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Dienstag, 28. Februar 2012

Die (!) können doch fahren!

Fragmente eines Widerspruchs gegen die zunehmende Reduktion von Kirche und Gemeinde auf die sonntägliche Eucharistiefeier

In Zusammenhang mit den offensichtlich inzwischen in so gut wie allen deutschen (deutschsprachigen?) Bistümern üblichen Gemeindefusionen zu Groß- und Größtgemeinden und den damit verbundenen Kirchenschließungen und Streichungen von Gottesdiensten zugunsten von zentralen Eucharistiefeiern in Zentralpfarreien taucht immer wieder eine ähnliche Argumentation auf: Die Leute sind doch mobil. "Wer zum Aldi und zum Baumarkt fahren kann, der kann auch zur Messe fahren." (aktuell in diesem Interview mit Prälat Imkamp, in dem er Bischof Zdarsa zitiert und sich dessen Ansicht zu eigen macht. Das Interessanteste an dem verlinkten Artikel sind übrigens die zahlreichen Kommentare).


Abgesehen davon, dass der nächste Supermarkt nur in sehr dünn besiedelten ländlichen Regionen wirklich viele Kilometer entfernt liegt und eine normale Sterbliche nicht wöchentlich einen Besuch beim Baumarkt braucht (bei Männern soll das anders sein ...), abgesehen auch davon, dass es gerade in diesen Regionen eine logistische Meisterleistung ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln am Wochenende von A nach B zu kommen, worauf dort Lebende aber in der Regel gut eingestellt sind, ärgert mich das diesem Denken zugrunde liegende Bild von Kirche und Gemeinde: Wenn in zumutbarer Entfernung (was ist das?) am Sonntag eine Eucharistiefeier erreicht werden kann, dann ist für die in diesem Raum lebenden Katholik_innen offiziell gesorgt, das muss genügen. Auf den Punkt gebracht: Eucharistie = Gemeinde. Aber ist die Teilnahme an einer Sonntagsmesse alles? Sieht so Gemeinde Jesu Christi aus? Reicht das, um nach eigenem Verständnis Kirche zu sein???

Mag sein, dass mein Studium schon zu weit zurückliegt und sich in den vergangenen 25 Jahren in der Ekklesiologie, der Lehre von der Kirche, Wesentliches getan hat (was ich allerdings bezweifle). Es gab da mal und gibt es sicher heute noch die drei oder vier Grunddienste der Kirche, die zum Fundament jeder einzelnen Pfarrgemeinde gehören. Als da sind:

  • Verkündigung (Martyria), also das Zeugnis geben im Alltag, im Religionsunterricht, in (Erwachsenen-)Bildung und Katechese, aber nicht nur in der Predigt.
  • Liturgie (Liturgia), die Feier des Glaubens im persönlichen Gebet alleine oder in Gemeinschaft, in Meditation und Kontemplation, Andachten, Wortgottesfeiern, dem Stundengebet und Wallfahrten bzw. Pilgerwegen, aber nicht nur in der Eucharistiefeier.
  • Dienst am Nächsten, Nächstenliebe (Diakonia), also der Einsatz für Menschen in verschiedensten Nöten gemäß Mt 25,40b: „Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen. Ich war krank und ihr seid zu mir zum Besuch gekommen. Amen, Wahrlich, ich sage euch: Was ihr den Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.”, aber nicht nur durch die sonntägliche Kollekte.
  • Gemeinschaft (Koinonia), der Grunddienst, der die drei anderen miteinander verbindet und uns in Beziehung setzt untereinander, mit Christus und so mit Gott, auch außerhalb eines liturgischen Rahmens und sich gerade da besonders bewähren muss.

Was wird aus diesen gemeindlichen Grundvollzügen bei dem oben genannten Gemeindebild? Ohne Frage, alles kann man auch in einer Eucharistiefeier entdecken. Doch hilft es den Kranken nur begrenzt, wenn ihrer während der Fürbitten gedacht wird, aber niemand sie besuchen kommt. Da braucht es Menschen, die vor Ort um die Kranken wissen, denen es nicht egal ist, wer unter Einsamkeit leidet und welche Familie in Not ist.

