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Samstag, 21. Januar 2012

Jahr des Glaubens ohne Bibel?

UPDATE: Hier gibts was zum Thema "Jahr des Glaubens mit Bibel"!

Durch Walter Ludin wurde ich darauf aufmerksam: bei der vatikanischen Note zum "Jahr des Glaubens" geht es viel um den Weltkatechismus und die regionalen Katechismen, aber von Bibel ist dort nicht die Rede. Auch bei "Begegnung und Dialog" ist heute etwas dazu zu lesen, die Zeitschrift "Christ in der Gegenwart", die wohl als erste darauf hinwies, kann ich derzeit nicht erreichen. Eine intensive Kritik ist um diesen vatikanischen Ansatz entbrannt, in die ich an dieser Stelle gerne einsteigen möchte. Um was geht es eigentlich wirklich? Um ein Jahr des "Glauben(s) ohne Bibel"? Um ein "Jahr des Weltkatechismus'"? Oder tatsächlich um ein "Jahr des Glaubens" mit allem, was dazu gehört, allem voran natürlich die heilige Schrift?



Folgende Empfehlungen stehen u.a. in der Note:
  • Eine Bischofssynode zur neuen Evangelisierung soll es geben. Aber wie geht Evangelisierung ohne das Evangelium?
  • Pilgerfahrten ins Heilige Land sollen gefördert werden. Wohin, wenn nicht zu den Stätten, die mit biblischen Ereignissen in Verbindung gebracht werden?
  • Maria soll besonders in den Blick genommen werden. Auch hier würde ich den biblischen Texten den Vorrang geben vor marianischen Katechismusweisheiten.
  • Treffen und Zusammenkünfte soll es geben, auf denen Glaubenszeugnisse im Mittelpunkt stehen, aber auch das Studium der vatikanischen Texte und - - - Überraschung!: des Katechismus. Wieder fällt das Bibelstudium unter den Tisch.
  • Die Einheit der Kirche in der Ökumene soll gefördert werden. Nur wie, wenn nicht auf Grundlage der uns verbindenden biblischen Texte?
Ich bemühe mal die Statistik zur Annäherung an die vatikanische Note zum "Jahr des Glaubens". Wenn es stimmen sollte, dass die Häufigkeit, mit der ein Begriff in einem Text vorkommt, etwas über seine Bedeutung für den Inhalt aussagt, welche Worte prägen dann den vorliegenden Text? Wordle zeigt diese fünfzig am häufigsten erwähnten Wörter:

Und hier nur die 20 häufigsten Worte in der Übersicht:
  1. Glaubens
  2. Kirche
  3. Katechismus
  4. katholischen
  5. Glaube
  6. Jahr
  7. Konzils
  8. Glauben
  9. vatikanischen
  10. Heiligen
  11. Gläubigen
  12. Welt
  13. Christus
  14. Lehre
  15. Zeit
  16. Menschen
  17. Jahres
  18. Jesus
  19. fördern
  20. Herrn
  41.   Gott

Während das Wort "Katechismus" bzw. "Katechismen" 29 mal Erwähnung findet, taucht "Evangelium" nur zweimal auf, ebenso wie "Gebet", "Bibel" hingegen überhaupt nicht. "Christus", der das Zentrum unseres Glaubens und seiner Kirche sein soll, kommt erst nach Ausdrücken wie "Glaube", "Kirche", "Katechismus", den "Heiligen", den "Gläubigen" und der "Welt" auf Platz 13. "Gott" findet sich immerhin noch auf Platz 41 der TOP 50. ("Frau" kommt übrigens kein Mal in dem Text vor. "Mann" aber auch nicht. "Mensch" dagegen 11 mal gegenüber 17 mal "Gott". Wenigstens da stimmen die Verhältnisse...)

