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Donnerstag, 17. November 2011

Strahlender Müll statt Adventskerzenglanz

Ausgerechnet am 1. Adventswochenende wird der nächste Castortransport, der seit Montag bereits unterwegs ist, in Gorleben eintreffen. Mit den üblichen Belastungen für die Region: endlosen Polizeikolonnen schon Wochen vorher, anreisenden Demonstrant_innen, Treckerblockaden, gesperrte Straßen, Bahnhöfen und Innenstädten, Auseinandersetzungen zwischen Gegner_innen und den Transport begleitende Polizist_innen, von denen nur ihre Diensttreue aber nicht ihre Meinung gefragt ist.

Diesmal also am ersten Advent. Speziell geschulte Geistliche und Mitarbeiter_innen aller Konfessionen aus der Region sind wie jedes Mal als Seelsorger_innen und zur Deeskalation mittendrin.

Fällt der 1. Advent gerade im Raum der Kirchen deshalb in diesem Jahr aus? Unsere Regierung und die Atomindustrie will es offensichtlich so. Mülltransporte sind ihnen wichtiger als kirchliche Feste und Feiertage. Am 10. November haben sich endlich die Kirchen zu Wort gemeldet. Katholische, evangelische und freikirchliche Hauptamtliche wandten sich an die niedersächsische Landesregierung und an die Öffentlichkeit. Ein kleines Zeichen nur, dazu ein ziemlich schwaches, wie ich finde und ein spätes. Das ärgert mich. Während sich die evangelische Kirche immer wieder klar gegen Atomkraft und die strahlenden Transporte gewandt hat, vermisse ich diese Klarheit bei meiner eigenen. Da, so habe ich den Eindruck, wird sich darauf ausgeruht, dass ja der Atomausstieg in trockenen Tüchern zu sein scheint. Oder gibt es auch dort (finanzielle)Verwicklungen, von denen besser niemand wissen soll?

Hier der Text der Kolleg_innen aus der Ökumene:
Die Geistlichen der Lüneburger Ökumene haben sich gegen den Castortransport am Wochenende des 1. Advents ausgesprochen. Bei einer turnusmäßigen gemeinsamen Konferenz äußerten Pastoren, Diakone und Pastoralreferenten der evangelischen, freikirchlichen und katholischen Gemeinden scharfe Kritik an dem für Ende November geplanten Castortransport. In einem Schreiben an das niedersächsische Umweltministerium begründen sie ihre ablehnenden Haltung:

Der 1. Advent sei ein besonderer Sonntag, verbunden mit Hoffnung und Vorfreude. Dieser Gehalt des Sonntags werde zerstört, wenn an ihm ein gefährlicher, hochradioaktiver Castor in der Region ankäme. Den 1. Advent als Termin für einen Castortransport auszuwählen, zeuge von Missachtung des Kirchenjahres, sowie des kulturell und familiär bedeutsamen Feiertags. Für Bewohner der Orte, die an den Gleisen liegen, für die Bürger und Bürgerinnen des Wendlands, aber auch für die vielen eingesetzten Polizisten, ihre Familien sowie die Demonstranten stelle der Termin eine Zumutung dar. Auch für die kirchlichen Mitarbeiter, besonders im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg stelle angesichts vieler Gemeindeaktivitäten zum 1. Advent die Aufgabe, am Adventswochenende den Seelsorgedienst an den Gleisen wahrzunehmen, eine schwere Herausforderung dar.

Die Lüneburger Ökumene fordert, dass der Termin abgesagt wird. Ebenso, wie in an Adventssonntagen keine verkaufsoffenenen Sonntage stattfinden, muss auch ein Castortransport zu herausgehobene Festtagen ausgeschlossen sein. Quelle: Kirchenkreis Bleckede
Die kirchlichen Mitarbeiter_innen und Pastor_innen, die im letzten Jahr den Castortransport im Raum Gorleben begleitet haben, berichten über ihre Erfahrungen in einem 32-seitigen Dokument. Die pdf. findet sich hier. Sie gibt einen guten Einblick in das Geschehen rund um den Castor, jenseits der offiziellen Mediendarstellung.

Wer sich über breit den Protest informieren will, wird fündig beim Bündnis gegen den Castor 2011.

Kommentare:

  1. Die Kirche ist weder Vorfeldorganisation von Greenpeace, noch vom Deutschen Atomforum, zumal es keine ideale Energieerzeugung gibt. Kohle --> Umweltverschmutzung, Ressourcenverbrauch; Solar --> Vereinnahmung von Ackerflächen, Zerstörung von Stadtbildern, in der Herstellung überaus umweltfeindlich; Wasserkraft --> schädlich für Fische und Ökosystem der Flüsse; Windkraft --> Verspargelung der Landschaft und Gefährdung von Vögeln und evt. Fischen und anderen Meerestieren; ...

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  2. Die Kirche versteht sich aber als Anwältin des Lebens. Und im Gegensatz zu den anderen Energiearten, die Sie benannt haben, gab es über Atomenergie noch nie etwas Positives zu sagen, sie war vom allerersten Beginn an umstritten. Und die Bedenken der Gegner sind Realität geworden. Eine Möglichkeit wäre ja auch, sich mit mehr Elan und gutem Beispiel für das Sparen von Energie, der einzigen zukunftsfähigen Lösung, einzusetzen. Auch das geschieht eher halbherzig, wäre aber ein wichtiger Beitrag als Anwältin des Lebens auf dieser Erde.

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  3. Dann verfälscht im Moment Erzbischof Woelki auch den Auftrag der Kirche, der setzt sich nämlich für Asylanten in Abschiebehaft ein. Es ist sicher einfacher, den Katechismus zu zitieren, als sich so unbequem zu Themen der Zeit zu äussern.

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  4. Kirche ist nicht diese Art von Gottvertrauen, die sich mit einem Vater unser und einem Angelus am Tag befaßt und denkt, Gott macht es. Gott wirkt über Menschen.Das wird bereits beim Exodus deutlich.

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  5. Dein Post ist wichtig, hoffentlich lesen ihn ganz Viele
    Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende
    Elisabeth

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  6. Elisabeth und verstehen und unterstützen wäre auch wichtig.Christentum auf Litaneien reduzieren ,anstatt Farbe zu bekennen und zu Handeln, scheint mir die neue Geisteshaltung zu sein.Wenn ich lese, wie alle Arten Energie zu gewinnen, planlos nebeneinander gestellt werden, als gäbe es keinen Unterschied. In der Tat ist Verzicht mal angesagt, sich beschränken. Sonst kommt der Tag, da fragt uns niemand mehr, wie wir das finden, wenn die Ressourcen im falsch verstandenen macht euch die Erde untertan perdu gegangen sind.

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  7. Herzlichen Dank für diesen Artikel, den ich erst heute gefunden habe.
    Mir ist er ein Hoffnungszeichen der Art, wie ich sie in der katholischen Kirche (der ich angehöre) viel zu selten erlebe. Zu oft erfahre ich Christentum als eine schulterklopfende Geste Besserwissender, und in der Tat schreckt mich diese so allgemeine Haltung seit längerer Zeit ziemlich ab. Da sind so klare Worte wie Deine über Verantwortung für das Leben im weitesten Sinne nicht nur Mahnung, sondern auch Trost und Hoffnungszeichen.

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