ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Donnerstag, 24. Mai 2012

Bischof Jacques Gaillot kommt nach Köln. Meisner über Vorgehen "verwundert".

Quelle: www.partenia.org
Schon mal von Bischof Jacques Gaillot gehört? Von 1982 bis 1995 war er Bischof von Evreux in Frankreich, seit 1995 ist er Titularbischof von Partenia in Algerien. Dass Partenia relativ unbekannt ist, liegt nicht nur daran, dass Algerien kein besonders beliebtes Reiseziel ist.
Partenia befand sich, zur Zeit des heiligen Augustinus (4. Jahrhundert), in der «Mauritanie Sitifienne», also in der Gegend von Setif, in den Hochebenen des heutigen Algerien.  
Man weiß praktisch nichts über diese Diözese, weder über ihre Entstehung noch über ihre genaue geographische Lage. Es ist nutzlos, sich heute dorthin zu begeben, denn sie ist im Sand verschwunden. Im Jahre 484 fielen Vandalen ins Land ein. Ihr König berief in seinem Palast in Karthago eine Bischofsversammlung ein. Rogatus, der Bischof von Partenia, wurde verfolgt und in die Verbannung geschickt.
Wie kommt es, dass jemand Bischof wird von einem Ort, den es gar nicht gibt?


Als Jacques Gaillot noch Bischof von Evreux war, hat er sich sehr stark sozial und streckenweise auch politisch engagiert. Der Öffentlichkeit verschloss er sich nicht, in den Medien war er immer wieder präsent.
Jacques Gaillot ist überzeugt; dass die Kommunikation in der modernen Welt nirgends so effizient erfolgen kann wie durch die Medien, welcher Art sie auch sein mögen. Er steht offen zu seiner Überzeugung, scheut sich nicht vor dem Wörtchen «Ich» und legt seine Gedanken in einfacher und klarer Form dar. Seine Treue zum Evangelium kommt vor allem in seiner Sorge um die Armen und die Menschen am Rande der Gesellschaft zum Ausdruck, auch in seiner Kompromisslosigkeit und dem Willen, der Gerechtigkeit und dem Frieden zum Durchbruch zu verhelfen. Die Überzeugung, dass Jesus der Menschheit gehört und nicht allein der Christenheit, dass die verlorenen Schafe es wert sind, dass man, um sie zu suchen, die anderen zurücklässt. 
Sowohl bei Wikipedia als auch auf der Partenia-Homepage sind Stationen seines Engagements nachzulesen.

Sein Engagement blieb nicht ohne Widerspruch, es kam immer wieder zu Konflikten. Als er die Einwanderungsgesetze der französischen Regierung scharf kritisiert, wird er nach Rom zitiert. Wikipedia schreibt dazu:
Am 13. Januar 1995 wurde Gaillot unter anderem angeblich auf Druck der französischen Regierung, insbesondere des Innenministers Charles Pasqua, von Papst Johannes Paul II. als Bischof von Évreux abgelöst und auf den Titularsitz von Partenia versetzt.
Mir ist bis heute unklar geblieben, was letztlich zu seiner Abberufung geführt hat. Kath.net spricht schwammig von eine "antirömischen Linie", Domradio führt an, er habe "die kirchliche Haltung zu Zölibat, künstlicher Empfängnisverhütung und Homosexualität kritisiert".
Nach dem Auszug aus dem bischöflichen Palais in Evreux wohnt Jacques Gaillot ein Jahr lang mitten unter den Familien der Sans-papiers im berühmten besetzten Haus an der Rue du Dragon in Paris. Er macht bei den Organisationen mit, die für die Rechte der Papierlosen und der Menschen ohne anständige Wohnung einstehen, und wird zum Bischof für die Armen. Oft wird er auch ins Ausland gerufen, zum Beispiel um politische Gefangene zu verteidigen oder um gegen Verletzungen der Menschenrechte zu protestieren.
Aus dem nicht existierenden Bistum Partenia entstand eine virtuelle Diözese, schon lange bevor andere Bistümer das Internet für sich entdeckten. Mit seinem 75. Geburtstag in 2010 beendete er seine Arbeit in Partenia, die Homepage wurde seitdem nicht mehr aktualisiert.

Von Jacques Gaillot erfahren habe ich selbst über Kollegen im priesterlichen Dienst. In dem Dekanat, in dem ich damals arbeitete, lasen wir gemeinsam sein Buch: "Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts". Sowas war damals noch möglich ...

Vorträge hält Bischof Jacques Gaillot noch immer. Heute, am 24.05.2012 kommt er nach Köln und spricht in der von der Kirche unabhängigen "Karl Rahner Akademie" mit dem Journalisten Ulrich Harbecke über das Thema "Evangelium und Moderne".

In der Frankfurter Rundschau hatte es zunächst geheißen, Kardinal Meisner habe ihm "2004 (...)  nicht nur einen Auftritt in einer Kirche des Erzbistums verboten, sondern ihm später auch untersagt, das Territorium des Erzbistums Köln zu betreten, um in weltlichen Räumen zu sprechen." Damit wäre auch das Gespräch in der Karl Rahner Akademie untersagt gewesen.

Diese Behauptung wurde jedoch laut Domradio vom Erzbistum Köln dementiert. Meisner sei nur "verwundert" darüber gewesen, nicht von Gaillot direkt sondern durch Zufall von dessem Auftritt erfahren zu haben. Ein Auftrittsverbot für nichtkirchliche Räume durch den Kölner Kardinal wäre allerdings einen echten Aufreger wert gewesen!

Die heutige Veranstaltung ist übrigens ausgebucht. Von manchen Veranstaltungen stehen allerdings Mitschnitte auf der Seite der Karl Rahner Akademie zur Verfügung, vielleicht demnächst auch das Gespräch mit Jacques Gaillot.


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    bei dir lernt man Neues, oder Altes wird aufgefrischt.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

    AntwortenLöschen
  2. Danke - unbekannterweise - liebe Ameleo,

    zu den Vorgängen im Jacques Gaillot habe ich ein Buch
    herausgegeben: Die Freiheit wird euch wahr machen

    Ich freue mich, dass sich Jacques in Köln durchgesetzt hat. Übrigens ist er auch im Bistum Würzburg 'unerwünscht'. Bischof Friedhelm kommt aus Köln!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Tipp mit Ihrem Buch! Was für ein wundervolles, fast weises Wortspiel als Titel!

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.