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Donnerstag, 22. März 2012

Warum ich nicht aufhöre, meine Kirche zu kritisieren und trotzdem katholisch bleibe (Teil 2)

In Reaktion auf die nicht nur an mich immer mal wieder gerichtete Aufforderung, die katholische Kirche doch lieber zu verlassen, anstatt für Reformen einzutreten, habe ich gestern meine ersten fünf Gründe für mein Bleiben vorgestellt. Heute folgen fünf weitere. Vielleicht mögt ihr weitere Argumente ergänzen, warum es lohnt, zu kritisieren und zu bleiben.


6. Kritik als Wertschätzung

Meine Kritik ist immer auch ein Ausdruck dafür, dass mir diese Kirche sehr viel bedeutet. Dinge, Personen und Institutionen, die für mich keine oder nur eine geringe Bedeutung haben, die mir egal oder für mich ohne Belang sind, kritisiere ich nicht. Wozu sollte ich mir über sie Gedanken machen und meine Energie in sie investieren?


Am meisten ärgert mich die kircheninterne Unfähigkeit, mit solcher Kritik und Konflikten angemessen umzugehen. Meist werden zwei Hauptstrategien verfolgt, die beide nicht zielführend sind: a) aussitzen, b) ein "Machtwort" sprechen. Hier muss gerade von den Männern in Leitungspositionen noch viel gelernt und nachgeholt werden. Dazu biete ich mich als Sparringpartnerin an. Mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht unbedingt als solche gesehen werde und selbst in Sachen Konfliktlösung noch viel zu lernen habe!


7. Not-wendiges prophetisches Reden

Große Institutionen neigen immer dazu, dass sich gewisse "Selbstverständlichkeiten" verselbständigen. Sie verhindern dadurch, dass diese Institution ihrer ursprünglichen und eigentlichen Aufgaben nachgeht. Um diese eingefahrenen Gleise zu verlassen, braucht es Kritiker und Kritikerinnen, die solche Fehlentwicklungen immer wieder mit langem Atem und Nachdruck aufzeigen.

Ohne seine, es manchmal ziemlich nervenden, Propheten hätte das Volk Gottes andere Wege eingeschlagen. Dabei können die prophetischen Aufgaben je nach Situation und Gegenüber sehr gegensätzlich sein: die einen brauchen Trost, Rückenstärkung und Ermutigung, die anderen einen auf die Mütze. Diese beiden Akzente sind auch heute, bezogen auf verschiedene Personen und Situationen, von Bedeutung.

Bei den Mächtigen und "ihren Mannen" waren Prophet_innen nie beliebt, besonders dann nicht, wenn sie das Ziel der Kritik waren. So rechne auch ich heute nicht mit Begeisterung, Zustimmung und sofortiger „Umkehr“, wenn ich an der Kirche Kritik übe. Eine Auseinandersetzung damit erwarte ich gleichwohl durchaus. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie mich und andere Kritiker_innen Not-wendiger-weise zum Überleben braucht!


8. Innere Vielfalt als Geschenk

Innerhalb der katholischen Kirche erlebe ich eine große Vielfalt und ein breites Spektrum des Glaubens und Handelns. Sie hat endlich in Ansätzen gelernt, mit dieser Vielfalt, die es schon immer gab, zu leben und sie nicht als Gefahr sondern als Bereicherung zu verstehen.

Manche, die mit Nachdruck eine von ihnen erkannte absolute und einzige "Wahrheit" durchdrücken wollen, übersehen dabei leicht, dass erst diese noch junge Freiheit es ihnen ermöglicht, ihre Randpositionen gegenüber dem von ihnen häufig verachteten und abgewerteten "Mainstream" öffentlich zu vertreten. So profitieren sie von dem, was sie bekämpfen und sägen sich selbst sozusagen den Ast ab, auf dem sie sitzen.

Trotz aller Engführungen der Institution Kirche erlebe ich auch als Hauptamtliche ein großes Maß an Entfaltungsmöglichkeiten. Warum sollte ich die - wenn auch geringen - Einflussmöglichkeiten, die ich jetzt habe, freiwillig aufgeben und andernorts quasi bei Null anfangen? Es ist die Vielfalt, die das Katholische, das Allumfassende der katholischen Kirche ausmacht. Im Bild gesprochen: Wie in einem Chor brauchen wir einander mit allen Harmonien und Dissonanzen, wenn ein "himmlischer Klang" dabei entstehen soll. Während manche mitten in der eigenen Stimme stehen müssen, um sich ihrer Melodie sicher zu sein, stehe ich gerne an der Grenze zu den anderen und höre meine und die anderen Stimmen im Zusammenklang.