Das, was ich an diesem vatikanischen Text bemängele, nämlich dass eben nicht Gott, Christus, das Gebet und die Bibel im Zentrum stehen, wird sonst mit Vorliebe von denen, die den Vatikan gerne für sich vereinnahmen, an den Texten rund um den Dialogprozess kritisiert. Um was geht es also eigentlich? Wirklich um ein "Jahr des Glaubens" als Reaktion auf eine "Krise des Glaubens"? Nicht vielmehr um ein "Jahr des Katechismus" wegen einer "Krise der Deutungshoheit"? Oder wie sonst soll ich den Befund deuten?

Mich ärgert es, wenn einem Katechismus mehr Bedeutung beigemessen wird als seiner biblischen Grundlage und den Menschen, die immer wieder neue Worte und Bilder für ihren Glauben finden. Mir kommt es vor, als ob hier (Glaubens-)Hungrigen mit "Konserven" abgespeist werden anstelle mit "frisch Zubereitetem" genährt, weil der "Nährwert" des vorgefertigten Produkts exakter von so genannten "Ernährungsexperten" zu bestimmen ist. Gewiss: man kann aus der Konserve leben, man kann sich ausschließlich mit Fertigprodukten ernähren, wie es unzählige Menschen heute bereits tun. Traurigerweise liegt der vatikanischen Ansatz mit seinen Katechismuskonserven damit voll im Trend des sonst so geschmähten "Zeitgeistes".

Mit standardisierter Fertignahrung wird man allerdings weder den unterschiedlichsten Personen noch der Würde der "Grundnahrungsmittel" gerecht. Dabei weiß man doch inzwischen sogar aus der Säuglingsernährung, das a) nach Bedarf "gestillt" werden sollte und weder nach der Uhr noch nach einer vorgegebenen Menge, und b) die bei jeder Mutter ganz unterschiedlich zusammengesetzte Milch einer noch so wissenschaftlich korrekt industriell zusammengestellten Flaschennahrung vorzuziehen ist, wenn es irgend geht.

Wer vorgefertigte Nahrung bevorzugt, lernt nicht, verschiedene Geschmacksrichtungen zu unterscheiden und so seinen Geschmackssinn zu schulen, er muss auf die unterschiedlichen Nuancen der "Würze" verzichten und macht sich abhängig von der "verarbeitenden Industrie" - von möglichen gesundheitlichen Risiken einmal ganz abgesehen. Vor allem lernt so jemand nicht, selber "Nahrung" zuzubereiten. Weder für sich selber, noch für andere ist er oder sie in der Lage zu sorgen. Ist eine solche Abhängigkeit in Glaubensfragen vielleicht sogar beabsichtigt?

Um beim weltweiten Projekt "Jahr des Glaubens" mehr Menschen wieder oder neu "Geschmack" am Glauben zu machen, braucht es mehr als "Eingemachtes" und "Vorgekochtes", nämlich vor allem frische und vielfältige Zutaten. Dazu gehören für mich unabdingbar quasi als "Grundnahrungsmittel" das Lesen der Bibel, allein und in der Gemeinschaft, ihr Meditieren und Kontemplieren, aber auch ihr Studieren. Für mich darf da hin und wieder gerne "eine gute Portion" von Bibelwissenschaft und Exegese dabei sein, für viele wird vermutlich "eine Prise" davon völlig genügen, um die eigene Lieblingskost mit diesen Glaubens- und Lebens- "Vitaminen" anzureichern. Vor allem aber braucht es gute "Köchinnen und Köche", d.h. eigenständig Glaubende, deren Leidenschaft zu "schmecken" ist und die bereit sind, andere das "Selber-Kochen" bzw. Selber-Glauben zu lehren.

Ein Jahr des Glaubens finde ich überaus sinnvoll, aber bitte ein Jahr eines frischen, lebendigen, individuellen Glaubens, der sich einem großen Ganzen verbunden weiß, bei dem eine "Zutat" schon mal eine Macke haben und ein neues "Gericht" durchaus auch mal misslingen darf, weil das Leben eben nicht perfekt ist. Aber bitte kein Jahr des pasteurisierten Einheitsglaubens aus der Katechismuskonserve!

