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Samstag, 4. Februar 2012

Missing: Sr. Bernadetta

Sie hat nur eine sehr kurze Zeit gebloggt: Sr. Bernadetta. Ich habe gerne mitgelesen. Sie hat nie preisgegeben, welchem Orden sie angehört und wo sich ihre Communität befindet (obwohl manche ihrer Leserinnen offensichtlich Bescheid wussten). Schon bald erwähnte sie jedoch, dass ihr virtuelles Leben von ihren Oberen mit Argwohn betrachtet wurde. Sie musste quasi mit angezogener Handbremse fahren, trotzdem war es offensichtlich manchen, von denen sie meinte, ihnen zu Gehorsam verpflichtet zu sein, immer noch zu viel Einblick in ihr Leben, zu wenig Rückzug "aus der Welt" (meine Formulierung).

Am 14. Januar dann ihr letzter Post: "I did it my way", u.a. mit den Worten:
"Meine Lieben, das ist jetzt mein letzter Post. Ob nur für die Woche, für einen Monat oder für immer, ich weiß es nicht."
Viele gute Wünsche wurden ihr in den Kommentaren mit auf den Weg gegeben. Dann tat sich eine Zeitlang nichts auf ihrem Blog.
Gestern aber, bei meinem Versuch, ihr Blog aufzurufen, fand ich nur noch diesen Hinweis:


Ich finde das sehr schade! Nicht genug, dass sie nicht mehr bloggt oder bloggen darf: auch sämtliche Spuren sollen so getilgt werden (im Cache ist aber noch etwas zu finden). Diese Geheimniskrämerei und Gehorsamsverpflichterei halte ich für höchst bedenklich und fragwürdig!

Sr. Bernadetta arbeitete zur Zeit ihres Bloggens in einer Gemeinde und lebte nicht in einem Schweigeorden. Warum also dann eine solche Abschottung? - Ich werde keine Antwort auf meine Fragen bekommen, habe auch kein direktes Gegenüber, dem ich mein Unverständnis ins Gesicht sagen könnte. Allen "Oberen" aber, sollten sie hier mitlesen, möchte ich sehr ans Herz legen: "Setzen Sie endlich weniger auf Folgsamkeit und Gehorsam, und vertrauen dagegen viel mehr in die gewissenhafte Eigenverantwortung des/der Einzelnen und das Wirken des Geistes Gottes! Kommen Sie endlich an im 21. Jahrhundert!"

Ergänzung:
Aber auch alle, die zu Gehorsam bereit sind, mögen sehr genau überlegen, aus welchen Motiven sie dies tun, ob es ein Anliegen oder eine Person wirklich wert ist, die eigene Selbstverantwortung dafür zu beschneiden, wem sie vertrauen und daher in welchem Umfang die Autorität über sich zugestehen wollen!

Kommentare:

  1. Das kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich fand nicht, dass Sr. Bernadetta besonders egozentrisch rüberkam. Außerdem ist das Bloggen von Ordensleuten eine zeitgemäße Werbung für diese Lebensform. Eine Fehlentscheidung also. Deine Ausführungen zu Gehorsam und Eigenverantwortung kann ich (zu deiner großen Überraschung vermutlich ;-)) nicht nachvollziehen. Das Leben eines Erwachsenen besthet aus ziemlich viel Gehorsam. Meines besteht zur Hälfte aus untertäniger Fronarbeit zwecks Tributentrichtung. Von diesem Tribut wird immerhin ein großer Teil dafür aufgewendet, dass andere Erwachsene nicht eigenverantwortlich leben müssen.

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    1. Als Erwachsene gehe ich zweifelsohne Bindungen ein, die mir mehr oder weniger Abhängigkeit zumuten: in Partner- und Elternschaft, Beruf und anderen Bereichen. In Bezug auf die "untertänige Fronarbeit" (lol!) war es in der Tat früher einfacher, zu einem Arbeitsplatzwechsel zu raten. Kompetente Firmen haben allerdings inzwischen entdeckt, dass es wesentlich zur Mitarbeiter_innenzufriedenheit und damit zur Produktivität beiträgt, wenn möglichst viel Verantwortung deligiert (Kirche kennt dies als Subsidiaritätsprinzip) und die Hierarchie abgeflacht wird. Ist natürlich nicht überall so. Es braucht eine Balance zwischen Bindung und Freiheit. Und natürlich Vertrauen in die Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein meines Gegenübers. Daran scheint es mir in der katholischen Kirche (aber nicht nur dort) zur Zeit massiv zu fehlen. Für mich ein Zeichen für einen schwachen oder schwächelnden Glauben.

      (P.s.: Ich hab dich und das Thema "Katechismuskonserve" nicht vergessen, aber noch nicht die richtigen Worte gefunden)

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    2. Oh, da sprichst Du einen volkswirtschaftlich sehr wichtigen Bereich von Demut und Gehorsam an, von dem ganze Industriezweige leben. Die Hersteller von Viertelsöckchen für Männer etwa, sowas trägt mann doch nur aus Gehorsam!

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    3. Dann besteht bei diesen Herrensöckchen vermutlich nicht die richtige Balance zwischen Bindung und Freiheit...

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  2. Oh ja, ich vermisse Sr. Bernadetta auch - es war immer so interessant und kurzweilig geschrieben. Ob sie nicht mehr schreiben darf? Oder einfach nicht mehr schreiben kann, weil sie keinen Zugang zum Internet hat?! Hoffentlich geht es ihr gut.

    Danke für diesen Post!
    Birgitta

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  3. Ordensleute und bloggen ist ein Kapitel für sich,denn in blogs ist oft Streit. Die Versuche einiger Missionsorden, über Blogs Menschen zu erreichen, sind nicht so gut ausgegangen wie man dachte. Diejenigen haben von sich aus aufgehört, nicht, weil der Orden das wollte.Im Fall Bernadette kennt man die Hintergründe nicht.

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