Von anderen Meinungen lasse ich mich herausfordern neu nach zu denken, neu zu formulieren. Natürlich gefallen mir Äußerungen, die mich bestärken und unterstützen, besser als Kritik. Selbstverständlich verorte ich mich - allein schon durch diese Zeilen - an der Stelle, an der auch die katholische Kirche offen ist für Neues, Ungewohntes, (noch) Fremdes im Vertrauen auf das Wirken und die Begleitung durch die göttliche Geistkraft. Das bedeutet nicht, dass ich allem Traditionellen die Bedeutung abspreche.

Auch mit Ansichten aus der "Traditionalisten-Ecke", wenn sie denn mit einem gewissen Maß an Respekt, Wertschätzung und Offenheit zum Dialog vorgebracht werden, setze ich mich immer mal wieder auseinander. In der Regel führen sie mich zu einer differenzierteren Abgrenzung und stärken mich so letztlich in meinen Überzeugungen.

9. Deutung von und Umgang mit Leid und Unrecht

An vielen Stellen unserer Welt begegnen mir Ungerechtigkeit, Leid und Tod. Ich habe gelernt, zwischen vermeidbarem (z.B. Armut, Gewalt, Ungerechtigkeit) und unvermeidlichem Leid (z.B. Naturkatastrophen, „Schicksalsschläge“) zu unterscheiden, auch wenn beides nicht in jedem Fall klar von einander zu trennen ist.

Meine Kirche bietet mir Deutungsmöglichkeiten an, mit denen ich diese Erfahrungen in ein größeres Ganzes einordnen kann. Darüber hinaus ist sie ein Ort, an dem Leid zur Sprache gebracht, in liturgische Feiern eingebettet und in Gemeinschaft miteinander getragen werden kann. All das gibt es selbstverständlich auch anderswo. Nur sind mir die dortigen Rituale, die in unsicheren Lebenslagen Halt geben können, nicht oder nur oberflächlich bekannt. Sie tragen mich nicht in gleicher Weise.

Auch hält die Gemeinschaft der Glaubenden, zu der ich gehöre und gehören will, die Hoffnung wach, dass alles Leid von Gott nicht gewollt ist und er „dereinst alle Tränen trocknen“ wird. Damit schon heute etwas von dieser Hoffnung und von diesem anderen Leben Wirklichkeit wird, gibt es die von mir überaus geschätzten Hilfswerke wie Misereor, Missio, Adveniat und die Caritas. Gerade mit ihrem Handeln aus ihrem Glauben und ihrer Kirchenzugehörigkeit heraus kann ich mich sehr stark identifizieren.

Die katholische Kirche selbst ist allerdings in Vergangenheit und Gegenwart an manchen Stellen in tief Ungerechtigkeiten verwickelt, und enthält Strukturen, die einem heutigen Verständnis von (Menschen-)rechten nicht entsprechen oder dem Stand gegenwärtiger (Natur-)Wissenschaft und Forschung nicht entsprechen. (So ist beispielsweise der Vatikan neben Weißrußland der einzige europäische Staat, der bis heute die europäische Menschenrechtskonvention nicht unterzeichnet hat!) Dies bringt eine Diskrepenz zwischen kirchliches Reden und ihrem Handeln, was zu einem Glaubwürdigkeitsverlust geführt hat und führt.

Ich finde es wichtig um dieser Glaubwürdigkeit willen, nicht nur Leidende zu begleiten, sondern mich auch für die Abschaffung von ungerechten und schädlichen Strukturen einzusetzen auch und gerade in Bereichen, die unsere Kirche betreffen.


10. Aus den Steinen und Felsen, die im Weg liegen, etwas Sinn-volles bauen

Zu guter Letzt eine schöne Begründung, "trotz Papst" die Kirche nicht zu verlassen, die ich bei einem schon etwas älteren Text des Journalisten und Augustinerpaters Roger Gerhardy OSA fand: Der Papst ist für mich der Papst, und nicht der liebe Gott. Für mein Leben trage ich die Verantwortung und nicht der Träger des Petrusamtes. Ich habe den Glauben nicht durch einen Papst empfangen, von daher kann ich ihn nicht wegwerfen, wenn ein Papst einmal einen Fehler macht. (...) Auch Kirche ist Kirche, und nicht das Reich Gottes.