Anmerkung:
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Hier der Link zum Predigtgärtner, wenn Blogger denn mag ... (Bei mir mag er grad nicht)

Kommentare:

  1. Liebe Elisabeth, lieber Predigtgärtner,
    danke für eure Rückmeldungen bei "Lesen und Kommentieren". Kommentieren ist jetzt auch hier wieder möglich. Keine Ahnung, warum das nicht ging.
    Liebe Grüße
    Ameleo

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    1. Ich komme in die Kommentarfunktion nur über die "Antworten"-Funktion rein.

      Wortwolken finde ich oft sehr erhellend. Ein Jahr der Bibel - soweit ich mich erinnere ökumenisch - gab es 2003. Die katholische Kirche plant ein weiteres dann im Jahr 2015.

      Nachdem ich gestern das Posting gelesen habe, hat mich das noch einige Zeit beschäftigt im Hinblick auf einige Erfahrungen, die ich im letzten Jahr gemacht habe.

      Mehrmals war ich zu zweitägigen Fortbildungen von sehr aktiven katholischen Ehrenamtlichen eingeladen. Die Leute waren bis auf wenige Ausnahmen in der Altersgruppe 50plus. Alle waren sehr aktiv in irgendwelchen Funktionen in der Meßfeier (G-ttesdienstbeauftragte, Kommunionhelferinnen, Lektoren etc.).

      Der Pastoralreferent, der die Fortbildung vorbereitet hatte, hatte eine Arbeitseinheit vorbereitet, in der Bibelstellen, die mit dem Thema zu tun hatten, verglichen werden sollten. Für mich war es ungewohnt, wie schwer es den Teilnehmenden bis auf wenige Ausnahmen fiel, sich ohne Hilfestellung in der Bibel (Einheitsübersetzung) zurechtzufinden und Bibelstellen aufzuschlagen, wenn es über die Evangelien und Apostelgeschichte hinausging. ("Wenn Sie die Bibel in der Mitte aufschlagen, dann sind Sie bei den Psalmen und dann ...).

      Das war ganz anders als in evangelischen Kreisen, in denen ich oft zugange bin und bibliologisch arbeite (mehr zu diesem Ansatz mit biblischen Texten umzugehen auf meinem Weblog).

      Völlig unerwartet schlugen mir richtiggehend Aggressionen von einer älteren sehr gebildeten Teilnehmenden entgegen, als ich mich auf Maria und die Geburtsgeschichte von Jesus, wie sie im Lukasevangelium steht, bezog. "Das können Sie doch nicht sagen - Maria ist im Umfeld des Tempels aufgewachsen und hat im Tempel gelebt". Ich war platt und erfuhr, daß die Quellen für dieses Wissen eine italienische Mystikerin aus dem letzten Jahrhundert war, die Eingebungen hatte und dazu elf Bände geschrieben hat. Diese waren der Teilnehmerin bekannt. Und immer wieder bekam ich an diesen Tagen zu hören: "... aber Maria Valtorta (so der Name der Mystikerin) hat gesagt". Bis ich dann die sehr grundsätzliche Frage stellte, auf welche Grundlagen sich die Frau bezieht. Es hat sie sehr ins Nachdenken gebracht.

      Als wir zu einer biblischen Geschichte mit biblischen Erzählfiguren arbeiteten, wurde mir sehr deutlich, wie sehr die Wahrnehmung von katholischen Traditionen und Volksfrömmigkeit geprägt war. Nachdem eine biblische Geschichte in vier Szenen aufgestellt worden war, durfte jede/r einen Gegenstand suchen und am passenden Ort in der Szene ablegen. Für mich hatten dann die abgelegten Gegenstände (mit den Kommentaren der Teilnehmenden, warum sie das gewählt hatten) eine stärkere Wirkmächtigkeit als die biblische Geschichte. Wenn ein "Jahr des Glaubens" damit umginge, in dem Sinn, daß es um die Quellen des Glaubens geht, wäre das eine gute Sache. Aber das Posting legt eher etwas anderes nahe.

