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Dienstag, 1. Mai 2012

1. Blog - Geburtstag!

Heute vor einem Jahr habe ich diesen Blog erstellt und meinen ersten Artikel gepostet. Aus diesem Anlass ein wenig Statistik und ein paar rückblickende Gedanken:

Dieser ist bereits mein 285. Beitrag. Mehr als 30.400 mal wurde meine Seite bislang angeklickt. Die Themen ("Labels"), zu denen ich am häufigsten etwas geschrieben habe, sind: "Alltägliches", "Frauensache", "Frommes", "Kirche" und "Weiterdenken". Meine Leserinnen und Leser finden kirchenpolitische Themen dabei wesentlich interessanter als eher besinnlich Nachdenkliches, Meditatives und Lyrisches, vermutlich, weil es sich über ersteres besser streiten lässt. Auch Exegetisches ruft gerne Widerspruch hervor, wie sich bei meiner Weihnachtsserie gezeigt hat. 858 Kommentare wurden bis heute geschrieben. Ich habe laut Blogger 24 öffentliche"regelmäßige Leser_innen", von denen seltsamerweise nur 23 angezeigt werden.

Was ist mir im vergangenen Jahr von Bedeutung geworden?

Bloggen macht mir Spaß, aber: es braucht eine Menge Zeit. An längeren Beiträgen sitze ich durchaus mehrere Stunden oder Tage, bis ich damit zufrieden bin. Es gefällt mir, meine Gedanken mit euch zu teilen, die mir so durch den Sinn gehen. Nicht für alles habe ich ein interessiertes Gegenüber in der realen Welt.

Mir ist schnell aufgefallen, dass sich die virtuelle Blogger-Welt ganz extrem von meiner realen unterscheidet, zumindest was die sog. "katholischen Blogs" angeht. Wen interessiert schon im normalen Alltag Kirchenpolitik? Vielleicht den einen Kollegen oder die andere Kollegin, besonders wenn er oder sie "dicht am Bischof" sitzt, Gemeindemenschen in der Regel eher nicht, es sei denn, das konkrete gemeindliche Leben ist unmittelbar betroffen. Unsere Bistumsstadt ist weit und Rom sowieso. Viele Nachrichten, erreichen die Menschen in meinem realen Leben nur und erst, wenn Funk und Fernsehen sie erwähnen. Von den wenigen, von denen ich weiß, dass sie jenseits der Gemeinde- und Dekanatshomepages auch schon mal auf kath.net landen, abgesehen, scheint das Internet für Gemeinde-Normalos nicht das Medium in Sachen Kirche und Glaube zu sein. Hier zählen der Alltag, mit dem, was gerade aktuell anliegt und die Menschen, mit denen man konkret zu tun hat.

Der Kreis meiner realen Freund_innen und Bekannten (außerhalb meiner Arbeit), denen Kirche in ihren verschiedenen konfessionellen Ausprägungen von Bedeutung ist, ist überschaubar. Für die meisten ist selbst dann Kirche und Glaube nur ein Interesse unter vielen. Solche extrem traditionalistischen Ansichten, wie sie sich in der überwiegenden Mehrzahl der Blogs der sog. "Blogoezese" finden, sind mir in den letzten Jahren in der Wirklichkeit nur so selten vorgekommen, dass ich sie an einer Hand abzählen kann. Da erlebe ich ein extremes Ungleichgewicht zwischen dem, was das virtuelle und mein reales Leben angeht.

Die Art, wie mit Andersdenkenden zu kirchlichen Themen im Netz umgegangen wird, befremdet mich ebenfalls vom Beginn meiner Bloggerei an bis heute. Wieviel Härte, Unnachgiebigkeit, Rechthaberei und Besserwisserei sind darunter! Auch dies deckt sich nicht mit dem, wie ich sonst Auseinandersetzungen im kirchlichen Raum erlebe. Die Anonymität, so vermute ich, lässt im Web 2.0 so manche_n über die Stränge schlagen und den angemessenen Ton vergessen. Möglicherweise ist aber auch manche_r von den ganz Extremen schlicht psychisch mehr oder weniger angeschlagen.

Bei den Kommentator_innen freue ich mich über diejenigen, die ganz eindeutig eine andere Ansicht vertreten als ich, dies aber auf eine so wertschätzende Art tun, dass ich mich gerne damit auseinandersetze. Dass ich nicht zulasse, dass sich extrem im Ton vergriffen wird, haben entsprechende Kandidat_innen offensichtlich inzwischen begriffen.

