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Freitag, 8. Juni 2012

Rom und die Piusbrüder: Einer schweigt, der andere spricht

Dieses Geeier um eine Rückkehr der Piusbrüder in die katholische Kirche nervt und ärgert mich. "Schweigen aus Rom" titelt gerade katholisch.de einen Artikel zum Stand der Gespräche zwischen Rom und der Bruderschaft.

Während Rom schweigt, äußert sich der Generalobere der traditionalistischen und ultrakonservativen Piusbrüder, Bernard Fellay. So schreibt kna:
Mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) sagte Fellay, in Rom sei in manchen Kreisen ein Sinneswandel spürbar. Eine andere Sicht auf das Konzil werde dort "nicht mehr als entscheidend für die Zukunft der Kirche" betrachtet: "Tatsächlich kann die Kirche nicht auf das Konzil reduziert werden", so der Obere der Piusbrüder.
Ähm: Wer nochmal hatte die Kirche auf das Konzil reduziert und sich deshalb abgegrenzt??? Es geht doch nicht um eine "Reduktion auf" sondern um eine vorbehaltlose "Akzeptanz von" dem für die aktuelle katholische Kirche derzeit wichtigsten Konzil! Sie kapieren es einfach nicht! Weiter bei kna:

Als Grund für einen solchen angeblichen Sinneswandel macht Fellay "schrecklich bedeutende Probleme" in der Kirche aus. Diese seien so groß, dass zweitrangige Fragestellungen derzeit hintangestellt würden. Dies werde aber im Vatikan "niemand so offen sagen" oder gar "die Fehler des Konzils anerkennen", so Fellay. Rom habe sich geändert, "nicht wir".
Ich halte die Frage der Rückkehr der Piusbrüder noch nicht mal für zweitrangig. Klar meint Fellay etwas anderes. Aber wenn Rom nur einmal halb so viel Energie in die Lösung der wirklich wichtigen Probleme stecken würde und beispielsweise endlich mal die Anfragen der Würzburger Synode von 1971-75(!) beantwortete, wäre schon viel gewonnen! Ob Rom sich geändert hat, wie Fellay meint, weiß ich nicht. Ich unterstelle einfach mal eine entsprechende Fähigkeit, auch wenn sie derzeit nicht durch entsprechende Erfahrungen gedeckt werden kann. Obwohl: Änderungen zum Negativen gibt es ja auch...

Dass sich die Piusbrüder weder geändert haben noch je ändern werden ist exakt das Problem im Umgang mit ihnen. Ungewollt oder doch absichtlich bringt Fellay es auf den Punkt. Alle anderen haben sich ihren Gedanken und Vorgaben anzupassen. In Diktaturen geht das. Und intern gibt es diese Probleme ja auch, woran diese Bruderschaft (Gott sei Dank!?) möglicherweise zu zerbrechen droht.

So hoffe ich nur, dass eine Einigung mit diesen Sturköpfen niemals zustande kommt! Und ich wünschte mir endlich die Entscheidung aus Rom, dass es schlicht so nicht geht. Wenn man zu einer ernstzunehmenden Weltkirche gehören will, muss man auch schon mal zur Wandlung bereit sein, nicht nur in der Messe!


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Kommentare:

  1. Der Vatikan hat keine Probleme, weder mit Vati leaks, noch mit den Piusbrüdern. Die Medien haben welche..im Osservatore wird weiterhin über den Glauben gesprochen..des Papas dickes Fell hätt ich ums Verrecken gern.

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    1. Kann sein, dass der Vatikan keine Probleme hat (was ich bezweifle). Darin, anderen welche zu machen, ist er aber ziemlich groß! - Und nein: ein solches dickes Fell möchte ich niemals haben: darin ist man ziemlich unbeweglich, wie man sieht!

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    2. aber man wird gut alt. das willst du doch auch, oder?wenn das mal alle probleme auf der welt wären. sind es aber nicht.piusbrüder und pro multis, stimmt, die ewige sekigkeit hängt davon ab. in afghanistan im krieg sterben oder woanders verhungern ist ein krümel im universum.

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    3. @ Teresa_v_A.: Mit dem Argument kannst du jegliches Thema plattschlagen. Find ich wenig hilfreich.

