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Donnerstag, 20. September 2012

Sicherheitslücke 2

Allein im Wald


Eine Tagestour durch Feld, Wald und Wiese will vorbereitet werden, in einer Region, die zwar nicht gerade um die Ecke liegt, mir aber gut bekannt ist.  Zu verschiedenen Zeiten war ich schon dort, das letzte Mal vor drei Wochen, aber noch nie - alleine. Wege ausgucken mache ich woanders durchaus schon mal.

Details für diesen sind noch zu klären, also fahre ich Richtung Startpunkt, parke, gehe los. Nur weg von den Häusern, weg vom Straßenlärm. Hinein in die wohltuende Stille, in der mich ein herbstlich reduziertes Vogelkonzert empfängt. Vorbei an Gewächshäusern, Richtung Wald und Feld. Schade, das Maisfeld ist schon abgeerntet. Das sah vor kurzem so schön aus: links Wald, rechts Mais, dazwischen ein nur wenig genutzter, etwas überwachsener Weg. Jetzt ist da auf der einen Seite der Blick frei bis zum anderen Waldrand.

Auf einer Wiese ist Holz aufgestapelt. Der Wald wurde mal wieder aufgeräumt. Gut, dass heute keiner arbeitet, es ist kein Mensch zu sehen, kein Maschinenlärm zu hören. Vielleicht sehe ich ein Reh! Die Gruppe ist immer so laut, da haben wir keine Chance.

Quelle: pixabay
Der Wald ist sehr licht, kaum Unterholz. Buchenwald hat so ein dichtes Blätterdach, da wachsen nur ganz frühe Blüher, bevor sich die sonnenhungrigen Buchenblätter entfalten. Alles andere bekommt nicht genügend Licht.

Dann ein Stück Nadelwald, auch sehr licht, aber totenstill. Kein Vogel singt. Nutzwald eben, bewirtschaftet, kein Urwald. Verstecken spielen könnte man hier nicht. Wie langweilig!

Ich überquere eine Straße. Der Wald auf der anderen Seite: verwunschener, zugewachsener. Romantischer, könnte man meinen. Im Internet hatte ich gelesen, dass man in diesen Wäldern jagen könne. Auf dem ersten Wegstück waren mir schon die vielen Hochsitze aufgefallen. Die habe ich sonst noch nie im Blick gehabt. Hier gibt es also Wild.

Wenige Schritte weiter kreuzen zwei Rehe meinen Weg. Tatsächlich: hier gibt es Wild! Glück gehabt! Dann ... fallen mir auch die Wildschweinspuren auf: mit ihren Rüsseln haben sie den Boden umgewühlt. Wieder vorbei an einem Hochsitz.

Vor mir ein noch dichteres Waldstück, grünes, dunkles Unterholz. Es gibt keinen Blick hinein. Darin raschelt etwas. Ich erschrecke. Oder habe ich mir das doch nur eingebildet? Wildschweinspuren am Wegesrand ... Nein, es raschelt wieder, aber ich kann nichts sehen! Hier gibt es offensichtlich viel Wild! Nur: Ich bin nicht auf der Jagd! Außer einem Schirm habe ich nichts zur Abwehr dabei!

Quelle: pixabay
Wenn jetzt ein Wildsch-wein herauskäme: weglaufen? Haben die zur Zeit eigentlich Junge? Mit einer Bache mit Frischlingen ist nicht zu spaßen! Wo war noch mal der nächste Hochsitz? Darauf könnte ich versuchen, mich zu retten. Diese Sitze weit oben wären der einzig sichere Ort für mich etwa drei Kilometer weg von jeder Zivilisation. Hat mein Handy hier eigentlich Empfang? Es raschelt wieder. Äste knacken. War ich das oder ...? Nichts wie zurück zur Straße! Alleine gehe ich da nicht weiter!

Nach ein paar hundert Metern entlang der Straße auf der ursprünglichen Seite wieder rein in den Wald. Hier wären wir ohnehin vorbei gekommen, und vorhin hatte ich mich in diesem Stück ja sicherer gefühlt. Wieder ein Hochsitz, wieder tiefer in den Wald. Auch hier gibt es jetzt grünes Unterholz, Büsche, Gräser, Kräuter. Und wieder - Wildschweinwühlspuren! Jede Menge und mitten auf dem Weg!!!

Wenn man der Phantasie nur genügend Raum lässt, kann man sich leicht in Panik steigern. Schnell verwischt dann die Grenze zwischen tatsächlicher Gefahr und gedachtem Risiko! Die Lautstärkeregler aller Sinne werden hochgedreht, damit einem nicht das winzigstes Detail entgeht. Und erstmal in Panik geht nur noch Rückzug: Auch diesen Weg gehe ich alleine nicht weiter! Never! Nur mit der Gruppe! Die würde mir jetzt Sicherheit geben mit ihrem Schwatzen, ihrem jegliches Wild vertreibendem Lärmen. Die würde den Weg sogar toll finden!

Also wieder zurück, aber schnell! Der Wald wird wieder lichter, aufgeräumter. Verstecken kann sich hier niemand. Auch kein Wildschwein. Gott sei dank! Nichts raschelt, nur eine Elster schimpft lautstark: als Mensch bin entdeckt worden und werde allen anderen als potentielle Gefahr verkündet. Hier bin ich nur Gast auf unsicherem Gelände.

Dann Motorengeräusche: auf der Wiese werden die Baumstämme auf einen Anhänger geladen. Andere Menschen in der Nähe! Wie wundervoll! Vorbei am leeren Maisfeld. Wie gut, dass man hier so weit blicken kann! Bald wieder im Dorf, am Auto. Gott sei Dank! Doch lieber nicht alleine in den Wald, zumindest nicht in diesen. Sicher fühle ich mich anderswo! Und in diesem Wald nur zusammen mit anderen.

Erst jetzt fällt mir ein, dass auch eine in trockenen Blättern nach Insekten suchende Amsel schon ein ziemlich lautes Rascheln veranstalten kann ...


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