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Donnerstag, 7. Juni 2012

Wer darf sich verändern und Neues nutzen?

Quelle: Adveniat
Das katholische Hilfwerk Adveniat weist auf seiner Seite aktuell auf ein Problem in Brasilien hin: Die Indigenen des Landes werden von den Medien (und einem großen Teil der Mehrheitsbevölkerung) noch immer nicht unbedingt ernst genommen. Es wird versucht, ein Bild zu konstruieren und zu tradieren, das ihnen nicht gerecht wird.
Indigene "sind nach einer international gebräuchlichen Definition marginalisierte Bevölkerungsgruppen, die Nachkommen einer Bevölkerung sind, die vor der Eroberung, Kolonisation oder der Gründung eines Staates durch andere Völker in einer Region lebte, die sich bis heute als eigenständiges Volk verstehen und ihre eigenen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Institutionen beibehalten haben." (Quelle: Wikipedia)
Im konkreten von Adveniat kritisierten Beispiel geht es um ein Foto in der brasilianischen Zeitung  "O Globo" und den dazugehörigen Text.
Ein Indigener vom Volk der Kamayurá war abgebildet, der mit einem iPhone das Gelände in Jacarepaguá, einem Stadtteil von Rio de Janeiro, aufnahm, auf dem Parallelveranstaltungen zu Rio 20+ stattfinden werden. „Indio will Technologie“ lautete die geistreiche Schlagzeile.
In dem lesenswerten Beitrag von Adveniat wird kritisch angemerkt, dass es der Zeitung vor allem darum ginge,

die Figur des Indigenen zu „folklorisieren“. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, doch die Verwendung des iPhone durch Indigene stößt bei den Journalisten auf Verwunderung, als ob sie ungewöhnlich wäre. Auf diese Art und Weise werden die indigenen Kulturen quasi eingefroren und das Vorurteil, das durch die Köpfe der Mehrheit der Brasilianer geistert, verstärkt: diese Kulturen können sich nicht ändern – und sollten sie es doch tun, so verlieren sie ihre „Authentizität“. Dieses „authentische“ Bild des Indigenen wird durch die Schule und die Medien gefestigt. Es ist das Bild des nackten Indigenen, allenfalls im Tanga, der mit Pfeil und Bogen bewaffnet durch den Urwald streift. So wie ihn der portugiesische Seefahrer Pedro Álvares Cabral sah, im Jahr 1500. Dieses Bild hat sich über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahrhunderten erhalten. Und sollte sich an ihm etwas ändern, so löst dies Verwunderung aus. Wenn der Indigene sich nicht dem Bild anpasst, das die brasilianische Mehrheitsgesellschaft von ihm hat, lautet die Reaktion: „Das sind keine Indigenen mehr.“
Den indigenen Kulturen (...) wird nicht das zugestanden, was wir für uns selbst ganz normal in Anspruch nehmen: der Austausch mit anderen Kulturen.
(Um den ganzen, sehr interessanten Text bei Adveniat zu lesen, irgendwo auf den gefärbten Abschnitt klicken!) 
Das geht sicher nicht nur der brasilianischen Bevölkerung so und betrifft nicht nur deren indigenen Bevölkerungsgruppen. Gerade was Völker und Kulturen in weit entfernten und damit uns eher fremdem Ländern angeht, ist es oft schwer, einmal gemachte Vorstellungen und Bilder zu revidieren.

In zwei Wochen beginnen in den ersten Bundesländern (Brandenburg und Hamburg) die Sommerferien. Was erwartet jemand, der oder die dann zum ersten Mal seinen oder ihren Urlaub in Kenia oder Tansania verbringt und dort auch den Massai begegnen wird? Was für ein Bild von den Inuit haben Tourist_innen, die zum ersten Mal nach Grönland oder Kanada reisen? Und wie haben die Aborigines Australiens für jemanden zu sein, den oder die Bilder aus den Massenmedien geprägt haben?

Ganz oft hat man dann so Bilder im Hinterkopf, die vielleicht irgendwann einmal gestimmt haben, jetzt aber lange überholt sind. Und man muss sehr aufpassen, was Reiseveranstalter als "typisch" und "authentisch" für ein Land oder eine Bevölkerungsgruppe "verkaufen", obwohl es sich nur noch um bunte, gezielt auf touristische Erwartungen abgestimmte Folklore handelt. Außerdem sollte man inzwischen überall auf der Welt mit Handys und anderen "neuen Kulturgütern" rechnen.

Ich finde die Hintergrund-Informationen von den kirchlichen Hilfwerken wie Adveniat, Misereor, missio, Brot für die Welt, dem Kindermissionswerk (Sternsinger) aber auch vom Weltgebetstag unsagbar wichtig, um immer mal wieder einen kleinen Einblick in die wirkliche Situation von Menschen in fernen und mir fremden Ländern zu bekommen. Wir verstehen uns als Weltkirche und Weltreligion, da nutze ich diese "internen" Möglichkeiten gern, mein Wissen über andere Menschen und Kulturen regelmäßig "upzudaten"!

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