ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Montag, 22. Oktober 2012

Rückschau auf die Diskussion um die Bedeutung von Katechismen

Eine Zusammenschau und Reaktion auf die vielen Beiträge zum Thema der Bedeutung von Katechismen zu Glaubensweitergabe war letztlich umfangreicher und schwieriger als geahnt. Allein schon die Fülle (ausgedruckt etwa 40 Seiten!) macht die Sache unübersichtlich. Ich hoffe, dass meine Gedanken im Folgenden trotzdem einigermaßen übersichtlich und verständlich sind. Die fehlende Zeit erlaubt es mir nicht, auf jeden einzelnen Beitrag belegend zu verlinken. Tut mir Leid! Ich weiß, dass ich damit euren Anstrengungen und Überlegungen nicht gerecht werde.

Kleines UPDATE:
Hier eine Übersicht über die zugrunde liegenden Artikel:

Frischer Wind: Katechismus - nein danke? Teil 1
Frischer Wind: Katechismus - nein danke? Teil 2
Richelieus Sammelsurium: Jahr des Glaubens: Mehr Katechismus!
Pro spes salutis: Glauben nach Gutdünken? Teil 1
Invenimus Messiam: Vom Sinn des Katechismus
Invenimus Messiam: Vom Inhalt des Katechismus
Demut jetzt!: Diskussion? Ja, bitte
Demut jetzt!: Katechismus? Nein, Danke - Versuch einer kritischen Würdigung I
Demut jetzt!: Katechismus? Nein, Danke - Versuch einer kritischen Würdigung II
Der Predigtgärtner: Der katholische Katechismus - wenig geeignet für die Glaubensweitergabe oder nötig und hilfreich?

Welche Ansichten also vertreten andere Bloggende zum Thema „Katechismus“, und welche Gedanken kommen mir dazu?

Mehrfach wurde sich mit dem Sinn und der Bedeutung eines Katechismus auseinandergesetzt. Genannt wurden:

  • dass die Gläubigen ein Recht darauf haben, umfassend über die gültige Lehre der katholischen Kirche informiert zu sein. Diese Lehre befände sich im KKK und im Youcat, der in zur Grundlage hat und auf ihn verweist.
  • Katechismen sind sinnvolle Nachschlagewerke zur katholischen Lehrmeinung.
  • Der KKK bietet einen Interpretationsschlüssel mit dem persönliche Erfahrungen gedeutet werden können (sollen, müssen?)
  • Katechismen dienen dazu, das Glaubenswissen zu vertiefen.
  • Weil er vom Papst empfohlen wird, also der obersten katholischen Autorität, sollten wir ihn lesen.
Teilweise wurden der Katechismus mit der ewig gültigen katholischen Lehre, ja gar mit Christus selbst gleichgesetzt, ein Anspruch, den er von sich selbst so nicht vertritt.
 
Denn nun ist so ein Katechismus ja durchaus nicht ewig gültig, sondern hat im Gegenteil eine relativ kurze Halbwertzeit, wie deutlich wird, wenn man die Bedeutung des für den deutschsprachigen Raum eigentlich massgeblichen Katholischen Erwachsenenkatechismus betrachtet. Er ist gegenüber dem KKK derjenige, der nicht einen weltweiten Anspruch hat, sondern gezielt auf die bei uns herrschenden Verhältnisse zugeschnitten, sozusagen inkulturiert wurde. Solange die DBK keinen anderen Katechismus veröffentlicht, müsste man also davon ausgehen, dass sich kirchentreue Katholik_innen mit diesem zweibändigen Werk, dass auch auf der Seite der DBK veröffentlicht ist, im Gegensatz zum KKK, in allererster Linie auseinandersetzen. Denn für die jeweilige Ortskirche sind nach dem in der katholischen Kirche geltenden Subsidiaritätsprinzip (= erst wenn auf einer unteren Ebene etwas nicht geleistet werden kann, tritt die nächst höhere unterstützend hinzu) zunächst die lokalen Bischofskonferenzen zuständig. Dies wird aber von allen auf anderen Blogs sich Äußernden geflissentlich übergangen.
 
Auch wird an keiner Stelle deutlich gemacht, welche persönliche Bedeutung das Studium des Katechismus für den oder die einzelne gehabt hätte. Worin wurde die „Glaubensvertiefung“ spürbar, wie hat sie sich geäußert, hat das Handeln geprägt? Bei der großen Vehemenz mit der sich für Katechismen ausgesprochen wurde, fehlt mir hier die „Butter bei die Fische“!
 
Hilfreich, orientierend und sortierend war für mich ein per Mail von einem Mitlesenden eingegangener Artikel des Dogmatikers Herbert Vorgrimler (Katechismus der Inhalte – "Katechismus des Herzens" (K. Rahner). Zur Frage der Vollständigkeit eines Katechismus. In: Katechese im Umbruch – Positionen und Perspektiven (FS D. Emeis), hrsg. von F.-P. Tebartz-van Elst. Freiburg i. Br./Basel/Wien 1998, S. 165-172. Leider nicht online einzusehen.) Als Dogmatiker wird Vorgrimler sich wesentlich intensiver und qualifizierter als mir das möglich ist, gerade auch mit dem KKK auseinandergesetzt haben. Ich gestehe ihm daher eine gewisse Autorität zu.
 
