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Mittwoch, 21. September 2011

Der fast vergessene 30. Geburtstag

Heute vor 30 Jahren, am 21. September 1981, wurde das Dokument „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ der deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht. Ein Grund zu feiern?

Nicht nur der unmittelbar bevorstehende Papstbesuch lässt diesen „Geburtstag“ ein wenig in den Schatten geraten. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Überblick über dieses Dokument geben.
 Noch immer ist dieses Schreiben von hoher Brisanz: es spricht von der Gleichwertigkeit von Mann und Frau und folgert daraus:
„Aus dem gleichwertigen Personsein von Mann und Frau folgt, dass beide in personaler Verantwortung gleich bedeutungsvoll an der Gestaltung und Ausprägung von Kirche und Gesellschaft mitwirken sollen. … Trotzdem gibt es im gesellschaftlichen Bereich noch manche Ungerechtigkeiten. So ist es z.B. noch immer nicht gelungen, für Männer und Frauen gleichen Lohn bei gleichwertiger Arbeit sicherzustellen. Erwerbsarbeit wird immer noch zu Unrecht höher bewertet als Hausarbeit.“
Das Dokument spricht aber auch von der Verschiedenheit der Geschlechter, zeigt kulturelle Prägungen auf, betont daneben aber auch, dass nicht alle Unterschiede „als kulturgeschichtlich bedingt anzusehen“ sind. Selbstverständlich wird die große Bedeutung des Mutterseins angesprochen und auch ein eher traditionelles Bild der Rolle des Vaters beschrieben, der „für die Familie Schutz und Sorge übernimmt“. Aber auch die Veränderungen der klassischen Männer- und Frauenrollen werden benannt. Dabei werden die Wandlungen der Gesellschaft nicht nur kritisch gesehen, sondern auch als Chance, dass dadurch „Frauen und Männer neue Möglichkeiten für ihre ganz persönliche Entfaltung, für ihr Frausein und Mannsein entdeckt“ haben.

Dem Aufeinanderverwiesensein und Füreinanderdasein von Frau und Mann, besonders im Rahmen der ehelichen Gemeinschaft, wird ebenfalls viel Raum gewidmet. Schon vor 30 Jahren formulierten die Bischöfe mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel:
„Neue, flexiblere Aufgabenteilungen in Familie, Beruf, Gesellschaft und Kirche wollen eingeübt werden.“
und
„Den Frauen, die allein die Sorge und Erziehung von Kindern leisten und zugleich erwerbstätig sein müssen, sollte ihre Doppelrolle erleichtert und partnerschaftliche Offenheit von Familien und kirchlichen Gruppierungen entgegengebracht werden.“