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  2. Echt, hast Du so viele Piusbrüder in deinem Umfeld, dass es Dir die Diskussionen ums Konzil bzw. dessen Auslegung der Art auf den Senkel gehen? Oder ist der Umgang mit ihnen, dann doch eher aus den Medien entnommen als in eigener Erfahrung gegründet?
    Ich fand die Gründe aus denen Leute zu Lefebvre und später den Piusbrüdern hielten oft recht nachvollziehbar. Oft sind es die revolutionären Vorgänge in den Gemeinden kurz nach dem Konzil, die sie dazu veranlassten. Meist waren es nicht die großen theologischen Fragen, sondern die für viele erschreckende Praxis. Auch in meinem Umfeld weiß man von regelrechten Kircheplünderungen nach dem Konzil zu berichten, wo alte Messgewänder und "nicht mehr zeitgemäße" Bilder und Statuen einfach verbrand oder auf den Speicher verbannt wurden. Nicht jedem gefiel es marxistische Propaganda von der Kanzel zu hören oder zu erfahren, dass es im Seminar XY neuerdings zur Mode gehörte sich trotz bevorstehender Priesterweihe noch mit einer "Freundin" in der Öffentlichkeit zu zeigen. Gab's nicht? Doch, ja, gab es!
    Ich denke, heute sind wir uns darüber im Klaren, dass viele Auswüchse im Gefolge des Konzils nicht Absicht und Ziel des Konzils waren. Da wurde - und wird ja heute auch noch gerne - ein Geist des Konzils konstruiert, der nicht aus den Dokumenten zu erahnen ist. Diese Konstrukte konnten m.M. nach nur in der Breite Umsetzung finden, weil die Leute keinen schnellen Zugang zu den Dokumenten hatten und sich so auf die Aussagen von nicht immer ganz ideologiefreie Interpreten verlassen mussten. Vieles was auf höherer Ebene sich abspielte, ist wohl nur mit der Stimmung der damaligen Zeit zu erklären. Der Wunsch nach dem Krieg alles alte hinter sich zu lassen und ganz neu zu beginnen, neue Gesellschaftsmodelle zu probieren und damit auch eine neue und andere Kirche zu schaffen, war enorm. Das ist heute anders. Wir haben bei vielen der neuen und revolutionären Wege schon lange die Sackgassen erreicht und die neue Gesellschaft hat ihre alten Probleme nie gelöst und nach der Frustration darüber haben wir - denke ich - auch eine gehörige Portion Misstrauen gegen solche ideologischen Experimente gelernt. Mit dem Internet kann jetzt jeder die Dokumente lesen und so entdecken viele Leute heute auch andere Aspekte der Dokumente, die nie verwirklicht wurden.
    Ich finde es, btw, recht befremdlich, dass Du hier auf die Anerkennung von Konzilsdokumenten pochst, während Du selber keine so wahnsinnigen Schwierigkeiten hast sie da zu kritisieren wo sie z.b. in PRESBYTERORUM ORDINIS recht eindeutig nur von Männern im Weiheamt spricht.

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    1. Ich fand die Konzilstexte auch schon in den 80ern recht altbacken und längst überholt. Sie sind in einer ganz anderen Zeit entstanden. Es befremdet mich nach wie vor, darin etwas Fortschrittliches sehen zu sollen. Die derzeitige kirchliche Realität zeigt mir allerdings, dass es durchaus so ist. Wie kann man heute wieder anderen Konfessionen ihr Kirchesein absprechen? Ich finds unmöglich. Und in Sachen des von dir erwähnten Dokuments stehe ich auf dem Standpunkt der Würzburger Synode: da wäre noch vieles zu klären. Theologisch wurde das getan. Nur der Vatikan hat seine Hausaufgaben nicht gemacht bzw. mehr als schlurig.