Was mich von Anfang an verwundert hat, ist, dass sich "Glaubensextremist-innen" auch aus dem christlichen, näherhin dem katholischen Umfeld im Netz so breit machen können, ohne dass ihnen jemand Paroli bietet. Da wird gegen die deutschen Bischöfe und die offiziell gewählten Laiengremien gestichelt und gehetzt, was das Zeug hält. Sowie eine andere (Einzel-)Meinung auf diesen Blogs geäußert wird, stürzen sich dann die Autor_inn_en und ihre Gleichgesinnten auf diese Äußerung wie Hunde, die einen Eindringling aus ihrem Revier vertreiben wollen. Da scheint es mir beinahe passend zu sein, dass sich ein Teil dieser Szene mit dem Ausdruck "Kettenhunde seine Heiligkeit" selbst betitelt, denn da wird weggebissen ohne Gnade. Kirchen- und Gemeinde-Normalos sind da nach meiner Erfahrung zu 99% wesentlich toleranter! Schade, dass die so selten in der Blogosphäre zu finden sind! Ich fände es gut und wichtig, wenn sich mehr "Normalos" daran machen würden, mehr Sachlichkeit und dadurch mehr Qualität in so manchen Tradiblog zu bringen!

Sehr deutlich geworden ist mir auch, dass ich die Auseinandersetzung mit traditionalistischen und "extremkatholischen" Ansichten nicht gewohnt bin. Was die Auseinandersetzung mit freunden Ansichten betrifft, bin ich geübter im Umgang mit evangelisch-lutherischen, reformierten, altkatholischen und freikirchlichen Christ_innen. Das ist mein täglich Brot seit Jahrzehnten. So richtig "Urkatholischem" und Traditionalistischem in Masse bin ich in der Vergangenheit in meiner realen Welt höchstens auf Katholikentagen begegnet. Von daher ist der Einblick in solches Denken für mich nach wie vor in etwa so wie der Besuch auf einem noch nicht sehr vertrauten, fremden Kontinent oder gar Planeten.

Aber ist gibt auch andere Bloggende, bei denen Kirchliches eingebettet ist in ihr normales Leben, bei denen etwas von ihrem Glauben durchblinzelt durch den stinknormalen Alltag. Diese Nachbarn und Nachbarinnen zu besuchen, bereitet mir sehr viel Freude! Da ist Leben in der Bude, der gewöhnliche Alltag mit seinen normalen Katastrophen, mit Freud und Leid, Stress und Langeweile, Höhen und Tiefen, Geburts- und Todestagen. Sehr oft bin ich zutiefst beeindruckt von der Tiefgründigkeit, Spiritualität und sogar Weisheit, die ich in diesen Blogs entdecke. Und ebenso beeindruckt bin ich von der gegenseitigen Unterstützung und Behutsamkeit, beinahe Zärtlichkeit, die ich in den Kommentaren dort lese. Das finde ich sehr bereichernd! Da fühle ich mich zu Hause.

Für die Zukunft habe ich keine Pläne. Ich werde weiterhin schreiben, was mir in den Sinn kommt: Über Gedanken und Dinge, über die ich mich freue, die mich beeindrucken, die mir über den Weg laufen oder über die ich mich aufrege. Manchmal frech, manchmal fromm, immer als Frau. Das einzige, was ich mir für das nächste Bloggerjahr vornehme, ist, weniger Zeit dafür zu investieren. Ich werde mich vermutlich - wie bei jedem am Anfang eines neuen Jahres gemachten guten Vorsatz - nicht daran halten!

Allen Leserinnen und Lesern danke ich für die Begegnungen und den Dialog, für Ermutigung und Bestärkung, Herausforderung und Kritik und wünsche mir gemeinsam mit euch ein segensreiches 2. Jahr "Frech.Fromm.Frau."!

Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Happy Birthday....
    Ich schaue immer mal wieder rein. Der Blog ist für mich eine Bereicherung, auch wenn wir nicht immer ganz einer Meinung sind. Weiterhin alles Gute!

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    1. Danke! Ich flaniere auch gerne durch den Predigtgarten und betrachte interessiert die teils vertrauten, teils "exotischen" Blüten ;)!

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  2. Alles Gute zum Geburtstag - für die Kinder habe ich immer gesungen :"... Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst!..." Auch wenn geboren für den Blog nicht ganz so gut passt - ich würde ihn vermissen, dann ich lese bei dir ganz regelmäßig und gerne!

