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Freitag, 17. August 2012

Werbung

Heute nervt sie mich mal wieder besonders: die Werbung auf meiner Internet-Startseite, über die ich auch auf meine Emails zurückgreife. Dick und fett, genau in der Mitte des Bildschirms lässt sie sich weder wegklicken noch durch Verschieben der gesamten Seite aus dem Blickfeld bringen: Kaffeewerbung eines Konzern, der nicht unbedingt für faires Handeln bekannt ist, weder bei seinen Kaffees noch bei den sonstigen Produkten. Das Nervigste: die Bewegung, die diese Werbung besonders aufdringlich macht: Die Bilder verändern sich permanent, es blinkt, Graphiken und Sätze werden ein und ausgeblendet, um auch wirklich die bündelte Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Zum Glück ist sie nicht auch noch mit Musikgedudel und schmeichelnd anpreisenden Stimmen unterlegt (wobei man die wenigstens direkt am Computer ausschalten kann). Trotzdem: so etwas will ich nicht sehen! Solcher Werbung begegne ich nur mit konsequentem Wegklicken. Als Kundin gewinnt man mich so nicht!

An die Fernsehwerbung allerdings habe ich mich über die Jahre gewöhnt und weiß sie inzwischen gut zu nutzen. Für einen kurzen Anruf vielleicht, einen kurzen Blick ins Netz, das Holen von neuen Getränken oder das Wegbringen derselben nach dem Genuss, zum kurzen Aufräumen, Wäsche aus der Maschine holen, etc. Da ist neuer Raum für Kreativität und Bewegung während des Fernsehens entstanden, dank dieser Werbepausen.

In meinen Briefkästen jedoch, im realen wie in den virtuellen, nervt sie: Werbung, die ich nicht angefordert habe, die mich nicht interessiert, die weder informativ noch unterhaltsam ist. Trotz Spamschutz und Eintrag in diverse Listen: ich werde ungefragt damit überhäuft, inzwischen vorwiegend mit "personalisierter" Werbung. Papiermüll, den ich entsorgen, Spam, den ich entfernen muss.

Dazu die zwar inzwischen verbotenen, aber trotzdem immer noch durchgeführten Werbeanrufe. "Spreche ich mit ...? Frau ..., Sie haben vor kurzem an einem Gewinnspiel teilgenommen." Nee, habe ich nicht. Ich verkaufe meine Daten nicht zu dem Spottpreis eines möglichen, minderwertigen "Gewinns", denn der eigentliche Gewinn liegt immer auf der Seite der Werbenden: auch mit meinen Daten lässt sich gutes Geld machen.

Die Telefonanbieter selbst nerven ebenfalls mit immer neuen Angeboten, mit denen sie mir ermöglichen wollen, dass ich "meine Kosten reduziere". Natürlich zu dem Preis, dass ich mich auf Monate oder gar Jahre weiter an sie binde und so letztlich doch wieder sie den Gewinn einstreichen.

Ganz besonders nervig, weil unglaublich aufdringlich: Wahlwerbung. Alle paar Jahre wieder geben Parteien Unsummen für Plakate, Werbespots und Veranstaltungen aus und investieren Tage, Wochen und Monate, in denen sie eigentlich Politik betreiben sollten, nur um auf sich und ihre Ziele aufmerksam zu machen, die sie nach der Wahl umgehend wieder relativieren, wegen der "Kompromisse mit den Koalitionspartnern" oder "veränderter Umstände" versteht sich. Natürlich tun sie dies niemals aus geänderter Überzeugung oder weil sie zugeben, dass es eh nie ehrlich gemeint war, sondern uns nur Honig um die nur teilweise vorhandenen Bärte schmieren sollte.

Natürlich will man auf sein Produkt und/oder seine Meinung, von dem bzw. der man überzeugt ist, aufmerksam machen. Und bei unserer großen Vielfalt an Angeboten ist es nicht leicht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn ich etwas kostenlos in Anspruch nehme, respektiere ich, dass ich Werbung hinnehmen muss, damit die Anbietenden sich finanzieren können. Aber sonst? Es ist zu viel geworden!