      Interessant fand ich auch noch eine Begegnung beim Taizé-Treffen in Berlin, bei dem Frere John, ein katholischer Bruder, darstellte, wie - aus katholischer Sicht - sich Psalmen und Neues Testament aufeinander beziehen. Auch darüber habe ich geschrieben.

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    2. Liebe IWE,
      in den vergangenen Jahren bin ich immer wieder zu Frauengruppen eingeladen worden, weil ihnen genau diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit biblischen Texten fehlt. Selbst dass es ein Inhaltsverzeichnis in jeder Bibel gibt, ist leider nicht jeder Person bekannt. Aber es gibt bei denen, die mich einladen, eine große Sehnsucht danach, mehr zu wissen und zu verstehen.
      Meine Eltern erzählen mir allerdings auch von Zeiten, in denen es Katholik_innen verboten war, eigenständig die Bibel zu lesen, besonders die Schriften des ersten Testaments.
      In dem mich umgebenden evangelischen Umfeld herrscht da eine größere Selbstverständlichkeit, was auch z.B. zur Formulierung von Eselsbrücken und Hilfssätzen zum Auffinden biblischer Bücher geführt hat. Um sich in den paulinischen Briefen zurecht zu finden, hilft z.B. dieser Spruch:
      Rokoko Galephiko Thessthess Timtim Tiphile.

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  2. Liebe Ameleo,
    ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worüber Du dich so ereiferst. Mir wurde im Reli-Unterricht von einem dieser kritischen, bibelwissenschaftlich geschulten Cisalpinisten beigebracht, das Evangelium dürfe man nicht als Geschichtsbuch, sondern man müsse es als Glaubenszeugnis verstehen. Wie nun könnte also die Schrift Grundlage dessen sein, wovon sie lediglich Zeugnis ablegt- vom Glauben an Christus nämlich? Das erscheint mir wenig schlüssig. Dass allerdings die römisch-katholische Kirche den Katechismus in den Mittelpunkt eines Jahres des Glaubens stellt, erscheint mir nur logisch. Wird dort doch die ganze Breite des Glaubens dargelegt, mit den entsprechenden Verweisen auf die Quellen dieses Glaubens: auf die Tradition und die frühen Glaubenszeugnisse im Evagelium, die beide eben auf die Selbstoffenbarung Gottes im Menschen Jesus. Ich denke, es wird deutlich, dass ich eher ein Anhänger dessen bin, was du als pasteurisierten Einheitsglauben abtust. Die mehr oder weniger gelungene Zutat des Lebens dazu bin ich selbst. Aber ich habe keine Lust in einem beliebigen cross-over-kitchen Einheitsbrei verkocht zu werden. Ich bevorzuge gut abgehangenes, gereiftes- mit authentischem Eigengeschmack. Gut gepökelt mundet das dem kulinarisch Geschulten tausend mal besser als so ein aufgerührtes stir-fry. ;-)

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  3. Hallo Alex,
    was ist ein Cisalpinist? Habe ich noch nie gehört. Wie schön, dass du mein Bild vom Kochen etc. aufgreifst!
    Als Glaubenszeugnis lese ich die Bibel auch, allerdings gibt es auch Stellen, die für die Geschichtswissenschaften von großer Bedeutung sind, gerade was die Geschichte Israels betrifft. Es gibt die unterschiedlichsten Textarten in den Schriften. Die bibelwissenschaftliche Kunst besteht darin, sie von einander zu unterscheiden und entsprechend zu deuten. Mir gefällt die Sprache der Evangelien, die oft Anklänge an alte Texte hat, auf alte Erfahrungen des Volkes Isreal verweist und symbolbeladene Ausdrücke nutzt. Damit lassen die Texte einen gewissen Interpretationsspielraum zu, in den unterschiedliche Vorerfahrungen mit einfließen können. Nicht umsonst gibt es vier Versionen des einen Evangeliums, die alle Unterschiedliches betonen bzw. weglassen.