Neben dem kaum noch vorhandenem Religionsunterricht ist auch eine normale Gemeindepredigt nicht unbedingt der Ort, an dem Kinder und Jugendliche etwas Wesentliches für ihr Leben und ihren Glauben lernen (manchmal auch nicht für die Erwachsenen...). Wo, wenn nicht in der Gemeinde am Wohnort, dort in Gruppen, Chören oder auf Fahrten können sie dann außerhalb des familiären Umfelds etwas vom Glauben lernen? Da sind Menschen vor Ort gefragt, im näheren Lebensumfeld der Kinder und Jugendlichen, die bereit sind, sich auf ihre Fragen, ihre konkreten Probleme und ihre Sprache einzulassen und die die Gabe haben, sie zu motivieren und immer neu auf die schnell wechselnden jungen Leute zu zu gehen. Menschen, die nicht nur die Kids & Co erreichen, sondern auch von ihnen regelmäßig erreicht werden können, weil nicht erst eine längere Anreise nötig wird.

Und wieviel Gemeinschaft wird erfahrbar und gelebt, wenn ich während der sonntäglichen Eucharistiefeier in der Zentralkirche als eine unter Hunderten meinem Banknachbarn/meiner Banknachbarin allenfalls freundlich zunicken und beim Friedensgruß die Hand geben darf, aber noch nicht einmal den Namen weiß und all das, was in überschaubaren Räumen eben so üblich ist? Ein Kirchenkaffee ist da schon mal ein guter Ansatz, aber auch die gemeinsame Auseinandersetzung mit brennenden Themen und die Mitarbeit an not-wendigen Projekten machen erfahrbar, was bei der Kommunion liturgisch gefeiert wird.  Nur: wer fährt denn abends nach der Arbeit noch die Stunde zu seiner/ihrer Kirche, um sich dort zu engagieren, fort zu bilden und sich durch die Gemeinschaft mit anderen stärken zu lassen? Oder gilt hier auch das Argument: wer mobil ist, kann nicht nur sonntags weit fahren, sondern auch abends? (auch die ökologischen und ökonomischen Aspekte lasse ich hier erst mal außen vor)

Wo schließlich werde ich eingeführt in die Vielfalt der verschiedenen liturgischen Feiern? Wo außerhalb von Familie lernen Kinder beten? Wer nimmt die Fahrt von einer Stunde auf sich, wegen einer halben Stunde Rosenkranzandacht oder der Mitfeier der Laudes? Oder wie, außer durch Mitmachen und Hineinwachsen, kann man diese gottesdienstlichen Formen kennen und schätzen lernen? Eine lebendige Gebetsgemeinschaft, die auch ohne Priester regelmäßig Taizeandachten oder anderes feiert, braucht es dafür, aber in erreichbarerer Nähe zu denen, die nicht aufs Mamataxi angewiesen sein wollen oder können und auch nahe bei denen, die nach Arbeit und/oder Familienzeit mal eine Stunde in Stille, Gebet und gemeinsamer Feier verbringen möchten, statt im Auto auf dem Weg zur nächsten offenen Kirche.

Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was vergessen wird, wenn leichtfertig mit der Mobilität von Kirchenmitgliedern argumentiert wird. Bewußt habe ich dabei nur auf die Grundvollzüge geblickt, nicht auf die Gremien und all das, was es sonst noch in einer Gemeinde geben kann und muss.

Die Einrichtung von großen Räumen, orientiert allein an der Priesterzahl, halte ich für eine Fehlentwicklung. Allerdings vertraue ich stark auf die Kompetenz der in den Gemeinden Noch-Aktiven und Noch-nicht-endgültig-Frustrierten, die sich sehr schnell erneut in vorhandenen oder neuen Subsystemen organisieren werden und dabei viel lernen können von Christinnen und Christen in Ländern, in denen die Kirchen mit eigenem Priester noch dünner gesät sind als in der (nord-)deutschen Diaspora.

