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Donnerstag, 11. Oktober 2012

Frauenquote auf Bischofssynode

Zur Zeit tagt die Weltbischofssynode im Vatikan. Auf dem zdf-Blog "Papstgeflüster" erfahre ich gerade ein paar interessante Zahlen:
  • 356 Teilnehmer insgesamt
  • davon 262 Synodenväter
  • und 28 Frauen, die Hälfte aus den Orden.
Ich habe die genauere Zahl der Synodenteilnehmer_innen und ihre Zusammensetzung leider nirgendwo finden können. Daher bleiben Fragen: Sind bei den erwähnten 356 Personen bereits auch die Übersetzer und Übersetzerinnen sowie andere Assistierende mitgezählt, oder handelt es sich dabei ausschließlich um die Bischöfe und die eingeladenen Expert_innen? Angenommen, es wären etwa 100 Experten und Expertinnen zu den Bischöfen dazu geladen worden. Von denen wären dann 28 Frauen mehr als ein Viertel. Das toppt die "Frauenquote" mancher weltlicher Führungsebene (von deren Verordnung ich übrigens nicht viel halte, weil sie vorhandene schlechte Strukturen nur stabilisiert, statt sie zu ändern)! Wow! Äh: wow???

Kommentator "Admiral" schreibt, bei einer Bischofssynode würde er gar keine Frauen erwarten. Zum Glück haben die Bischöfe inzwischen entdeckt, dass es gut ist, Fachleute, darunter auch Frauen, zu ihren Beratungen hinzuzuziehen, anstatt im eigenen Saft zu schmoren. Auch steht das Thema "Frauen" durchaus auf der Tagesordnung und wird von den Rednern wie z.B. dem Brüsseler Erzbischof André Léonard (siehe hier) immer wieder thematisiert. Wie aber kann über jemand kompetent gesprochen werden ohne dessen angemessene Beteiligung bzw. Interessenvertretung? Für mich ist das schwer vorstellbar.

Bei mir bleibt darüber hinaus ein seltsames Gefühl: Hatte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck nicht erst neulich öffentlich bekundet, wo in der katholischen Kirche er gerne mehr Frauen sehen wolle? "Es gebe in der Verwaltung der Kirche zahlreiche Berufsfelder, in denen er sich mehr Frauen wünsche", kam durch die Nachrichten und klingt mir immer noch im Ohr. In der Verwaltung!!! Welche Bedeutung, bitteschön, hat Verwaltung in der Kirche, bzw. sollte sie haben??? "Eine große!", sagen manche. Ich halte sie eher für ein wenig attraktives aber notwendiges Übel, dessen größte Bedeutung zum einen darin besteht, denen in der pastoralen Arbeit die häufig fragwürdige Verwaltungsarbeit vom Hals zu halten und zum anderen, Arbeitsplätze zu schaffen. Wow: Für die Rolle der spannenden Hintergrundarbeit sind wir Frauen also vorgesehen! Toll! Das war ja noch nie so! (</Zynismusmodus aus>)

So werden auch im Hintergrund der Synode Frauen den Saal putzen, Protokolle schreiben und Getränke anreichen dürfen, vermute ich. Wie attraktiv! Ach ja: beten dürfen sie dabei sicher auch. Nur nicht mitreden und mitentscheiden, bzw. nur sehr begrenzt. Das soll unsere Kompetenzen ernst nehmen???

Wird wieder "die Familie" als wichtiger Ort der Evangelisierung genannt werden? Da bin ich mir ganz sicher! Da bei den "Synodenvätern", trotz ihres Namens, nicht von entsprechenden Erfahrungen ausgegangen werden kann, (ausgenommen von den sehr weit zurückliegenden der eigenen Kindheit), wie kommt dann die Erfahrungswelt von Eltern, näherhin Müttern, denen ja gerne die traditionelle Rolle der Erziehung zugeschoben wird, bei den synodalen Beratungen zum Tragen?

Ich will den Bischöfen nicht mangelndes Wissen um die konkrete Situation in ihren Diözesen unterstellen. Im Gegenteil! Im Dialogprozess unseres Bistums wurde sehr deutlich, dass in ihrer Situationsanalyse Kirchenleitung und Kirchenvolk weitgehend übereinstimmen. Die Kontrovesen beginnen dort, wo es spannend wird: nämlich in der Deutung der Beobachtungen und bei der Frage nach den sich daraus ergebenden Konsequenzen.

So kann man aus der übereinstimmenden Analyse: "der Kirche laufen inzwischen auch die Frauen weg" zum einen auf die schlechten gesellschaftlichen Einflüsse schließen, Gendermainstreaming und so. Oder man sieht dahinter die Weigerung der Frauen, sich von der Kirchenleitung weiterhin ins zweite Glied schieben zu lassen und die Forderung, auch im Raum der Kirche endlich mit der Gleichberechtigung ernst zu machen, wo auch immer das derzeit möglich ist und darüber hinaus eine erkennbare Bereitschaft zu zeigen, die heute noch dafür hinderlichen Strukturen umgehendst zu beseitigen. Es geht dabei um Gerechtigkeit in allen Bereichen, nicht nur in Familie und Verwaltung.

28 Frauen auf einer Synode mit 356 Teilnehmenden: das ist angesichts davon, dass derzeit zwei Drittel der Kirchenmitglieder Frauen sind, deren vielfältigen (selbstdefinierten) Rollen und Interessen somit eine wesentliche Rolle spielen müssten, wirklich nicht befriedigend!

(Ich weiß: Ich sollte froh sein, dass überhaupt Frauen ..., früher ..., inzwischen viel geschehen ..., mehr Geduld ..., Kirche kann nicht, weil Jesus ..., außerdem in der Tradition noch nie ... Ja, ja ...)


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1 Kommentar:

  1. Ich kann Ihren Frust verstehen. Vielleicht sollte man sich wieder auf die Quellen des Evangeliums besinnen, wo Frauen im Umfeld Jesu eine herausragende Rolle einnahmen (Maria, Maria Magdalena, Maria und Martha von Bethanien, etc.). Und auch in den frühen christlichen Gemeinden füllen sie wichtige Aufgaben aus (Lydia, Priska, Phoebe, Junia etc.).

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