ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Montag, 5. September 2011

Ehescheidung in neutestamentlicher Perspektive

Auf seinem Blog "Lectio brevior" erläutert Dr. Gerd Häfner den neutestamentlichen Befund zum Thema Ehescheidung in einem wie immer wundervollen, kompetenten Beitrag zu einer aktuellen Diskussion. Überaus lesenswert und empfehlenswert wie überhaupt alle Artikel auf seinem Blog!

Kommentare:

  1. Es wäre nur fair gewesen, wenn jener Blogger auch hinzugefügt hätte, dass die Mehrheit der Exegeten dies etwas anders sieht!

    AntwortenLöschen
  2. Als Theologe sollte man immer auch bedenken, dass die große Schar der Kollegen, die im Laufe der Jahrhunderte auch diese Frage erörtert haben, keine Dummköpfe waren. Das kirchliche Lehramt hat sich seine Sicht der Dinge nicht aus den Fingern gesogen.

    AntwortenLöschen
  3. Hier scheint das Ergebnis der hermeneutischen Überlegung schon vorher festgestanden zu haben. Wenn ich an einer Bibelstelle lange genug ziehe und zerre, kriege ich sie in fast jede Form.

    AntwortenLöschen
  4. Tatsache ist, dass jeder die Bibel in seine Richtung interpretieren kann.Und herumzerren. Und es auch tut. Eine weitere Tatsache ist, dass alle anderen Kirchen die Ehe nicht als unauflöslich definieren.Und auch nicht gerade dumm oder gottlos sind. Und noch eine Tatsache ist das Leben. Das auch nicht von Unauflöslichkeit spricht.Es wird hier wohl die göttliche Liebe mit der menschlichen gleichgesetzt. Gott ist ewig, der Mensch vergänglich mit allem was er tut.Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.Besonders nicht, wenn ihr zölibatär lebt. Allerdings, wer katholisch kirchlich heiratet, sollte es sich gründlich überlegen. Ob er das Versprechen der Unauflöslichkeit halten kann. Katholisch heiraten ist mehr als Romantik in Weiß. Das ärgert mich dann auch wieder. Wenn da so oft kirchlich geheiratet wird, ohne dass man sich über die Folgen im Klaren ist.Und was mich noch ärgert, die kirchliche Annullierung einer Ehe paßt genauso wenig ins Konzept. Entweder unauflöslich, oder nicht. Man kann nicht so tun, als wäre nichts gewesen.Die Gründe für die kirchliche Annullierung sind willkürlich.Und stören die Liebe .In guten und in schlechten Zeiten. Es sei denn, diese oder jene kirchlich anerkannten schlechten Zeiten treffen ein?Da wird dann der Partner nicht gefragt, wie er das findet.(Ich kenne mich aus mit Annullierungen.)

    AntwortenLöschen
  5. Anonym, die anderen saugen sich ihre Sicht der Dinge auch nicht aus den Fingern.

    AntwortenLöschen
  6. Trotz intensiver exegetischer Bemühungen sind die ungeklärten Fragen zu Jesu Lehre bezüglich Ehescheidung weiterhin Legion.

    1.
    Wo steht denn, bzw. wer hat denn vorgeschrieben, dass ein Mann, der seine Frau aus der Ehe entlässt, dieser eine Scheidungsurkunde geben muss?

    Ich lese in Dtn 24,1ff. nirgends ein diesbezügliches Gebot. Vielmehr setzt Mose nur einen hypothetischen Fall: WENN der Mann die Frau entlässt und WENN er ihr eine Scheidungsurkunde ausstellt, DANN ist nach ihrer Wiederverheiratung eine Rückkehr zum ursprünglichen Gatten nicht gestattet.

    Wo bitte geht aus diesen bloßen Fallannahmen ein Gebot oder eine Erlaubnis hervor?

    Mit welchem Recht also unterstellt Jesus (Mt 5,31) gemeinsam mit den Pharisäern (Mt 19,7), es bestünde eine Vorschrift zur Ausstellung des Scheidebriefes, oder Mose habe die Ehescheidung erlaubt (so Jesus in Mt 19,8)?
    Mk 10,5 sagt Jesus ausdrücklich: egrapsen hymin ten entolen – Mose schrieb…

    2.
    Setzen wir voraus, es könnte der Nachweis geführt werden, dass Mose den Männern die Entlassung der Frau aus der Ehe erlaubt hat (wie gesagt: in Dtn 24 ist von keiner Erlaubnis die Rede, sondern nur davon, dass Mose offenbar realitätsgerecht mit Ehescheidungen als faktischen Vorkommnissen rechnet), dann wäre die Hartherzigkeit dem Beschluss des Mannes zur Entlassung seiner Frau zuzuschreiben und gerade nicht in der Ausstellung des Scheidebriefes zu sehen.