    Katechismen sind mir zu eng. Sie weisen Gott und Christus einen Raum zu, was ihnen in ihrer Größe und Unverstehbarkeit nicht gerecht wird. Auch dort wird an manchen Stellen ebenfalls in mytholigischer Sprache geschrieben, sie ist aber nicht als solche gekennzeichnet, sondern wird als Fakt dargestellt. Gegenüber der Offenheit der biblischen Texten, bei denen ich sagen kann: "Ja, so ähnlich erlebe und erfahre ich das auch" oder "Nein, das ist mir fremd, aber ich akzeptiere, dass andere Gott so erlebt haben und erleben" gilt beim Katechismus nur: "Entweder du stimmst zu, dann gehörst du zu uns, oder du lehnst etwas ab, dann bist du leider draußen!" Dieses Katechismusschwarzweissdenken ohne Zwischentöne, diese Engführungen und Festlegungen, dieses luftdicht Einwecken wird einem lebendigen und gelebten Glauben meiner Erfahrung nach nicht gerecht.

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  4. Bibel ist nicht mit Exegese zu verwechseln.Der Papst macht seit einiger Zeit im Osservatore und bei den Generalaudienzen Bibelmeditationen, die wirklich wunderbar sind. Möglicherweise ist ihm die Bibel zu heilig, als dass er zulassen könnte, dass Stümper aller Arten mit Bibelzitaten um sich werfen, ohne das gesamte Werk zu kennen. Beim Katechismus kann man kaum was falsch machen..Die Amerikane gehen ganz anders mit Bibel um als wir. Es gibt in den Gemeinden auch ohne Jahr des Glaubens Angebote wie Bibel teilen oder Bibliodrama. Da könnte man dann mit einsteigen. Katechismus ist nicht mehr so mein Fall, als Theologin habe ich das auch nicht nötig, ich habe ihn als Kind auswendig gelernt, montags wurde abgefragt,Biblische Geschichte war die Woche über dran.Ich kenne die Dogmen und Enzykliken.. wie Ameleo.

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    1. Hallo Teresa,
      beim Katechismus kann man schon etwas verkehrt machen, nämlich ihn absolut setzen und vergessen, dass er nur ein Fundament vorbereiten kann, von dem aus ich dann anfange, selber zu glauben. Dass du dir diese Freiheit genauso nimmst wie ich, weiß ich. Aber vielen macht Freiheit Angst, sie brauchen enge Grenzen, um sich sicher zu fühlen. Der Katechismus und der gegenwärtigen Umgang unserer Kirche mit Freiheit verstärkt und bestätigt nach meinem Empfinden eher die Angst vor Freiheit und betrachtet sie als Gefahr, als zu lehren, mit ihr verantwortungsvoll umzugehen und sie als großes Geschenk zu betrachten. In den biblischen Texten erlebe ich unendlich viel Freiheit, deswegen schätze ich sie so sehr!

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    2. katechismus verschlucken und dann in blogs ausspucken? die brauchen nicht nur ihre grenzen, sondern auch die der anderen. festgemauert, in der erden...denn, wie ich dir schon mal sagte, der rechte glaube ist die eintrittskarte in den himmel. oder möchtest du im jenseits umherirren, weil du auf der brücke die fragen falsch beantwortet hast? (ritter der kokosnuss)

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  5. Unser Berlier Erzischof hat schon wieder von Glaubenszeugnissen gesprochen..sein Wahlspruch auf dem Bischofswappen.Nos sumus testes.(Oh, die Rechtschreibung?) Er meint möglicherweise die persönliche Beziehung zu Gott..verkünden dort, wo man gefragt wird. Er wird immer gefragt. Katechismus ausweniggelernte Sprüche meint der nicht. Wie ich ihn kenne.