Doch auch noch so große Macken dieser "alten Dame" können das Hereinbrechen des Reiches Gottes nicht verhindern, sie kann ihm maximal Steine oder Felsen in den Weg legen. Um diese gemeinsam mit andern wieder weg zu räumen (um daraus Brücken zu bauen oder Lebens-Räume oder ...), bleibe ich Mitglied dieser umstrittenen katholischen Kirche und werde sie und die Leser_innen meines Blogs auch weiterhin mit meiner Kritik wach halten!

Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. notwendiges prophetisches reden. dann wird es dir auch so ergehen wie den propheten. siehste, ameleo.

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  2. Ich kritisiere meine Kirche nicht, weil ich sie liebe. Andere kritisieren die Kirche, weil sie sie lieben.

    Alles andere sei ferne.

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    1. erinnert mich an einen jesuiten,der mal gesagt hat, wir sind mit dem papst verheiratet,deswegen dürfen wir ihn kritisieren.

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  3. ich musste das alles zweimal lesen, gestern und heute. Diese Diskussion sollte viel mehr Leser erreichen....
    ich hab nun leider so gar nicht die Zeit noch weiter zu schreiben. Es wäre sehr viel ....
    ich bin ja auch wiederverheiratet, habe meine Arbeit im kath.Kindergarten deshalb verloren, war aber noch zwei Jahre im Pfarrgemeinderat, weil dort Andere das sagen hatten usw....
    es ist so wichtig, dass diese Diskussion stattfindet!
    viele Grüsse
    Elisabeth

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  4. arbeitsplatz im kindergarten verloren, hat nicht ein arzt einen prozess gewonnen und seinen kirchlichen arbeitsplatz wiederbekommen? ich hab sogar ,als ich aus der kirche raus war, in einer bestimmten gemeinde weiter mitgearbeitet, weil denen das egal war..die kirche des ausgrenzens ist laut bibel nicht jesuanisch.

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  5. Sehr interessanter Doppel-Artikel, gut auf den Punkt gebracht. Meinen Lesern habe ich ihn auch zur Lektüre empfohlen.

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  6. Liebe Ameleo, ich schätze dein Blog ja sehr, aber ich bleibe bei meiner Meinung, dass Du praktizierst, was deiner wertschätzenden Kriik unterzogen wird, wenn es aus der anderen Ecke kommt. Jedes deiner Worte über die "Traditionalisten" atmet das "Geht doch zu den Piusbrüdern". Auf B's Erfahrungen von Ausgrenzung, Marginalisierung und Abschieben in die "Traditionalisten"ecke, nicht durch Purpurträger und Doktrinen sondern durch Leute, die deinen Artikel unterschreiben würden, bist Du sehr beredt nicht eingegangen. Stattdessen hast Du ihr deine Ansichten über die kirchliche Lehre unter die Nase gerieben, zu der sie sich bekennt, die sie zu leben versucht; für dieses Bekenntnis fühlt sie sich ausgegrenzt, von Leuten, die deine Ansichten teilen und deine Reaktion darauf ist ihr diese Ansichten, die sie kennt, noch einmal mitzuteilen. Und mir schreibst Du, wenn Du Leute verletzt, dann höchstens aus Versehen. Nun, dann war das wohl ein Versehen. Also die Ecclesia semper reformans ist offensichtlich auf die gleiche Weise dogmatisch und unbarmherzig, wie sie es der in ihren Augen semper reformanda vorwirft. Ich bleib dabei: wenn's mich einmal so stören sollte, dann werd ich austreten. Ich gehe auch nicht ins Kino, um mir einen Film anzusehen, den ich nicht mag, nur um ihn solange meiner wertschätzenden Kritik zu unterziehen, bis der Vorführer nen anderen einlegt- sollen doch gefälligst die geschmacklosen Deppen gehen, die gerne für den ersten gekommen sind und gerne gezahlt haben.

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    1. kirche ist kein film und austreten ist keine lösung, alex.mitmachen.

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    2. @ Alex: Und ich schätze deine Kommentare und hoffe, dass ich das auch zum Ausdruck bringe.

      Was für eine Reaktion auf B.s Kommentar wäre nach deiner Ansicht angemessener gewesen? Sie selbst kann sich ja zur Zeit nicht äußern, weil sie im Krankenhaus ist, wie sie auf ihrem Blog schreibt.