    Denn der Scheidebrief mildert die leidvollen Folgen für die entlassene Frau ab. Er ermöglicht ihr eine neue Heirat und damit das Entkommen aus sozialer Ungesichertheit.

    Jesus scheint der Auffassung zu sein, dass es in der Ordnung der Gottesherrschaft grundsätzlich keine Ehescheidung geben darf. Wenn es aber das Übel der Entlassung erst gar nicht gibt, dann ist auch kein Scheidebrief erforderlich, der das Übel zumindest abfedern müsste, indem er die Wiederverheiratung der Frau ermöglicht.

    Falls nun Jesus die Tugend der Epikie praktiziert und doch einen Ausnahmefall zulässt, nämlich die Entlassung im Falle von porneia, dann ergeben sich weitere Fragen:

    2.1
    Was ist mit Porneia wirklich gemeint? Ehebruch oder, wie in der Auslegungstradition vielfach angenommen, eine illegitime Verbindung?
    2.2
    Und gesteht Jesus im Fall einer Entlassung wegen porneia die Entlassung nur im Sinne einer Trennung von Tisch und Bett zu, oder wäre ein Scheidebrief auszustellen, der auch in diesem Fall die Wiederverheiratung ermöglicht.
    2.3
    Sollte Jesus mit porneia den Ehebruch meinen und die Möglichkeit einer Wiederverheiratung einräumen,
    würde er damit nicht den Ehebruch als jüdisches Ehehindernis missachten?
    Wenn er aber trotz vollzogenen Ehebruchs auf dem Entlassungsverbot besteht, verletzt er jüd. Recht, denn Ehebruch macht die Frau rituell unrein, somit unberührbar sowohl für den rechtmäßigen Ehemann wie für den Liebhaber. Wie entkommt er diesem Dilemma?
    2.4
    Hinwieder: Wenn Jesus nach Mt das Gesetz auf Punkt und Beistrich beibehalten und ihm nicht etwas Gegenteiliges entgegensetzen will, dann muss er auch die (angeblich)vom Gesetz eingeräumte Möglichkeit des Scheidebriefes bejahen.
    Damit kommt er in das oben erwähnte Dilemma.

    AntwortenLöschen
  7. 3.
    Von grundsätzlicher Natur ist die bei Häfner unerörterte Frage, ob überhaupt zuverlässig zwischen echten und unechten Jesusworten unterschieden werden kann.
    3.1
    Warum will man die porneia-Klausel dem geschichtlichen Jesus absprechen?
    Etwa weil sie bei Mk fehlt?
    Aber müsste man dann nicht auch die Einsetzung des Gedächtnismahles durch Jesus als spätere Einfügung betrachten, denn justament das Grund legende Mk-Ev bringt den Gedächtnisauftrag nicht. Wie konnte ihn Mk weglassen, wenn es sich um ein authentisches Jesuswort handelte?
    3.2
    Wenn die porneia-Klausel nicht von Jesus selbst stammt, muss man dann nicht die Frage der Pharisäer in Mt 19, ob man seine Frau aus jedem beliebigen Grund entlassen darf, als apophtegmatischen Rahmen werten, der nur erfunden wurde, um aus dem Mund Jesu eine Antwort zu erhalten, die die matthäische Gemeindepraxis – nämlich Entlassung im Falle von porneia – autorisiert?
    3.3
    Unerörtert bleibt bei Häfner eine weitere Frage grundsätzlicher Natur, nämlich ob er die Stellungnahmen Jesu zu Ehefragen in der Bergpredigt für Antithesen zum mosaischen Gesetz hält oder für Auslegungen desselben innerhalb rabbinischer Gesetzesdiskussionen, so dass mit Klaus Wengst jeweils zu übersetzen wäre: „Ich nun sage euch“ anstatt „Ich aber sage euch“.

