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Freitag, 11. November 2011

Geschlechtermythen

Hinweis: Den folgenden Post nicht lesen bei Gender-Allergie!

Dass wir Frauen verantwortlich sind für die Missstände in Kirche und Gesellschaft, haben wir ja schon immer gewusst, und es tut uns ja auch irgendwie (überhaupt nicht) leid. Auch frau-TV hat sich in seiner Sendung vom 10.11.2011 mit einigen "Fakten" auseinandergesetzt, die in der Öffentlichkeit immer wieder zu hören sind:
  1. Die Deutschen sterben aus, weil Frauen keine Kinder mehr kriegen.
  2. Familien gehen kaputt, weil Frauen sich selbst verwirklichen wollen.
  3. Fremdbetreuung schadet Kleinkindern.
Nach kritischer Auseinandersetzung mit diesen Stammtischthesen fragt frau sich:
Warum ist denn in der Öffentlichkeit immer noch nicht bekannt, dass 26% der Männer (!) keine Kinder haben wollen? Und dass das fast doppelt so viele sind wie noch vor 20 Jahren und ebenfalls fast doppelt so viele wie bei den Frauen.
Und so erfährt man und frau in der Sendung: Die Deutschen sterben nicht aus, weil Frauen keine Kinder mehr kriegen. Wenn überhaupt, dann sterben die Deutschen aus, weil Männer keine Kinder mehr wollen! Auch gehen Familien nicht kaputt, weil Frauen sich selbst verwirklichen wollen. Vielmehr sollte es Familien leichter gemacht werden, zeitgemäß zu leben! Und Fremdbetreuung schadet Kindern nicht. Ganz im Gegenteil: Sie tut ihnen gut! Die ganze teils sehr sachliche teils augenzwinkernde Argumentation ist über die Seite des WDR auch im Nachhinein noch zu sehen.

Und wie kommen die Autorinnen dazu, so etwas zu behaupten? Sie berufen sich auf verschiedene Studien, z.B auf die Studie "Gleichstellungspolitik kontrovers" der Friedrich-Ebert-Stiftung, die bereits im Februar veröffentlicht wurde. Hierin finden sich auch Erwiderungen auf weitere sehr hübsche Behauptungen wie:
  • „Frauen (Männer/Jungen/Mädchen…) sind von Natur aus so!“
  • „Gleichstellungspolitik ist Gleichmacherei.“
  • „Jungen sind die Bildungsverlierer.“ „Die feminisierte Schule benachteiligt Jungen.“
  • „Geschlechtergerechte Sprache macht viel Arbeit, ist unästhetisch und bringt nichts – Frauen sind doch sowieso immer mitgemeint!“
  • „Frauenquoten sind ungerecht – Uninteressierte und unfähige Frauen werden gefördert und Männer benachteiligt!“
  • „Frauen wollen nur Teilzeit arbeiten, was auch die geringere Bezahlung nach sich zieht. Die Frauen werden nicht dazu gezwungen, das basiert auf Freiwilligkeit.“
  • „Feminismus, Quoten und Gender Mainstreaming sind überflüssig – heute haben Frauen die Macht!“
Sich durch die 68 Seiten des sehr fundierten, sich sehr klar positionierenden Dokuments zu lesen, ist schon eine Herausforderung. Es ist allerdings gut untergliedert und angenehm geschrieben, so dass sich allein das Durchblättern und ein wenig drin Stöbern lohnt - auch für diejenigen, die andere Ansichten vertreten, aber bereit sind zur Auseinandersetzung.

<Ironiemodus an> Hervorragend geeignet ist das Dokument auch für solche, die Frauen- und Genderthemen ohnehin für den größten Blödsinn halten. Sie können schon mal tief Luft holen, sich ganz allgemein aufregen oder einfach - wie schon immer - den Autor_innen die Kompetenz absprechen, sie diffamieren oder ihnen schlechte Absichten unterstellen, um so weiterhin bei ihren alten Ansichten zu bleiben. </Ironiemodus aus.>

Kommentare:

  1. Die "Fremdbetreuung" (was für ein Wort...!) von kleinen Kindern ist ein abendfüllendes, kontrovers diskutiertes Thema. Studien gibt's für beide Standpunkte.
    Meine Frau als ehemalige Kindergartenleiterin und ich mit ca. 30 Jahren Berufserfahrung als Grundschullehrer haben da so allerhand erlebt. Da sind uns Pauschalurteile gründlich vergangen.
    In aller Kürze nur dies: Manche Kinder stecken stundenlange Fremdbetreuung mühelos weg, doch bei vielen (bei fast allen in unserem Bekannten- und Verwandtenkreis) beobachten wir Stress-Symptome, Unruhe usw.
    Die Kinder kommen fix und fertig aus der KITA und sind danach kaum noch zu was Vernünftigem in der Lage. Ein Kind ist seitdem sogar zum Bettnässer geworden.