      In ihrem Kommentar hat sie nur angedeutet, welchen Weg sie für sich gewählt hat, die Möglichkeiten, die mir dazu in den Sinn kamen, habe ich benannt, mich aber auch dazu positioniert, in allem Respekt vor ihrer Entscheidung. Ich habe von ihr verstanden, dass ihr die Treue zur Kirche überaus viel bedeutet und sie deshalb entsprechend entschieden hat. Ich weiß nicht, wie es ihr damit geht und finde es auch zu persönlich für einen Blog, da tiefer einzusteigen. So etwas geht die Öffentlichkeit schlicht nichts an.

      Aus meiner Arbeit kenne ich etliche Frauen, die längst im Rentenalter sind und ein Leben lang innerlich zerrissen waren zwischen Treue zur Kirche und einem einmal gegebenen Eheversprechen einerseits und auf der anderen Seite einer Realität, die dann aus unterschiedlichsten Gründen völlig anders gelaufen ist. Für welche Lösung sie sich entschieden haben: schmerzhaft war es immer: entweder weil sie sich für eine neue Beziehung entschieden haben und so an den Sakramenten, die ihnen viel bedeuteten, nicht mehr teilnehmen durften (es sei denn der Pfarrer entschied anders), oder dass sie aus Treue zur Kirche eine tiefe Sehnsucht nach einem neuen Partner zeitlebens ausgehalten oder verdrängt haben.

      Als Geschiedene ist es in der katholischen Kirche immer ein Drahtseilakt, als Wiederverheiratete umso mehr. Was ist daran verwerflich, das klar zu benennen?

      Und spricht aus meinem Post wirklich eine starre Einteilung in "die Guten = alle so wie ich" und "die Schlechten = die anderen"? (Ich übertreibe!) Was ich z.B. über die Unreife mancher Kirchenmenschen schreibe, betrifft deren Persönlichkeit aber nicht "die Traditionalisten". Mit einer gewissen Reife werden die eigenen Ideale nach meiner Erfahrung nicht unbedingt aufgegeben, aber nicht mehr mit einer so radikalen und dadurch schnell verletzenden Vehemenz vertreten. Wobei "Reife" nicht mit hohem Alter gleichgesetzt werden darf und kann. Meine Großmütter haben beide sehr schlimme Dinge (hatte nix mit Kirche zu tun) erlebt. Die eine wurde davon verbittert und destruktiv andern und sich selbst gegenüber, die andere war voller Wärme und Güte.

      Wenn ich mich hier positioniere, riskiere ich, dass Leute sich angegriffen fühlen, denn als "Absenderin" habe ich nicht zu 100% Einfluss auf das, was beim "Empfänger/der Empfängerin" ankommt.

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    3. ich weiß bis heute nicht, in welche kategorie ich gehöre. "ich bin ich" scheint wohl keine antwort zu sein. obwohl unser ganz hoher kirchenfürst woelki sie zu geben pflegt, wenn man ihn in eine der 2 gängigen schubladen stecken will.hat jesus in eine schublade gepaßt? hat er nicht.beide seiten werden falsch verstanden ,weil das jeweilige gegenüber vor angst schon mal nicht zuhört.weder ameleo noch ich wollen die andere seite draussen haben.wird uns aber unterstellt.

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  7. Leuts, der Heilige Vater und seine Journalisten fliegen morgen nach Mexiko und dann nach Kuba..ist auch ne Sensation, Kuba.

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  8. PS: Das ist meine Meinung, und keine Handlungsaufforderung. Ich kann es gut verstehen, dass man an dem Laden hängt. Ein guter Katholik ist schließlich immer traditionalistisch!

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    1. schön, dass du ne bombenfeste definition von einem guten katholiken hast. muss ich mir keinen kopf mehr drum machen, ob ich rechts oder links bin. (ich bin ich und nicht rechts oder links, sagt unser kardinal woelki immer).

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  9. alex, piusbrüder k a n n ameleo nicht gemeint haben denn die sind gegen den papst.und ameleo findet ausgrenzen von rechts und links n i c h t im sinne des erfinders. und ich sowieso nicht. die kirche gibt es nur so. still dulden ist eine sünde wie(denkt an den mißbrauch) alles über den haufen werfen. bereits paulus hatte annanias und saphira.in einer stadt wie berlin hat jeder platz, deswegen wohne ich hier.auf dem land ist es schlimm, wenn da nur eine richtung vertreten wird.bald wird man froh sein, wenn es überhaupt noch gottesdienste gibt, da gibt es dann tradi und reformer nicht mehr..