    Liebe Ameleo, ich lese eigentlich alles, freue mich über vieles - gerne auch Meditatives - verfolge meistens die Diskussionen - manchmal verwundert über Standpunkte, manchmal auch ärgerlich ob der Härte des Tonfalls und der Argumente, schreibe eher selten. Mich tröstet, dass auch du vom hohen Zeitaufwand schreibst, ich muss nämlich immer aufpassen, nicht zu viel Zeit im Netz und am Rechner zu verbringen und für viele Diskussionen fehlt mir einfach die Zeit. Auf der anderen Seite haben aber die Möglichkeiten, so vieles nachlesen und herausfinden zu können, mit anderen ins Gespräch kommen zu können oder auch nur zuhören zu können - und damit natürlich auch dein Blog! - ganz viel dazu beigetragen, dass ich meinen Glauben wieder ganz neu leben kann - was für ein Glück! Ganz herzlichen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    Martina

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  3. Ich gratuliere Dir auch zu "Einem Jahr Blog" und freu mich, dass Du weiterschreibst.
    Ich verfolge Dein Blog sehr interessiert, hab nicht immer Zeit zu kommentieren, hab leider auch schon andere Erfahrungen mit der Kirche ... aber auch ich wundere mich manchmal über den Ton....scheinbar ist es leichter in der Bloggerwelt so zu schreiben....
    Ich sag auch "Danke" für die vielen Posts und die langen Schreibzeiten die Du für uns aufbringst.
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  4. Liebe Martina, liebe Elisabeth,
    danke für euren Zuspruch! Dass ich lange für's Formulieren brauche, liegt an meinem eigenen Anspruch. Ich könnte es ja auch anders machen... Aber ich schreibe ja auch für mich selbst und finde es daher wichtig und gut, mir entsprechend Zeit für die Auseinandersetzung und die eigene Meinungsbildung zu nehmen.

    Liebe Grüße
    Ameleo

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  5. Zum Jahrestag also vielen Dank für Ihre interessanten, bereichernden , hilfreichen Artikel! Ich habe Ihren (wirklich bewundernswert formulierten; der Zeitaufwand hat sich gelohnt!) durch den von Stefan Silber kennengelernt und durch Ihren dann Lectio Brevior, de ich auch grossartig finde)

    Sehr gut gefallen haben mir das Brechtgedicht(das ich nicht kannte, obwohl ich Brechtfan bin), der Vergleich zwischen der Adventszeit un der Vorbereitung einer Geburt, die Blogs zum Downsyndrom, der Beitrag zu pro multis, das Credo als Ausdruck der Gemeinschaft mit den Christn, die uns vorausgingen und gleichzeitig der gedanke an alle augegrenzten und deswegen oft zu unrecht vergessenen Theologen der Kirchengeschichte...
    Wirklich geholfen haben mir die zehn Gründe in der katholischen Kirche zu bleiben und dabei vor allem das Argument der okumenischen Zusammenarbeit, das mir voll aus der Seele spricht.
    Ich bin mit Freude und Dankbarkeit in der katholischen Kirche engagiert und manchmal fühle ich mich in die Defensive getrieben, wenn man mich auffordert, sie wegen meiner Differenzen mit Rom zu verlassen. Traditionalisten (die ich bisher nur im Internetgetroffen habe) beeindrucken mich dabei weniger als Protstanten oder Antiklerikale, für die mein Engagement eine Art Solidaritätserklärung zu Positionen des Vatikans (wirklich unchristlich finde ich z.B. die Einstellung zur Homosexualität ind die Verweigerung der Abendmahlsgemeinschaft mit Protestantan), die ich nicht teile oder ein Bekenntnis zu Dogmen, an die ich nicht glaube ( die letzten zwei) darstellt.
    Die katholische Kirche ist aber diejenige, in der ich meinen Glauben auf Grund meiner persönlichen Biographie am besten leben Kann (ich kenne auch die evangelische Kirche sehr gut, auch von innen) aber ich halte sie nicht für besser und nicht für sclechter als andere Kirchen.
    meine Gemeinde bringt mir viel, die Lebensweise und die Predigten meines Bischofs (von Saint Denis bei Paris) beeidrucken mich undauf mein Engagement möchte ich nicht verzichten..und manchmal würde ich den Vatikan gern zu einem untergeordneten Aspekt der katholischen Kirche erklären.
    Eine mir bekannte Ordensschwester sagte vor kurzem; fast alle die, die Gosses für die katholische Kirche geleistet haben, hatten Probleme mit Rom ...und wirklich wer hat der Kirche mehr gegeben; Tomas von Aquin oder sei Erzbischof, der ihm das Lehren verbieten wollte, Ignatius oder das Inquisitionsgericht ,das ihn kurzzeitig verurteilte?

    Ich wünsche Ihnen Allas Gute!
    Nina

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