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  2. predigtgärtner und es gibt kinder, die sind bei muttern und genauso verwahrlost wie fremdbetreute.man muss gucken, was die kinder brauchen und das ist in deutschland wohl eine fremde geisteshaltung, stattdessen bekommen die kinder hier alles erklärt.und gut is..aber wir sind nicht am untergang der kirchen schuld. doch,unsere söhne wollen nicht priester werden. mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.predigtgärtner und danach ist die ganztagsschule, haben sie noch vergessen.man hat dann am we ein fremdes kind zu hause.mit dem geht man dann in den freizeitpark, wo es sich betreuern anschließt..

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  3. Sicher muss von Kind zu Kind, Familie zu Familie entschieden werden. Das Problem ist nur, dass diese einzelnen schlechten Erfahrungen mit Betreuung im Kleinkindalter gerne als Argument ge-/missbraucht werden, um entsprechende Betreuungsangebote überhaupt gar nicht erst einzurichten.

    Wenn das Kind nicht mitspielt (oder krank wird) ist das in der Tat ein Problem, bei dem ausreichend Kita- und Tageselternplätze nicht mehr greifen. Hier sind andere Maßnahmen von Arbeitgeber_innen, Politik und Gesellschaft gefragt, wie flexible (Lebens-)Arbeitszeiten, Arbeitszeitkonten und/oder Telearbeit, um nur einige Beispiele zu nennen, damit Väter wie Mütter Kind und Arbeit in einer für sie und das Kind guter Weise miteinander verbinden können.

    Dass auch Kinder im Kindergartenalter immer noch Schwierigkeiten haben, von den Eltern getrennt zu sein, hat sicher immer auch noch andere (familiäre) Gründe. Und es soll auch Kinder geben, die nach der Geburt eines Geschwisterchens wieder einnässen, was allerdings nach meinem Wissen bislang nicht dazu geführt hat, aus diesem Grund Eltern vor der Geburt eines weiteren Kindes zu warnen ...

    Fürwahr ein abendfüllendes Thema!

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  4. Richtig, Teresa... - Wenn ich eine neue Klasse übernommen habe, bin ich grundsätzlich mit Anmeldung zu allen Kindern zum Besuch nach Hause, um auch die häusliche Situation kennenzulernen. Da habe ich Zustände erlebt...! Schon fast normal war dabei noch, manche Mutter erst auffordern zu müssen, die Glotze auszuschalten, die auch während unseres Gespräches mit allerhand Talkshows (alle Altersklassen guckten zu...) weiterlaufen sollte.
    Pausenbrot oder gar Hausaufgaben - in manchen Klassen noch nicht mal von der Hälfte der Schüler dabei...

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  5. ach ja, predigtgärtner. wir verstehen uns und ameleo und ich auch. in berlin wird uns seit an die 20 jahren ausreichend betreuung versprochen.und so warten sie noch heute. nichtmals für behinderte kinder reichen die plätze aus und die haben es am nötigsten. verwahranstalten sind die staatlichen kindergärten hier, also habe ich für meinen 2. sohn, inzwischen 22 jahre alt, eine private kita genommen, man hat ja geld im überfluss. der erste, nun 31, war bis zur vorschule zu hause und hat sovíele freunde heute. deutschland ist kinderfeindlich. die ursache allen übels. kinder sind kostenfaktoren, inzwischen der rest der bevölkerung auch. also denke ich manchmal, wenn die deutschen aussterben, wäre das eher ein plus für die welt.(die katholiken sollen natürlich bleiben ;-)--ein schönes we wünsche ich.

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  6. Jeder sollte mal vier Wochen im anderen Geschlecht leben … Das würde Vieles vereinfachen, verständlicher machen, üerflüssig machen …

    Dann wäre dieses unsinnige Gegendermainstreamen obsolet.

    Hmmpf. ;-)

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  7. Da das ja nicht geht, hilft in persönlichen Beziehungen auch schon viel, einander zuzuhören, miteinander reden, sich ernst zu nehmen. Für wirtschaftliche und politische Bezüge reicht das leider nicht.
    Aber wo liegt denn das Problem des Gendermainstreaming, außer dass es manche vielleicht schlicht nervt?

