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Dienstag, 26. Juni 2012

Herr der Töpfe und Pfannen

Zu meinem Post "Mutterschaft und geistliches Leben" hat mir Kommentatorin Martina ein Gebet von Theresa von Avila geschenkt, dass ich bis dahin nur in Auszügen kannte. Ich finde es so wunderbar, so alltagsbezogen und so aktuell, dass ich es aus dem Kommentarbereich heraushole. Bitteschön:

Herr der Töpfe und Pfannen,
ich habe keine Zeit,
eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen
in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren
in der Morgendämmerung
und im stürmischen Horizont.
Mache mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite
und Teller wasche.
Nimm an meine rauen Hände,
weil sie für Dich
rau geworden sind.
Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie
hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen
und ach, so abscheulich!

Hörst Du, lieber Herr,
die Musik, die ich meine?
Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr
vom Abendessen gespült habe,
und dann bin ich sehr müde.
Wenn mein Herz noch am Morgen
bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst
vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr,
Dein unermüdliches Herz,
dass es in mir arbeite statt des meinen.

Mein Morgengebet
habe ich in die Nacht gesprochen
zur Ehre Deines Namens.
Ich habe es im voraus gebetet
für die Arbeit des morgigen Tages,
die genau dieselbe sein wird
wie heute.

Herr der Töpfe und Pfannen,
bitte darf ich Dir
anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten,
die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz
und angebrannten Gemüsetöpfen?
Erinnere mich an alles,
was ich leicht vergesse;
nicht nur um Treppen zu sparen,
sondern, dass mein
vollendet gedeckter Tisch
ein Gebet werde.

Obgleich ich Martha-Hände habe,
hab' ich doch ein Maria-Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr,
Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran,
wie sie auf Erden gewandelt sind,
wenn ich den Boden schrubbe.

Herr, nimm meine Betrachtung an,
weil ich keine Zeit habe für mehr.
Herr, mache Dein Aschenbrödel
zu einer himmlischen Prinzessin;
erwärme die ganze Küche
mit Deiner Liebe
und erleuchte sie mit Deinem Frieden.
Vergib mir, dass ich mich absorge,
und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Herr, der Du das Frühstück am See
bereitest hast, vergib der Welt,
die da sagt: "Was kann denn
aus Nazareth Gutes kommen?"

Theresa von Avila


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    schön, dass ich wieder etwas Neues bei dir
    entdeckt habe.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  2. Teresa von Avila z u g e s c h r i e b e n.Ebenso nada te turbe..so manches ist nicht von ihr.Es haben sich die niederen Mitschwestern beklagt bei ihr über ihre niederen Küchenarbeiten.Dass man Gott da nicht finden kann. Und daraufhin hat sie gesagt, was Ameleo eigentlich nicht lustig finden dürfte, dass Gott auch unter den Töpfen und Pfannen ist.Siehe Ignatius v Loyola, Gott in allen Dingen finden. Also bleibt bei eurer Arbeit und murrt nicht.- Die Küchenschwestern hätten gerne meditiert so wie die höheren Schwestern. Teresa hat nachweislich, da sie viel darüber geschrieben hat...auserhalb von Geschirr meditiert und sich bei höheren Dingen aufgehalten.Viel Zeit hat sie mit Wanderungen durch die Pampa verbracht, um neue Kommunitäten zu gründen.Sie war auch oft und lange krank. Also Küche war nicht ihr Ort. Als Oberin eh nicht. Das nada te turbe und solo dios basta stammt von Johannes vom Kreuz.

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    1. Den Hintergrund zu wissen, finde ich wichtig und interessant. Da hatte sie also auch so ihre "Aschenputtel". Damit kriegt das Gebet so ein Geschmäckle.

      Dennoch finde ich es eine gute Anregung, den Alltag - in aller Freiheit - als Möglichkeit für geistliche Übung zu verstehen.