Mein Blick geht natürlich auch in Richtung Kirche: Aufdringliche Werbung von den "Normalos" gibts da eher wenig. Es sind eher "Evangelisierungs- veranstaltungen" und -Gruppen, die mit großen Plakaten, Bannern und fetten Zeitungsanzeigen auf sich aufmerksam machen wollen. Richtig lästig sind darunter militante Gruppierungen und sektenähnliche Gemeinschaften, die sich einem dazu noch auf Straßen in Fußgängerzonen persönlich und mit Flyer aufdrängen. Die müssen einen dicken Etat haben (oder ihre "Gläubigen" ausbeuten bzw. zur Selbstausbeutung ermuntern), wobei das Geld sicher anderswo besser angelegt wäre.

Auch viele Hilfswerke und NGOs arbeiten mit Plakat- und anderen Werbeaktionen. Manchmal bekommen sie offizielle Plakatwände, Zeitungsspalten oder Sendezeit sogar umsonst, zu reduzierten Preisen oder gegen Spendenbeleg zur Verfügung gestellt. Ihren Informationswert schätze ich wesentlich höher ein, ebenso wie ihre Glaubwürdigkeit. Ihre Bilder und Slogans bringen die Anliegen der werbenden Institutionen oft gut auf den Punkt, verbinden den fast immer intendierten Spendenaufruf mit einem tatsächlichen, inhaltlichen Anliegen, sensibilisieren so für Themen, die sonst weniger in der Öffentlichkeit präsent sind und regen zum Nachdenken - auch zum Widerspruch - an. Allerdings: auch hier geht es um einen hart umkämpften "Spendenmarkt".

Die Schaukästen von kirchlichen Einrichtungen sind dagegen oft eher lieblos und mit nach meiner Meinung falschen Medien bestückt (z.B. Protokolle, Einladungen etc. in Schriftgröße 12!). Die Hingucker hängen (in unserer Region zumindest) häufig in den Gebäuden, wo sie nur von einem internen Kreis gesehen werden, der nicht mehr besonders sensibilisiert und informiert werden muss.

Für Plakate und sonstige Werbung in der außerkirchlichen Öffentlichkeit wird eher wenig Geld ausgegeben. Manche Veranstaltung wäre es dabei schon wert, von einem größeren Kreis wahrgenommen zu werden. Allerdings ist mir das unglaubliche Argument: "Wenn wir mehr werben, kommen vielleicht zu viele!" erschreckenderweise auch schon öfter untergekommen...

Wenn im Herbst das "Jahr des Glaubens" beginnt, geht es auch um Werbung. Innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche soll für den katholischen Glauben geworben werden. Es wird sich zeigen, ob diese Art der "Werbung" zu der oben genannten "nervigen", weil ungefragten und aufdringlichen gehört oder zu derjenigen, die Inhalte vermittelt und zu eigenständigem Nachdenken, Glauben und wo notwendig auch zu Widerspruch und Kritik anregt.

Zum Leben aus dem Glauben gehört dann auch: Verantwortung übernehmen für das eigene Leben, in Familie, Arbeit, Kirche und Gesellschaft. Vielleicht auch: Werbung Treibende darauf aufmerksam zu machen, das sie ihr Geld sinnvoller ausgeben sollten: statt für nervig blinkende Werbung lieber für ein besseres Einkommen der Produzenten. Für Bildung und Gesundheitsförderung anstelle von billiger Kinderarbeit. Für Sozialverträglichkeitstatt anstelle von die Angestellten ausbeutendem Profit. Und für eine Politik, die die Interessen der Wählenden bzw. der gesamten Bevölkerung vertritt, anstatt zuviel Zeit und Geld zu investieren in Wahlwerbung und Lobbyarbeit.

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Kommentare:

  1. Ein E-Mailclient Ihrer Wahl (z.B. Thunderbird) anstatt der Webmail-Oberfläche beseitigt wenigstens ein Teil der Werbung.

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