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Sonntag, 28. August 2011

Wer ist schuld am Priestermangel?

Vorbemerkung zu Risiken und Nebenwirkungen dieses Postes:
alle, die nicht an typisch innerkirchlichen Themen interessiert sind, werden beim Lesen des folgenden Artikels abwechselnd aufstöhnen oder die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Sie sollten sich also vorher gut überlegen, was sie sich da antun und nicht sagen, ich hätte sie nicht gewarnt!
Dass die an diesen Themen Interessierten es ebenfalls tun, kann ich allerdings nicht ausschließen. Es erspart ihnen immerhin die Qual der Lektüre von 14 Seiten Originaltext, auf den ich mich im Folgenden beziehe.

Vom Predigtgärtner wurde inzwischen zum zweiten Mal die Lektüre eines Textes zum Thema Priestermangel vom emeritierten Prof. Dr. Georg May empfohlen. Ich finde dieses Referat, das offensichtlich vor dem konservativen "Netzwerk katholischer Priester" gehalten wurde, vor allem wegen dem dahinter stehenden Kirchen- und Priesterbild ganz furchtbar.
 
Laut diesem Autor, der einmal Professor für kanonisches Recht, Staatskirchenrecht und kirchliche Rechtsgeschichte war, sind Sie nur dann nicht am Priestermangel schuld, wenn Sie
a) verheirateter Laie sind und viele Kinder haben, von denen mindestens ein Junge später Priester werden will (sorry allen Mädchenfamilien: ihr seid auch schuld!),
b) als Jugendlicher zu den Pfadfindern des Pater Hönisch oder zu den Jugendlichen der Priesterbruderschaft St. Pius X. gehören,
c) Priester sind, der die vielfältigen unten aufgezählten Fehler alle nicht begeht,
d) Priester einer (nicht näher benannten) „gläubigen Priestergemeinschaft“ sind.
Wenn Sie - wie ich - nicht zu diesen vier Personengruppen gehören, sind Sie schuld am Priestermangel. Hier also der recht überschaubare Kreis der Schuldigen: (sorry für die Formatierung, die nicht das macht, was ich will)
  • diejenigen, die aus der Kirche austreten/ausgetreten sind
  • die nicht mehr am kirchlichen Leben teilnehmen (was er damit gleichsetzt, dass sie den Glauben verloren haben)
  • Paare, die keine Kinder haben (Singles werden nicht aufgeführt, sind aber vermutlich sowieso schuld)
  • Eltern, die zu wenige Kinder bekommen (aufgrund von mangelndem Glauben, fehlender Leidensbereitschaft, denn „Kinder sind eine Last“!)
  • die fehlende oder mangelhafte religiöse Kindererziehung
  • Gemeinden wegen fehlender Glaubenskraft, zu wenigen Beichten und zu wenigen kinderreichen Familien
  • die Schule mit ihrer sexuellen Aufklärung
  • die kirchlichen Jugendverbände
  • der schlechte Religionsunterricht
  • das mangelhafte Unterrichtsmaterial
  • die Priester selbst, weil sie

  • kein Vorbild sind


  • veräußerlicht und verweltlicht leben


  • keine recht Überzeugung mehr von ihrem Beruf haben


  • ihre Auserwählung vergessen


  • über die eigene Würde spotten


  • ihr Sendungsbewusstsein vergessen


  • keine geistliche Kleidung mehr tragen


  • in einer unangemessenen Sprache sprechen


  • sie die Tatsache verwischen, dass sie keine normalen Menschen sind, sondern „Geweihte, Christus Verähnlichte, Repräsentanten des Herrn“


  • religiös erschlafft sind


  • ihr Gebetseifer zurückgegangen ist


  • ihre Herz-Jesu-Verehrung und Marien-Verehrung abgenommen hat


  • sie nur noch selten in Anbetung vor dem Allerheiligsten knien


  • sie sich weder intensiv innerlich auf die Messfeier vorbereiten, noch anschließend ausgiebig Danksagen