Für den kirchlichen Bereich versprechen die Bischöfe, sich
„dafür einsetzen, dass gesamtkirchlich und für den eigenen Jurisdiktionsbereich Frauen zu allen Diensten zugelassen werden, die theologisch möglich, pastoral sinnvoll, angemessen und notwendig sind. Die Aufgaben der Frauenseelsorge, die Fragen, die aus dem am Anfang beschriebenen neuen Bewusstsein der Frauen an Kirche und Gesellschaft gestellt sind, die Glaubenserfahrung und die Mitwirkung von Frauen an der Heilssorge der Kirche, sollen in der Aus- und Weiterbildung der Priester, Diakone und anderen kirchlichen Berufen berücksichtigt werden.“
Unter Punkt 1.6. wird auch „die Frage der Zulassung der Frau zum kirchlichen Amt“ erörtert und noch einmal nachdrücklich auf die Beschlüsse der Würzburger Synode mit ihrer Option für die Zulassung von Frauen zum Diakonat verwiesen, nach „weiterführender Diskussion, vor allem aber einer größeren Übereinstimmung der Meinung in der gesamten Kirche“.
„Damit Frauen ihren vollen Beitrag am öffentlichen Leben leisten können, müssen neue Wege eröffnet und praktikable Formen der Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen aufgezeigt werden,“ die das Dokument ebenfalls benennt:
  • In Ehe und Familie müssen „Frauen, die sich ganz den Familienaufgaben widmen, (...) stärker von der Bestätigung, Anerkennung und tatkräftigen Unterstützung der Ehemänner getragen werden. Aber auch in der Gesellschaft muss eine konkrete Aufwertung der Familienaufgaben erfolgen, etwa durch eine eigenständige soziale und wirtschaftliche Sicherung der Familientätigkeit (Rentenreform).“
  • In der Berufs- und Arbeitswelt braucht es für Frauen sachgerechte, den Männern gleichgestellte Leistungen und Unterstützung bei der Verbindung von Familie und Beruf.
  • In der Politik müssen mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Denn „nur wenn Männer und Frauen im öffentlichen Leben partnerschaftlich und solidarisch zusammenarbeiten, können sie Lösungen finden, die dem Gemeinwohl dienen.“
Soweit die Bischöfe vor 30(!) Jahren. Doch was ist daraus geworden? In dem sehr lesenswerten Interview mit domradio.de resümiert Dr. Claudia Lücking-Michel, die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: „Wir sind an vielen Stellen nicht viel weiter gekommen, und dass die Bischöfe das damals so formuliert haben, war visionär, ja fast sensationell.“
Wenig hat sich verändert in der Gesellschaft. Es erschreckt mich, dass die Themen heute in vielen Bereichen noch immer die gleichen sind, wie zum Beispiel das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Noch erschreckender sieht es innerhalb der katholischen Kirche selber aus: während sich unzählige Priester und Laien eine Weihe von Frauen heute problemlos vorstellen können, gibt es aus den Reihen der Bischöfe dazu kaum mehr eine Stimme. Da wird vielmehr nach dem Konrad Adenauer zugeschriebenen Zitat „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ verfahren, was eine massive Abwertung dieses Dokuments und auch anderer bedeutet. Schade. Es hätte mehr werden können, aus diesem 30jährigem Dokument mit Weitblick. Daher gibt es von mir ein eher zwiespältiges „Herzlichen Glückwunsch!“

Kommentare:

  1. Wurde dies damals von den Kanzeln verlesen ,oder war das Dokument nur für Fachpersonal? Nach meiner langen Abwesenheit von Kirche muss ich sagen, es ist deutlich etwas verändert worden.Leider liegt so manches im Ermessen der Pfarrer. Und so gibt es in Berlin von rechts unten bis links aussen alles, was es eigentlich im Sinne der una sancta nicht geben dürfte.Päpstlicher als der Papst muss nicht sein.Denn der wird für alles verantwortlich gemacht, was eigentlich nicht seins ist.In Berlin sind wir heute Papst und man sollte den sogenannten Personenkult auch als Gegendemo sehen gegen Leute, die Religion verbieten wollen, als Privatsache deklarieren oder mit Tamtam revolutionieren.Ihr eigenes Kirchenbild absolut setzen. In Berlin trifft sich heute wieder kirchlich alles, was woanders rausfliegt.Ein Küng ist wirkungsvoller als ein Hasenhüttl.

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  2. Vor 30 Jahren war das Papier visionär und heute ist es leider immer noch nötig.

    Innerkirchlich sollte dieser Satz mehr Bedeutung erlangen:
    "...Frauen zu allen Diensten zugelassen werden, die theologisch möglich, pastoral sinnvoll, angemessen und notwendig sind."

    Das "theologisch möglich" wird nämlich in etlichen Diskussionen einfach mal vergessen. Frei nach dem Motto: Wir stimmen jetzt mal über die Schwerkraft ab. Wer ist dagegen? ;-)

