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Mittwoch, 25. April 2012

Eine Kirche, die aufhört, Orientierung zu geben

Wenn ich im Winter die Fenster länger geöffnet hätte und auch häufiger zu Fuß unterwegs gewesen wäre in unserem Dorf, wäre es mir vermutlich viel früher aufgefallen: Die Kirchenglocken unserer evangelischen Kirche zeigen nicht mehr die Zeit an. Es gibt keinen Stundenschlag mehr und auch keinen mehr zur halben Stunde. Um 12 Uhr wird nur noch dann geläutet, wenn jemand verstorben ist.

Von den Hintergründen habe ich keine Ahnung. Ist das Uhrwerk defekt? Wäre eine Reparatur zu teuer? Gab es ohne Defekt des Uhrwerks eine entsprechende Entscheidung der Kirchenvorstands? Hat sich jemand mit Einfluss beschwert?



Der Vorgänger des jetzigen Pastors hatte immer alles daran gesetzt, das Uhrwerk am Laufen und die Glocken am Läuten zu halten. Kirchliche Präsenz in gesellschaftlichen Bezügen war ihm außerordentlich wichtig!

Fakt ist nun: Bei jetzt wieder durchgängig geöffneten Fenstern und mehr Zeit im Freien fehlt mir diese zuverlässige und unaufdringliche Struktur des Tages, bei der ich immer wieder durch die Kirchenglocke an die Zeit erinnert werde, an das Jetzt, die Vergänglichkeit, die Ewigkeit. Und ich sehe darin Symbolisches: An dieser Stelle hat die Kirche aufgehört, Orientierung anzubieten. Sie hat sich zurück gezogen aus dem, was unser Dorf, unsere Gesellschaft strukturiert. Sie ist still geworden, zu still. Das finde ich sehr schade!

Unsere kleine katholische Kirche hatte nie eine Glocke, nur ein leeres Türmchen. Es wurde lange auf eine eigene Glocke gespart. Keine Ahnung, wo diese Spenden mit der Fusion gelandet sind. Hoffentlich nicht im großen Topf der Fusionsgemeinde, die unserer Kirchlein lieber schließen möchte, als ihr zu einer eigenen Stimme zu verhelfen!

Im Ort tragen wir Kirchen uns gegenseitig, unterstützen uns, bauen aufeinander. Ohne eigene Glocke war es immer schön, wenn die andere Kirche für uns mitgeläutet hat...


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Kommentare:

  1. Überall hört man Beschwerde über den "Lärm" der Kirchenglocken. Ich mag es aber sie zu hören. Und wenn man in ein Haus direkt daneben zieht, dann weiß man das auch vorher. Eine Kirche ist meist nicht zu übersehen. Brauch mir keiner zu meckern. Es ist schade, wenns Läuten ausstirbt.

    Als Kind hatte ich den Traum Glöckner zu werden. Ich stellte mir vor, ich lebe im Turm, läute wanns Zeit ist, werde von den Dorfbewohnern versorgt und kann die restliche Zeit lesen. Tausende von Büchern.

    Seufz. Kinderträume.
    Grüße von Huppicke

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  2. Liebe Ameleo,

    ich wohne auch so nahe bei der Kirche, dass ich regelmäßig das Läuten höre.
    Mir dient es auch zur Orientierung der Zeit.

    Wenn ich schlafe, höre ich es nicht, und sonst
    stört es mich nicht.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  3. Liebe Ameleo,

    hier in der Stadt gibt es leider keinen Stundenschlag, den würde man im Flug - und Verkehrslärm vielleicht auch gar nicht hören. Aber um 12 Uhr halte ich im Schulbetrieb fast immer kurz inne, da höre ich laut und deutlich die Glocken meiner Lieblingskirche ganz in der Nähe meines Arbeitsplatzes - und fühle mich ein klein wenig mit dem Himmel verbunden und freue mich!

    Ach ja, so ein Turm wie Huppicke ihn sich wünscht, das wär´s - zumindest manchmal!

    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Ziehen Sie um! Sie finden sicher noch eine Kirche mit Stundenschlag und Angelusläuten.
    Hatte das in meiner Kindheit auch, allerdings vermisse ich das auch nicht so sehr wie Sie und das Argument mit dem Stadtlärm gilt leider auch für mich. Selbst wenn eine Kirche mit Geläute in der Nähe wäre, der Verkehrslärm würde sie übertönen.

    Die Alternativen zum Umzug sind: reden Sie mit den Protestanten und schaffen Sie, mit denen zusammen, Abhilfe. Vielleicht ergibt sich eine kleine Ökumene? Also ich sehe so was immer als Chance.

    Die letzten Alternativen können sehr banal, oder aber auch sehr, sehr romantisch sein.

    Die banale, kaufen Sie sich einen Wecker mit "chime" (=elektronischer Stundenton, gibts z. B. immer wieder bei Tchibo, sogar mit Barometer etc.).

    Die romatische (leider meist sehr teuer). Stellen Sie eine Pendeluhr mit Schlag auf. Am romantischsten wäre für mich (bitte nicht böse sein, die Anglikaner sind ganz liebe Leute) eine mit Westminster-Schlag.

    Und jetzt los, ergreifen Sie Ihre Chance!

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    1. Lol! Das mit dem Umzug werde ich ernsthaft in Erwägung ziehen. Vielleicht nach Münster. Da sagt man: entweder es regnet oder die Glocken läuten. (Und geschieht beides, ist es Sonntag...) Wir sind in gutem ökumenischen Kontakt, daher werde ich mich bei der nächsten Begegnung tatsächlich nach der Ursache der schweigenden Glocken erkundigen. Da sie ja manchmal läuten, können sie nicht vergessen haben, zur Osternacht aus Rom zurückzukehren ... oder fliegen nur die katholischen Glocken an Gründonnerstag dort hin? Auch danach werde ich fragen! ;-)

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    2. Nie im Leben fliegen protestantische Glocken nach Rom - um sich vom Papst segnen zu lassen und Milchsuppe zu essen (wie ich es aus Kindertagen kenne) vielleicht! ;-) Die halten über die Kartage hier die Stellung und läuten - zumindest hier - auch an Karfreitag während das Vaterunser gebetet wird.

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  5. Wenn das in Frankreich wäre, würde ich sagen die sind überarbeitet die glocken, denn in Frankreich werden die eier nicht vom Osterhasen, sondern von den Glocken gebracht. Nette Vorstellung *grins*

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