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  6. Hallo Ameleo, sorry für die verspätete Antwort. Cisalpinist ist meine, nicht ganz ernst gemeinte Bezeichnung für den Gegensatz zum Ultramontanisten. Dem kann es nicht römisch genug zugehn, während dem Cisalpinisten Rom gar nicht weit weg genug sein kann. Ich persönlich lasse mich durch allzu kritische Bibelwissenschaft nicht mehr engführen. Ich betrachte die Bibel in ihrer Gesamtheit als organisch gewachsenen, und somit kohärenten Teil der göttlichen Offenbarung. Für mich als Laien ist es ohnehin wichtiger, was mir persönlich in meiner konkreten Situation ein Bibeltext zu sagen hat. Wie man daraus eine in sich Zusammenhängende Glaubenslehre destilliert ist nicht ganz so wichtig, wofür bezahale ich schließlich ein unfehlbares Magisterium. Den Katechismus mag ich daher ganz gern; er stellt schließlich die Summe dessen dar, was ein Haufen kluger Köpfe der Schrift abgerungewn und was die Tradition schon immer gelehrt hat. (Gerade Letztere wird viel zu oft unterschätzt- wir haben es offensichtlich mit einem Gott zu tun, der Traditionen stiftet, sonst wäre die Schrift auf uns gekommen wie der Koran auf die Muslime: als göttliches Diktat. Es ist aber auffällig, dass die Menschen erst recht spät nach der eigentlichen offenbarung angefangen haben, davon etwas aufzuschreiben). Als solcher ist der Katechismus eine schöne, konzise Zusammenfassung des katholischen reichtums und für den Einzelnen ein brauchbarer Wegweiser. Dass man auf diesem Weg kaum je ans Ziel kommt,ist klar- Leute die erst auf der Hälfte stehen geblieben sind, nennt man Heilige. Was die Bejahung des Ziels angeht, bin ich dann schon anderer Meinung: wenn ich wesentlichen Glaubensinhalten nicht zustimmen könnte, dann würde ich aus der Kirche austreten. Es wäre anmaßend von mir, denen die's glauben "die Glocken aus dem Turm zu holen", weil mich das Gebimmel stört. Um bei deinem Bild zu bleiben: einwecken dient der konservierung (conservare ist der Auftrag der Kirche und die Bedeutung von Tradition). Nicht eingewecktes ist ein toller Lebensraum für allerlei Pilze und Bakterien, es kann aber nicht mehr dazu dienen, denen, für die's eingeweckt wurde, lebenserhaltende Nahrung zu sein.Es bleibt also ein schönes Bild, mit dem fruchtbar spielen kann. Deswegen seh ich mich gerne hier um. Hier wird zwar nicht meine Meinung vertreten, aber die kenne ich ja eh schon.

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    1. Hallo Alex,
      danke für deine ausführliche Antwort. Sie beschäftigt mich, und ich möchte mit einem neuen Post darauf antworten. Da bitte ich dich noch um ein wenig Geduld, denn ich mag da nichts überstürzen.

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  7. Seeeehr vernünftig, Alex. Ignatius von Loyola hat die Bibel wörtlich genommen. Ich mag Bibliodrama, mochte es schon, bevor ich wußte, dass es das gibt.Wenn ich den Ps 23 lese, frage ich mich wirklich nicht, wann und wo und ob überhaupt.

