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Samstag, 18. Februar 2012

So sollt ihr beten und Geschichten erzählen

Wie man Geschichten erzählen soll

Man bat einen Rabbi, dessen Großvater ein Schüler des Baalschem (das ist der als heilig verehrte Gründer der chassidischen Bewegung im 18.Jhdt.) gewesen war, eine Geschichte zu erzählen. 'Eine Geschichte', sagte er, 'soll man so erzählen, daß sie selbst Hilfe sei.' Und er erzählte: 'Mein Großvater war lahm. Einmal bat man ihn, eine Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen. Da erzählte er, wie der heilige Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Mein Großvater stand und erzählte,
und die Erzählung riß ihn so hin, daß er hüpfend und tanzend zeigen mußte, wie der Meister es gemacht hatte. Von der Stunde an war er geheilt. So soll man Geschichten erzählen.

Martin Buber: "Erzählungen der Chassidim", S. 6
***
Der betende Gaukler

Es war einmal ein Gaukler, der tanzend und springend von Ort zu Ort zog, bis er des unsteten Lebens müde war. Da gab er alle seine Habe hin und trat in das Kloster zu Clairveaux ein. Aber weil er sein Leben bis dahin mit Springen, Tanzen und Radschlagen zugebracht hatte, war ihm das Leben der Mönche fremd, und er wußte weder ein Gebet zu sprechen noch einen Psalter zu singen.

So ging er stumm umher, und wenn er sah, wie jedermann des Gebetes kundig schien, aus frommen Büchern las und mit im Chor die Messe sang, stand er beschämt dabei: Ach, er allein, er konnte nichts. "Was tu ich hier?" sprach er zu sich, "ich weiß nicht zu beten und kann mein Wort nicht machen. Ich bin hier unnütz und der Kutte nicht wert, in die man mich kleidete."

In seinem Gram flüchtete er eines Tages, als die Glocke zum Chorgebet rief, in eine abgelegene Kapelle. "Wenn ich schon nicht mitbeten kann im Konvent der Mönche", sagte er vor sich hin, "so will ich doch tun, was ich kann." Rasch streifte er das Mönchsgewand ab und stand da in seinem bunten Röckchen, in dem er als Gaukler umhergezogen war. Und während vom hohen Chor die Psalmgesänge herüberwehen, beginnt er mit Leib und Seele zu tanzen, vor- und rückwärts, links herum und rechts herum. Mal geht er auf seinen Händen durch die Kapelle, mal überschlägt er sich in der Luft und springt die kühnsten Tänze, um Gott zu loben. Wie lange auch das Chorgebet der Mönche dauert, er tanzt ununterbrochen, bis ihm der Atem verschlägt und die Glieder ihren Dienst versagen.

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(Quelle)
Ein Mönch war ihm aber gefolgt und hatte durch ein Fenster seine Tanzsprünge mitangesehen und heimlich den Abt geholt. Am anderen Tag ließ dieser den Bruder zu sich rufen. Der Arme erschrak zutiefst und glaubte, er solle des verpassten Gebetes wegen gestraft werden. Also fiel er vor dem Abt nieder und sprach: "Ich weiß, Herr, dass hier meines Bleibens nicht ist. So will ich aus freien Stücken ausziehen und in Geduld die Unrast der Straße wieder ertragen." Doch der Abt neigte sich vor ihm, küsste ihn und bat ihn, für ihn und alle Mönche bei Gott einzustehen: "In deinem Tanze hast du Gott mit Leib und Seele geehrt. Uns aber möge er alle wohlfeilen Worte verzeihen, die über die Lippen kommen, ohne dass unser Herz sie sendet."

Nach einer französischen Legende. Aus: Hubertus Halbfaß: Der Sprung in den Brunnen. Eine Gebetsschule.

Quelle im Netz (mit Bild): http://www.klosterkirche.de/zeiten/trinitatis/09-trinitatis.php#gaukler

Kommentare:

  1. Weisst Du was? So wie den Gaukler kann man sich Robert vorstellen. Als er Erstkommunion hatte war für einige Andere das Schlimmste, dass er nicht still sitzen oder stehen konnte. Immer war er fast am tanzen, und beim Singen dann sowieo.
    Der Pfarrer hat es verstanden und sagte zu Robert: "So wie Du heute bei Deiner Erstkommunion bist mag es der liebe Gott. Ein so fröhliches Herz hast Du hierhergetragen!"
    Ein halbes Jahr später hat uns jemand von den Fachleuten in seiner alten Schule gesagt: "Das hat man ja gesehen wie wenig auch Sie das Kind unter Ihrer Kontrolle haben. Wenn ich da nur an Roberts Benehmen während der Erstkommunion denke! Er ist so gestört, er MUSS in eine Einrichtung, weil auch Sie als Eltern nicht mal das schaffen, dass er bei so einer ernsten Feier ein Benehmen hat!"

    Diesen Satz wollte der "jemand" dann Tage später zurücknehmen. Der Satz war der Grund warum wir wussten, das Kind muss weg von dieser Schule von diesen Leuten! Der Satz war nicht mehr zurücknehmbar, da hat sich die innere Einstellung zu unserem Kind in einer emotionalen Situation gezeigt.

    Danke für diesen Post, er hat mir gutgetan.

    ich wünsch Dir ein schönes Wochenende
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  2. Liebe Elisabeth,
    das freut mich, dass du mit den Geschichten etwas anfangen kannst! Das Tragische an den Gauklern ist, dass sie so unendlich viel zu geben und zu sagen haben, sie aber nur von ganz wenigen verstanden und ernstgenommen werden, wie von dem Abt, eurem Pfarrer oder von dir. Es gibt leider daneben zu viele "Mönchs-Fachleute", die sich nicht trauen, den Gaukler in sich selbst zu entdecken und "tanzen" zu lassen. Ich bin sehr bereichert von dem, was du von eurer Familie erzählst!
    Liebe Wochenendgrüße zurück!
    Ameleo

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  3. Den betenden Gaukler kannte ich schon, aber der Chassidim war mir neu.

    Danke. Ich versuche weiterhin, meine Geschichten so zu erzählen.

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