  • zu selten zur Beichte gehen


  • zu wenig diszipliniert sind


  • zu wenig „übernatürlichen Sinn“ haben, mit dem sie andere und sich selbst zum Himmel führen


  • lieber Feste feiern als Gottesdienste


  • die Gläubigen zu wenig belehren und zurecht weisen


  • zu wenig Begeisterung zeigen


  • die Kranken vernachlässigen


  • zu wenig Einzelseelsorge betreiben und Hausbesuche machen


  • lieber Bußandachten feiern als Beichte hören


  • sittlich zunehmend verfallen

  • die „entsprungenen“ Priester
  • allgemein die „Feinde“ der Kirche
  • die Massenmedien, weil sie Kirche in der Öffentlichkeit in den Schmutz ziehen und Skandale ausschlachten
  • die Theologen und Universitäten wegen ihrer „Wühlarbeit“, ihrer Neigung zum Protestantismus und Gleichmacherei von Priestern und Laien
  • der Ökumenismus, der das Besondere eines Priesters gegenüber einem evangelischen Pastor (= „ein mit gewissen religiösen Funktionen betrauter Laie“) verwischt
  • Nichtgeweihte im kirchlichen Dienst, wie Pastoralassistent_innen (CH/Ö), Pastoral- und Gemeindereferent_innen (D)

  • wenn sie Leitungsaufgaben übernehmen


  • weil sie die Zusammengehörigkeit von Leitung und Vorsitz der Eucharistie unterwandern


  • weil sie den Priestern Schwierigkeiten machen, sich nichts sagen lassen, eigenmächtig handeln, sich unerlaubte Freiheiten heraus nehmen, auf die Einhaltung ihrer Dienstzeit achten

  • weil sie durch ihre Existenz die wenigen noch vorhandenen Priesteramtskandidaten vom Weg zu Priesteramt abbringen können

    • die Räte, die so nicht gemeint waren vom II. Vatikanum, eigentlich bloß die Protestantisches kopieren und den Priestern ihren Dienst erschweren, anstatt ihn bei seinen Aufgaben zu unterstützen
    • die Priesterseminare (wenngleich er sich hier im Gegensatz zu allen anderen Aufgeführten nicht wirklich auszukennen wähnt)

  • weil in manchen auch Laientheolog_innen ausgebildet werden


  • die Regenten überfordert sind


  • die Priesteramtskandidaten zu viele Freiheiten haben (sogar Fernseher auf den Zimmern!)


  • hier nicht ausreichend Disziplin gelehrt wird


  • progressistische Gehirnwäsche zum Zweck der Auslese betrieben wird.

    • die Bischöfe, weil sie

  • sich nicht um besseren Religionsunterricht kümmern


  • sich zu wenig um die ihnen anvertrauten Priester kümmern


  • den Ökumenismus befördern


  • sich nicht genügend um die Ausbildung der Priester kümmern


  • Laientheolog_innen einstellen


  • denn: „die Krise der Kirche ist eine Krise der Bischöfe“ (wird Kardinal Seper zitiert)

  • Nach diesem Rundumschlag schlägt Prof. Dr. Georg May zur Beseitigung des Priestermangels vor: Die Ursachen beseitigen und sich bekehren. Dazu: „Beten wir, rufen wir, flehen wir zum Herrn mit Weinen, Fasten und Wehklagen. Ich bin überzeugt: Wenn die Menge unserer Leiden erfüllt ist, wenn die Zahl unserer Gebete voll, wird Gott die Wende herbeiführen, auf die wir gläubigen Christen (welche sind eigentlich noch übergeblieben? Anm. d. Red.) hoffen.“

    Diese erschlagende Fülle von "Schuldigen" erstickt bei mir jegliche Lust, mich ernsthaft mit einer Verifizierung seiner Analyse auseinander zu setzen. Abgesehen davon ist sein Fazit einfach nur mangelhaft.

    Mir scheint allerdings, bei seiner Aufzählung derjenigen, die der Grund für den Priestermangel sind, hat Prof. Dr. Georg May einen vergessen: sich selbst.