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    1. Teresa: jedes zu seiner Zeit und an seinem Ort. Wie schön, wenn wir uns die Worte z.B. der Psalmen 1:1 zu eigen machen und mitsprechen können! Das geht immer wieder. Nun bin ich - um bei Psalm 23 zu bleiben - aber in meinem realen Leben mit Hirten konfrontiert und nehme wahr, dass sich da Dinge nicht (mehr) 1:1 übertragen lassen, weil sich etwas verändert hat. Und dann fange ich an zu fragen, wie meine Alltagserfahrung, die manchmal eine ähnliche ist, wie die der biblischen Menschen, aber eben manchmal auch eine andere, zusammenpasst und wie ich das, was nicht mehr passt einordnen und ihm einen Sinn geben kann.

      Irgendetwas muss irgendwann schief gelaufen sein beim Versuch, die Bibelwissenschaft, die in Glaube und Wissenschaft wurzelt, an die Allgemeinheit der Glaubenden zu vermitteln. Ich habe aber noch nicht verstanden, was das sein kann.

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    2. Ameleo'chen..deswegen bekommst du die anrufe..bist du noch dran? ich sehe niemanden als hirten.priester sind entweder meine freunde, oder weit weg. ich sehe nur gott als hirten und da ist ps 23 immer das schönste, was ich mitbeten kann. den habe ich gerade wieder da für 2 andere und mich.im mittelalter durfte zumindest in spanien die bibel nicht indie muttersprache übersetzt werden, weil sie dann verhunzt werden würde, hieß es. da waren die spanier mal klug.es geht jeder unwissende mit seinen gefühlen dran. ignatius ging mit seinen gefühlen dran, auch auf latein..und landete wo? richtig.nein, ameleo,ich lasse mal gnade vor recht ergehen: die bibel muss schon dabei sein. so dumm ist das volk nicht, dass es sich vorschreiben lassen müßte von oben...die evangelischen dürfen doch auch selber denken. (noch ein ökumenehindernis sehe ich da gerade....)

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  8. Liebe Ameleo, lass Dir Zeit, man hat ja auch noch ein Leben. Ich möchte nur noch klar stellen, dass die Bakterien und Pilze dem Bild geschuldet waren. Damit will ich nicht die Zweifel anderer an katholischen Glaubensinhalten abkanzeln. Ich verstehe nur eben nicht, warum mancher dem so einiges am katholischen Glauben fremd ist nicht die persönlichen Konsequenzen zieht sondern verlangt, dass die Kirche sich von sich selbst entfremdet. Zum Thema gelebter Glaube möchte ich noch anmerken: als Zivi im Altenheim (ich war 19, nicht naiv und wusste alles) fragte ich eine alte Frau, woher sie nur ihren Glauben nehme. Sie sagte, das sei eine dumme Frage, Glauben lerne man indem man in die Kirche gehe. Mittlerweile habe ich kapiert, dass man nicht nur vorm Tabernakel niederkniet, weil man dran glaubt, sondern auch,um überhaupt dran glauben zu können. Das ist eben auch die Bedeutung von Tradition: es gibt solche Gebetshandlungen, die in Jahrtausenden erprobt sind. Und wir wissen im Glauben eben nicht mehr als irgendein analphabetischer Bauer vor tausend Jahren, der nie seinen Hof verließ. Wer meint, es entspräche seiner Individualität besser, wenn er vorm Tabernakel Purzelbäume schlägt, das sei sein gelebter Glaube, der hat das nicht verstanden (mal abgesehen davon, dass ich vor Gott wohl nichts ausleben müsste, das ihm unbekannt wäre). Was ich sagen möchte: Glauben muss der Lektüre der Bibel vorausgehen, sonst sagt sie mir gar nichts. Wer irgendwas glaubt oder glauben will, der braucht die Kirche dazu nicht. Den Glauben der Kirche kann man, muss man einüben, dazu hat die Kirche einen immensen Erfahrungsschatz: Milliardenfach erprobte und bewährte Gebete und Gebetshandlungen.