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  10. an den skandalen und gründen für kirchenaustritte kann man sich abarbeiten - der eigentliche skandal ist für mich folgender: dass eine institution, deren glaubenslehre es ist, dass christus nirgends so zugegen ist wie in den sakramenten, es wagt, menschen, wegen welchen verhaltens auch immer, von den sakramenten auszuschliessen. dass eine institution es also wagt, dem menschen, dem wiederverheirateten, dem homosexuellen, dem wasauchimmeristauchschnurz! diese gegenwart christi - wolle man denn an sie in der form glauben - zu verweigern. das allein spricht gegen alles was jesus war, tat, ist und tut, denn nie und zu keinem zeitpunkt hat er irgendwen ausgeschlossen, weggeschickt, und soweit ich mich erinnere, bat er darum, ihm die huren und die zöllner, die kinder, kranken und bekloppten zu schicken damit er bei ihnen sein könne. ich für meinen teil bin auch nicht aus der kirche ausgetreten, aber vielleicht ist das auch nur ausdruck der hoffnung, dass die heilige mater eines fernen tages ihre altersdemenz abwirft und sich daran erinnert, wer jesus eigentlich war.
    sakramentenverweigerung ist - und in diesem fall gebrauche sogar ich mal dieses unliebsame wort - sünde. nix weiter.

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  11. Ich finde, diese Diskussion um Wiederverheiratung bzw. Homosexualität wird auf falscher Grundlage geführt. Ich denke, die grundsätzliche Frage, jeder sich zu erst stellen sollte ist: Glaube ich das die Ehe ein Sakrament ist? Schließen da Mann und Frau einen Bund im biblischen Sinn? Ist diese Gemeinschaft wirklich prophetisches Zeichen, Kraft und Wirkung nicht nur für die Eheleute, sondern unter den Völkern so von Gott gesetzt worden und mit den Attributen ausgestattet wie die katholische Kirche dies lehrt?
    Dabei ist es vollkommen legitim zu sagen, dass man das nicht so glaubt. Die evangelische Kirche glaubt z.B. nicht, dass die Ehe ein Sakrament ist und kann daher die Definition, was Ehe ist, jederzeit ändern. Es geht eben nicht darum, ob jemand der mehrfach verheiratet ist ein guter Bürger sein kann, seinen Job als Arzt oder als Kindergärtnerin ernst nimmt, oder ob wir als Gemeinde/Kirche jemanden "dabei" haben wollen. Es geht auch nicht darum, ob Gott in Christus den Sündern Barmherzigkeit erweist. Das hat die Kirche nie bestritten, aber sie weiß auch, dass die Vergebung mit dem Aufruf kommt aufzustehen, nicht mehr zu sündigen. Die Zusage der Vergebung ist immer auch an die radikale Umkehr und Änderung des Lebens geknüpft. Diese Änderung hat eben nicht das Ziel unsere menschliche Gemeinschaft untereinander ein bisschen netter zu machen, sondern hat als Ziel das Reich Gottes. Es geht darum, ob ich das wirklich glaube, ob ich mein gesamtes Leben auf diesem Glauben aufbaue, weil ich weiß, dass mir mit meiner Ehe eine persönliche Berufung geschenkt wurde, der ich dann aus Liebe zu dem, der mich da gerufen hat (und der eben nicht meine Ehepartner ist), treu bleiben will, auch wenn das bedeutet, dass ich schmerzhafte Entscheidungen treffen muss, manche meiner Wünsche nicht erfüllt werden und ich nicht immer glücklich damit bin. Auch weil ich weiß, dass jede Berufung auch immer Berufung zur Kreuznachfolge ist.
    Wenn aber jede Frage nach dem Glauben schon als spanische Inquisition empfunden wird, kann man keine fruchtbare Diskussion führen, weil die Ausgangspositionen ungeklärt bleiben. Zudem wird durch das beredte Schweigen über den Glauben Menschen, die in der Entscheidung stehen, wie sie ihr Leben gestalten wollen, die Möglichkeit genommen eine informierte Entscheidung zu treffen. Da setzt dann ja auch meine Kritik an. Ich denke, viele Leute sind sich nicht darüber bewusst, dass die Ehe eben eine Form von Martyria ist und wählen daher ihre Partner unter den falschen Gesichtspunkten aus und legen in der Partnerschaft falsche Schwerpunkte etc. Mir ist das so gegangen und ich kenne auch andere Leute, denen es so geht.

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  12. Wie realistisch ist das, dass sich ein Paar vor der Hochzeit diese Fragen stellt, die du da benennst und über die Sakramentalität ihrer Ehe nachdenkt?