    Kommentare:

    1. Ameleo, Ameleo. Jetzt wollte ich gerade rufen, ich bin nicht Schuld am Priestermangel..und vergaß, dass meine beiden Söhne nicht getauft sind und sich noch dafür bei mir bedankt haben, dass sie nicht getauft sind. Aber es ist ja spätberufen noch möglich, wie man von vielen Neubekehrten weiß.Gut, eine Riesenreihe von Punkten treffen auf mich zu. Die Mädcheneltern können aber um eine Nonne aus ihren Reihen beten. Ansonsten sage ich mit unserem heißgeliebten Erzbischof Wölki: Man kann auch ohne Priester Gott erleben. Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...Ja, das hat er gesagt.Zum Thema Priestermangel und Frauenordination.Ist er nun raffiniert, oder gottlos?

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    2. Das , was der Professor schreibt,hat unser Pfarrer aber auch schon gepredigt. Leider hat der verstorbene Kardinal Sterzinsky ihn gegen seinen Willen in den Ruhestand versetzt.

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    3. Was sind "entsprungene" Priester? Vermutlich die, die geheiratet haben und das deshalb nicht mehr praktizieren dürfen?

      Ansonsten kann man nur fassungslos sein über so viel Weltfremdheit und Ignoranz.

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    4. Er spricht in dem Zusammenhang auch sehr abwertend von "gescheiterten und ausgebrochenen Priestern", von "Massenflucht aus dem Abendmahlssaal" und Priestern, die "ihren heiligen Beruf aufgegeben" haben. Er benutzt sogar den Ausdruck "Exodus", den ich allerdings immer mit dem Geschmack von Befreiung verbunden habe, was nicht seiner Intention entspricht. Heirat erwähnt er dagegen nicht. Eine Aufgabe des Priesteramts aus Gewissensgründen scheint bei ihm nicht in Betracht zu kommen, ganz davon zu schweigen, dass das Ausscheiden aus dem Amt in den seltensten Fällen aus freien Stücken geschieht.

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    5. Für jemanden, der sich von der Notwendigkeit des zölibatären Priestertums bereits verabschiedet hat, ist es wahrscheinlich schwer zu verstehen, ich aber finde: der Mann hat Recht, und die Frage "Was habe ich selbst zum Priestermangel beigetragen?" fällt auf den Fragenden zurück.

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    6. Dazu kann ich als entsprungener Priester nur ganz laut schweigen.

      Armand

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    7. Ich habe den Text von Prof. May nicht so verstanden, daß er vor allem Schuldige benennen will, sondern daß er Umstände benennt, die Priesterberufungen behindern, nämlich daß es aufgrund verschiedenster Umstände (Überlastung, Gremiensitzungen statt Seelsorge, wenig Respekt bis Verachtung gegenüber Priestern in der Gesellschaft, theologisch unklares Verhältnis zwischen Pristern und Pastoralreferenten u.v.a.m.) heute völlig unattraktiv ist, Priester zu werden; es schon von vornherein wenig Potential (junge Menschen) gibt, aus dem Priesterberufungen wachsen können, es zu wenig brauchbare Vorbilder unter den Priestern gibt, die eine Berufung wachsen lassen können, und die wenigen, die überhaupt noch bis ins Priesterseminar kommen, dort allein gelassen werden.

      Für mich war das mal eines der wenigen längeren Dokumente, die ich ohne große Anstrengung am Bildschirm lesen kann. So unterschiedlich können die Erfahrungen sein, die die Lektüre und das Verständnis eines solchen Textes begleiten...

