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Montag, 25. Juni 2012

Sechs Priester aus dem Bistum Münster geben Amt auf

Über Twitter wurde ich hier und hier darauf aufmerksam: Innerhalb von wenigen Wochen haben aktuell im Bistum Münster sechs Priester ihr Amt aufgegeben. Die Bistumsleitung, die damit rechnet, dass jährlich zwei Priester aufgeben, sieht darin nur einen Zufall, aber keine Zusammenhänge.

Der Priester i.R. Norbert Arntz sieht das anders. Unter Pseudonym äußert sich auch einer der sechs Priester über seine Gründe. Strittigkeiten im Zusammenhang mit eine Gemeindefusion scheinen eine Rolle gespielt zu haben.

Zu den Hintergründen hier der Artikel von WDR 5. Daraus hier die abschließende Zusammenfassung:

Auch die Bistumsleitung sieht große Spannungen. Für Hans-Bernd Köppen sind sie in erster Linie Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Veränderungen. "Die großen Übereinkünfte sind heute schwieriger, das zeigt sich eben auch bei uns." Konservative und fortschrittliche Strömungen in der Kirche zusammenzubringen, werde zunehmend komplizierter, stellt Köppen fest. Vorwürfe mangelnder Gesprächsbereitschaft im Hinblick auf schwierige Pfarrfusionen und unterschiedliche Ansichten über Seelsorge weist der bischöfliche Personalchef zurück. "Wenn einzelne nur ihre eigene Position als richtig ansehen, ist ein Dialog schwierig", sagt Köppen.
Ben Lonsing und Pfarrer Norbert Arntz kritisieren dagegen, die Kommunikation sei einseitig von der Kirchenleitung vorgegeben, die Konflikte hausgemacht. Die Mitverantwortung der Gläubigen für die Kirche – wie es das 2. Vatikanische Konzil vorsieht – werde von der Kirchenführung zu wenig berücksichtigt und der Umgang mit engagierten Laien sei wenig partnerschaftlich, kritisiert Arntz, "Daher gibt es eine organisierte Gesprächsunfähigkeit." Die Ursachen dafür sieht der Pfarrer in der theologischen Grundeinstellung vieler Kirchenführer. Dass diese ihre Haltung zum zweiten Vatikanum nicht überprüften, sei eine der Hauptursachen für die gegenwärtige Konfliktlage der Katholischen Kirche.
Unter dem Artikel kann auch eine Audiodatei mit den Interviews angeklickt werden (kriege ich leider nicht eingebunden).

Mit den gesamtgesellschaftlichen Veränderungen hat Herr Köppen sicher recht. Dennoch stimme ich der Ansicht von Norbert Arntz zu, dass ein Großteil der innerkirchlichen Probleme hausgemacht sind. Es gelingt der katholischen Kirche einfach nicht, auf diese gesellschaftlichen Veränderungen angemessen zu reagieren und damit die Botschaft vom angebrochenen und damit schon hier und heute erfahrbaren Reich Gottes zu verkünden. Mit der vom Papst propagierten "Entweltlichung" gerät sie in die Gefahr, nun auch noch die letzten Kontakte zu denen, zu denen sie gesandt ist, abzubrechen. Oder richtet sich die "Neuevangelisierung" nur an die ohnehin Verbliebenen? Das hielte ich für wenig sinnvoll!

UPDATE 12.00h:
Da warens nur noch fünf und einer, der um Bedenkzeit gebeten hat. Hier zum Artikel aus den Westfälischen Nachrichten.

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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    immer mehr Priester treten aus,
    immer weniger lassen sich weihen.

    Und die Zahl der Kirchenmitglieder geht zurück.

    Das ist eine traurige Bilanz.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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    1. Die wenigen jungen Priester sind dafür oft besonders stark im Glauben und entschieden in ihrem Lebensweg mit Christus.
      Das ist ein Vorteil der veschwindenden Volkskirche ;-)

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    2. Von dem Regens eines Priesterseminars hörte ich neulich in einem Interview (weiß leider nicht mehr wer und wo), die jungen Priester würden sich besonders stark an den Glauben und vor allem die Lehre der Kirche klammern, weil sie von anderer Stelle wenig Halt und Sicherheit bekämen. Ist das ein wirklich "starker Glaube"? Was ist, wenn sie von anderswo plötzlich Sicherheit bekommen? Zum Beispiel in einer Partnerschaft?

      Andere Personen klammern sich an andere (z.B. politische) Ideologien und gewinnen darin (scheinbar) Sicherheit: wo ist der Unterschied? Glaube muss von innen heraus kommen, durch Lebens-, Selbst- und Gotteserfahrung. Wird wirklich alles drei in der Ausbildungzeit gefördert? Ich erlebe nur wenige junge Priester mit einer ihrem Alter angemessenen menschlichen Reife!