    4.
    Mankos in der Lehre Jesu.
    4.1
    Erwähnt wurde schon das Fehlen des sauberen Auseinanderhaltens von hartherzigem Beschluss des Mannes, seine Frau zu entlassen einerseits, und der daraufhin fälligen Ausstellung des Scheidebriefes andererseits.

    Erwähnt wurden auch die Uneindeutigkeit des Ausdrucks porneia und das Offenlassen der Frage, woraus er die mosaische „Erlaubnis“ zur Entlassung der Frau und das mosaische „Muss“ des Scheidebriefes ableitet.

    Aus Jesu Ausführungen wird zudem nicht klar, mit welchem Recht er die bloße Entlassung ohne eine folgende Wiederverheiratung, also die bloße Trennung von Tisch Bett anscheinend nicht als Ehebruch wertet.
    Es ist nicht einzusehen, warum eine Ehe, die auf keiner Ebene mehr vollzogen wird, weder auf der geschlechtlichen noch auf jener der gemeinsamen Haushaltsführung, der gemeinsamen Kindererziehung etc., keine gebrochene Ehe darstellen soll.
    4.2
    Ein Manko eigener Art in Jesu Ehelehre sehe ich schließlich in seiner Verkündigung, im Himmelreich würde nicht mehr geheiratet.
    Abgesehen von seiner mangelnden Diskussionsdisziplin (er wurde nämlich nicht gefragt, ob im Himmelreich noch geheiratet wird, sondern wessen Frau die Witwe von 7verstorbenen Männern im Himmel sein würde),
    schmälert Jesus mit seiner Antwort (keine Ehen im Himmel) ganz erheblich die Symbolkraft der Ehe als Zeichen der unverbrüchlichen Bundestreue Gottes.
    Eine eheliche Treue, die nicht den Tod zu überdauern vermag, verkündet einen Gott, dessen Treue im Tod ein Ende hat.
    Vertritt hier Jesus nicht eine im Grunde unbiblische Sicht? Der Mensch nach dem Bild Gottes meint nicht den Mann für sich allein, ebensowenig die Frau für sich allein, sondern „der Mensch“ ist das Ehepaar.
    Wenn nun "der Mensch" in den Himmel gerettet werden soll, dann darf die irdisch geschlossene Ehe im Himmel gerade nicht abhanden kommen, sondern es muss die treue Paarbeziehung bewahrt werden, eben auf dass „der Mensch“ in den Himmel komme und nicht ein unvollständiger Adam, dem es an einer Entsprechung fehlt!

    Und überhaupt: einen Himmel in Aussicht zu stellen, für den sich die Freuden der Erotik nicht einmal mehr als Bild eignen, könnte so manchen Christen durchaus in die Arme der sinnlichen islamischen Eschatologie treiben :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der babylon. Talmud, Brachot 57b, scheint in der Tat die Antithese zu Jesu Auffassung vom Nichtheiraten im kommenden Äon zu vertreten:

      "Drei Dinge sind Ausfluss der kommenden Welt: der Sabbat, die Sonne und der Beischlaf."

      Löschen
  8. Assoziativ zu den Ausführungen von Anonym stellt sich mir die folgende Frage:

    Wenn das Wesen Mensch seinem vollen Sinne nach nur im Ehepaar verwirklicht ist (weil Mann und Frau je für sich zwar Personen, aber noch nicht das Vollbild Mensch darstellen),
    hätte dann Gott nicht in Befolgung seiner eigenen biblischen Anthropologie ein Ehepaar werden müssen, damit der Satz "Gott ist Mensch geworden" seine volle Berechtigung hat?

    Mag Gott auch Mann geworden sein, so rechtfertigt dies noch nicht den Satz: Gott ist Mensch geworden.

    Denn in der Zweieinheit des Fleisches liegt doch die Gottabbildlichkeit, die den Menschen zum Menschen macht, nicht im zölibatären Singledasein von Mann und Frau. Oder irre ich da?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der Satz: "Gott ist Mensch geworden", ist nur gültig, wenn Gott ein Ehepaar geworden ist. Klar!
      Gott ist in Jesus nicht Mensch, sondern Person geworden.

      Person meint ein individuelles Freiheitszentrum, das aufgerufen ist Mensch zu werden in seinem verantwortlichen freien Umgang mit Mitmensch und Mitwelt, besonders durch die intimste und verantwortungsvollste aller sozialen Beziehungen, den Ehebund

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.