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Mittwoch, 5. September 2012

Gleichnisse: Alte Bilder neu gemalt

Immer wenn ich eine der Zeitschriften vom katholischen Bibelwerk bei mir im Briefkasten finde, mache ich mir vor der Lektüre einen Moment Gedanken zum Thema des Heftes: Was verbindet mich mit dem Thema? Auf welche Weise habe ich mich ihm schon einmal genähert? Welche offenen Fragen würde ich gerne im Heft beantwortet finden?
Quelle: Bibelwerk

Die aktuelle Ausgabe von "Bibel heute" trägt den Titel "Gleichnisse Jesu". Da ich von klein auf katholisch und mit allen möglichen Bibelgeschichten sozialisiert bin, sind Gleichnisse für mich ein alter Hut. Tausend mal gehört, tausend mal berührt, tausend mal ist nichts - doch manchmal ist was passiert, nur nichts wesentlich Neues mehr in letzter Zeit. Große Erwartungen hatte ich daher eigentlich nicht an dieses Thema. Alles bekannt und vertraut.


Dann die Überraschung: das Heft nähert sich den Gleichnissen Jesu, diesen kreativen Bildgeschichten, die eigene innere Bilder lebendig werden lassen können, unter anderem mit Bildern aus der Kunstgeschichte. Wie finden sich beispielsweise in den Sämannbildern van Goghs Jesu Gleichnisse vom Sämann wieder? Welche Details hat er künstlerisch sehr genau gesehen und mit seinen Mitteln auf die Leinwand gebracht? Dies auf verschiedenen Bilder zu entdecken finde ich äußerst faszinierend!

Denn auch van Goghs Bilder kenne ich - dachte ich. Mir ist aber noch nie bewusst aufgefallen, dass beispielsweise auf dem Bild "Sämann bei untergehender Sonne" (siehe Titelbild oben!) der Sämann mir als Betrachterin quasi "entgegen kommt", so nah, dass er bereits aus dem Bild heraustritt. Auch der Tatsache, dass dieser Säende kein erkennbares Gesicht hat, habe ich bislang kaum eine Bedeutung beigemessen.

In dem zum Bild gehörenden Artikel erfahre ich, dass van Gogh sich u.a. auf diese Weise an das Bilderverbot hält und dies auch konsequent auf Jesus Christus anwendet. Er deutet nur an, will auf das Geheimnis "dahinter" verweisen. Plötzlich sprechen verschiedene Details: Der Kopf des Säenden und ein kleiner Zweig ragen in die Sonne, stellen so eine Verbindung her. Beziehen auch sie ihre Kraft, ihr Dasein von dort? Wer ist eigentlich der Sämann? Ist es der aus Jesu Gleichnissen? Sieht möglicherweise van Gogh, der auch Theologie studiert und eine kurze Zeit als Prediger gewirkt hatte, sich selbst darin? Womit kann ich mich identifizieren? Beim nächsten Hören eines der Sämanngleichnisse, werden van Goghs Gemälde auf jeden Fall mit zu meinen inneren Bildern gehören!

Quelle: pixabay
Ein weiterer Text aus dem hier vorgestellten Heft hat mich ebenfalls fasziniert. Er ist sogar öffentlich online hier nachzulesen. Es geht darin um Jesu Gleichnis von den 10 klugen und törichten Jungfrauen, die mit ihren Öllämpchen durch die Nacht unterwegs sind, einem Bräutigam entgegen zu gehen, von denen aber nur fünf einen ausreichenden Ölvorrat dabei haben. Mit diesen 10 Jungfrauen vergleicht Jesus das Reich Gottes. In der Vergangenheit hat mich kaum eine Deutung dieser Bildrede überzeugt oder berührt. Von fehlender Solidarität sprachen die einen, wohingegen sich andere vehement gegen eine solche Deutung aussprachen.

Quelle: pixabay
Karin Klemm, die den Artikel für das Bibelwerk geschrieben hat, nimmt für ihre Deutung dieses Gleichnisses Bilder, Vergleiche zu Hilfe, die uns heute sehr vertraut sind: die Redewendung: "für etwas brennen", bzw. "von etwas Feuer und Flamme sein" und das Bild vom "Ausgebrannt sein" vom Burnout.