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    3. Ich denke, du siehst das vielleicht zu sehr durch deine kirchenpolitische Brille. Starker Glaube ist nicht Zwangsfolge einer instabilen Persönlichkeit.

      Ich erlebe jährlich Primizen, und die jungen Priester wissen alle, wofür sie auf Partnerschaft usw. verzichten.

      Angemessene menschliche Reife - das sollte man unbedingt näher definieren, sonst ist die Gefahr groß, dass es willkürlich gegen jeden eingesetzt werden kann.

      Aber natürlich hast du Recht, die Priesterausbildung ist in den Bistümern wirklich verbesserungswürdig! Vor allem auf der spirituellen Ebene, wo es um die Beziehung mit Christus geht.

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    4. @ Anonym:
      Ich sehe es eher durch die Brille der Verärgerung über das, was ich mit diesen jungen geweihten Kollegen erlebe: wie sie Herzensangelegenheiten in Gemeinden zerstören, wie sie Ehrenamtlichen und auch mir Knüppel zwischen die Beine werfen, wie sie exakt das, was die Stärke einer Gemeinde sein könnte, durch wiederholte Fehlentscheidungen zerstören oder verhindern.

      Ich würde in der Priesterausbildung stärker auf Persönlichkeitsbildung und Beziehungsfähigkeit setzen. Ohne die beiden wirds auch mit der spirituellen Ebene schwer. - Und für mich selbst wünschte ich mir mehr Abgeklärtkeit und Gelassenheit im Umgang mit diesen ungeschickten jungen Männern.

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    5. Ja, das tust du ;-)
      Ich dachte, ihr habt gar nicht so viele junge Priester?
      Meinst du, dass sie menschlich unreif sind und deshalb die Kirchenregeln zu rigoros anwenden?
      Mangelnde Beziehungs- und Bindungsfähigkeit ist in unserer ganzen Gesellschaft wirklich ein Problem!
      Unser Priester rät auch immer, nicht zu schnell vom Elternhaus ins Seminar zu gehen, vorher noch etwas "in der Welt" zu machen. Ich kann diese Haltung verstehen, denke aber auch, dass man die Berufung eines einzelnen individuell prüfen und begleiten sollte und niemals alle über einen Kamm scheren.
      Nicht wahr?

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    6. Ja, ich halte Rigorosität für fehlende Reife. Es ist eine Form von Fundamentalismus, der in sich immer schon etwas Zerstörerisches trägt. Der Mensch und das Reich Gottes gehören in den Mittelpunkt, nicht das starre Kleben an Gesetzen. Die Frage ist, wer hat wem zu dienen: "das Gesetz" dem Menschen oder der Mensch "dem Gesetz"? Und welche Rolle spielt Gott dabei. Eine alte Frage seit den ersten christlichen Gemeinden und sogar schon zu Lebzeiten Jesu.

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    7. Ok, dann hab ich dich richtig verstanden.
      Ich meinte allerdings ursprünglich mit "starker Glaube" etwas anderes als Rigorosität, nämlich eine lebendige Beziehung zum lebendigen Gott und auch argumentatives Backgroundwissen zu unserem Glauben.
      Vielleicht habe ich auch einfach Glück gute Priester zu kennen ;-) Ich bin weder in der Beichte noch in der Seelsorg jemals mit Unverständnis oder übertriebener Regelstrenge behandelt worden, im Gegenteil... Es tut mir echt leid, wenn Menschen die Kirche nur so wie von dir beschrieben kennenlernen...

      Ich halte die von dir aufgeworfene Frage "Welche Rolle spielt Gott?" für tatsächlich eine der Wichtigsten!
      Würdest du als Theologin sagen, dass die Rangfolge der 10 Gebote ihrer Relevanz entsprechen? Bzw. die Glaubensinhalte unseres Credos (such dir eine Fassung aus)?

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    8. Zu deiner letzten Frage: ich habe im Moment keine Lust, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen und finde es blöd, von dir ausgefragt zu werden. So etwas mag ich nicht!

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    9. Idee: Notiere deine Gedanken zu deiner Frage doch auf deinem Blog. Vielleicht motiviert mich das zu einem Kommentar!

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    10. Gut, da ich so tolerant bin, würde ich sagen: Lassen wir das ;-)
      Ich sehe zwar eine Differenz zwischen sachlichem Gespräch und "Ausfragen", aber wenn du das blöd findest, akzeptiere ich es natürlich.
      Ich habe (noch?) gar keinen Blog.
      Liebe Grüße von einer Schwester in Christus.

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