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    8. Nicht alles war falsch, was er gesagt hat. Die Rede war sehr lang. Wer sich mit Berufungsgeschichten von Seniorenpriestern und Seniorenordensleuten auskennt, weiß, dass die Motive, diese Berufung zu ergreifen, oft sehr irdisch waren.A r m a n d..die Respektlosigkeit gegenüber "entsprungenen" Priestern ist dieselbe wie die gegenüber Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Als machten sie es mal so zwischen Tür und Angel. Ich habe während meines Theologiestudiums in den 70 ern soviele Dramen von Priestern und Ordensleuten erlebt, die nicht wußten, ob sie gehen können oder nicht. Keiner von diesen Unglücklichen hat Hilfe bekommen von Kirche oder Orden. Weggesehen hat man.Und wer aus dem Orden raus war, war Luft. Briefe wurden kommentarlos zurückgeschickt. Priester gab es oft, die als Kinder schon in sogenánnte Konvikte gesteckt wurden. Fernab von aller Realität erzogen wurden. Und wer hat mehr mit Frauen zu tun als Gynäkologen und Priester?Ach, meine Erlebnisse sind ellenlang. Heute ist das Gegenteil oft der Fall. Es wird ausprobiert und hier und da Kloster auf Zeit gemacht, mal sehen, was die mir zu bieten haben. Siehe die einschlägigen Erfahrungen von Pater Maureder sj, der Novizenmeister ist.Vorbilder fehlen allerdings.Dass Priester und Ordensleute aus förderlichen Familien kommen, ist schlicht nicht wahr. Wieviele an sich fromme Eltern wollten auch damals schon ihre Kinder hindern, ins Kloster zu gehen?!Davor waren nichtmals unsere großen Heiligen gefeit.

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    9. Ich will nicht ausschließen, dass in der erschlagenden Masse an Gründen für den Priestermangel, die Professor May aufführt, auch Richtiges dabei ist. Was mich aber an dem Text ärgert, ist ein gewisses Maß an Selbstgerechtigkeit, dass ich aus den Zeilen lese. Er weiß, wie Kirche auszusehen hat, aber die Eltern, Gemeinden, Gläubigen, Priester, Laientheolog_innen und Bischöfe sind nicht so, wie er sie sich vorstellt. Nur: wir haben keine anderen und selber schnitzen geht auch nicht. Auch sein mageres Fazit „die Ursachen müssen beseitigt werden“ ist einfach nur ungenügend, das will ich an dieser Stelle noch einmal bekräftigen. Welche der aufgeführten Ursachen will er denn beseitigen und wie? Priester und Bischöfe zu einer Frömmigkeit verpflichten, die möglicherweise im Kontrast zu ihrer unter Mühen selbst erarbeiteten und gelebten steht? Katholische Paare bei der Trauung zum Kinderkriegen (mindestens drei!) verpflichten? So etwas geht nicht.

      Es braucht also meiner Meinung nach einen Ansatz nicht g e g e n das Vorhandene bzw. die existierenden Personen und Verhältnisse sondern m i t ihnen. Ja, es fällt zu viel Verwaltungsarbeit an. Das kann man beklagen oder aber fragen: Wie entlasten wir geweihte und ungeweihte Seelsorger_innen von der Verwaltungsarbeit? Wo kann solche Arbeitsbelastung, die weder mit ihrem Auftrag noch ihrer Ausbildung zu tun hat, nicht auf ohnehin überforderte „Ehrenamtliche“ abgewälzt sondern schlicht gestrichen werden? Da braucht es Kreativität.
      Ja, es gibt immer weniger Aktive in den Gemeinden. Etliche sind durch schlechte Erfahrungen mit der Institution Kirche und/oder ihren Vertreter_innen auf Abstand gegangen, was aber – und hier widerspreche ich Herrn May aufs Entschiedenste – nicht gleichzusetzen ist mit einem Glaubensverlust. Hier wäre weiterführend zu fragen: Wie können die noch vorhandenen engagierten Gemeindemitglieder in ihren Interessen gefördert werden, damit sie auf ihre Weise im Glauben wachsen, anstatt sie mit Aufgaben zuzuschütten, die sie nur frustrieren und die ihrer Kompetenz nicht entsprechen? Wie kann ein Klima der Wertschätzung entstehen in aller Unterschiedlichkeit, Vielfalt und auch Gegensätzlichkeit, wechselseitig zwischen Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten, hauptberuflichen Laien, Aktiven und am Rand stehenden, zwischen Überzeugten, Fragenden und Kritisierenden? Wo müssen sich Vertreter_innen der Kirche (und auch die Kirche als Ganze) mit der Bitte um Vergebung auf die am Rand stehenden zu bewegen, im Wissen um die unzähligen Verletzungen, die die Kirche und ihre Vertreter_innen Menschen tagtäglich aus Unachtsamkeit oder falsch verstandenem Glaubenseifer heraus zufügen? Das wäre eine wirkliche Bekehrung und Umkehr! Und schließlich ist auch zu fragen: welche Rolle sollen, müssen, wollen und können Priester einnehmen, in der Zeit, wie wir sie jetzt erleben, in lebendiger und fruchtbringender Beziehung zu den Bischöfen, den verschiedenen pastoralen Berufsgruppen und den Gläubigen, um ihrer spezifischen Berufung gerecht zu werden?
      Diese Fragen aber, so scheint mir, passen weder zu seinem Kirchenbild noch zu seinem Verständnis des Priesteramtes.