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    2. Kriegt es nicht. Der Text ist meines Erachtens nicht von Teresa und - und das ist hervorzuheben - es gab auch zu Teresas Zeiten keine "niederen Schwestern", die Arbeit wurde von allen Schwestern getan. Die Priorin findet man naturgemäß weniger in der Küche, da sie oft durch andere Dinge in Anspruch genommen ist, bei Arbeiten, die die ganze Kommunität verrichtet (Ernten, Gemüse putzen etc. hilft auch sie mit).

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  3. keu gschmäckle, ameleo. sie kam aus wohlabenden verhältnissen und mußte neue niederlassungen gründen, damit die alten nicht so groß wurden und nonnengezänk aufkam. wenn die niederen nonnen meckerten, hatte teresa noch einen spruch, der war gut:wovor habe ich euch bewahrt? vor hoher kinderzahl und einem mißmutigen gatten.auf diesem hintergrund ist gott zwischen den kochtöpfen ideal..denn zwischen 10 kindern und dem herrn des hauses war er noch weniger zu finden.

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    1. Abgesehen davon, dass, wie du oben schriebst, der Text Theresa von Avila zugeschrieben ist, finde ich es problematisch, wenn er offensichtlich nicht das eigene Erleben ausdrückt, sondern jemanden davon abhalten soll (hier die "niederen" Küchenschwestern), sich gegen die von anderen vorgegebene Situation aufzulehnen.

      Ich selbst kann sagen: "Ja, ich nehme die Situation, in der ich mich vorfinde an als Möglichkeit, auch darin Gott zu begegnen." Jemandem dieses als Angebot für das eigene Leben hinzuhalten, finde ich auch noch o.k..

      Wenn aber jemand mit einem solchen Text dazu genötigt werden soll, eine ungute, vielleicht sogar ausbeuterische Situation auszuhalten, noch dazu mit der Begründung, es könne ja noch schlimmer kommen (es geht immer noch schlimmer) und dies auch noch spirituell zu überhöhen, das geht gar nicht! Das ist es, was ich mit Geschmäckle meine.

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  4. ameleo..es war 16 hundert und die welt hin und wieder eine scheibe..kloster war fortschritt für die frauen, sonst wären diese heime nicht so überfüllt gewesen.die alternative war hohe kinderzahl und kurzes leben..ignatius von loyola hat allen seinen jesuiten gesagt,sie sollen gott in allen dingen finden.teresa war eine emanze, wollte das priesteramt der frau..was will man mehr..stand ewig vor der inquisition..ihre aufgabe war auch kein zuckerlecken. und sie konnte eh überall meditieren..mit und ohne kochtopf. dafür war sie bekannt.ebenso wie ignatius.man wird nicht just for fun heilig gesprochen.dich als hausfrau treu und brav stell ich mir vor. heilig wirst du so nie.du mußt ein geistliches tagebuch führen, wo alle kasteíungen aufgeführt sind.möglicherweise genügt der blog hier.in jedem fall mußt du als heilige dran glauben und wirst nachträglich zeitgemäß zurechtgebogen.

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    1. Das ist ja mal eine kreative Idee: sich bloggend auf die eigene Heiligsprechung vorzubereiten. Ich lach mich schlapp. Heiligsprechung 2.0!

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    2. wie du deine gegner erträgst, wird zählen...

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  5. Ameleo, ich hätte es eigentlich auch lieber, wenn Theresas Worte ihrem eigenen Tun entsprächen. Andererseits hatte ich mir schon gedacht, dass sie als Ordensgründerin und bei all dem Briefwechsel etc., auch in Anbetracht ihres Standes die Töpfe und Pfannen nicht selbst in die Hand genommen hat. Und - sie hätte ihren "niederen " Schwester doch auch wirklich unpassenderes anbieten können.
    In meiner Kindheit wurde mir immer die Elisabeth von Thüringen nahe gelegt. Den Anspruch von Bescheidenheit und den Wert der Selbstaufopferung habe ich lange mit mir herum getragen, passend zu Poesiealbumsprüchen wie "Sei sittsam und bescheiden, das ist die schönste Zier, sonst mag dich niemand leiden....". Ich kann heute nicht nachvollziehen, was daran heilig sein soll, so zu arbeiten und leben, dass man mit 24 Jahren an Erschöpfung stirbt, dass man sich schlagen lässt, um die rechte Demut zu üben. Da ist mir die Theresa irgendwie näher.

