ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Samstag, 4. Februar 2012

"Theologie hilft gegen Fundamentalismus"

Zum Abschied des Hannoveraner Religionswissenschaftlers Peter Antes veröffentlichte die Hannoversche Allgemeine Zeitung ein Interview mit ihm über Werte, Normen und Wege zur Transzendenz unter dem o.g. Titel "Theologie hilft gegen Fundamentalismus". Lesenswert!

Hier ein Ausschnitt:

Sollte es in einem weltanschaulich neutralen Staat überhaupt theologische Fakultäten geben?

Das ist eine Grundsatzfrage, die in Europa unterschiedlich beantwortet wird. Franzosen und Italiener sagen klar Nein, wir haben hier eine andere Tradition. Die Theologie leistet einen bedeutenden Beitrag gegen Fundamentalismus, weil sie die christliche Tradition in ihrer Geschichtlichkeit präsentiert. Aber es ist insofern ein Problem, als die Theologie der Religionswissenschaft das Wasser abgräbt. In Deutschland gibt es etwa 800 Lehrstühle für Theologie und 32 für Religionswissenschaft, von denen 17 in der theologischen Fakultät angesiedelt sind.


Stimmt es, dass die Religionen „zurückkommen“?

Amerikanische Religionssoziologen sind der Auffassung, dass die Säkularisierung der Gesellschaft nicht das Modell der Zukunft ist. Ich glaube, dass Religion in der institutionalisierten Form nicht zurückkommt, jedenfalls nicht bei uns. Statistisch gesehen haben mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung keine Religionszugehörigkeit.

Gilt das auch für die Einwanderer aus muslimischen Ländern?

Auch in ihren Milieus gibt es Säkularisierung. Allerdings hat für viele von ihnen die Religion eine große Bedeutung für ihr Selbstwertgefühl – das spielt so lange eine große Rolle, solange die Bereitschaft der deutschen Mehrheitsgesellschaft fehlt, diese Leute voll zu integrieren.
Danke an theolounge für den Hinweis!

Kommentare:

  1. Apropos Fundamentalismus: http://videos.arte.tv/de/videos/jungs_und_maedels_4_6_-6361646.html
    Eine Dokumentation auf Arte aus der Reihe "Jungs und Mädels"- darin wird deutlich wie in der Schmuddelecke des Katholizismus der Glaube missbraucht wird, um sehr reaktionäre politische Weltanschauungen sakral zu überhöhen. Es ist zwar nicht das eigentliche Thema der Doku, aber die Nähe der frz. Piusbrüder zum Front National wird sehr deutlich. Sehr deutlich wird auch, dass das Gewedel mit der Katechismuskonserve selbst bei den ganz strengen an den Hormonen oft scheitert: Das züchtige Mädel löst die Verlobung mit dem Traumschwiegersohn und zieht zu dem coolen Revoluzzer mit Tatoo, muahaha- dumm nur, dass der ein ziemlicher Nazi ist. Gesegneten Sonntag!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für die Grüße und einen gesegneten Sonntag ebenfalls! Den Film hab ich kurz angeklickt und werde ihn später ansehen. Fundamentalismus ist nicht an Religion gebunden, jede Überzeugung kann in diese Richtung abdriften. Über mögliche Ursachen habe ich einen interessanten Artikel gefunden, der sich allerdings vorwiegend auf die spirituell-psychologischen Hintergründe (einseitige, unangemessene Erziehung, Angst vor Einsamkeit, Verdrängung eigener Bedürfnisse, überstrenges Gewissen, "spirituelle Verletzung",...) beschränkt, die gesellschaftspolitischen Einflüsse (Erfahrung von Armut, Unrecht, Ausgrenzung, Ohnmacht,...) aber leider außen vor lässt: http://ow.ly/8SGEP.

      Löschen
  2. Mir scheinen eher Wohlfühlreligionen zurückzukommen, wobei dieser Ausdruck zurückkommen falsch ist, es hat sie nie gegeben vorher. Ich sehe, was für ein Schindluder mit Esoterik getrieben wird,mit Astrologie, Magie. Der reine Joint. Dabei gibt es in der Esoterik einen Einweihungsweg der harten Sorte, nicht Harry Potter. In den Kirchen fühlt man sich mit Litrgie der alten Sorte wohl, weil die einen so schön in den Himmel hebt, da braucht man selber dann nichts mehr zu tun.Es geht in allen Bereichen um den geringsten Weg des Widerstandes.Natürlich als Gegenpol zu dem,was Amtskirche den Leuten vor 50 und mehr Jahren aufdrücken konnte. Theologie kann auch fundamentalistisch sein, solche Profs hatte ich in den 70 ern.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau, ich fühle mich mit der "alten" Liturgie sehr wohl, weil die mich so schön in den Himmel hebt. Leider ist das immer mit nem riesigen Zeit- und finanziellen Aufwand verbunden, so dass ich mich die meisten Sonntage mit banalen Endlosfürbitten von Aufbruch und Co, möglichst andächtig (=quälend langsam, mit rhethorisch sinnlosen Nachdenkpausen) und betroffen vorgetragen, kasteien lassen muss, damit ich mich bloß nicht wohlfühle mit meiner Religion. Spaß beiseite, das in den Himmel heben ist doch Aufgabe der Liturgie, Was hat das jetzt mit dem Weg des geringsten Widerstandes zu tun- verstehe ich nicht. Ansonsten ist da natürlich was dran, ich kenne einige Leute, die vom Buddhismus so fasziniert sind- das sei doch alles viel lebensbejahender(!) als das Christentum mit diesem Schmerzensmann am Kreuz. Ich hab das mit der Reinkarnation allerdings so verstanden, dass Wiedergeburt eine Strafe und Erlösung bedeutet, nie mehr leben zu müssen. Und viel von diesem Esoterikkram ist doch nur ne Masche, den Leuten in Sinnkrisen möglichst viel aus der Tasche zu ziehen. Da ist die Kirchensteuer noch sehr günstig- die reinste Wohlfühlreligion.

      Löschen
  3. verglichen mit dem,was ungebildetes volk religiös von sich gibt rechts oder links oder sonstwas, ist theologie wissenschaft. verglichen mit wissenschaft, wo das ende in jedem fall offen sein muss, ist theologie keine und philosophie auch nicht. in den 10 semestern theolgie katholisch hat man mühe, wenn man dogmem und enzykliken und kirchenrecht, exegese und kirchengeschichte auf die reihe bekommt zusätzlch zur philosophie..die fakultäten werden von der glaubenskongregation und co notfalls mit schreibverbot belegt. religionswissenschaften war damals für laientheologen pflicht, für priesterkandidaten nicht. es ging um die großen religionen und das sollte man heute schon können, das, was andere glauben, andere, mit denen man dauernd zu tun hat in großen städten. dann wird auch das thema oekumene anders betrachet als bis zum eigenen kirchturm.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die universitäre Theologie muss tatsächlich sehr oft einen Spagat zwischen Wissenschaft und kirchlicher Lehre machen. Zum Glück hatten und haben Theolog_innen immer wieder den Mut, sich mit der kirchlichen Hierarchie auseinander zu setzen und ihr, wie schon Paulus, "ins Angesicht zu widerstehen". In der Vergangenheit waren viele der heute selbständigen wissenschaftlichen Fächer in den Klöstern beheimatet und somit fest in kirchlicher Hand, bis sie sich daraus emanzipiert haben. Das hat immer Ärger gegeben, der bei neuen Entdeckungen, Entwicklungen, neuem Denken, das auf eine Zunahme an Freiheit setzt, unweigerlich entsteht.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.