    Wer versteht denn noch die theologische Akrobatik rund um das katholische Eheverständnis? Vermutlich sind die meisten in der katholischen Kirche geschlossenen Ehe unter diesen Vorzeichen ohnehin nicht "gültig", dementsprechend gäbe es dann auch kaum wiederverheirate Geschiedene. Die meisten Probleme rund um die Ehe halte ich für hausgemacht, deshalb auch intern lösbar.

    Ich gehe davon aus, dass der überwiegende Teil der Paare, die kirchlich heiraten, fest entschlossen ist, für immer zusammen zu bleiben. Dafür wollen sie den Segen Gottes. Das, was bei der Ehevorbereitung und dem Traugespräch abgefragt wird, wird abgenickt, weil es ohne das keine Trauung gibt. Verstanden wird es zum überwiegenden Teil nicht. Kluge (bevormundende) Belehrungen bringen da nichts, will keiner hören, nimmt auch die Eheleute nicht ernst. Es müsste nach meiner Ansicht stärker bei den Träumen und Sehnsüchten der Heiratswilligen angesetzt werden, wie es glücklicherweise einige kluge Priester auch tun. Und die Frage nach unausweichlichen Krisen und Konflikten darf nicht außen vor gelassen werden. Wird soetwas in der Ehevorbereitung thematisiert? Die Augen vor der Realität zu verschließen, hält die Paare auch nicht länger zusammen.

    Ehe mit Kreuzesnachfolge in Zusammenhang zu bringen, finde ich sehr befremdlich. Mein Maßstab ist da eher "Damit sie das Leben in Fülle haben."

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  13. Ich glaube erstmal nicht, dass es theologische Akrobatik ist. Ich finde es schade, dass jemand der diese Lehre vermitteln soll, für sich scheinbar entschieden hat, dass das zu mühevoll und fruchtlos ist.
    Ich finde es auch schade, dass Du so schnell bereit bist die Frage "Was will Gott von der Ehe?" gegen "Was wollen die Brautleute von der Ehe?" einzutauschen. Dieser Ansatz wird von säkularen Eheberatungen und Lebensberatung seit Jahrzehnten (auch erfolgreich) beschritten, dafür braucht man nicht jemanden in der Kirche zu beschäftigen, das kann die Welt im Zweifelsfall immer besser als wir.
    Ich melde auch bedenken an, wie Du Kreuznachfolge mit Leben in Fülle kontrastierst. Ich glaube nicht, dass das eine das andere Aufhebt, sondern dass es das Leben in Fülle eben nicht ohne Kreuznachfolge gibt. Ich denke, dass kann und muss man unverkürzt vermitteln.

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  14. Ehe und Familie sind nicht mein Arbeitsfeld, da brauche ich niemandem eine Lehre zu vermitteln.

    Es geht mir nicht darum Fragen gegeneinander auszutauschen, sondern die Leute zu erreichen. Das geht aber nur dann, wenn ich ihnen da begegne, wo sie ihre Fragen, Hoffnungen und Ängste haben. Alles andere bleibt abstrakt und erreicht sie nicht, ist also vertane Mühe.

    Bedenklich finde ich die Frage "Was will Gott von der Ehe?" Wie soll die denn beantwortet werden? Das geht doch wieder nur dann, wenn ich voraussetze, dass die Kirche immer und in jedem Fall in der Lage ist, den Willen Gottes zu erkennen. Aber kann sie das für sich in Anspruch nehmen? Ich finde, mit diesem Anspruch engt sie Gott in seiner alles überbietenden Freiheit unzulässig ein und vereinnahmt ihn für die eigenen Interessen! "Was will Gott" kann niemals mit der Absolutheit beantwortet werden, wie es manche gerne tun. Ich kann nur antworten mit: "Insoweit ich ihn verstehe..." Oder: "In dieser Angelegenheit sagt mir mein Gewissen ..." Das allerdings ist nicht überprüfbar.

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  15. Da haben wir dann in der Tat eine ziemliche Differenz im Glauben. Ich denke schon, dass wir eine sehr klare und sichere Offenbarung von Gott haben, was Er mit der Ehe gemeint hat. Diese Offenbarung ist erklärungsbedürftig, kein Zweifel, aber Leute wie Christopher West haben, denke ich, sehr verständlich darüber geschrieben. Vision Liebe e.V. hält wirklich gute Seminare dazu ab. Kennst du die Argumente, die dort gebracht werden? Warst Du schonmal auf einer solchen Veranstaltung?

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