einem offiziellen Gedenktag verbunden und vom II. Vatikanum schließlich auf den 22. August gelegt wurde.

Maria als Königin finde ich schwer vorstellbar. Es soll sie in die Nähe ihres Sohnes und in eine besondere Position in der Reihe der Heiligen stellen. Hineingeboren wurde sie nicht in diese Rolle. Auch ihr Selbstbild und Selbstverständnis sind es sicher nicht.

Eher ist es mit ihr wie bei einer Königinnenwahl. Und damit, scheint mir, hat man sie ziemlich überrumpelt, denn sich dafür beworben hat sie nicht, sondern ist "aufgestellt" worden. Zur Frage, ob sie sich der Aufgabe von Geburt und Erziehung Jesu mit allen Konsequenzen stellen würde, hat sie ein eindeutiges "Ja!" gesagt. Wie würde sie wohl auf die Frage antworten: "Nimmst du die Wahl zur Himmelskönigin an?"? Wahrscheinlich werde ich in den Augen mancher Gläubigen wohl (mindestens) hundert Jahre in der Hölle schmoren, weil ich mir vorstellen kann, dass Maria dem Fragesteller als Antwort darauf möglicherweise einen Vogel zeigen würde. Aber geschickterweise fragt sie ja niemand ...

Kommentare:

  1. Auf Erden wird Maria wohl immer eher die Mutter der Schmerzen und die einfache Frau in einfacher Kleidung sein. Die Rolle, in der sie sich sicher am wohlsten gefühlt haben wird.
    Andererseits kann nur sie die feierlichen Worte mit- und nachsprechen, die das Evangelium sonst allein Gott zuspricht: Siehe, das ist mein geliebter Sohn...!"

    Diese Worte werden, kann ich mir vorstellen, wiederholt, wenn Christus, der König, seinen Thron besteigt. Damit hat Maria mindestens schon den Titel: Königliche Mutter :)

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  2. Wobei für mich auch durchaus vorstellbar ist, dass dieses Denken in Macht- und Herrschaftsstrukturen etwas genuin Menschliches ist ("Macht euch die Erde untertan"), was sich ebenfalls am Ende aller Zeiten überholt haben wird (und damit auch alle damit verbundenen Gottesbilder)

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  3. Maria rückt mit ihren nachträglichen Titeln immer weiter weg vom Volk.Warum soll es ihr besser gehen als Jesus? Da haben dann die Priester wenigstens was zum Vermitteln.

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  4. Komisch nur, daß solche Formen der Verehrung in aller Regel vom "ungebildeten Volk" ausgehen, nicht von den Schlau-Studierten, die man eher unter den Kritikern findet.

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  5. @ Vincentius: Das bedeutet was?

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  6. Nun, vielleicht vergessen wir manchmal, dass es sich bei der Ansprache Mariens als Königin lediglich um EINEN Aspekt der Eigenschaften Mariens handelt. Sie ist genauso KÖNIGIN wie auch Mutter und Dienerin (Magd) und Braut.
    Das ist ja das schöne an den kath. Marienfesten: Jedes hat seinen eigenen Charakter, jedes seinen Sinn und seine Berechtigung.
    Und nicht die Menschen haben sie zur Königin GEwählt, sondern Gott selbst hat sie ERwählt als Mutter Gottes, als Mutter Jesu Christi, der sich selbst vor Pilatus als König bekannt hat.
    Und auf die Frage zur "Königinnenwahl" hat sie demütig geantwortet:
    "Ecce ancilla Domini", "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort."
    DAS macht Maria zur Königin.

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  7. Daß da was mit Teresa_von_A.s Vermutung, Maria werde dem Volk entrückt, damit die Priester was zum Vermitteln haben, nicht stimmen kann. Auch wenn mir marianische Frömmigkeit nicht gerade in die Wiege gelegt wurde, zucke ich bei so oberflächlicher Zurückweisung immer zusammen.

    Zur Sache an sich: M.E. geht es dabei um den bildhaften Ausdruck einer besonderen Würde, zu der keiner von Natur aus geboren, aber jeder im Glauben berufen ist.

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  8. Vincentius weiß, dass ich vermute und zwar oberflächlich? Oder vermutet er nur?Die theologische Erhöhung in Form des Dogmas stammt nicht vom Volk nachweislich.Muss geglaubt werden,sonst... Die marianische Frömmigkeit holt Maria zurück in die Nähe des Volkes. Aus der unsichtbaren Königin wird eine sichtbare Frau, die Trost und Rat gibt.Was der Amtskirche vielfach eine Menge Probleme verschafft. Wie man weiß aus einschlägiger Literatur.Bitte sehen Sie unter den einzelnen marianischen Bewegungen nach.Kennt Vincentius den Unterschied zwischen volksfrommer Marienverehrung und Dogma über Maria?

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  9. NACHTRAG: ich meine mit theologischer Erhöhung alle Aussagen der Kirche über Maria plus das Dogma der unbefleckten Empfängnis.Nebenher scheint es wichtig zu sein, sich zu erklären. Teresa_von_A. ist Diplomtheologin seit 1976, Spezialgebiet Heiligen- und Marienverehrung.

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  10. Vincentius weiß, daß Dogmen nicht vom Himmel fallen. Vincentius weiß auch, daß den beiden letzten Mariendogmen ein weit über tausendjähriger Prozeß vorangegangen ist. Schließlich weiß er, daß die expliziten Definitionen dieser Dogmen den Titel "Regina" nicht enthalten (vgl. DH 2803f. [Ineffabile Deus] und 3903f. [Munificentissimus Deus]).

    Vincentius möchte darüber hinaus vor Autoritätsargumenten, die Thomas von Aquin für die schwächstmöglichen hält, warnen, zumal solche bzgl. der eigenen Person nicht nur nach schlechtem Stil aussehen, sondern mitunter auch nach hinten losgehen können.

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  11. Den schlechten Stil hat V uns voraus, indem er Menschen, die er nicht kennt, Vermutungen unterstellt.Ansonsten habe ich mich vorgestellt, was das mit unfeinem Stil und dem was Thomas gesagt hat, zu tun hat, kann nur V uns erklären. Eine Überschussreaktion?Wenn die Amtsautorität, die ich nun mal bin, bei Ihnen nach hinten losgeht, ist das eher Ihr Problem. Ich habe auch Quellen genannt. Und wenn V sofort mit Th v Aquin kommt, zur Bestärkung seiner Meinung, muss ich doch lachen.In der Kirche geht es um Amtsautoritäten. Nicht darum, wer sich mal berufen fühlt.Ansonsten, adieu, Vinzenz, es sei denn, wir treffen uns auf einer sachlichen Ebene wieder.

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  12. Die Kommentarmöglichkeit habe ich jetzt bei diesem Artikel ausgeschaltet. Euer Gehacke mag netzüblich sein, mich nervt es, weil es nichts mit dem Thema zu tun hat.

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