Und ich vertraue auf den Geist Jesu Christi, der nicht die großen Kirchengebäude braucht, sondern dem auch die zwei oder drei Männer und Frauen genügen, die zusammen eine Form suchen und entwickeln, jenseits der Dome und Zentralkirchen gemeinsam zu beten und zu feiern, zu lernen und den Glauben weiter zu geben und sich um den Nächsten oder die Nächste zu kümmern, der oder die tatsächlich "um die Ecke" wohnt.

Vermutlich werden diese kleinen Zellen oder "kleinen christlichen Gemeinschaften" nach einem Versammlungsort suchen, an dem sie sich treffen können, nachdem ihre Kirche vor Ort geschlossen wurde. Vielleicht erleben sie die Gastfreundschaft anderer Kirchen oder treffen sich erstmal im größten Wohnzimmer. Das hatten wir ja schon mal. Sie werden so neue Orte entdecken, wo sie "am frischen Wasser lagern" und sich "in kleinen Gruppen" ins fruchtbare Fülle versprechende "grüne Gras setzen" können, um dort zu entdecken, wie der Herr selbst ihnen "einen Tisch bereitet" und aus den wenigen "Broten und Fischen" ein Mahl werden lässt, das für mehr als alle reicht. Wenn sich aber - sollte meine Vermutung stimmen - die Leute ohnehin in absehbarer Zeit wieder in kleinerem Raum als Kleinstkirche vor Ort organisieren werden, wozu dann jetzt die Gemeinde(kon)fusionen???

Herrn Imkamp aber und all denen, die ähnlich argumentieren wie er, wäre mal ein längerer Aufenthalt in der Diaspora zu empfehlen (aber bitte nicht alle auf einmal!). Spätestens wenn er nachts zurückkommend von einem Trauerbesuch in einer Außenstelle die letzte Fähre verpasst und so einen Umweg von 50km zusätzlich zu der Stunde Heimfahrt in Kauf nehmen muss, wird er sich das mit der Mobilität noch mal überlegen. Oder sollten vielleicht nur seine Gemeindeglieder mobil sein müssen?

Er wird dort möglicherweise auch erleben können, dass wir uns dort, wo zwar kein eigener Priester (mehr) vor Ort ist, aber die gewachsenen Substrukturen inkl. dazugehöriger Gebäude weiterexistieren und leben dürfen, nicht nur notgedrungen mit der gegenwärtigen Situation arrangiert haben, sondern sie auch als alltägliche Herausforderung schätzen gelernt haben oder schätzen lernen, miteinander vor Ort im Glauben zu reifen und als Getaufte und Gefirmte auf erwachsene Weise Kirche zu sein!

Kommentare:

  1. Ameleo, schau dir an, w e r die These vertritt, die können ruhig fahren, dann weißt du, was in deren Köpfen Gemeinde ist: sich bedienen lassen. Am Ende der Messe mit dem Pfarrer quasseln. Der Rest macht sich von selber...da wird nullkommanull Gedanke verschwendet an..wie kommt dieser Gottesdienst zustande, warum hat der Pfarrer Zeit? Hat der überhaupt Lust, sich nach der Messe von mir zuschwallen zu lassen...wer geht sonst noch mit mir in die Kirche ..Kommunionkinder, Firmlinge, wer versorgt die? Die Seniorenheime beißen die Hunde schon lange.Oder Hochwürden Prälat, der sich erdreistet, über verbeamtete Priester zu lästern..Was ist er denn mit seinem Titel?Zu meiner Stuienzeit war Gemeinde dermaßen wichtig, dass man den Altar abschaffen wollte. Heute ist Altar eher was für das Hochgebet, ansonsten sitzt Pfarrer daneben... Das ist dieses priesterzentrierte und der Rest kann mich mal Denken..Hauptsache ich habe meinen Sonntag.

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  2. Liebe Ameleo,

    unsere Kirche hier kann bald zumachen. Da sind fast nur noch alte Menschen, die ohnehin nicht mehr fahren können.

