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Mittwoch, 20. Juni 2012

Mobile Klapp-Kapelle - dann klappts auch mit dem sakralen Feeling

"KlappKirche - Kirche klappt" ist eine Seite überschrieben, die für ein mobiles Kapellensystem wirbt.
"Diese Kapelle ermöglicht es, einen Sakralraum innerhalb kürzester Zeit zu errichten, unabhängig von dem Raum, in dem sie aufgebaut wird, ob Pfarrgemeindesaal, Turnhalle, Seminarraum oder Messehalle."
heißt es in der Beschreibung. Auf der nächsten Seite wird die Situation umschrieben, die der Künstlerin und Architektin Hildegard Strutz Pate gestanden hat:

Viele Kirchengemeinden in Deutschland sind schon jetzt bzw. werden in den nächsten Jahren noch zunehmend mit einer Situation konfrontiert, die sich durch sinkende Mitgliederzahlen und der Notwendigkeit der Fusion mit Nachbargemeinden auszeichnet. Viele der in der Nachkriegszeit erbauten Kirchen sind für ihre Gemeinden zu groß geworden. (...)  
Gleichzeitig entstehen alternative Formen des Gemeindelebens. Es bilden sich kleinere Gruppen, die auch kleinere sakrale Räume benötigen.  (...)
Natürlich gibt es bereits Lösungsansätze verschiedenster Art: So werden vorhandene kleine Räume in Gemeindehäusern etc. mehrfach genutzt. Dies führt jedoch vielfach zu Frustration, wenn Kindergottesdienste umgeben von Pfadfinderutensilien oder den Instrumenten der Kirchenband oder wenn Gebetskreise in mitten der Vorbereitungen für den Weihnachtsbasar etc. stattfinden müssen. Der „sakrale Rahmen“, der von allen Beteiligten als wichtig empfunden wird, kann auf diese Weise nicht hergestellt werden.
Dieses Problem soll die "KlappKirche" für 6500 - 7500 Euro lösen. Sie besteht aus einzelnen Modulen, die in einem Kirchenbus transportiert und zu zweit innerhalb von 20 - 30 Minuten aufgebaut werden kann. Bilder der Prototypen sind hier zu sehen.

Zunächst ist die Idee bestechend. Da scheint an alles gedacht zu sein: sie ist mit gemeindeeigenen Möglichkeiten zu transportieren, scheint einfacher als ein Möbel aus diesem schwedischen Möbelhaus aufzubauen zu sein und braucht wenig Stauraum.

Aber ist es realistisch, dass eine Gemeinde, der die Kirche zu groß und baufällig oder durch Fusion sogar geschlossen wurde, sich eine solche KlappKirche kauft, um sich einen mobilen sakralen Raum schaffen zu können?

Die Realität ist doch: erst wurde das kirchliche Personal knapp, zunächst die Zahl der Priester, dann auf Wunsch der Diözesen auch die der hauptberuflichen Laien. Um das wenige Personal gleichmäßig zu verteilen, wurden Gemeinden fusioniert. Durch diesen Trick gab es keine priesterlosen Gemeinden mehr. Für die wenigen Priester aber gibt es zu viele Kirchen, die noch dazu, weil hier im Norden zum überwiegenden Teil in den 60er Jahren erbaut, zunehmend renouvierungsbedürftig werden. Aus Kostengründen und um die Priester zu entlasten (die Situation der Gemeinden ist hier nachrangig), werden also Kirchen geschlossen, das Gemeindehaus mit möglichen Stauräumen gleich mit, der Kirchenbulli geht an die Zentrale. Statt dessen: KlappKirche?

In welchem Bulli soll die transportiert werden, wenn der ursprünglich vorhandene abgezogen wurde? Wo wird sie gelagert, wenn es keine kirchlichen Räume mehr gibt? Wo soll sie aufgestellt werden? Ist sie wetterfest oder gibt es ein entsprechendes Zelt dazu? - Ach ja: Privatwagen, Ehrenamtliche ...

Für eine kirchliche Präsenz auf Messen und bei anderen Großveranstaltungen kann ich mir die KlappKirche gut vorstellen. Auch für große, finanziell gut gestellte Gemeinden, die sich den Luxus leisten wollen, statt in eine halbstündige Aufräumaktion eines Gemeinderaums die Zeit lieber in den Aufbau einer mobilen Kapelle zu investieren. Für die aber, die als Zielgruppe benannt werden, halte ich diese Idee leider für völlig ungeeignet. Da bitte man lieber die Brüder und Schwestern aus den anderen Konfessionen um Kirchenasyl, in einer - dann eben evangelischen oder freikirchlichen - richtigen Kirche oder einem Gemeindehaus. (Das allerdings müssten sie dann schon selber vorher "von Pfadfinderutensilien, den Instrumenten der Kirchenband oder den Vorbereitungen für den Weihnachtsbasar" befreien. Wegen der Gastfreundschaft.) Wenn schon immer gute ökumenische Beziehungen bestanden, dann klappts auch mit den Nachbarn.

Oder man erinnere sich gleich an die Ursprünge der christlichen Gemeinden: Da versammelten sie sich in ihren Privathäusern zum Brotbrechen. Dafür brauchten sie noch nicht mal einen Priester. Eine mobile KlappKirche für das sakrale Feeling schon gar nicht. Und mit der Kirche hat es trotzdem geklappt. Bis heute.


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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    die Zukunft der Kirche ist besonders unsicher.
    Wir müssen nach den besten Lösungen suchen.

    Liebe Grüße
    Elisabeth

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  2. Liebe Ameleo,
    Ich denke der kleinste Raum kann eine Kirche sein.
    Aber dazu brauch ich keine "Holzmöbel to go" oder eine Papp-klapp-Kirche.
    Solange wir den göttlichen Funken in uns spüren können wir überall eine Kirche sein.

    pfiati

    Valentina

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  3. Wenn es mal soweit ist, dass Kirche auch wieder in den Privathäusern stattfindet, man also sein Privates für die Brüdern und Schwestern öffnet - das wird uns alle verändern glaube ich. Das kann dann das Glück im Unglück mit der Kirche sein.

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