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    10. E r s c h l a g e n d e r Text ist wohl der passende Ausdruck. Die Vergangenheit zeigt, dass Masse nicht gleich Klasse ist, denn so mancher der Priester aus gutem Hause war dann als Kaplan bereits sehr schnell weg vom Fenster.Also mit midlife crisis konnte man da nicht argumentieren.

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    11. Thema Glaubensverlust. Man müßte mal herausfinden, was sich der Herr unter Glaubensverlust vorstellt. Illusionsverlust möglicherweise und da hätte er Recht. ;)Es ist einfach in diesem Wust an "Gründen" auch ein gewisser Realitätsverlust zu erkennen...den es immer gegeben hat, sonst hätte man die Priesteramtskandidaten nicht fernab aller Wirklichkeit großgezogen.Es besteht Meinungsfreiheit, Ameleo.Also werden wir uns weiter auseinandersetzen müssen mit solchen Aufsätzen. Wir müssen wegkommen von der priesterzentrierten Gemeinde, in der der Priester nicht nur sagt, wo es langgeht, sondern natürlich auch die Verantwortung für unser Seelenheil übernehmen muss.Thema Berufungen, wenn man sich ansieht, welche Orden noch Nachwuchs haben, dann sind das genau die, die sich Gedanken um ihr eigenes Verhalten machen. Was können wir tun, damit sich Ordensnachwuchs in unserer Gemeinschaft wohlfühlt?

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    12. Was mich richtig krank macht, die Kirche ist so zersplittert, wie sie es nie war. Als Kind habe ich noch gelernt, dass Gruppenbildung ein Zeichen von Glaubensferne ist. Es verstehen sich keine zwei Gemeinden bei den Fusionen, jede spricht der anderen den rechten Glauben ab. Und auch da hoffe ich, dass unser neuer Erzbischof hilft, mit seinem rheinischen Temperament, die Spaltung zumindest in Berlin zu überwinden.Gut zuhören will er,was die Menschen ihm zu sagen haben an Nöten und Freuden. Ja, das mach ich mir mal zum Vorsatz. ;)

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    13. @Amaleo: Wer nicht von der Richtigkeit seiner Ansichten überzeugt ist, dürfte es heutzutage in Diskussionen schwer haben :-)

      Ich verstehe Prof. May aber immer noch anders. Es geht ihm nicht darum, hier und da ein Schräubchen zu drehen, sondern er meint, die Kirche habe als Ganze ihre Mitte, nämlich Jesus Christus, verloren. Ich bin geneigt, ihm da zuzustimmen, neige aber grundsätzlich zu apokalyptischem Denken und muß auch zugeben, daß Prof. May mit Fortschreiten des Textes immer deutlicher ähnliche Tendenzen offenbart (um nicht zu schreiben: teilweise an der Grenze zur Unsachlichkeit operiert). :-)

      Du schreibst: "Es braucht also meiner Meinung nach einen Ansatz nicht g e g e n das Vorhandene bzw. die existierenden Personen und Verhältnisse sondern m i t ihnen." IBTD: es geht nicht um "mit" oder "gegen" das Vorhandene, sondern für das bzw. die Nicht-Vorhandene(n). Es geht ihm darum, Christus allein in den Mittelpunkt zu stellen, alles andere danach auszurichten (das heißt dann eben auch: erst Messe, dann -- wenn noch Zeit bleiben sollte -- auch mal 'ne Gremiensitzung, wenn es denn unbedingt sein muß) und wieder missionarischer zu werden, nicht zuletzt durch überzeugendes Lebenszeugnis.

