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Montag, 10. Oktober 2011

Link- und Lesetipps zu anderen Blogs

Da ich im Moment kaum dazu komme, etwas Eigenes zu formulieren, hier ein paar kommentierte Linktipps:

Gemeinhin wird ja gerne behauptet, der Priestermangel sei genauso wie die rückläufigen Zahlen der Gläubigen ein Problem allein oder vorwiegend im deutschsprachigen Raum. Walter Ludin, bloggender Kapuziner, wies heute auf eine Pressemeldung der Neuen Zürcher Zeitung hin, wonach in Brasilien die Katholikenzahl zwischen 2003 und 2009 um 7,3 Prozent auf 68,4 Prozent gesunken sind. Einer der Gründe sei,
dass die katholische Kirche, im Gegensatz zu den evangelikalen Kirchen, die mit viel Personal aufwarten können, sehr wenige Priester habe, von denen einer vielleicht einmal im Jahr vorbei käme. Den Artikel in der NZZ habe ich nicht gefunden, wohl aber paRABEns, einen Blog über Brasilien, Medien und Wirtschaft, der die zurückgehenden Zahlen bestätigt und übersichtlich in einer Graphik präsentiert.  

Ebenfalls durch Bloggerkollegen Walter Ludin wurde ich gestern auf ein Interview mit einer interessanten Ordensfrau aufmerksam. Es ist überschrieben mit "Die katholische Kirche praktiziert Geschlechter-Apartheid“. Die 88-jährige Menzinger Schwester Claire-Marie Jeannotat, die übrigens auch bloggt (englisch und französisch) und lange Zeit in Südafrika gelebt hat, setzt sich darin mit der Rolle von Frauen in der katholischen Kirche auseinander und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Sehr erfrischend! Hier gehts zum Orginal des Interviews.

Interessant auch das Interview, das Bloggerkollege Pater Bernd Hagenkord vom Radio Vatikan Blog mit Monsignore Georg Austen vom Bonifatiuswerk und Dr. Hubertus Schönemann von KAMP Erfurt im Vorfeld eines großen Treffens zum Thema Neuevangelisation in Rom geführt hat. Da ich beiden in verschiedenen beruflichen Zusammenhängen begegnet bin, fand ich es doppelt spannend, was sie zu diesem Thema zu sagen haben. Wichtig fand ich den Hinweis von Hubertus Schönemann, auf eine notwendige Unterscheidung beim Thema Evangelisation, die auf Papst Johannes Paul II zurückgeht. Er
"unterschied bei der Evangelisierung drei Aspekte: die normale Seelsorge der Kirche, die Erstverkündigung an Menschen, die von Jesus Christus noch nie etwa gehört haben und schließlich die neue Evangelisierung in Gebieten, die einmal (mehrheitlich) christlich waren und deren Glaube „verdunstet“ ist."
Hier, um noch mehr Geschmack zu machen, eine Frage aus dem Interview und die beiden Antworten darauf:
Was bedeutet heute Mission? Bereits Ende der 40er Jahre war das erste Mal der Ausdruck „Deutschland ist Missionsland“ zu hören, damals noch mit Schulterzucken begleitet. Was ist das in Zentraleuropa heute, „Mission“? Wo sind heute die „Enden der Erde“ zu finden?

Austen: Die „Enden der Erde“ finden sich heute am Küchentisch der Familien, auf der Straße beim Einkaufen, auf der Arbeit, in Schulklassen und Universitäten, mitten unter uns, aber auch in den sozialen Netzwerken des Internets. Dort stehen die Eltern, Jugendliche, Kollegen, Mitmenschen in der Verantwortung, auskunftsfähig über die zentralen Inhalte unseres Glaubens zu sein und ihm entsprechend Ausdruck zu verleihen. Es zeigt sich, dass die Entkirchlichung in Teilen Deutschlands und Europas so weit vorangeschritten ist, dass man nicht mehr nur von einer konfessionellen Diaspora sprechen kann, sondern von einer christlichen Glaubens-Diaspora insgesamt. Im Osten Deutschlands etwa gehören fast 80 Prozent der Einwohner keiner christlichen Konfession mehr an.