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    2. Also, verstehe ich das richtig: Du verlangst von den Piusbrüdern, sie sollen ohne Vorbehalte dem V2 zustimmen, während Du dir einen Dissens großzügig genehmigst? Das finde ich schon sehr witzig, wirklich. Und die Beschlüsse der Würzburger Synode, die kurz danach, gefällt wurden, sind wegweisender? Wir erinnern uns an die frühen '70 und die Ho-Ho-Ho-Chi-Min skandierenden Studis, die Rote Armee Fraktion und die endlos Diskussionen über den Sieg der Weltrevolution über das marode kapitalistische System, anti-autoritärer Erziehung und nicht zu vergessen der sexuellen Revolution. Wer zwei Mal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment. Kommt Dir doch bekannt vor, oder? Was ist von den Dingen, die damals alle als umsetzbar und wünschenswert formuliert worden eigentlich geworden? Ähm, also mit den Regierungsmethoden von Ho-Chi-Min wird wohl heute niemand mehr sympathisieren, One-Night-Stands haben sich auch nicht als feministische oder anders geartete Befreiungsakte durchsetzen können, anti-autoritäre Erziehung, nun, die da hat man inzwischen auch gelernt, dass das keine besseren Menschen zeitigt und die Weltrevolution ist auch ausgeblieben. Ich bin irgendwie ganz froh, dass die Kirche damals nicht so fortschrittlich war, sich auf diese lahmen Gäule zu setzten und mit der damaligen selbst ernannten Avantgarde in jede geschichtliche Sackgasse zu galoppiere. Fortschritt hat stattgefunden, aber woanders.
      Und was andere Konfessionen angeht, die wollen gar nicht Kirche im katholischen Sinn sein. Einfach mal deren Bekenntnisschriften lesen, dann wird das eigentlich recht schnell klar. Ich fand Dominus Iesus eine sehr wichtige Klarstellung. Und auf ihre Weise sehen andere Konfessionen auch bei sich einen Absolutheitsanspruch. Von der PCA bis zu den Snake Handlern in Tennessee sehen sie sich als die Eine und sich selber für True Elect. Schau dir an wie Pastoren, die durch den Tiber schwimmen, von ihren ehemaligen Kollegen als Apostaten beschimpft werden und Du bekommst einen Eindruck. Ich glaub J. Stellmanns Fall ist der jüngste in einer ganzen Reihe. http://www.creedcodecult.com/ Die Kommentare zu den letzten drei Posts sprechen Bände. Dein Erfahrungen sind hier scheinbar sehr limitiert. Schon mal ein Chick Trak in der Hand gehabt?

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    3. Es ist wirklich beeindruckend, mit welchen Dingen du um dich wirfst, um deutlich zu machen, dass ich so überhaupt keine Ahnung habe, du dafür aber umso mehr. Was für ein Weltwissen! Schön für dich! Dann lies doch da, wo du dazulernen kannst, anstatt bei mir! - Das war der Ärgeranteil der Antwort.

      Was mich existenziell von den Piussen unterscheidet ist, dass ich kompromisslos für eine katholische Vielfalt eintrete, die Piusse wollen den traditionalistischen Einheitsbrei nach ihrer Vorstellung. Außerdem verlange ich nicht, dass alle in allem so denken wie ich. Ich finde es eine Frechheit, anderen das Kirchesein schlechthin abzusprechen, es ist nur eine rhetorische Spitzfindigkeit, es auf das "im katholischen Sinn" Kirchesein zu reduzieren, als wäre es das Maß aller Dinge. Da fängt die Frechheit nämlich schon an!

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    4. Zunächst mal vielen Dank an die Damen. Eure intensiven Diskussionen sind stets ein Gewinn für den Mitlesenden. Zu B hätte ich anzumerken, dass von den Tradis gerne übersehen wird, wie populär beispielsweise die Liturgiereformen damals gewesen sein müssen. Es ist doch sehr erstaunlich, dass sich die überwiegende Mehrheit der Gläubigen damals solche Umbrüche gefallen ließen. Ich stamme aus einer Gegend, die so katholisch ist, dass es selbst dem Papst peinlich wäre. Die Vorstellung, dass ein Bauer aus meiner Gegend "HoHoHoChiMinh" rufend durch die Gegend lief und sexuelle Freizügigkeit propagierte, ist eher realitätsfern. Aber diese eher konservativen Menschen haben damals die Reformen mitgetragen und haben sich nicht scharenweise den Piusbrüdern angeschlossen. Das muss man zur Kenntnis nehmen. Dem Plädoyer Ameleos für katholische Vielfalt kann ich mich anschließen. Ich finde es allerdings reichlich heuchlerisch, wenn gleichzeitig ausgeschlossen wird, dass man Tradigruppierungen in der eigenen Gemeinde unterstützen würde. Wer für Vielfalt plädiert, muss meines Erachtens dafür eintreten, dass es auch für Piusbrüder einen Platz in der Kirche geben muss. Und wenn sich Leute wie B ausgegrenzt und an den Rand gedrängt fühlen und sich dann hier auch noch Bitterkeit vorwerfen lassen müssen, dann ist es mit der propagierten Vielfalt nicht sehr weit her. Vielfalt heißt, dass sowohl der nationalkonservative Monarchist als auch der Sozialdemokrat gute Christen sein können.(Den Eindruck bekommt man nicht, bei Verlautbarungen des deutschen Episkopats)Das heißt für mich übrigens auch, dass ich es nicht als Frechheit empfinde, wenn eine befreundete stramm lutheranische Theologin mir darlegt, dass die katholische Kirche nicht Kirche in dem Sinne sei, wie es Christus vorschwebte. Nun ich sehe das ganz anders, aber ich muss damit leben können, dass Angehörige anderer Konfessionen das nicht so sehen wie ich. Es bringt auch nichts sich über derartige "Anmaßungen und Frechheiten" zu echauffieren, da wird nur das Bier schal. Im Übrigen empfinde ich Kompromisslosigkeit und Toleranz als sich gegenseitig ausschließende Eigenschaften sind. Man kann nicht kompromisslos für Vielfalt eintreten, dann propagiert man nur Einheitsbrei nach der eigenen Vorstellung.