      In der Einschätzung, was ein überzeugendes Lebenszeugnis ist, bin ich dann auch nicht so weit weg von Prof. May.

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    14. Was die Überzeugung von der Richtigkeit meiner Ansichten angeht, nehme ich für mich in Anspruch lernfähig zu sein, auch mit fremden oder mir falsch erscheinenden Ansichten mal eine Zeit lang „schwanger zu gehen“ und so möglicherweise eine Ansicht zu differenzieren oder zu bekräftigen. Manche Leute irritiert das. Manchmal bleibt auch nur ein intensives Unbehagen gegenüber anderen Betrachtungsweisen, für das es noch keine Worte gibt, was – zugegebenermaßen – die Kommunikation darüber erschwert. So geht es mir mit dem skizzierten Text: jenseits aller bisherigen Argumente ist mein Eindruck: etwas darin ist grundlegend falsch. Dir geht es da anders: so what?

      Eine Anmerkung zum Thema „was steht im Mittelpunkt“: Christus hat übrigens nicht sich selbst sondern den Menschen, vornehmlich den Schwachen, kleinen, belasteten, „unheilen“ in die Mitte gestellt und seine Jünger_innen immer wieder aufgefordert, im Gegenüber, im Nächsten, das Antlitz Gottes und sein Antlitz zu entdecken. Neben der Feier des Glaubens in Messe und Gottesdienst finde ich diesen im realen Alltag gelebten Glauben, diesen Christus neben mir und mir gegenüber, (vielleicht sogar in mir) mindestens gleich wichtig und -wertig.

      Gestern habe ich übrigens damit begonnen, das neue Buch von Hubertus Halbfas „Glaubensverlust“ zu lesen. Ich finde bereits den Anfang sehr reizvoll und habe den Eindruck, darin Weiterführendes zu finden, das mir möglicherweise auch mein Unbehagen gegenüber der Position von Prof. May erklärt. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt dieses Buch und meine Gedanken dazu hier auf dem Blog vorstellen.

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    15. Wenn man im Internet rauf- und runterliest, was Prof May schreibt, stellt man leider eine ungeheure Polemik bei ihm fest. Da habe ich Probleme, auf den Wahrheitsgehalt seiner Predigten und Briefe zu achten. Was er der Zeit nach dem 2. Vatikanum ankreidet, kann ich nachvollziehen. Gottesdienste als workshops für Priester. Habe ich selber erlebt, mit Aldibrot, um einen Tisch herum, grad mal Kerzen auf dem Tisch. Alles unverbindlich. In der Kirche Herumgehampele am Altar, sagt er. Ja, so habe ich das damals auch erlebt. Es ist ja nun heute wieder anders.Mal sehen, was Halbfas an Erkenntnissen hat.

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    16. Ähm... Wie muß ich das verstehen, daß Christis sich nicht in den Mittelpunkt gestellt habe, sondern den (schwachen etc.) Menschen, wenn Er das damit begründet, "was ihr dem geringsten Meiner Brüder getan habt, das habt ihr Mir getan"?

      Ansonsten wollte ich auch nicht Liturgia und Diakonia gegeneinander ausspielen, sondern die Grundvollzüge der Kirche dem Gremienkatholizismus, den ich für weitgehend entbehrlich halte.

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    17. In den Evangelien geht es um Menschwerdung: a) Gottes in Jesus Christus und b) des Menschen selbst. Ich bleibe dabei, dass Jesus sich selbst nicht in den Mittelpunkt gestellt hat, sondern das Reich Gottes und seinen Vater. Der Reich Gottes beginnt und der Wille des Vaters geschieht dort, wo um menschenwürdigeres Leben gerungen wird, wie in den Heilungen, in Jesu Gleichnissen und seinem Umgang mit dem "Gesetz" beispielhaft deutlich wird. Wie im Beispiel vom "Barmherzigen Samariter" kann diese Mitmenschlichkeit, der Mensch in der Mitte, auch schon mal Vorrang haben vor dem "Tempeldienst".