    Zur Erstkommunion gehen fast alle. Danach ist Schluss.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  3. da in berlin die zahl der senioren in der mehrheit ist, werden die kirchen noch länger voll sein..und familienmessen mit kleinen kindern, kommunionkindern, firmlingen..schluss..der spruch, die können doch fahren, kommt nicht vom klerus alleine, sondern auch von leuten, die sich ihren sonntagsgottesdienst an land ziehen,kirche als "auch dienstleistungsunternehmen" bezeichnen.."die sollen mal was für ihr geld tun". ohne zu fragen, was hinter den kulissen gearbeitet wird,woher das geld kommt.. damit dieser joint stattfinden kann..

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  4. Es gibt in der Tat Menschen, die Kirche als "Dienstleistungsunternehmen" verstehen. In manchen Fällen sehe ich mich selbst auch genau so: ich erbringe eine Dienstleistung mit meiner Arbeit und finde das auch o.k. so. Manche nehmen nur, was ihnen gegeben wird, andere ziehen andere Konsequenzen und werden selbst aktiv. Da hat sich seit Jesu Zeiten nicht viel geändert. Als von den 10 Aussätzigen nur einer umkehrt und sich bedankt, fragt Jesus zwar nach den anderen neun, verurteilt sie aber nicht.

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    1. jesus hat sich auch nicht alles gefallen lassen.hör dir mal seinen tonfall an...das ist mehr als sagen..wenn es dir um masse statt klasse geht. lass dich weiter ver..die tendenz, für nichts zu danken ,ist eingerissen,es wird auch gott meist für nichts gedankt.die latte der "mach mal" ist lang. die des dankes klein..gott ist der große wunscherfüller. ehrenamtliche werden als menschen mit helfersyndrom bezeichnet von leuten, die ihre eigene faulheit und ihr schmarotzertum damit gut rechtfertigen. wer nichts sagt, fördert negatives verhalten. ameleo..nicht nur nach obenhin kritisieren. in die breite auch, wenn schon, denn schon.die hanseln gibt es überall.die an der basis sind nicht edler als die auf dem hohen thron.

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    2. Wer in der Gemeinde nur konsumieren oder mit deinen Worten "schmarotzen" will, muss das mit sich und seinem Gewissen abmachen. Mein Ärger über sie hält sich in Grenzen. Wenn sie allerdings diejenigen, die sich engagieren, beleidigen, kriegen sie auf die Mütze. Das geht gar nicht.

      Ehrenamtliche, die nur aus Pflichtgefühl mitmachen und dann knatschig sind, finde ich auch problematisch. Wenn ich keinen Bock auf Putzen hab, dann lasse ich es eben. Wenn ich mich dafür verantwortlich fühle, dass es getan wird, weil es getan werden muss, dann mache ich es eben zu meiner Sache, oder kümmere mich darum, dass jemand gefunden wird, der oder die es gerne tut. Wer etwas nicht (mehr) gerne tut, kann doch guten Gewissens damit aufhören. Das schafft vielleicht ein Problem, bei mir aber keinen Groll.

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    3. es geht im erzbistum berlin auch beim thema ehrenamt ums überleben. sowenig, wie wir uns überlegen können. auf welche art ökumene wir denn mal warten...ich denke, dass diejenigen, die es noch gemütlich haben, auf die achten sollten, die es sich lang nicht mehr aussuchen können, wo sie denn... und ob überhaupt..vorbeugend. aber ist ja wohl kein thema..stattdessen gibt es sprüche.wenn ein bistum nach dem anderen zur diaspora wird..ab wann wird da nachgedacht?nicht nur oben, sondern auch unten. die probleme in den kirchen bestehen nicht nur aus amtskirche.priestermangel..diesen mangel kann man aber noch bezahlen.werden die gläubigen automatisch mehr, wenn mehr priester da sind? unsere evangelischen pfarrer gegenüber fahren zum teil taxi.

