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Samstag, 3. September 2011

Online kaufen und spenden?

Im Radio hörte ich von einer Aktion, bei der man im Internet etwas kauft und eine Art Zwischenhändler einen Teil oder seine gesamte Provision einer Hilfsorganisation spendet. Man kauft also seine Klamotten, Schuhe, Bücher und elektronischen Geräte nicht direkt bei einem Online-Shop, sondern von einer anderen Internet-Seite aus, die auf diese anbietenden Shops verlinkt hat und dafür Geld bekommt, das der/die Betreibende zu spenden verspricht.

Natürlich hat es schon etwas Bestechendes, Hilfsorganisationen durch meinen Einkauf zu unterstützen, wenn da nicht jede Menge ABERs wären: Aber warum braucht es diese Art von "Zwischenhandel", der möglicherweise selbst damit Geld macht? Aber wäre es nicht sinnvoller, gleich gerechte Löhne zu zahlen, damit Hilfe nur noch im Notfall nötig ist? Und woher weiß ich, ob dieser Zwischenhändler überhaupt vertrauenswürdig ist?

Bei einer kleinen Recherche im Netz staune ich, wie viele Seiten "Kaufen und spenden" miteinander verknüpfen wollen. Bei keinem habe ich aber das Spendensiegel der DZI entdeckt, das entsprechende Unternehmen nach verschiedenen Qualitätsmerkmalen auf ihre Seriösität hin überprüft. Auch auf der Liste der mit dem Spendensiegel ausgezeichneten Organisationen finde ich keinen dieser Shops. Das verstärkt mein Misstrauen. Der DZI sind diese Online-Spendeneinwerbungen bekannt, sie schreibt dazu in ihren Spendentipps:
Es gibt Internethändler, die Kaufen mit Spenden verknüpfen wollen. Hier besteht die Gefahr, dass gewerbliche und gemeinnützige Interessen miteinander vermischt werden. Seriöse Anbieter sollten eine transparente Darstellung der Kooperationen auf der Website bereitstellen. Der sichere Weg bleibt die direkte, wohlüberlegte Spende an eine seriöse Organisation. 
Auf Welt-online entdecke ich, dass auch Antje Paulsen, Leiterin der Kampagne "Stopp Kinderarbeit!" der Welthungerhilfe dieses Modell, spenden mit shoppen zu verbinden, aus anderen Gründen ebenfalls kritisch sieht. Wer so einkauft,
unterstütze das Geschäftsmodell der großen Händler, die versuchen, sich mit immer niedrigeren Preisen zu unterbieten. Zwar spendet man mit jedem Einkauf Geld. Es sei aber möglich, dass man mit seinem Einkauf genau das fördert, gegen das die Hilfsorganisationen kämpfen. „Wer will, dass sich systematisch etwas ändert, der muss auf einer Fairhandelsseite einkaufen“, sagt Paulsen. Die Idee ... sei damit nicht grundlegend falsch, aber sie entbinde einen Online-Käufer nicht davon, seinen Konsum kritisch zu hinterfragen.
Ich sehe meine Bedenken bestätigt. Solange die Zuverlässigkeit einer Seite nicht verbürgt ist: sowieso Finger davon! Auch wenn die Produkte, die so verkauft werden, Mensch und Natur ausbeuten oder gar in Kinderarbeit produziert worden, also enge und nachhaltige soziale und ökologische Standards nicht erfüllt werden oder dies nicht klar nachprüfbar ist: Hände weg!  So reizvoll die Idee erscheint, dass ich über meinen Einkauf spende, ohne es zu merken, es nimmt mir nicht die eigene kritische Haltung und die persönliche Verantwortung.

Dazu ist meine Meinung als "Landei" ohnehin: wenn ich will, dass ich eine einigermaßen gute Auswahl an Geschäften vor Ort haben will, die dazu auch Arbeitsplätze bereit halten, dann kaufe ich auch hier ein. Ich bestelle nach Möglichkeit nichts im Netz, was ich genauso gut auch bei mir im Laden um die Ecke einkaufen oder über einen hiesigen Händler bestellen kann. Erfahrungsgemäß geht das genauso schnell und zuverlässig, zum gleichen Preis wie im Netz oder in der nächst größeren Stadt. Das sind mir die Leute hier im Ort und die Produzierenden wert!

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