      Die Gremien halte ich - anders als du - für unverzichtbar aus mindestens zwei Gründen: zum einen hat die kath. Kirche wie jede andere Institution ein Interesse daran, ihre Mitglieder zu organisieren, deren Mitarbeit zu kanalisieren und damit immer auch kontrollierbar zu machen. Damit hat sie bereits in Urzeiten begonnen, denn die Alternative hieße Selbstorganisation, was ihr immer suspekt war und ist. Aus Sicht der Kirchenmitglieder ist es ebenfalls sinnvoll, offizielle, gewählte Vertreter_innen zu haben, begonnen bei den Pfarrgemeinderäten über ein Delegationsverfahren in die Dekanats- und Bistumsebene und schließlich zusammengefasst im ZDK, in dem sich neben der gemeindlichen Schiene auch die verbandlich Organisierten (wieder eine feste, kontrollierbare Struktur) engagieren können. Nur durch diese Substrukturen und Wahlen kann gewährleistet werden, dass eine möglichst breite Masse die Möglichkeit hat, sich zu äußern, sich vertreten zu wissen und auf diesem Weg auch die Institution und ihre Vertreter zu kontrollieren und ggf. (in einem überaus enggesteckten Rahmen) zu korrigieren. Dass Wahlen immer nur einen Teil der Interessen abbilden, weil die Beteiligung aus unterschiedlichsten Gründen sehr niedrig ist, ist ein allgemein gesellschaftliches Phänomen das auch in der Politik, bei Vereinen und Verbänden so zu beobachten ist.

      Interessant finde ich, dass sich nach meiner Erfahrung genau dort, wo einzelne Gemeinden zugunsten von fusionierten Monstern aufgelöst wurden, neue Strukturen in Selbstorganisation bilden, also eine neue Form von kirchlichem Selbstverständnis und -bewusstsein entsteht. Dort ist Kirche sehr lebendig. Es ist meiner Meinung nach allerdings nur eine Frage der Zeit, wann auch für diese neuen, selbst organisierten Gruppen wieder feste Strukturen von Seiten der Kirchenleitung vorgegeben werden.

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    18. Sie schreiben:

      "Ich finde dieses Referat(...) vor allem wegen dem dahinter stehenden Kirchen- und Priesterbild ganz furchtbar."

      Gut, das Kirchen- und Priesterbild von Prof. May ist klar: es ist das traditionell katholische.

      Wie sieht denn Ihr Priesterbild aus?

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    19. Sorry, aber im Moment habe ich überhaupt keine Lust mehr, mich mit diesem Artikel auseinander zu setzen und anhand dessen etwas zum Thema "Priester" zu schreiben. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt einmal.

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    20. Na, da bin ich aber sehr gespannt...

      Aber vielleicht ist das Ihr Problem:
      Dass Sie keine Lust dazu haben, sich mit der katholischen Position (aktuell zum Priesterbild) auseinanderzusetzen...

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    21. Ihr Kommentar entspricht nicht dem, was ich unter Respekt verstehe. Gelbe Karte!

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    22. Ich denke wir sind von der konkreten Ausgangsfrage mittlerweile zu sehr grundsätzlichen ekklesiologischen Fragen gekommen. Für solche Fragen ist ein Blog-Kommentarbereich vielleicht nicht das richtige Medium. Dennoch möchte ich nochmal auf die Antwort vom 8.9. eingehen.