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  5. @Ameleo:
    Es wäre schön, wenn du auch einen Blick auf das Interview mit Bischof Zdarsa werfen würdest (der kommt übrigens aus einem Bistum, von dem ich spontan sagen würde, dass es Diaspora ist).
    http://bistum-augsburg.de/index.php/bistum/Nachrichten/Bischof-Konrad-Zdarsa-im-Interview-mit-dem-Donaukurier_id_153580

    Außerdem finde ich es sehr merkwürdig: Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens. Es geht im Katholizismus doch nicht primär darum, den Kirchenbanknachbarn zu kennen, das ist freilich schön und wertvoll, sondern in der Freiheit der Kinder Gottes ein Leben mit Gott und aus den Sakramenten zu führen.

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    1. Es kann doch nicht sein, dass wir, wenn es uns möglich ist, bereitwillig auf die Eucharistie verzichten, wenn es uns möglich wäre, an ihr teilzunehmen? Kein Wortgottesdienst kann die Eucharistie ersetzen.

      U.

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    2. wer sagt das?

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  6. soll ja auch nicht ersetzen.ist eine möglichkeit. alles hat seine zeit, wortgottesdienst, eucharistiefeier,..früher gab es stille messen, heute wird man zugeschwallt..gott in allen dingen. auch mal in der natur zu entdecken..oder im eigenen herrgottswinkel.

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  7. Es geht mir nicht um eine Abwertung der Eucharistiefeier, sondern um einen eingeschränkten Blick, der Kirche und Gemeinde eben auf diese verkürzt. Diese Verkürzung halte ich für unzulässig, weil sie dem Kirche-Sein nicht gerecht wird! Jesus ging es in Fortsetzung der hebräischen Bibel um die Sammlung des Gottesvolkes und das hereinbrechende Reich Gottes. Da ist der/die einzelne zwar im Blick und von überaus großer Bedeutung, es ging ihm aber um ein "Volk", das bereits in der 12 Aposteln und ihrem Umgang miteinander, auch in ihren Konflikten, repräsentiert wird.

    Außerdem finde ich es sehr befremdlich, wenn zum einen eine zunehmende Individualisierung auch im Glauben und eine scheinbare Abkoppelung von der Gemeinschaft der Gläubigen, die vor uns ihren Weg gegangen sind, beklagt wird (machst du hier nicht ausdrücklich), unsere Gemeinschaft im Glauben heute aber nachrangig sein soll.

    Es geht auch nicht um ein "bereitwilliges" vielleicht sogar leichtfertiges Verzichten auf die Teilnahme an einer Eucharistiefeier sondern um das, was verschwiegen wird, wenn man so tut, als ob im Anschluss an Kirchenschließungen und Streichungen von Messfeiern nur ein rein logistisches Problem entstehen würde.

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    1. Da haben sich grade Kommentare überschnitten. Ich antworte hier auf U.

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  8. Natürlich ist das keine angenehme Situation. Aber wir leben in einer glaubensfernen, areligiösen Gesellschaft, das ist so schnell nicht zu ändern, und die Kirche muss sich da organisatorisch nach der Decke strecken. (das Entkernen der Katechismuskonserve hat daran nichts geändert- ist aber auch, entgegen weit verbreiteter Gerüchte nicht schuld an der Situation) Aber ich kann deine Kritik nicht nachvollziehen. Die Gemeinschaft ließe sich auch vor Ort erleben. Und es wäre ein tolles Gemeinschaftserlebnis, wenn die Gläubigen vor Ort gemeinsam die Fahrt zu den zentralen Eucharistiefeiern organisierten. Den liturgischen Reichtum sprichst Du selbst an- wer würde die "Ortsgemeinde" bitte daran hindern sich regelmäßig zu versammeln, um in vertrauter Runde Laudes oder Vesper zu feiern (Aber wo kämen wir hin, wenn die Laien einfach tatkräftig täten, was Laien möglich ist statt hartnäckig zu fordern, was unmöglich ist). Für den übertriebenen Gemeinschaftsfimmel ist die Messe eh der falsche Ort, hier stellt doch die sehr persönliche Begegnung mit Gott in der Eucharistie einen zentralen Aspekt dar. Meine persönliche Verpflichtung zum Dienst am Nächsten kann mir auch kein Priester abnehmen. Die Gelegenheiten dazu sind vielfältig und alltäglich und bieten sich eben nicht nur in organisatorischen Zusammenhängen. Es bleibt der Eindruck, dass es hier nur ums Herumkritteln des Herumkrittelns wegen geht. Außerdem sehr klerikal für eine sehr liberale Katholikin :-P