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  3. Die "theologische Möglichkeit", Stefan, ist nicht vergleichbar mit der Schwerkraft. Denn gerade theologisch ist die Sache geklärt: theologisch ist alles möglich, die Reduktion des Priesteramts auf unverheiratete Männer nicht zulässig. Die Bibel wörtlich genommen hieße nämlich: zugelassen sind nur Fischer jüdischen Glaubens. Und warum weiht die keiner? Es ist ein hausgemachtes Problem, dass die katholische Kirche sich da so einengt, es gab Zeiten, da war es durchaus anders. Auf die Bibel berufen kann sie sich mit dem gegenwärtigen Vorgehen eben nicht und tut sie auch nicht. Da kommen eher die Argumente von "Tradition und Lehramt". Da kann ich wirklich nur mal den Blick in die Evangelien empfehlen.
    Aber abgesehen davon scheint mir eine Lösung der gegenwärtigen Krise nicht in einem Mehr an Priestern, ob Mann oder Frau, verheiratet oder zölibatär, zu liegen, sondern in einem neu verstandenen Selbstverständnis von Gemeinde, das auf Taufe und Firmung gegründet ist, mit Christus und dem Evangelium im Zentrum und nicht abhängig ist von der Anwesenheit eines Priesters.
    @ Teresa: was meinst du mit "Ein Küng ist wirkungsvoller als ein Hasenhüttl."? Diskutieren ist besser/wirkungsvoller als tun?

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  4. küng verändert mit schweizer charme,jeder kennt ihn, hasenhüttl haut auf den putz.und geht unter. man sollte die sakramente in ruhe lassen.meiner meinung nach wird das priesterproblem mit allgemeinem priestertum gelöst und genau darüber hat erzbischof woelki in diesem unwerfenden gottesdienst gepredigt gestern abend. nicht so priesterzentriert sein.wo 2 oder 3 in meinem namen versammelt sind..wir berliner haben ja nun das große los gezogen mit diesem erzbischof. muss ja auch mal sein. hier trifft sich alles, was woanders rausfliegt, das ist oft kaum zu verkraften. die leute gehen dann wieder und wir müssen klarkommen als dauereinwohner mit den spuren, die sie hinterlassen..

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  5. Da sieht man ja, wie falsch man liegen kann, wenn man sich nur auf die Bibel beruft. Ich halte theologische Diskussionen über die diese Frage für möglich, aber Schrift und Tradition sprechen doch eine sehr deutliche Sprache. Als Katholiken dürfen wir da ja voll der Kirche vertrauen. Zum Glück.

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  6. Nee, da sieht man, wie falsch man liegen kann, wenn man sich in unangemessener und unwissenschaftlicher Weise auf die Bibel beruft. Worüber würden Sie denn diskutieren wollen? Schrift und Tradition belegen eines: dass das kirchlicherseits gerne behauptete Nicht-Können nur ein religiös überhöhtes Nicht-Wollen ist. Das entzieht jeglicher Diskussion die Grundlage.

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  7. Wieso sollte jemand nicht wollen? Die Frage ist, was Gott will.

    Ich würde über das diskutieren wollen, was Sie als Fakt darstellen.

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  8. Liebe Ameleo,
    wo gibt es denn die Noten von diesen wunderbaren Lied "Mamaliye" möchts wahnsinnig gerne mit meiner Singgruppe singen, danke für jeden Hinweis,
    leben Gruß
    Heidi aus Wien

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  9. Antwort beim Lied. Liebe Grüße!

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  10. @ Stefan: Wie finden Sie heraus, "was Gott will"? Er hat uns unseren Verstand gegeben, damit wir ihn benutzen, glaube ich.
    Welche von mir benannte "Fakten" zweifeln Sie denn an? Und gestehen Sie mir die Kompetenz zu, zu diesem Thema etwas zu sagen, was vor Ihrer Überzeugung Bestand haben könnte?

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  11. Es ist nicht meine Aufgabe herauszufinden was Gott will, sondern Aufgabe der Kirche in ihrer Gesamtheit. Daher dürfen wir auf Lehramt, 2000 Jahre Tradition und Überlieferung vertrauen. Wer bin ich, dass ich dagegen halten könnte?

    Ich zweifle den "Fakt" an, das Priestertum sei nicht nur auf Männer beschränkt. Die Gründe dagegen sind doch massig und die Aussagen der Kirche sehr klar.

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