      Als vom Johannesevangelium geprägter Mensch will ich mich nun nicht darum streiten, ob Christus sich selbst oder den Vater in den Mittelpunkt gestellt hat, denn "ich und der Vater sind eins". Und gerade im Johannesevangelium liegt es sehr nahe, daß sich Christus selbst verkündigt hat. Soweit so johanneisch. Allerdings ist das gar nicht so weit weg von den Synoptikern. Denn wenn man die Texte daraufhin befragt, was denn eigentlich das Reich Gottes (oder Reich der Himmel bei Mt) ist, bleibt eigentlich auch hier nichts anderes übrig, als Reich Gottes und Jesus Christus zu identifizieren. Ok, das jetzt ausführlich zu begründen und auszudiskutieren, würde wohl endgültig den Rahmen des Kommentarbereichs sprengen.

      Was die Gremien angeht: Die von Dir genannten Vorteile für "die oben" und "die unten" stehen ein wenig im Widerspruch zu einander: die einen wollen die anderen kontrollieren, die anderen wollen die einen in ihrem Sinne beeinflussen. Wenn das wirklich so wäre, wäre die Ergebnislosigkeit der meisten Gremiensitzungen sogar eine Notwendigkeit, weil beide Seiten mit unterschiedlichen Projektionen an dieselbe Struktur herangehen. Die "anderen" denken, sie könnten mitreden, die "einen" wollen nur Unzufriedenheit kanalisieren und ansonsten "durchregieren". So ist es (zumindest bei uns) glücklicherweise nicht.

      Zu der Vertretung der Interessen in den Gremien: Das deutsch-katholische Ratssystem ist leider ein Rätesystem, durch das Minderheitenmeinungen systematisch zunverlässig eleminiert werden, je höher man in der "Hierarchie" der Räte kommt. Zudem bildet das ZdK die kirchliche Realität von vor über einem halben Jahrhundert ab, weil viele neuere Entwicklungen sich nicht in den Organisationsformen des 19. Jahrhunderts (Vereine, Verbände, Dachverbände etc.) ausdrücken, sondern postmodern-netzwerkartig organisiert sind.

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    23. @ Ameleo
      Aha.
      Was verstehen Sie denn unter Respekt?
      "...aber im Moment habe ich überhaupt keine Lust mehr..." das waren Ihre Worte. Ist das nicht auch irgendwie respektlos?
      Wenigstens aber nicht sehr dialogbereit...?

      Aber abgesehen davon:
      Ich finde das Referat von Prof. May eine sehr zutreffende Analyse zu den Ursachen des Priestermangels.
      Auch Ihre Befürchtung, die Lektüre sei eine Qual, kann ich nicht bestätigen. Der Text liest sich sehr gut und ist für den interessierten Leser sehr aufschlussreich.

      Mich hätte nun interessiert, wie Sie zu Ihrem Urteil ("Ich finde dieses Referat...vor allem wegen dem dahinter stehenden Kirchen- und Priesterbild ganz furchtbar") gekommen sind.

      Deshalb meine Frage nach Ihrem Priesterbild, das offensichtlich ein anderes ist als das von Prof. May.
      Darüber könnte man doch reden, oder nicht?

      Mit freundlichen Grüßen
      Frischer Wind

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    24. Da ich Prof.May einige Semester als Studentin erlebt habe, erlaube ich mir - bei allem Respekt vor Ihrem Blog - zu sagen: Jedes Wort ueber seine Aeusserungen ist im besten Fall Zeitverschwendung und jeder Link darauf einer zu viel. Es handelt sich dabei nicht um Diskussionsbeitraege. Wenn es um die Wahrheit geht, kann es keine Diskussion und keinen Dialog geben. Und er kennt die Wahrheit: Das Tridentinum hat im Wesentlichen alles gesagt, Vat II wird und wurde falsch ausgelegt, insbesondere von der Wuerzburger Synode. "Das rollende Rad wir in den Abgrund stuerzen." Dein Unbehagen kommt einfach daher, dass Du ein normaler Mensch bist - da braucht es keine Analyse durch einen - ebenfalls sehr geschaetzten - Hubertus Halbfass. Am besten vergisst Du den Artikel je gelesen zu haben, da jede Auseinandersetzung damit vergebliche Liebesmueh ist.

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    25. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    26. Der entfernte Kommentar wurde auf die neu eingerichtete "Spielwiese" verschoben.

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