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    5. Oh, und die katholische Vielfalt wird selbstredend von Dir definiert und muss daher ohne Piusbrüder auskommen und überhaupt, nicht zu traditionell daher kommen. Wie sieht es da eigentlich mit den Petrusbrüdern aus? Auch alles Einheitsbrei?
      Und wie gesagt, was Du als Frechheit empfindest wird dir bei 90% der konfessionellen und einem guten Teil der denominellen Protestanten in noch viel größerem Ausmaß passieren. Da bist du nämlich nicht nur der Verführung der großen Hure erlegen, sondern noch Nichtmals ansatzweise Christ, weil Du deren oft doch recht merkwürdigen Definitionen von wiedergeboren oder gesalbt nicht entsprichst.
      Merkwürdig, dass Du für diese Gemeinschaften das Kirchesein unbedingt verteidigen musst, aber den Piusbrüdern dann doch nicht zubilligen willst.
      Das ist inkonsequent, wenn man mich fragt.

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  3. Liebe Ameleo,

    mit dir hoffe ich auf eine gute Lösung, auf eine Auflösung.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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    1. Liebe Elisabeth,

      das hast du sehr treffend formuliert!

      Liebe Grüße
      Ameleo

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  4. @B.

    Was hat denn die Würzburger Synode mit den Ho-Ho-Ho-Chi-Min skandierenden Studis, der Roten Armee Fraktion, den Diskussionen über den Sieg der Weltrevolution, der anti-autoritären Erziehung und der sexuellen Revolution zu tun? Ich kann diese Ausführungen nur so verstehen: Aus dem zeitlichen Zusammenfall Anfang der 70er Jahre wird eine sachliche Nähe suggeriert nach dem Muster "das ist der Zeitgeist, dem man sich damals anpassen wollte". Ich bleibe mal zurückhaltend: Mir ist nicht bekannt, dass die Würzburger Synode sich mit den genannten Zeitgeist-Themen befasst hätte.

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    1. Ich denke, man darf bei Entscheidungen nie das gesellschaftliche Klima außer acht lassen. Auch Synoden finden nicht im Vakuum statt. Ich hab ja nicht gesagt, dass man sich unbedingt an diese Stimmung anbiedern wollte. Allerdings fände ich es merkwürdig, wenn die damalige Stimmung gerade an den deutschen Bischöfen abgeperlt wäre. Wie so hätten ausgerechnet die immun dagegen sein sollen, wo es an den theologischen Fakultäten, den Seminaren und in vielen Gemeinden ganz schön rund ging?

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  5. Treten die Piusbrüder für eine Vielfalt in der r.-k. Kirche ein? Das wäre mir neu. Meine Toleranz hat dort Grenzen, wo sie in Selbstmord münden würde. Nichts gegen ein traditionelles Verständnis von Kirche und Glauben, allerdings im Wissen darum nur ein winziges Stückchen in einem großen Mosaik zu sein.