    Liebe Grüße
    Martina

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  6. Elisabeth mußte dran glauben, ihr Mann war angeblich böse, habe ich gelernt. Das hat so gut gepaßt. Ne Ehefrau heiliggesprochen geht nur, wenn sie schön gelitten hat. Siehe ebenso Rita von Cascia..und das kann man uns dann vor die Nase halten. Man muss aufpassen mit dem. was ich weiß nicht wer uns von Heiligen erzählt. Teresa hat anstatt Küche dann mit zerbrochenen Kutschenrädern im Schlamm gelegen und sich beschwert und gesagt zu Jesus, authentisch, so gehst du mit deinen Freunden um, kein Wunder, dass du so wenige hast. Teresa war zum Teil sehr irdisch, was auch nicht gefällt. Hat ihre Freunde vermißt und ihnen geschrieben, ich liebe euch..auch den Gracian hat sie geliebt.Ich denke, wir sollten die Sache im geschichtlichen Kontext sehen..Kloster als bessere Alternative. Kloster ohne Kirchensteuern, es mußte gearbeitet werden und Geld beschafft. Mitgift und Gönner. Denn predigen durfte Teresa nicht. Und betteln auch nicht. Das war Männersache.Teresa hat dermaßen viel reformiert, danach Terese von Lisieux. Die Orden waren damals mehr Taubenschläge als sonstwas.Die neuere Elisabethforschung bringt auch so manches ans Licht, was der Heiligen gerecht wird und für Unterdrückungsmaßnahmen nichts taugt. Ebenso bei anderen Heiligen. Sie werden normal.

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  7. Die Heiligen werden unerreichbar gemacht. Es wird ihnen alles zugeschustert, was sie nicht gesagt haben. Herr der Töpfe und Pfannen und die Hausfrau hält sich geschlossen, weil es ja die große Teresa war. Nur leider paßt es nicht zu dem, was sie sonst noch gemacht hat..das schöne Gedicht nada te turbe ist von Joh vom Kreuz. Er hat es an Teresa geschickt, als es ihr schlecht ging..

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  8. Und es schien ihr so wichtig gewesen zu sein, dass sie eine Abschrift davon mit sich herumtrug - das gibt doch auch Zeugnis von ihr: Auch der großen, angehenden Heiligen ging es zeitweise nicht so gut und dieses Gedicht hat ihr geholfen. Das macht sie mir durchaus sympathisch.
    Gut finde ich auch, wenn die Heiligen durch die Forschung "normaler" werden, da kann ich besser mit umgehen, als mit den abgehobenen Unerreichbaren.

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  9. Auf der Suche nach dem Text hab ich mich besonders gefreut, ihn genau hier finden zu dürfen - wieder mal eine schöne Anregung aus diesem Blog, den ich mittlerweile regelmäßig verfolge. Nicht zuletzt bin ich dankbar für die Hinweise in den Kommentaren, dass der Text wohl eher für andere Schwestern in der Küche als selbst aus der eigenen Küchenarbeit heraus geschrieben wurde. Ich wollte den Text in einer Frühschicht als Impuls verwenden, Gott in seiner je eigenen Lebenswelt zu entdecken und zu begegnen. Da scheint mir dieser Hintergrund sehr wichtig, damit es kein "G'schmäckle" bekommt.
    Herzlichen Dank!

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