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  8. Danke "Der Emil" das denke ich auch. Ganz nebenbei bin ich recht oben auf der Karriereleiter würde das aber für mehr Geschwisterchen für unsere Tochter jederzeit aufgeben. Ich habe wieder angefangen zu arbeiten als sie 2,5 Jahre war und bin nun, da sie 8 ist wieder Vollzeit tätig. Nur habe ich das große Glück das ich ein Homeoffice habe und mir zusätzlich ein Aupair leisten kann und unsere Tochter kommt ca. 10 mal am Tag zu mir rein um mir etwas zu erzählen. Was machen die Kinder, deren Mütter sie erst gegen 17.00 Uhr von der Betreuung abholen können? Wenn sich das nicht im Kindesalter auswirkt dann garantiert später. Das ist nicht approved, aber ich gehe ganz fest davon aus.

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  9. Weil zu meinen Gründen für die "Ablehnung" des Gender Mainstreaming nachgefragt wurde: Damit, wie mit so vielen Anderen gutgemeinten (aber gut gemeint ist imernoch das Gegenteil von gut gemacht!) Sachen, wird einfach übertrieben. (Ich lehne es übrigens nicht nur ab. Ich halte es für überlüssig.)

    Das geht schon bei der Sprachnutzung los: die Leser sind nun mal alle, die lesen, egal ob Männlein oder Weiblein, warum müssen dann die weiblichen Leser nocheinmal extra als Leserinnen angesprochen werden? Der Bürger ist nunmal die Bezeichnung für einen Menschen in einer bestimmten sozialen Stuktur – ein Mensch, der Mensch; warum wird nicht nach Menschinnen verlangt? Und es geht bei der Frauenquote weiter: Für Erzieher und Grundschullehrer sollte es dann bitteschön auch eine Männerquote geben! Und eine Frauenquote für Straßenbauer, Männerquote für Supermarktkassierer, Männerquote für Nageldesigner etc. etc.

    Dieses Modewort macht wirkliches Miteinander der Geschlechter unmöglich und postuliert, daß bisher ausschließlich (naja, fast ausschließlich) ein Gegeneinander gelebt wurde.

    Fragen wir unsere Groß- und Urgroßeltern, was die von Gender Mainstreaming halten. Lassen wir uns dieses Gender Mainstreaming von seinen ärgsten Verfechtern einmal in verständlicher deutscher Sprache erklären. Was wird dabei herauskommen?

    Meine Meinung: Männer und Frauen sind nicht gleich. Sie sind unterschiedlich, und diesen Unterschied gilt es zu berücksichtigen und zu bewahren. Schließlich macht er uns doch füreinander interessant ...

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  10. Können wir bitte, bitte nicht auch noch das Faß mit den weiblichen Endungen in der Sprache aufmachen. Hier geht's um was Anderes.
    Tatsache - in "Mensch und Politik 11", ein gar wunderbares Sozialkundelehrbuch für Bayern, steht als Hauptursachen für den Rückgang der Geburtenziffern als 2. Punkt: "EMANZIPATION DER FRAU. Kinder erschweren den Einstieg in die Arbeitswelt; dies kollidiert mit dem Wunsch vieler Frauen, sich im Beruf zu verwirklichen." (S. 9)
    Das LERNEN die jungen Damen und Herren, das ist offizielle Weisheit hier in Deutschland. Ich lasse die Schüler dazuschreiben: "Lebensentwürfe von Männern UND Frauen" und problematisiere das Ganze, aber HALLO?!?
    Ich kenne unter meinen Freundinnen keine Einzige, die kein Kind will -aber einige, die einen Mann haben, der keine Kinder will, oder die keinen Mann finden, der Kinder will. Der gesellschaftliche Egoismus hat einen Namen, und der heißt: Männer, die kein Kind wollen und damit ihre Frauen zwingen, entweder in der Beziehung zu bleiben, oder sich zu trennen, in der vagen Hoffnung, vielleicht doch noch einen Mann zu finden, der sich "Familie" nicht nur in Form von "Mama wäscht meine Socken, bis ich 32 bin" vorstellen kann. Kann mal bitte jemand medial der Sorte ans Bein pinkeln, nur zur Abwechslung?

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  11. Danke! Es hat sich auch in Geschichtsbüchern erstaunlich wenig getan. Wichtige Frauen der Weltgeschichte? Geschichte Afrikas? Fehlanzeige. Gelehrt und gelernt wird nach wie vor die Geschichte des weißen Mannes. Auch dieser Umstand ist jedes Wort der Empörung wert!

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