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    1. Was daran klerikal ist, dass ich weg will von der Eucharistiefixierung und der Orientierung von Strukturen an der Zahl der Priester, musst du mir erklären, Alex. Wesentlichstes(!), das zum Kirchesein gehört, und für all das kein Priester nötig ist, wird gegenwärtig aus dem Blick verloren und schlicht vergessen, weil immer nur die Eucharistiefeier im Vordergrund steht. Und ich zähle etliche Beispiele auf, keinen Luxus, sondern schlichte Basics, ohne die Kirche nicht denkbar ist, nie denkbar war und für die es keine Priester, wohl aber überschaubare Gruppen und Gemeindestrukturen braucht, aber keine anonymen Megagemeinden.

      Die Fusionierungen und Kirchenschließungen orientieren sich zur Zeit ausschließlich an der Frage: "Wie schaffen wir es, mit den wenigen noch vorhandenen Priestern die Gemeinden so zu stricken, dass wir wieder sagen können: Jede Gemeinde hat ihren Priester!" Das ist Blödsinn! Ich denke von den Leuten her, was sie brauchen, um ihren Glauben zu leben, zu feiern und darin zu wachsen und wie sie sich gegenseitig darin unterstützen können, ihr Christsein heute verantwortungsbewusst in der Welt zu leben. Und dazu gehört einfach mehr als nur die (Möglichkeit zur) Feier der Eucharistie, oder man verkürzt das, was Kirche ausmacht, auf unzulässige Weise. Aber das ist vermutlich vielen nicht bewusst.

      Das mit der (rein? überwiegend?) persönlichen Begegnung mit Gott in der Eucharistie würde ich auch differenzieren. Ja, auch dieser Aspekt spielt eine Rolle, aber wir stehen nicht nur einzeln sondern gemeinsam vor Gott, treten füreinander ein, sei es in den Fürbitten und wenn wir uns an Maria und die Gemeinschaft der Heiligen wenden. Wir sind als Einzelpersönlichkeiten in eine Gemeinschaft hinein getauft und haben uns in der Firmung zu ihr bekannt. Bei aller Dogmatik und theologischer Akrobatik rund um das Abendmahl: es war ursprünglich ein Mahl der Gemeinschaft und der gemeinsamen Erinnerung an das Heilshandeln Gottes an seinem Volk, dass im Leben, Sterben und Auferstehen Jesus ganz neu, anders und einzigartig erfahrbar wurde. So erbaulich die Vorstellung von "nur ich und der Herr allein" auch sein mag, es verkürzt das, was dort geschieht. Alle Sakramente sind ein Handeln Gottes am Einzelnen in der Gemeinschaft. Selbst Eremit_innen schließen sich trotz ihres Alleinlebens einer Gemeinschaft an.

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    2. Nun gut, lassen wir den provokanten Seitenhieb mit dem Klerikalismus mal bei Seite, dann bist Du recht wenig auf das eingegangen, was ich gesagt habe. Es ist nun mal nicht zu ändrn, dass die Zahl der Gläubigen schwindet. Dasa lässt sich nicht wegdialogisieren- vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Da darf man sich nix vormachen, wir leben in areligiösen Zeiten. Vorbei ist's mit dem bequemen Volkskirchentum. Ansonsten schließe ich mich Magdis Kritik deiner Ausführungen an, die auch durch Begriffklüngeleien nicht aufgehoben wird. Stimmt, wir sind in eine Gemeinschaft hineingetauft, eine Gemeinschaft die vor Gott aus allen lebenden, nicht mehr lebenden und noch nicht lebenden besteht. Eine Gemeinschaft, die überall auf der Welt die gleiche ist, ob ich die gerade Anwesenden nun persönlich kenne oder nicht- Hauptsache es wird die Eucharistie gefeiert. ( Auf die Tatsache, dass man sich als in Ungarn weilender Fremder aufgrund der Unverständlichkeit der Sprache per se aus dieser Gemeinschaft augeschlossen fühlt, geh ich gar nicht erst näher ein) Ich denke, dass dein Kirchturmdenken diese spirituelle Gemeinschaft auf eine soziale Vereinsmeierei reduziert.

