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Samstag, 12. November 2011

Ich traue dir viel zu. Vermassel es nicht!

Gedanken zum 33. Sonntag im Jahreskreis A

Wieder geht es um richtiges und falsches Handeln und Leben im Evangelium dieses Sonntags. Talente sind drei Verwaltern eines offensichtlich sehr reichen Mannes anvertraut. Eine unendlich große Summe Geld steckt hinter den biblischen „Talenten“. Der Dienstherr macht seine Verwalter damit in heutigem Verständnis zu Millionären. Aber nicht jeder kann damit umgehen, ein Thema, dass ja auch heutzutage beim Blick auf Banken und Staaten brandaktuell ist.

Zwei der drei Verwalter gehen gut mit dem ihnen Anvertrauten um. Ihr Chef hat sie genau richtig eingeschätzt. Die Millionen haben sie nicht überfordert, sie haben mit großem Eifer was daraus gemacht. Nur der dritte, der hat's vermasselt.
Ein Talent wäre nach Einschätzung seines Chefs die angemessene Verantwortung für ihn gewesen, er aber hat sie verbuddelt, eingegraben, sein Talent ruhen lassen. Er hätte es auch weiter geben können, hat er aber nicht. Wer weiß, was er in der Zeit der Abwesenheit seines Dienstherrn gemacht hat. Seinem Auftrag ist er jedenfalls nicht nachgekommen. Verständlich, dass sein Arbeitgeber da sauer wird.

Wie aber können wir heute leben, um auf eine Begegnung mit unserem "Chef" gut vorbereitet zu sein? Was sind die Talente, die uns anvertraut sind? Wie gut, dass es in jedem Gottesdienst (eigentlich) vier biblische Texte gibt, die immer aufeinander bezogen werden und sich gegenseitig interpretieren können.

Von einer wirklich toughen Frau ist in dem alttestamentlichen Text aus dem Buch der Sprichwörter (Spr 31, 10-13.19-20.30-31) die Rede. Sie ist eine echte Perle: die Beziehung mit ihrem Mann klappt, sie arbeitet selbständig und erwirtschaftet damit ein eigenes Einkommen, was auch öffentlich anerkannt ist. Sie übernimmt daneben gesellschaftliche Verantwortung für die Schwächeren und Benachteiligten in ihrem Umfeld. Eine gläubige Frau ist sie noch dazu. Alle ihre Talente nutzt sie und zieht daraus Gewinn. In ihrem ganzen Sein und Handel verkörpert sie die „Frau Weisheit“. Was für eine Powerfrau! Und so was steht in der Bibel.

Der Antwortpsalm 128 ergänzt das Bild um die Dimension eines gottesfürchtigen Mannes. Auch er arbeitet, nutzt seine Hände für sein Einkommen. In der Beziehung zu seiner Frau überwiegt das Glück: im Bild des Weinstocks verbinden sich der Wein als Zeichen des Festes und das Fruchtbringen im umfassenden, nicht nur auf das Gebären reduzierten Sinn. Fruchtbar auch der Mann selbst, zusammen mit seiner Frau: Kinder sitzen um den gemeinsamen Tisch, leibliche und geistige, und wachsen heran wie Olivenbäume, um selber zu fruchten und hoffentlich uralt zu werden. Er ist gesegnet und freut sich an seinem Reichtum, der über das Materielle hinaus geht. Auch er arbeitet mit den ihm verliehenen Talenten und kann den Zugewinn genießen. Ein Mann voll Energie und Lebensfreude!

„Carpe diem!“ schreibt Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher in der neutestamentlichen Lesung. „Nutzt die Zeit, die ihr habt, gut und sinnvoll und lasst das österliche Licht, von dem ihr euch habt anstecken lassen, hell aufleuchten. Ihr wisst nicht, wann der Chef zurückkommt.“ Denn eigentlich hatten die frühen Christen ja darauf gehofft, sie würden das Wiederkommen Christi noch zu ihren Lebzeiten mitbekommen. Aber das verzögerte sich immer mehr, so dass wir heute eigentlich schon gar nicht mehr damit rechnen.

Trotzdem oder gerade deshalb war und ist Wachsamkeit angebracht, die anvertrauten Talente, die ganz auf jedes einzelnen Menschen Können zugeschnitten sind, gut zu nutzen, als Mann, als Frau, als Kind oder Jugendliche_r. Uns gilt der Auftrag, mit dem uns persönlich Anvertrautem jetzt, hier und heute gewissenhaft umzugehen, im Wissen darum, dass wir diesem unserem Chef, der so großes Vertrauen in jede und jeden von uns setzt, irgendwann begegnen werden. Und dem geht es nicht um die Suche nach einem besonderen Supertalent. Seine Frage lautet auch nicht „Wer wird Millionär?“ Vor ihm brauchen wir uns nicht zu fürchten, denn er kannte uns schon vor unserem Werden. Die Arbeit zu tun, die wir haben, die Beziehungen, in denen wir leben, pflegen, uns um die uns Anvertrauten liebevoll kümmern, Verantwortung dort übernehmen, wo wir das können und unseren Glauben nach unseren Möglichkeiten vertiefen und erweitern: das ist genug, das sind die uns anvertrauten Talente.

Voll und ganz können wir darauf vertrauen, dass er uns auch nur das zumutet, was wir tragen können, dass er aus seiner Kenntnis um uns der einen fünf Talente überantwortet, dem anderen zwei, wieder jemand anderem nur eins, damit wir etwas daraus machen und später erfahren: wir bekommen eine noch größere Aufgabe übertragen, die größte Aufgabe schlechthin, und die heißt: Anteil haben an der Freude, an dem großen Festmahl im Reich Gottes - was allerdings gerade für die, die immer nur harte Arbeit gewohnt sind, sicher auch eine große Herausforderung sein kann. Aber das wäre wieder ein anderes Thema ...

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