Für die Kirche bedeutet Mission heute deshalb, dort hinzugehen, wo die Menschen sind – in die Welt hinein und nicht an ihr vorbei. Es reicht nie, nur tolle Angebote im kirchlichen Raum zu initiieren und zu hoffen, dass jemand kommt. Vielmehr muss unsere Kirche die Sorgen und Nöte der Menschen kennenlernen, und wissen, was die frohe Botschaft für diese Menschen und ihre Lebensexistenz bedeuten kann. Und sie hat viel zu bieten. Schauen wir auf den Auferstandenen, wie er die Jünger nach Emmaus begleitet: Jesus hört sich ihre Fragen an, sagt ihnen, was die Schrift dazu zu sagen hat und eröffnet ihnen dann eine Perspektive. Er hat dabei Geduld und ein Gespür für die brennenden Herzen, die Sehnsüchte der Menschen.

Schönemann: Vielleicht ist die derzeitige Krise der Kirche in Deutschland ein Auslöser, das Missionarische wiederzuentdecken. Ein Programm zur Rekrutierung verlorener Mitglieder oder zur Wiedergewinnung gesellschaftlicher Machtpositionen ist Mission jedenfalls nicht. Sie meint viel tiefer und grundlegender das Wesen der Kirche als Bezeugung der Gotteswirklichkeit. Gott hat mit jedem Menschen eine Geschichte, ob dieser es weiß oder nicht. Es ist die Würde und Aufgabe aller Christen, durch ihr Glaubenszeugnis die Gotteserfahrung bei anderen aufschließen und deuten zu helfen. Christliches Zeugnis hat so eine Hebammenfunktion für die Interpretation von Lebenserfahrungen im Licht des Glaubens. Da dürften Christen untereinander und gegenüber Nicht-Christen noch viel mutiger sein. Der Glaube rückt derzeit deutlicher als Beziehungsgeschehen in den Blick: Gott be-ruft, und der Mensch kann in Freiheit mit seinem Leben darauf antworten. Christen sollten erlebt werden als Menschen, die keinen „Kadavergehorsam“ pflegen und deren Autonomie nicht genommen ist, sondern deren Leben durch den Glauben eine neue Freiheit aufscheinen lässt und dadurch Grund, Sinn und Ziel erhält.
Glaube als Beziehungsgeschehen zu verstehen und Evangelisierung als Hingehen zu und Mitgehen mit denen, die mir begegnen, das scheint mir in der gegenwärtigen Situation ein richtiger Ansatz zu sein. Wichtig dabei: die Sprache und Kultur, die Vorlieben und Themen derer kennen zu lernen und wert zu schätzen, mit denen ich es zu tun habe. Den Wunsch, alte Strukturen und das Latein in der Messe wieder zu beleben, weil es der persönlichen Erbauung dient, - diesen Seitenhieb erlaube ich mir an dieser Stelle - halte ich im Zusammenhang mit einer Erst- und Neuevangelisierung für völlig kontraproduktiv. Aber die Menschen sind verschieden ...

Kommentare:

  1. Hm, den Seitenhieb gebe ich gerne zurück: Erstens ist es schon seltsam, dazu aufzufordern, Kultur, Sprache und Lebenssituation des einzelnen im Zuge der Neuevangelisierung stärker berücksichtigt sehen zu wollen, aber die Nase zu rümpfen über diejenigen, die sich persönlich in ihrer Kultur, "Sprache" und Lebenssituation durch die lateinische Messe angesprochen fühlen. Aber, und jetzt folgt der Seitenhieb: das ist theologisches Diskussionsniveau, das man aus finstersten Zeiten des Reliunterrichtes kennt. Mit dem Wechsel des Lehrers, schien da auch eine andere Konfession gelehrt zu werden. Ideologische Beliebigkeit die sich wissenschaftlich bemäntelt. Für religiös Suchende extrem unattraktiv. Mir persönlich erschien es am Ende so irrelevant, dass ich der Kirche fernblieb, wie wohl 90% meiner Bekannten. Dabei sind die gar nicht alle unreligiös: nur hat halt niemand Interesse an einer Religion, die sich selbst nicht mehr ernst nimmt; täte sie es, würde nicht alles zur Disposition stehen. So sind beispielsweise in meinem Bekanntenkreis zwei Leute beim Islam gelandet: sie fanden zutiefst fromme Menschen, die an ewige Wahrheiten glaubten und dafür auf Manches zu verzichten bereit waren. Die keine soziologischen Debatten über Strukturen und Hierarchien führten, sondern in einer intensiven Beziehung zu Gott standen, die sie durch tägliche Gebetsroutinen pflegten; außerdem, und das war für beschulte Eurokatholiken vermutlich ein Schok-glaubten diese Menschen, Gott habe klares und wahres in einer ewig gültigen Offenbarung über sich und seine Anliegen und Wünsche an den Menschen für die mit ihm zu führende Beziehung geäußert. Um noch einen drauf zu setzen ignorierten diese Leute das akademische Schnittmengenfach Religionswissenschaft, sie legten die Offenbarung ihren religiösen Bedürfnissen entsprechend einfach religiös aus (vulgo: sie betrieben Theologie). Währenddessen führten Katholiken reichlich in die Jahre gekommene Luxusdebatten über Verheutigung, Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, sie demythologisierten ihren Glauben um einer materialistischen Zeiz zu genügen und waren durch nichts von der sie umgebenden Gesellschaft zu unterscheiden: sie hatten also nichts zu bieten, was für einen Suchenden. Nein, bei uns erklärt man, man wolle auf die Leute zugehen, ihnen auf Augenhöhe begegnen. In den Fußgängerzonen findet man aber nur Zeugen und Freikirchler. Und das könnte auch das Problem der Kirche in Brasilien sein. Nicht der Priestermangel, sondern der Mangel an Christen, die sich nicht schämen einer Religion anzuhängen. Wir sind in der Nachfolge Jesu so radikal geworden, dass wir beim Kräuterteee in der gemütlichen Hafengaststätte sitzen und zu unserer eigenen Erbauung pathetische Diskurse führen, manchmal auch darüber, wie man wohl die Fischer ins Lokal bekommt. Das wird aber nichts werden. Wir kloppen uns lieber, wer heute mal den Wirt geben darf.Ich hoffe ich war nicht zu sarkastisch und polemisch- ich möchte schließlich nicht auf dem Pranger, ähm dem Index unerwünschter Meinungsäußerungen landen.

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  2. Alex, ich kann Dich sehr sehr gut verstehen. Ich habe auch Gottesdienstvorlieben, die nicht so in den modernen Rahmen passen. Jedoch lasse ich jedem seine Sehnsüchte.Die Gemeinde der Zukunft müßte wieder so ausehen, dass einer dem anderen beim Glauben hilft. H i l f t.Nicht zusammenhaut, weil A nicht fromm genug ist und B zu fromm.Gott ist überall, da sind wir uns einig, oder?Möglicherweise auch in Exerzitien, die ich als Kaffeeklatsch bezeichne. Inzwischen. In allen Dingen, sagt Ignatius von Loyola.Man muss auch Priestern helfen, in ihrem Amt zu bleiben und sich wohlzufühlen. Die Konsumhaltung gegenüber dem Klerus, die ich erkenne, ist eine Überforderung.Geben und Nehmen auch da.

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  3. @ Alex: Herzlichen Dank für die intensiven Gedanken, die Sie sich zu meinem Post gemacht haben! Keine Sorge: auf meiner "Spielwiese" landen nur beispielhaft unsachliche Äußerungen, aber nicht solche sachlich und argumentativ fundierten, auch wenn sie eine andere Meinung formulieren.

    Zu den Erfahrungen mit dem Religionsunterricht: Natürlich gibt es festgelegte Bildungsinhalte, die aber von der Person der/der ReliLehrers/Lehrerin getragen werden. Laut KMK ist das "Ziel des Katholischen Religionsunterrichts ..., den Schülerinnen und Schülern die
    christliche Botschaft und ihre aktuelle Relevanz zu verdeutlichen und sie zu befähigen,
    aus dem christlichen Glauben bzw. in Referenz zu diesem Glauben eigene Positionen zu
    entwickeln und argumentativ vertreten zu können." (http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_12_13-Situation-Kathol-Religionsunterr.pdf; S. 19) Das setzt eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Sichtweisen, wie sie auch durch unterschiedliche Lehrkräfte repräsentiert werden, notwendigerweise voraus. Ich sehe da keinen großen Unterschied zu anderen Schulfächern. Darin, dass manche Lehrkräfte, die RU erteilen, wenig Bezug zu einer Gemeinde haben, ihre Glaubenspraxis verschieden gestalten und sich in einer unterschiedlichen kritischen Nähe oder Distanz zur katholischen Kirche wissen, spiegelt sich schlicht eine gesellschaftliche Realität an der Kirche mit Verantwortung trägt.

