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Mittwoch, 30. November 2011

Crashkurs Weihnachten: 2. Warum feiern wir Heilig Abend und Weihnachten am 24. bzw. 25. Dezember?

Einleitung und Links zu allen Teilen dieser Reihe siehe hier.

Eine endgültige Antwort gibt es nicht auf diese Frage, jedoch zwei Haupttheorien:

1. In den biblischen Kindheitsgeschichten gibt es trotz aller historisierender Elemente kein genaues Datum der Geburt Jesu. Allerdings findet sich im Lukasevangelium die Angabe, dass Jesus sechs Monate nach Johannes d. Täufer geboren wurde. (Lukas 1,26.) Um aus dieser Angabe einen Termin herauszulesen, zogen die Christen das Johannesevangelium zu Rate. Dort wird folgendes Wort des Täufers über Jesus berichtet:
"Ihr selbst könnt mir bezeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht ... Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden." (Joh 3,28)
Dieses Wort vom Wachsen und Kleiner-werden wurde auf die Sonne bezogen, die
in Sommer und Winter unterschiedlich lange zu sehen ist. Nach dem Fest der Geburt des Täufers nimmt die Sonne ab, nach dem Fest der Geburt Christi nimmt die Sonne zu. Daher „musste“ das Geburtsfest des Täufers auf dem Tag der Sommersonnenwende liegen, da anschließend die Tage wieder kürzer werden ("abnehmen"), der Geburtstag Jesu auf dem der Wintersonnenwende (wenn die Tage "zunehmen"). Zur Zeit dieser Festlegung lag die Wintersonnenwende auf dem 25. Dezember. Während durch die Kalenderreformen der Zeitpunkt der Wintersonnenwende auf den 21. Dezember fiel, blieb die Feier der Geburt Jesu auf dem 25. Dezember - bis heute.

2. Volkskundler haben den Termin seit langem mit anderen Festen im andersgläubigen Umfeld der ersten Christen zusammen gebracht: mit dem Julfest der Germanen (auf das ich hier nicht eingehe, weil diese These überholt zu sein scheint. Siehe auch hier.) und der Feier der Geburt des „Sol Invictus“ des „unbesiegbaren Sonnengottes“ der Römer. Im 4. Jahrhundert war der Sonnenkult eine Art römisches Modephänomen, das darin gipfelte, dass sich die Kaiser auf ihren Münzen mit einem Strahlenkranz wie der Sonnengott Helios darstellen ließen. Auch bei den römischen Christen war es üblich geworden, von Christus als der „Sonne der Gerechtigkeit“ zu sprechen.

Die Religionspolitik von Kaiser Konstantin war im Gegensatz zu der seiner Vorgänger darauf aus, auch die bislang verfolgten Christen mit einzuschließen, sie nicht mehr zu verfolgen sondern ihre Religionsausübung zu erlauben. In diesem Kontext entstand das Fest der „Geburt der neuen Sonne“ am 25. Dezember zur Zeit der Wintersonnenwende, in der Erwartung, dass es sowohl bei Christen wie auch den Anhängern der römischen Religion akzeptiert werden würde. Da mit diesem Fest aber auch die Verehrung der Sonne und des Kaisers verbunden war, wurden gerade diese Akzente unter Christen scharf kritisiert. Der einen Sonne der nichtchristlichen Religionen wurde die andere „Sonne der Gerechtigkeit“ gegenübergestellt.

Die frühen Christen deuteten die „Geburt der neuen Sonne“ ausschließlich als die Geburt Christi. Ob das Fest christlichen oder nichtchristlichen Ursprungs ist, lässt sich daher nicht klären. Es ist ein Ausfluss einer Sonnenfrömmigkeit, die eine ganze Zeit erfasste und an der das Christentum seinen Anteil hatte. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich das Fest fast im gesamten Bereich des damaligen Christentum. 831 bestätigte eine Synode in Mainz den Weihnachtstermin am 25. Dezember.

Heute ist es möglich, die Symbolik des zunehmenden Lichts zumindest im privaten Bereich noch gut nachzuvollziehen: Während jahreszeitlich bedingt es draußen immer dunkler wird, die Tage kürzer und die Nächte länger werden, brennt jeden Sonntag am Adventskranz eine Kerze mehr. Drinnen nimmt so die Helligkeit zu bis an Weihnachten durch die vielen Kerzen am Christbaum das Licht zur Geburt des "Lichts der Welt" am hellsten strahlt.

Wissenschaft verändert sich, Forschungsergebnisse, die heute gelten, sind möglicherweise morgen wegen einer geänderten Quellenlage schon überholt. Meine Quellen und damit mein Wissenstand für diese Reihe sind hauptsächlich das Heft "Weihnachten" aus der Reihe: Welt und Umwelt der Bibel, sowie das Büchlein "Geburt und Kindheit Jesu" von Marlis Gielen/Anneliese Hecht beide hg. vom kath. Bibelwerk. Eine umfangreiche Linkliste zum Thema Weihnachten findet sich hier, zur Datierung hier.

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