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Freitag, 20. April 2012

Kirche als Herberge

In dieser Woche finde ich die Morgenandachten auf NDR Info mal wieder besonders interessant. Dr. phil. Maike Schult, wissenschaftliche Angestellte an der theologischen Fakultät in Kiel, spricht über "Gastfreundschaft".

Die Beziehung zwischen Gast und Gastgeber betrachtet sie aus biblischer Sicht, die unsichere Situation, die es bedeutet, einen Fremden zu beherbergen, aber auch das Beschenkt werden durch einen solchen Besuch. Von Jesus spricht sie, der als Wanderprediger auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen war und seinen Gastgebern selbst zum Geschenk wurde, von Wirten als professionellen Gastgebern, von Hospitälern und Hospizen und der zeitlichen Begrenzung des Gaststatus'.

Heute zeichnete sie ein Kirchenbild, dass der niederländische Theologe Jan Hendriks (Autobiographisches hier, auf niederländisch) entworfen hat:
Die Kirche als Herberge. In der Morgenandacht heißt es über diesen Entwurf:
Er (Jan Hendrik) meint: Die Kirche des 21. Jahrhunderts sollte sich auf ihren Ursprung besinnen und Herberge sein. Ein Haus am Wegesrand, in das man einkehren kann, ohne festgehalten zu werden. Ein freundlicher Ort, offen und einladend, wo es um Anderes geht und anders zugeht als sonst in der Gesellschaft. Gleichberechtigt, nicht hierarchisch. Freigiebig, nicht abgezählt. Ein Ort, um sich mit Anderen auszutauschen, um Ruhe zu finden oder gesellig zu sein. Hier werden Menschen wie Reisende behandelt, die unterwegs sind mit ihrem Leben. Sie kommen leichtfüßig oder beladen. Mittellos oder mit schwerem Gepäck. Wie auch immer sie kommen, wer auch immer sie sind: Sie sind gern gesehen und dürfen einkehren. Sie müssen dafür nichts vorweisen und nichts unterschreiben. Sie müssen nicht Mitglied sein. In der Kirche als Herberge wird jeder bewirtet mit Worten und Zeit, bis er seinen Weg gestärkt weitergeht.

Jan Hendriks sieht diese Herberge als eine Gemeinschaft von Gästen. Die Rollen wechseln. Geben und Nehmen lösen sich ab, aber alle stellen die Gastfreundschaft in ihre Mitte. Jeder hier ist eingeladen, Gast zu sein. Er wird nicht bedrängt. Er bleibt frei. Er kann kommen und wieder gehen.
Auch wenn ich Maike Schult darin zustimme, dass dieses Bild eine Utopie ist, vielleicht sogar nur eine Illusion, weil eine solche Kirche nicht "wettbewerbsfähig" ist und keine Arbeitsplätze schafft: das Bild von der Kirche als Herberge gefällt mir. Es erinnert mich an das alte Gedicht "Pfarrhaus" von Reiner Kunze:
Wer da bedrängt ist, findet
Mauern, ein
Dach und
muss nicht beten.
Das ist alles. Diese Kirche empfängt jede und jeden mit offenen Armen, ohne Vorbedingungen und Glaubensbekenntnis. Sie lädt schlicht ein, auf dem Lebensweg zu rasten. Niemand wird fest gehalten oder gar auf etwas fest genagelt. Diese beherbergende Kirche verschenkt sich und erfährt, selbst beschenkt zu werden, weil es möglicherweise Engel waren, die sie beherbergt hat. Ich glaube, so eine Möglichkeit, einfach nur mal zu rasten, auszuruhen, aufzutanken brauchen ganz, ganz viele.

Vielleicht fragt der eine oder die andere beim Aufbruch nach dem Weg. Dann (erst dann!) kann diese Kirche antworten oder besser noch: ein Stück mitgehen. Dabei bewährte Wege nachgehen und sich neue zeigen lassen.

"Aber da muss es doch Leute geben, die die anderen empfangen", könnte man einwenden, "und wir sind doch nur so wenige mit wenig Zeit und zu wenig Geld!" Stimmt. Aber die Frage: "Was ist das für so viele?" wurde ja schon mal gestellt, und beim Verteilen im Vertrauen auf die Gegenwart Gottes blieben zum Schluss noch Berge über...

Die Morgenandachten zum Nachlesen finden sich hier.


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Kommentare:

  1. danke! der gedanke gefällt mir sehr gut!
    und, an dieser stelle offtopic, auch einen dank für deine schreibe insgesamt und deine webpräsenz! es tut gut, frauen wie dich und auch noch mit stimme in dieser kirche zu wissen.

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    1. Danke für deine guten Worte! Deinen Blog kannte ich noch nicht und werde in den nächsten Tagen mal stöbern kommen!
      LG Ameleo

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