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    1. Liebe Ameleo, vor allem aber @ B.,
      bei dem ganzen Streit um die Piusbrüder geht es zwar auch um Fragen der "Richtigkeit" (vor allem deren Ansicht von Richtigkeit !) der Liturgie, aber vor allem geht es in der Anerkennung des GESAMTEN 2.Vat.Konziles um eine ganz politische Machtfrage. Bei der Pius-Bruderschaft handelt es sich um Leute, die nicht akzeptieren, dass sich die Beziehungen zwischen der Kirche und der Gesellschaft - oder der "Autonomie der zeitlichen Realitäten" wie es im Konzilsdokument "Gaudium et Spes" heisst - verändert haben. Da drückt der Schuh! Diese Leute sind so etwas wie die Schweizerische Volkspartei oder ÖVP in Österreich der Kirche. Das Buch "Ils l`ont découronné" (Sie haben ihn entthront) von Lefebvre, 1987 erschienen, bringt dies unmissverständlich zum Ausdruck. Die Kirche muss wieder die Herrschaft in der Welt übernehmen, ihre Autorität erneut bekräftigen und die Zügel straffer anziehen: Davon sind die Lefebvristen überzeugt. Solange es bei dieser Idee bleibt, wird es jedoch keine Lösung geben. Letztlich geht es also um die Frage der Laizität, der weltanschaulichen Neutralität des Staates. Es ist schwierig, diese Sicht der Dinge auch in den Vatikan-Büros durchzubringen. Denn in Italien hat die Kirche den Begriff der "Autonomie der zeitlichen Realitäten" des Konzils und den Sinn einer gut verstandenen Laizität nicht übernommen. In Frankreich sind die Trennung von Kirche und Staat und die weltanschauliche Neutralität des Staates erzwungen worden. Insbesondere Kardinal Angelo Sodano, als dieser noch Staatssekretär war, spielt hier eine Schlüsselrolle. So hatte dieser die Kandidaten für den Posten des italienischen Premierministers in den Vatikan aufgeboten, um sie über ihr Regierungsprogramm zu befragen! Es ist diplomatisch ein Unding zu glauben, dass es auf diese Weise möglich wäre, Minister aus Frankreich, Deutschland oder der Schweiz vorzuladen. Die Kirche hat diese Macht einfach nicht, und sie kann in demokratischen Ländern eben so nicht agieren, weil Kirche und Staat defintiv getrennt , eben autonom sind. Das Spiel, das 1987 zur Exkommunikation Marcel Lefebvres führte, scheint sich jetzt zu wiederholen - und gewisse Leute im Vatikan immer noch nicht begriffen haben, dass es hier ganz klar um eine politische Machtfrage geht.

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    2. Nein das tun sie nicht, und wie ich anderen Ortes schon mal schrieb betreiben sie mE eine Immunisierung von bestimmten politischen Weltbildern durch deren sakrale Überhöhung. Das wird aufhören müssen, man wird sich mäßigen müssen, wenn man auf Seiten der Piusbrüder ernst machen will mit dem Glauben an die eine, heilige, katholische Kirche. Darin liegt aber eben die Chance, wenn man den zur Mäßigung bereiten Piüssen Versöhnung anbietet. Wie groß dieser Teil ist, sei dahin gestellt, bei einer PRIESTERbruderschaft, die im Alleingang Bischöfe weiht, Mädchenschulen betreibt und Klöster gründet. Ansonsten d'accord- allerdings müssten sich auch Reformeiferer hinter die Ohren schreiben, wie die Piüsse, dass sie jeweils nur ein Teil dieses eigentlich recht schönen Mosaiks sind. Da liegt eben das Problem: die einen Extremisten wollen die anderen nicht akzeptieren, weil es ihnen an Kompromissbereitschaft fehlt- vielmehr sind beide Seiten davon überzeugt, dass der Weg der anderen die Kirche in den Selbstmord führt, und nur sie die Kirche retten können. Und keiner von beiden sieht, wie ähnlich sie sich in ihrer kompromisslosigkeit sind.

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    3. Nun ja, da soll es - allerdings nicht aus der reformorientierten Ecke - ja durchaus auch Leute geben, die selbst dem von ihnen abqualifizierten "Mainstream" die Daseinsberechtigung absprechen. Da gibt es kein Bild vom Mosaik, keine Farbigkeit, höchstens eines in Loriots Farbpalette: mausgrau, steingrau, aschgrau, ...