So füllt sie für mich dieses Gleichnis mit einer neuen Dimension: Sie spricht von dem "Öl" das mich "brennen" lässt, mir Energie und Kraft gibt. Nicht nur um Salat- oder Lampenöl muss ich mich kümmern, sondern auch dafür sorgen, dass mein innerer, auch geistlicher Ölvorrat nicht zur Neige geht. Was aber diesen Vorrat auffüllt, ist sehr individuell und nicht unbedingt teilbar. Das, was mir Energie gibt, mich bereichert, mich "brennen" lässt, kann für den inneren "Ölvorrat" meiner Freundin ohne Bedeutung sein.

Ergänzt um dieses aktuelle Bild bekomme ich einen neuen Zugang zum Handeln der Frauen im Gleichnis Jesu, die ihren Ölvorrat nicht teilen, sondern ihre Kollginnen zu den Händlern schicken: Die fünf mit brennenden Lampen haben rechtzeitig vorgesorgt, für sich, ihr Inneres, die Kraft, die sie für ihren Weg brauchen, die sie für den herannahenden Bräutigam "brennen" lässt. Das können sie in diesem Moment nicht teilen, selbst wenn sie es wollten.


Quelle: pixabay
Eine ähnliche Erfahrung machen zum Beispiel Menschen, die mit Depressiven zu tun haben oder eben mit Menschen mit Burnout. Die Kraft von Anhörigen und Freund_innen nützt einem/einer Erkrankten nur wenig oder gar nichts. Diese Beziehung zwischen Alltagserfahrung und Gleichnis habe ich bislang noch nicht hergestellt!

Nachdem ich mir eigentlich wenig Neues zum Thema "Gleichnisse" erwartet hatte, bin ich wieder einmal sehr bereichert und froh darüber, "Bibel heute" abonniert zu haben. Diese Zeitschrift gehört für mich zu den Dingen, die immer wieder wesentlich meinen inneren "Ölvorrat" auffüllen!


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Kommentare:

  1. Danke für den Beitrag.

    Besonders berührt hat mich die Interpretation mit dem Öl der zehn Jungfrauen.
    Und ich dachte so, es gibt doch genug Menschen, die sich an anderer Menschen Flamme (Ölvorrat) laben wollen, die nicht daran denken (nicht im geringsten auf die Idee kommen), selbsttätig den eigenen Ölvorrat aufstocken zu können.
    Die ersticken im Endeffekt alles (ich habe so ein ganz besonderes Exemplar dieser Sorte in meiner Familie - da blieb nichts anderes als die meinerseits vehement betriebene Trennung).

    Danke Dir also für den Beitrag.
    Und es ist endlich mal eine sinnige Interpretation dieses Gleichnisses.

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  2. Mir haben die törichten Jungfrauen immer sehr leid getan. Klar, ihr Fehler. Einmal versagt auf ewig verschrieen.

    Es ist beunruhigend, dass ihnen nicht verziehen wird.

    Huppicke

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    1. Aber das Gleichnis beginnt doch: "Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ...". Die 5 "Törichten" gehören also auch mit zum Himmelreich, nur bei dieser benannten Hochzeit sind sie nicht dabei. Es heißt ja nicht: "Das Himmelreich gleicht einer Hochzeit, zu der ..."

      Vielleicht ist es nützlich, sich den größeren Zusammenhang des Textes anzusehen: Erst hatte Jesus Streit und Stress im Tempel. Nun ist er mit seinen Anhänger_innen zusammen, verweist darauf, dass es mit seinen Gegnern ein Ende nehmen wird und ruft seine Freunde zur Wachsamkeit auf. Sie - und damit auch wir - wissen also, worauf es ankommt: um im konkreten Bild zu bleiben: auf unseren "Ölvorrat" zu achten.

      Es gibt unzählige Möglichkeiten, seinen Ölvorrat aufzufüllen und letztlich ist bei Gott nichts unmöglich!

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  3. Als Redakteur der Zeitschrioft habe ich mich natürlich sehr über die schöne und einfühlsame Besprechung gefreut. Das tut gut und motiviert für die weitere Arbeit!
    Ganz herzlichen Dank und alle guten Wünsche für Ihren schönen Blog
    Dieter Bauer

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    1. Sie hatten mit biblioblog.ch doch auch mal das Bloggen angefangen. Dort mehr lesen zu können, würde mir auch gefallen! ;-)

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