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Donnerstag, 26. April 2012

Girls Day oder Zukunftstag

Heute ist "Zukunftstag", der früher "Girls Day" hieß. Von der Ursprungsidee her sollten Mädchen ermutigt werden, an diesem Tag mal in einen "typischen Männerberuf" herein zu schnuppern.

Inzwischen heißt dieser Tag "Zukunftstag", und Mädchen wie Jungen können diesen Tag dazu nutzen, mal einen Beruf kennen zu lernen, der üblicherweise nicht von ihrem Geschlecht (d.h. laut Definition von weniger als 30% ihres Geschlechts) ausgeübt wird. Damit soll Mädchen wie Jungen das ganze Spektrum der Berufswelt aufgezeigt werden. Manche Schulen sind bei der Auswahl eines passenden "Arbeitsplatzes" rigoros, und erlauben beispielsweise nicht, dass ein Mädchen diesen Tag in der Tagespflege verbringt, auch wenn es sich dabei um einen Tagesvater(!!!) handelt.



Sicher gibt es noch Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Das sind die eher schlecht bezahlten in Erziehung, Pflege, Gesundheit und Sozialem. Pilotinnen und Frauen im Tiefbau gibt es dagegen eher seltener. Bei Mädchen soll deshalb (nicht nur) am heutigen Tag das Interesse für Technik, Naturwissenschaften, Handwerk und IT geweckt werden.

Aber gibt es den klassischen Männer- bzw. Frauenberuf überhaupt noch? Woran sollen sich da die 5.-10. Klässler_innen orientieren? Werden mit der Vorgabe: Mädchen in "Männerberufe" und Jungs in "Frauenberufe" nicht alte Stereotypien verfestigt? Warum sollten sich Jungs außerhalb des Zukunftstags (und Mädchen allgemein) für Berufe interessieren, bei denen die Bezahlung würdelos ist?

Frauen haben inzwischen alle Berufe erobert. Dass die oben genannten "Frauenberufe" schlechter bezahlt sind, ist ungerecht, muss so benannt und dringendst geändert werden! Es ist daher nicht die Bezahlung, die sie interessant machen könnte, sondern häufig die Not, überhaupt irgendwo den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, manchmal aber glücklicherwiese auch "Berufung".

Ich finde es anstrebenswert, dass jeder junge Mensch darin unterstützt wird, seinen Begabungen und Leidenschaften entsprechend seinen Beruf zu wählen und in dieses Arbeitsfeld dann einen Tag lang herein zu schnuppern, unabhängig davon, ob dieser Beruf von Männern oder Frauen ausgeübt wird. Das setzt natürlich auch eine angemessene Wertschätzung, ausgedrückt in einer gerechten Bezahlung, jeden Berufes voraus!

Und by the way: Mädels, die am Zukunftstag wirklich einen typischen Männerberuf erleben wollen, haben eigentlich nur eine Möglichkeit: sie begleiten einen römisch-katholischen Priester!


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    am Ende des Tages bleibt ein vorerst unerfüllbarer Wunsch zurück, aber:
    Was nicht ist, kann noch werden.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  2. Krankenpfleger und Sozialarbeiter werden schlechter bezahlt als wer? Geschenkt, meine Friseurin müsste das doppelte verdienen, mein KFZ-Mechaniker auch. Ich könnte dann allerdings nicht mehr ihre Dienste in Anspruch nehmen, da ich zwei Drittel meines Gehaltes in Form von Steuern und Abgaben an den Staat abführen muss, der davon Krankenschwestern, Erzieherinnen und Lehrerinnen bezahlt. Im Gegensatz zu diesen habe ich überdies das Risiko meinen Job zu verlieren. Im Übrigen wäre ich den sofort los, wenn ich in der Form gegen meinen Arbeitgeber frotzeln würde, wie mancher von mir durch Kirchensteuern alimentierte Berufskatholik, dessen Bezüge durch Exkommunikationsdrohung abgesichert sind. Aber wehe man verlangt von denen, was von jedem Anderen auch verlangt wird: wes Brot ich ess des Lied ich sing. Sorry, den konnt ich mir nicht verkneifen.

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    1. Alex:
      Hälst du Krankenpfleger und Sozialarbeiter für klassische Männerberufe? Vermutlich gibt es keine klare Antwort (mehr) darauf. Auch Männer sind in sozialen, pflegenden ... Berufen unterbezahlt. Die Sorge um den Menschen erfährt leider nicht die Anerkennung, die ihr gebührt. Sie war über Jahrhunderte eine Frauendomäne.

      Kann man heute noch mit "Wes Brot ich ess..." eine Firma führen? Große Firmen wie z.B. VW leben davon, dass ihre Mitarbeiter_innen mitdenken, kritisieren und Änderungen vorschlagen. Da nennt man das Innovation. In der Kirche Ungehorsam. Ich vergaß: Kirche ist ja kein Betrieb. Gott ist der Chef. Dessen Lieder allerdings sing ich gerne!