      Den "Selbstmord" habe ich übrigens nicht auf die gesamte Kirche bezogen, sondern auf den Teil darin, der mir von Bedeutung ist. Und darin gibt es eben keine Parallele zwischen denen, die das Felsartige der Kirche betonen und denen, die auf Lebendigkeit setzen:

      Während die einen auf die Vielfalt setzen, bei der auch ein Felsen nicht großartig stört, weil letztlich ein anderer der Gärtner ist, können die anderen auf all die Gewächse, die nicht wie trockenheitsresistente Flechten auf Felsen angewiesen sind, gut verzichten, mehr noch: sie begrüßen es durchaus oder fördern es, die Biodiversität auf ein überschaubares Maß zu reduzieren. So ist zumindest mein Eindruck.

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    4. Um das Mosaik wertschätzen zu können, muss man einsehen, dass es aus vielen Steinchen besteht, die allesamt der Wertschätzung bedürfen und eines gemeinsamen Grundes, dem sie verhaftet sind.

      Zum Witterungsschutz für's Mosaik bietet sich ein Fels doch gerade zu an. Und für die Biodiversität der natürlichen Fora und Fauna auf diesem Felsen ist es auch nicht förderlich massensweise Exozoen auszusetzen, die beeindruckende Purpurschneckenkolonie völlig wertschätzungsfrei zu zertreten, weil sie sich nunmal langsam fortbewegt (was dem evolutionären Daseinszweck der Art enstspricht) oder die Pinguine zum Abschuss freizugeben, und am Ende einen nach Zeitgeschmack gestutzten Rollrasen auszubreiten, weil der sprunghafte grüne Grashüpfer anzieht, und man darauf viel besser barfuß laufen kann. Ne die Grün- und die Blaualgen müssen verstehen, dass sie den Felsen als gemeinsamen Lebensraum brauchen und sich mit der Nachbarschaft abfinden. Und mein Eindruck ist, dass beiden Fraktionen die Biodiversität ein Dorn im Auge ist, dass beide Fraktionen auf ihre Weise halsstrarrig sind und das sie sich in dieser Halsstrarrigkeit nicht vom Gegenüber unterscheiden, alle beide sind sie spießig und piefig- die einen auf eher überkommene Weise, die anderen auf zeitgemäße Weise: die haben den Spieß einfach umgedreht und sehen nicht, das die Spießer immer diejenigen mit dem Spieß in der Hand sind, egal in welche Richtung sie spießen.

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    5. Nun ja, ich sehe solche Typen auf beiden Seiten; da wollen Steinchen für das ganze Mosaik stehen und sehen nicht, dass sie das Bild nur wertschätzen können, indem sie alle Teile wie das Bild wertschätzen,. Außerdem wird gerne übersehen, dass das Bild auf einen gemeinsamen Grund angewiesen ist, auf dem die Steinchen verhaftet sind. Auch wird der notwendige Witterungsschutz durch den Felsen von den einen nicht anerkannt, während andere die natürliche Biodiversität nicht wertschätzen, die die Flora und Fauna auf diesem Felsen ausmacht; da werden massenhaft Exozoen ausgesetzt, da wird auf der beeindruckenden Purpurschneckenpopulation rumgetrampelt (entweder wegen der evolutionär bedingten Fortbewegungsgeschwindigkeit der Art, oder weil die sich überhaupt bewegt), da wird die Pinguinkolonie in den Zoo gesteckt um Platz zu schaffen für einen nach Zeitgeschmack gestutzten Rollrasen, auf dem man ganz toll barfuß laufen kann, der aber auch nur ne Monokultur ist. Also, dass Problem ist, dass beide Seiten auf ihre Weise spießig sind: die einen auf überkommene Weise, die anderen haben den Spieß einfach rumgedreht- sie übersehen aber dass derjenige, der den Spieß führt, der piefige Spießer ist.

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    6. @ Alex: Sind da bewusst zwei sehr ähnliche Kommentare oder hat die Technik gesponnen?

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    7. Ne, technisches Problem, musste den Kram sogar dreimal neu formulieren. Erwäge einfach den, der Dir besser zusagt!

