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Freitag, 17. Februar 2012

Noch ein Angebot für die Fastenzeit: Bibelbetrachtung und Exegese alttestamentlicher Lesungen

Meine Sammlung von (Online-)Angeboten für die Fastenzeit ist auf großes Interesse gestoßen. Inzwischen bin ich auf weitere gestoßen, von denen ich eins noch ergänzend vorstellen möchte: Das "Lectio-Divina-Leseprojekt für die Fastenzeit 2012" des katholischen Bibelwerks.

Unter "Lectio divina" versteht man eine bestimmte Form der geistlichen Schriftlesung und Bibelbetrachtung, die in der Regel aus vier Schritten besteht:
lectio / Lesen:
Eine Schriftstelle wird aufmerksam und evtl. mehrmals gelesen. Im Zentrum steht die Frage:

Was sagt der Text? Auch Kommentare und Texte aus der Tradition der Kirche können „dazu gelesen“ werden.
meditatio / Bedenken:
Über den Text wird in einer sehr persönlichen Weise nachgedacht: Was sagt der Text mir? Der Text wird zum lebendigen Wort für mich, er zeigt seine Bedeutung in meinem Leben.
oratio / Beten:
Die persönliche Besinnung führt zur Antwort auf den Text: Was lässt der Text mich sagen?
contemplatio / Sehen und actio / Tun:
In der letzten Stufe werden alle eigenen Vorstellungen, Pläne, Überlegungen, auch Gebete losgelassen. Das Wort Gottes wird mit in unseren Alltag genommen. Wir überlassen uns dem Wort und sehen, wie es uns und unser Leben verwandelt: was es uns neu sehen lässt, welche Auswirkungen das Wort auf unser Leben und Lebensführung hat. Es geht nicht darum „zu machen“, sondern auch im Alltag aufmerksam für Gottes Wirken zu werden und zu hören, zu erkennen, was Gott geben will. (Quelle: "Was ist lectio divina?" Einführung vom Bibelwerk).
Das Spannende am Lectio-Divina-Leseprojekt des Bibelwerks liegt für mich im Begleitmaterial, dass auch exegetische Inhalte mit in die Lektüre einfließen lässt. Ein kleines Dokument des Bibelwerks fragt nach dem Gegenüber und dem Miteinander von Lectio divina als "einfacher" Bibellektüre und wissenschaftlicher Exegese. Dieses dreiseitige Papier "lectio divina und exegese" finde ich überaus lesenswert, vor allem weil es an Fragestellungen anknüpft, die auch auf diesem und anderen "katholischen" Blogs immer wieder eine Rolle spielen, nämlich nach der Rolle und dem Nutzen der Bibelwissenschaften für den eigenen Glauben. Ich zitiere ein paar Passagen:
Exegese (Hervorhebungen von mir) meint die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Bibeltext. (...) Viele Begriffe und Motive sind uns heute nicht mehr verständlich. Manche Texte spiegeln einen historischen Hintergrund wider, der uns heute nicht mehr bekannt ist oder bedienen sich bei Mythen des Alten Orients oder sind nach kunstvollen Regeln aufgebaut, die wir heute kaum noch entdecken. (...) Manche – gerade auch frauenfeindliche – Passagen der Schrift sind besser verständlich, wenn man Erkenntnisse zur sozialen Wirklichkeit hinter den Texten mit einbezieht. Die Bibelwissenschaft hat deshalb vielfältige Methoden entwickelt, um der Bedeutung der Texte auf die Spur zu kommen (...)
Die Fragen der bibelwissenschaftlichen Experten gelten dem Text und seinem Sinn in einer bestimmten Zeit bzw. der theologischen Bedeutung eines Textes, aber nicht der Bedeutung der Schrift für das persönliche Leben des Einzelnen. 
Die Lectio divina ist eine Form der gläubigen Bibellektüre. (...) ihr Hauptinteresse gilt der Frage, welche Bedeutung ein Bibeltext im Leben und im Alltag hat.(...) Die Lectio divina (hat) das Ziel, eine echte Liebe zum Wort der Schrift zu wecken, mit ihr vertraut zu werden, in sie hineinzuwachsen und mit und in dem Text zu leben. Gesucht wird also kein objektiver Zugang, sondern ein bewusst subjektiver, an den Fragen des eigenen Lebens orientierter. Die Lectio divina nimmt somit den dialogischen Charakter des Wortes Gottes ganz ernst. Sie aktualisiert die biblischen Texte. Die Bibel ist Gottes Wort, das unsere Antwort sucht.
(...)
Exegese und Lectio divina sind also zwei Zugänge zur Bibel, die sich gegenseitig bereichern und ergänzen. Sie stehen in einer kreativen Spannung und mahnen einander, wichtige Dimensionen des Wortes Gottes nicht zu vergessen, die bei nur einer Zugangsweise zu kurz kommen.
Um dieser Spannung zu begegnen und beide Zugänge aufeinander zu beziehen gibt es zu jeder Bibelstelle zwei "Leseschlüssel": einen textbezogenen und einen lebensbezogenen.
Mit beiden Leseschlüsseln möchten wir erreichen, dass bei der Bibellektüre keine Seite zu kurz kommen darf: weder die des Textes, noch die des Lebens. Es geht darum, mit Freude selbst zu entdecken, zu forschen und zu lesen. (...) Es ist wichtig, nicht vorschnell die Frage nach der Bedeutung für das eigene Leben zu stellen.Wenn ich sie übereile, höre ich nur meine eigene Stimme und nicht die des Textes. Dennoch darf die Frage nach der Bedeutung des Wortes für den Alltag und das Leben nicht fehlen. Denn genau dort begegnen wir dem Wirken Gottes.
Im Lectio-Divina-Leseprojekt in der diesjährigen Fastenzeit stehen die alttestamentlichen Lesungen der Sonntage bis Palmsonntag und eine Lesung der Osternacht im Zentrum:
1. Text: Gottes Bogen (Gen 9,8-15)
2. Text: Gottessicht (Gen 22,1-18)
3. Text: Gottes Gebote (Ex 20,1-17)
4. Text: Gottes Neuanfang (2 Chr 36,14-23)
5. Text: Gottes Bund (Jer 31,31-34)
6. Text: Gottes König (Sach 9,9-10)
7. Text: Gottes Grund (Jes 54,5-14)
Von allen Projekten und Angeboten, die ich bislang entdeckt habe, spricht mich dieses - wen wunderts? - für mich persönlich am meisten an.

Mehr Hintergründe zur Lectio divina finden sich hier.
Der Text zu "Exegese und lectio divina" steht an dieser Stelle.
Verschiedene Seiten zur lectio divina im www hat das Bibelwerk hier verlinkt.

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