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  3. Ameleo,
    auch heute noch, wo sie wirklich die Wahl hätten, tendieren Frauen zu diesen Berufen. Das sagt zumindest meine praktische Erfahrung mit dem "Girls Day". Da ist auch nichts dran auszusetzen, mich nervt eher, dass der Staat sich anmaßt den Menschen in ihre Privatentscheidungen hinein zu pädagogisieren. Außerdem wird es immer so sein (einen vernünftigen also freien Arbeitsmarkt vorausgesetzt) dass solche Berufe schlechter bezahlt werden; die professionelle Betreuung von pflegebedürftigen Menschen muss bezahlt werden. Die Pflegebedürftigen fallen als Kostenträger aus, das muss die Gesellschaft oder besser noch die Angehörigen übernehmen. Dieses Geld muss aber erwirtschaftet werden. So anerkennenswert das Engagement der Pflegenden auch ist, es ist leider unausweichlich, dass sie weniger verdienen, als die Ingenieure, die den Wohlstand schaffen, der professionelle Altenpflege erst ermöglicht.
    Darin liegt keine Abwertung, keine Diskriminierung: es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
    Zum zweiten Punkt: interne Kritik durch die Mitarbeiter ist durchaus angebracht. Aber zu irgendeinem Zeitpunkt ist eine Entscheidung nötig, und die muss von den Mitarbeitern mitgetragen werden. Ein VW-Mitarbeiter, der die Modellpolitik seines Arbeitgebers öffentlich kritisiert und zum Kauf von Opels aufruft ist schlicht nicht tragbar, weil er geschäftsschädigend wirkt. Dass die Kirche kein Betrieb ist wie jeder andere- deswegen gehören die albernen gesellschaftlichen Diskurs- und Dialogrituale, das Zeitgeistige und das Politisierende hier nicht hin. Die Kirche hat den Boss Jesus Christus, der hat vor 2000 Jahren festgelegt, wie der Laden im Wesentlichen zu laufen hat. Es ist ein schönes Lied, wenn nicht jeder seine eigene Melodie pfeift. Eingehende Kommentare zum pubertären Ungehorsamkeitsgehabe dieser Tage spare ich mir jetzt mal. Ein VW Mitarbeiter und die große Mehrheit der Leute jenseits der Komfortzone im quasi-öffentlichen Dienst müssen jedenfalls Anweisungen befolgen. Aber denen pfeift Gott ja nicht persönlich ins Ohr.

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  4. Bitte einen etwas realistischeren Blick auf die Arbeitswelt. Da hat sich nämlich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Was viele Leute in sozialen Berufen und öffentlicher Verwaltung scheinbar nicht wahrnehmen, ist, dass unglaublich viele Leute inzwischen leistungsabhängig bezahlt werden. In meiner Branche ist es inzwischen fast ausschließlich so: Geht es der Firma gut, geht es mir gut. Wenn nicht, rappelt es ganz schön im Karton. Über so Sachen wie reisebereitschaft oder flexible Arbeitszeit wird schon gar nicht mehr gesprochen, das sind Grundvoraussetzungen. Viele Frauen wollen das einfach nicht. Die möchten ein Festgehalt und Arbeitszeiten, die sich ihrem Leben anpassen. Danach suchen sie sich ihren Ausbildungsberuf und Arbeitsplatz aus. Den Stress sich jeden Tag seinen Arbeitsplatz und sein Gehalt zu erkämpfen, den überlässt frau gerne den Männern, was sie allerdings nicht daran hindert neidisch auf die Boni und den Firmenwagen zu schielen.
    Versuch mal nach den Vorgaben zu arbeiten, die z.B. ein Vertriebler bei uns erfüllen muss: Erweitere deinen Kundenstamm um 3%, was meint, dass deine Gemeinde nächstes Jahr 3% mehr Mitglieder hat. Aktiviere alte Kunden und steigere dort die Akzeptanz unserer Produkte um 8%, was meint, dass schon registrierte Mitglieder, die länger als ein zwei Jahre nicht regelmäßig Gottesdiensten, Bibelkreisen o.ä. teilgenommen haben für den Besuch von solchen gewonnen werden.
    Reporte deinen Erfolg und analysiere wo das höchste Potential in deinem Vertriebsgebiet liegt und schlage gezielte Marketing-Kampagnen für deine favorisierte Zielgruppe vor. ... So, damit hättest Du die Ziele, die bei uns ein ganz normaler Mitarbeiter hat. Schaffst Du es, bleibt dein Gehalt wo es ist. Schafft Du es nicht, wird dein Gehalt um 20% nächstes Jahr gekappt. Bei Übererfüllung winkt dir ein Wochenende in einer der Metropolen Europas als Dankeschön und die Aussicht auf eine angemessene Gehaltssteigerung.
    Na, wie wär's? Come work with us!

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    1. Ich kenne solche Arbeitsplätze und halte sie für unmenschlich!

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    2. Willkommen im Kapitalismus. Was Du davon hälst, ist eigentlich nebensächlich, denn Firmen müssen gewinnorientiert arbeiten und Alex hat recht, wenn er sagt, dass wir uns unseren Staat und unser Sozialsystem - und auch die steuerfinanzierte Kirche - nur leisten können, weil das Kapital dafür woanders geschöpft wird. Von daher bist Du eine der Nutznießerinnen des Systems, was sich auf diese - deiner Meinung nach unmenschlichen - Rahmenbedingungen stützt.
      Ich für meinen Teil denke, dass dieses System den Focus der Mitarbeiter für die Kunden schärft und die Servicebereitschaft erhört und Eigenverantwortung fördert.
      Ich für meinen Teil fände es ein interessantes Experiment, wenn es auch nur für einige Monate wäre, solche Ziele auch in den Gemeinden einzuführen. Hast Du dir eigentlich schonmal Gedanken darüber gemacht, welche positiven Alleinstellungsmerkmale deine Gemeinde hat?

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    3. @ B:
      Es ist nicht nebensächlich, was ich darüber denke. Ein Blick in die christliche Soziallehre zeigt eine durchaus kritische Position der katholischen Kirche gegenüber diesen Auswirkungen des Kapitalismus. Es ist ihre Aufgabe und damit auch die eines/einer jeden, der solche Ungerechtigkeiten wahrnimmt, den Finger in die Wunde zu legen, wo menschenverachtende Strukturen herrschen.

      Problematischer finde ich, dass du und Alex diese Strukturen rechtfertigt - wenngleich es verstehbar ist, da ihr offensichtlich von ihnen abhängig seid!

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