    Ich sehe nicht, dass innerhalb der Kirche "alles" zur Disposition steht, eher im Gegenteil eine unnötige Einengung, wo Freiheit möglich wäre. Wenn Ihnen das öffentliche und erkennbare Auftreten von Gläubigen fehlt, frage ich allerdings zurück: inwieweit unterscheidet sich der Sauerteig von dem Gesamt des Teiges, den er durchsäuern soll?

    Spannend finde ich ihre Bemerkung, Kirche habe in der Form, wie Sie sie offenbar häufig erleben, religiös Suchenden nichts zu bieten. Was ist das denn, wonach religiös Suchende suchen? Ist es Halt in einem gesellschaftlichen Umfeld, dass mich immer wieder auffordert, mich selbst zu erfinden? Sind es feste, klare Strukturen dort, wo ich normalerweise selbstverantwortete Entscheidungen treffen muss? Also: soll Kirche einen Rahmen geben, der mir Entscheidungen abnimmt? Sicher gibt es Untersuchungen dazu, Erfahrungsberichte finde ich aber spannender.

    @ Teresa: Gottesdienste sind die wenigen Orte, wo sich Menschen mit den unterschiedlichsten Vorlieben und "Kulturen" zusammenfinden. Das ist etwas Seltenes und Kostbares geworden in einer Gesellschaft, die sich immer mehr differenziert. Von daher würde ich mir eine gute Mischung von Gottesdiensten wünschen, in denen mal der "Durchschnittschrist" (wer ist das?), aber immer mal wieder auch Menschen mit besonderen Zugangsweisen zum Glauben angesprochen werden. Allerdings ist das bei den derzeit dermaßen dünngesäten Gottesdiensten eine echte Herausforderung und erfordert von denen, die sich sehr selten angesprochen fühlen, eine sehr große Toleranz und Solidarität, ja Leidensbereitschaft. Da spreche ich aus Erfahrung...

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  4. Ameleo, ich bin hier in Berlin verwöhnt und auch nicht. Denn meine Generation hat noch gelernt, dass man nicht wegen des Pfarrers in die Kirche geht (Todsünde), sondern wegen Jesus..nun, ich gehe wegen Jesus in die kirche, erwarte aber,dass ein Pfarrer seine Beziehung zu Gott vermitteln kann und dann ist mir gleich, ob er lateinisch oder deutsch oder kreativ den Gottesdienst macht.War früher anders. Da habe ich mehr die äussere Form gebraucht.

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  5. Bezüglich Brasilien: Bitte auch die Hintergründe der Kirchenprobleme berücksichtigen!
    Siehe z.B. hier:

    http://predigtgarten.blogspot.com/2011/10/mitgliederschwund-bei-brasiliens.html

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  6. @ Predigtgärtner: Post genau lesen und genau das finden, was Sie suchen!

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  7. Ein paar Hintergründe zur Situation in Brasilien haben noch niemand geschadet.

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  8. ... sprach der Lehrer, öffnete seine Aktentasche und holte sein gebündeltes Wissen heraus.

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  9. Hintergründe sind zweitrangig. Tatsache ist der Priestermangel. Nur weil man weiß, warum, kann man nicht auf den Veränderungsknopf drücken.

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  10. Der nachkonziliare und nachtridentinische Gottesdienst sollte Gemeinschaft sein. Die Frage ist, was haben wir denen, die wir evangelisieren wollen und sollen, im moment zu bieten?Was suchen die Interessenten, was wollen und können sie einbringen. Kirche als Gemeinschaft ist in den Hintergrund geraten.Hauptsache, die Zahlen stimmen. So kommt es mir vor.

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