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    3. Möglicherweise gehen wir von sehr unterschiedlichen Gemeindebildern und -erfahrungen aus. "Bequemes Volkskirchentum" habe ich nie erlebt. Bezahlte Küster, Hausmeister, Gärtner, Organisten & Co? Fehlanzeige. "Eigener" Priester? Selten bis nie. Zurückgehende Zahlen von Gläubigen? Hier gab es schon immer nur wenige, zwischen 2% und 10% der Bevölkerung, die sich dafür aber für ihre kleine Gemeinde verantwortlich fühlen.

      Glaubst du, dass diejenigen, die derzeit ehrenamtlich küstern, Familiengottesdienste gestalten, Kinder auf die Kommunion vorbereiten, Schnee schippen etc. das bei der Schließung ihrer Kirche vor Ort dann in einer Zentralkirche tun würden? Dann träum mal schön weiter! Das klappt nur bei einem gewissen sozialen Zusammenhalt, bei dem man um einander weiß, und hat mit Vereinsmeierei nicht zu tun.

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  9. Übertriebene Eucharistiefixierung? Aber die Eucharistie ist doch Quelle und Höhepunkt unseres Glaubens und christlichen Lebens! Wenn ich keine Eucharistie mehr feiere, dann ist doch alles weiter (diakonische z.B.) Engagement hohl, dann sind wir nur ein besserer humanistischer Verein. Ich glaube einfach, ohne sonntägliche Messe fehlt das Entscheidende. So verstehe ich auch die Worte des Augsburger Bischofs und des genannten Prälaten.
    Natürlich sollen dann die Engagements vor Ort, sei es liturgisch, diakonisch oder verkündigend, nicht wegfallen. Nein, sie sind dich quasi eine Frucht, die aus der Messfeier wächst. Und für solcherlei verschiedene Dinge braucht es dann auch nicht unbedingt einen Priester.

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    1. Eine "Quelle" ist ein Anfangspunkt, der sich weiter ausdehnt, verbreitet, ein "Höhepunkt" ist ohne das ihn Umgebende ebenso wenig existent wie ein "Zentrum" oder "Mittelpunkt". In dieser Spannung steht auch die Eucharistiefeier: Wenn ohne sie alles andere hohl ist, fehlt ihr im Gegenzug ohne alles andere der Teil ihres Fundaments, den wir als einzelne und als Gemeinschaft mit der Gestaltung unseres Lebensalltags aus dem Glauben heraus legen. Sie wird zu einem Haus halb überm Abgrund.

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  10. Liebe Ameleo,
    danke dafür, dass Du diese grundlegenden Gedanken so strukturiert geteilt hast, Du sprichst vieles an, was denen, die sich um die Zukunft der Kirche Sorgen machen, wirklich unter den Nägeln brennt.
    Wenn wir als Kirche wirklich so etwas sein wollen wie ein "Sauerteig" für die Welt, dann reicht es nicht, sich ausschließlich auf die Eucharistie zu konzentrieren, so wichtig und zentral sie für unseren Glauben auch ist.
    Die Eucharistie verwandelt uns und dann können auch wir die Welt verwandeln. Auf den Gottesdienst zu verzichten (damit meine ich alle Formen des Gottesdienstes, nicht nur die Eucharistiefeier) hieße doch, sich zu entkernen. Dann wäre bald Schluss mit der christlich angestoßenen Nächstenliebe.

    Was Du beschreibst sind die fundamentalen Probleme der Kirche in der Welt, genau die Fragen, die ich mir stelle, auch gemeinsam mit meiner Frau und unseren Freunden, die auch ein engagiertes Christentum leben wollen.

    Da gibt's noch viel zu diskutieren ;-)
    Herzliche Grüße,
    Walter

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