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  6. Are there two kingdoms? Uh... Also, die Frage wird ja immer wieder neu durchbuchstabiert und es sind nicht nur die Piusbrüder, die bemerken, dass die positive Laizität eine sehr instabile Basis hat. In den USA beharken sich gerade die Bischöfe mit dem Gesetzgeber und stellen fest, dass man Glaube nicht nur Privatsache sein kann. Spätestens wenn man als Sozialdienstleister oder Arbeitgeber dazu gezwungen wird medizinische Leistungen abzubilden, die gegen die katholische Morallehre stehen, hört auch die Freundschaft mit demokratischen Rechtsstaaten auf. In Skandinavien und Südamerika sammelt man derzeit ähnliche Erfahrungen.
    Ist das eine Machtprobe? Sicher. Aber was wäre die Alternative? Katholiken anraten sie mögen tunlichst keinen Beruf in der Medizin, dem Sozialwesen oder der staatlichen Verwaltung anstreben? Sollte man wirklich, um die Trennung von Staat und Kirche nicht zu verletzen, darauf verzichten Sozialstationen, Krankenhäuser oder Schulen zu betreiben? Ist das selbst-gewählte Ghetto wirklich eine Alternative für die Kirche?
    Die einige Politiker werden übrigens sehr freiwillig bei Bischöfen vorstellig, weil es ja auch um katholische Wählerstimmen geht.

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  7. Bernd Schneider11. Juni 2012 um 06:02

    Genau, B., der Papst nennt diese Haltung "Entweltlichung"!

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  8. Spannend: Man kann meinen Wunsch nach Vielfalt kritisieren oder mein Aufzeigen von deren Grenzen. Oder mir unterstellen, dass ich es gar nicht ernst meine mit meinem Bild vom Mosaik. Da scheine ich ja irgendwie richtig zu liegen...

    Der Fels darf gerne mit Mosaiksteinchen beklebt sein. Trotzdem bleibt er ein Steinchen im größeren ganzen. Eine Dominanz gestehe ich ihm in meinem Bild nicht zu!

    Und: Neozoen gab es immer, in der Natur wie im Christentum. Dort nennt man sie schlicht Inkulturation. Ohne diese würden wir beispielsweise kein Weihnachten am 24. Dezember feiern, kein Osterfeuer haben etcpp.

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  9. Dominanz? Ich denke, man sollte hier nicht die Größenverhältnisse aus den Augen verlieren. Die Piusbrüder haben so um die 500 Priester. Damit ist ihr Wirkungskreis recht limitiert. Schau dir den Neokatechumenalen Weg an, die haben über 3000 Priester, sind in mehr als 5000 Pfarreien vertreten und haben mehr als 20.000 feste Mitglieder. Alleine in Deutschland unterhalten sie 3 Seminare.
    Ich finde es merkwürdig, dass Du dich vor einer Dominanz der Piusbrüder fürchtest, aber andere Bewegungen, die sicherlich genau so viele Konfliktpunkte mit deiner theologischen Einstellung haben, völlig übersiehst.

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    1. Die Piusbrüder mit meinem Bild vom Felsen gleichzusetzen ist deine Interpretation, was man im Zusammenhang mit dem Post vermutlich so verstehen kann. Gemeint hatte ich allerdings breitere Kreise.

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  10. Ein mit Mosaiksteinchen beklebter Fels wäre nicht ein Steinchen im Mosaik, sondern der gemeinsame Haftgrund der Steinchen. Die Frage hier ist doch vielmehr, dass irgendjemand dafür sorgen muss, dass die einzelnen Steinchen die Haftung nicht verlieren, oder wie gesagt, sich zum Mosaik an sich erklären. (Das tun die Piusbrüder ebenso wie ihre reformeifrigen Kontrahenten (zumindest die extremen unter ihnen)). Gemeint war also eher der Fels als Witterungsschutz, der verhinder4t das Teile fortgespült werden, und im Lauf der Zeit zu Sand werden. Übrigens gibt es solche und solche Neozoen: es gibt welche, die im neuen Ökosystem eine Nische besetzen und keinen Schaden anrichten, und solche die zerstörerisches Potential haben und ganze Ökosysteme zum Kippen bringen können, wenn man keine Gegenmaßnahmen ergreift. Dass Teile der Piusbrüderschaft solch ein Potential haben (und dass sie in der heutigen Kirche Neozoen wären), will ich gar nicht abstreiten. Aber ich denke, dass eben diese Teile den Weg nicht mitgehen werden. Eben die Kompromisslosen, die nicht bereit sind, sich ins Mosaik einzuordnen, sondern darauf beharren, das Mosaik zu sein. Wie ich bereits ausführte, ist es diese Kompromisslosigkeit mancher Fraktionen, die zerstörerisch wirkt. Das betrifft nicht nur, aber eben auch reformistische Bestrebungen. Aber auch allzu beharrende Kräfte bergen dieses Potential.

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