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    1. Lieber Alex, wenn sich der analphabetische Bauer damals rein auf Gott eingelassen hat, gibt es sicher keinen Unterschied zu heute. Was die Purzelbäume vor dem Tabernakel angeht, da machen Hochwürden auch eine ganze Anzahl. Der Tabernakel allein ist das Problem nicht.Ohne Kirche "irgendwas" glauben?..mh. Weiter: man kann die Bibel auch ungläubig lesen und danach glauben. Siehe Ignatius von Loyola. Der hat sich auf seinem Krankenbett gelangweilt und ist durch die Lektüre erst zum Glauben gekommen.Wenn alle Kritiker der Kirche die Konsequenzen ziehen müßten und gehen..sie ist leer genug, die Kirche.Dialog, Auseínandersetzung. Was ist dem Einzelnen wichtig..die sogenannte una sancta gab es früher nicht durch Einsicht, sondern durch Druck.Die Wege Gottes zum Menschen sind vielfältig, auch das steht in der Bibel. Saulus fiel vom Pferd, Petrus hat Jesus verraten. Johannes war der Lieblingsjünger, die anderen Apostel haben Jesus am Ölberg allein gelassen. Die Frauen haben zu ihm gehalten.Und die Wege des Menschen zu Gott sind vielfältig. Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen.

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    2. Liebe theresa, was den Bauern angeht, sind wir uns einig. Allerdings, und sonst könnte ich nicht katholisch sein, heißt für mich, sich auf diese Kirche einzulassen. Das Argument mit dem Druck entzieht sich mir. Irgendwie drückt und drängt alles Wichtige im Leben. Besonders die wichtigen Dinge. Und es mag ungerecht sein meinerseits- ein Purzelbaum- leichtfertig darüber hinweg zu gehen, wie ältere Generationen gedrückt und gedrängt wurden. Aber ich habe es so meinerseits nicht erlebt, im Gegenteil, und ich nehme für mich das Recht in Anspruch, die Aufbrüche und Reformationsbestrebungen dieser Generationen zu hinterfragen. Und ich sehe nicht, wo der Tabernakel für einen Katholiken ein Problem sein könnte (nun gut, für mich schon, wenn er nicht vorne in der Mitte steht, oder wenn man reinkommt durch Stellwände mit Bastelarbeiten der Kommunionskinder nicht sofort sichtbar ist). Damit zum Nächsten Punkt: wenn ich sage "ich glaube an die heilige, katholische Kirche" dann glaube ich es, oder versuche es wenigstens zu glauben, sonst würde ich es nicht sagen. Sonst gäbe es für mich irgendeine andere Glaubensgemeinschaft christlicher Prägung, oder wenn ich's monophysitisch-doketistisch-etc will den Islam, oder den Budhismus wenn ich an gar keinen Gott mehr glaubte sondern nur noch an die Selbstauflösung. Das ist meines Erachtens eine Frage des Selbstrespektes und der Toleranz: wenn ich's nicht glauben kann oder will, sollte ich meinen Unglauben nicht den anderen aufzwängen. Dabei bleibe ich: dass der persönliche Glaube je nach Tagesform wankt ist klar. Aber wenn ich einen erheblichen Teil der Glaubenslehre strikt ablehnte, dann würde ich gehen. Die Leere ist da kein Argument. Wenn's voll von Ungläubigen ist, dann ist's vor Gott trotzdem leer. Egal wer da vom Pferd fiel, verraten, verlassen, geleugnet hat- sie alle haben gemeinsam, dass sie sich hinterher wieder zum Herrn bekannt haben.
      Was die Bibellektüre angeht war ich vielleicht zu streng, bin aber noch nicht wirklich überzeut. Ich schlage Purzelbäume.

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    3. Zum Thema "Purzelbäume vor dem Altar" schon mal einen Einblick in meine Ansicht in diesem Post: http://bit.ly/y45VDR vom 18.02.2012.

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