Mit Bezug auf eine von Dieter Emeis eingeführten Kategorisierung unterscheidet Vorgrimler drei Wortbedeutungen von dem, was gemeinhin mit „Katechismus“ bezeichnet wird.
„a) Bezugstext für die Erstellung von Katechismen (Materialsammlung, Rahmenkonzept),
b) Sachbuch für die Katecheten, Prediger und andere in besonderer Verantwortung für die Verkündigung Stehende (diesen Typ repräsentiert der Katholische Erwachsenen-Katechismus),
c) Medium für die Katechese (der Katechismus von 1955 oder der vom DKV vorgelegte >Grundriß des Glaubens< oder für die Erwachsenen der holländische Katechismus >Glaubensverkündigung für Erwachsene<).“ 
Der KKK würde dabei zu Kategorie a) gehören mit den dazugehörenden Problemen. Vorgrimler nennt drei Defizite, die er konkret am KKK festmacht:
 
Innerhalb der katholischen Kirche gab und gibt es schon immer verschiedene Traditionslinien, die nebeneinanderher existier(t)en. So kann man beispielsweise die Welt und den Menschen als durch und durch sündenbehaftet verstehen, (wie es nach Einschätzung von Vorgrimler auch der KKK tut) oder aber, wie ebenso biblisch grundgelegt, über Origines, Karl Rahner und andere weiterentwickelt eine „optimistischere Gottes- und Weltauffassung“ vertreten. Warum die eine sich durch die ganze Kirchengeschichte durchziehende Linie vertreten wird, aber nicht die andere ebenso alte und gültige, wird nicht begründet.
 
Ähnliches geschieht im KKK auch hinsichtlich des Gottesbildes: es wird zwar eine theologische Linie verfolgt, die aber nicht „allen Aspekten der biblischen Gottesoffenbarung entspricht und es späteren Interpreten überlässt, immanente Widersprüche aufzulösen (…) Das >Warum< der Psalmen, Hiobs, Jesu am Kreuz haben in dieser Gottessicht keinen Platz.“
 
Als drittes verweist Vorgrimler auf „das Zeugnis der Heiligen“, auf die der KKK Bezug nimmt, und fragt: „Welcher Heiligen?“ Ihre Leben und das, was sie für die Kirche bedeutsam macht, ist äußerst verschieden. Er schließt daraus (und anhand weiterer Beispiele), dass auch solche „Sammlungen von subjektiver Willkür geprägt sein können“, auch wenn das nicht heißt, der Inhalt des KKK sei falsch. Er ist nur eben sehr einseitig und umfasst damit eben nicht die gesamte Lehre der katholischen Kirche sondern eine Auswahl, deren Auswahlkriterien nicht benannt werden. Das deckt sich mit meiner in meinen Beiträgen genannten Einschätzung.
 
Während Vorgrimler den KKK als "Materialsammlung" versteht, entschieden sich die Nachbarblogger_innen konsequent dafür, in ihm ein Buch für die Hand des „Endverbrauchers“ und der „Endverbraucherin“ zu sehen. Für mich spiegelt sich in dieser unterschiedlichen Zuordnung die von mir aufgezeigte Spannung, bzw. die innere Unentschiedenheit des KKK. Da durchgängig aufgrund dieser Vorentscheidung argumentiert wird, setzt sich niemand mit dieser Problematik auseinander. Sie wird stattdessen einzig individualisiert auf mich (= „dein Problem“) bezogen.
 
Auf einer übergeordneten Ebene scheinen mir zwei Hauptfragen im Hintergrund der verschiedenen Beiträge zu stehen:
  1. Was ist Glaube, und wie wird er erworben? Vor allem: Wie verhalten sich lehramtliche Äußerungen und persönlicher Glaube zueinander?
  2. Wie verhalten sich Theologie und Lehramt zueinander? Welche Rolle spielen Theolog_innen für die Lehre der Kirche?
Zu 1.: Die Ebenen von persönlicher Erfahrung und Beziehungen zu anderen Gläubigen werden nicht bestritten. Allerdings wird immer wieder betont, dass eben manche Dinge „einfach gelernt“ werden müssten, weil sie sich nicht von selbst erschlössen. Genannt wurde z.B. die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit. Aber ist es nicht gerade das Problem gegenwärtiger Verkündigung, dass es ihr bei diesen Themen schwer fällt, einen persönlichen, erfahrungsbasierten Bezug herzustellen, was bei den „Belehrten“ dazu führt, dass sie diese Themen als „vermutlich richtig (wahr) in der Lehre, für mich und mein Leben aber irrelevant, bedeutungslos“ bei Seite schieben, als sich damit näher auseinander zu setzen? "Vermutlich wahr aber unvollständig (s.o.) und bedeutungslos" bleibt daher auch meine Einschätzung des KKK. Wenn schon nicht für die Aneignung von "Glauben" geeignet, so bleibt die Frage, welche Rolle lehramtliche Äußerungen für den persönlichen Glauben haben/haben können/haben sollen, offen. Eine schlüssige Antwort jenseits von "manches muss man einfach lernen" (warum eigentlich und wozu?) habe ich nicht gefunden.
 
Zu 2.: Immer wieder gerne wird die Bedeutung von Theologinnen und Theologen heruntergespielt oder negiert, ihr Ringen um Erkenntnis als "theologisches Gezänk" und für die „eigentliche“ kirchliche Lehre, wie sie sich u.a. im KKK präsentiert, als irrelevant abgetan. Gleichzeitig wird aber auf die große Bedeutung z.B. mittelalterlicher Theologen oder von Paulus verwiesen. Darin sehe ich einen Widerspruch. Während zu früheren Zeiten große Theologen, Kirchenlehrer und Kirchenlehrerinnen für die Entwicklung der Kirche und ihrer Lehre von großer Bedeutung waren, soll den heutigen diese Rolle abgesprochen werden? Warum? Wann war der Bruch? Wie kam es dazu? Und wie kommt es, dass zum Vatikanum II und zu der aktuellen Weltbischofssynode gerade auch Theolog_innen mit ihrer Kompetenz hinzu gezogen werden? Rom scheint die Bedeutung der Theologie durchaus anders einzuschätzen als manche Bloggerin und mancher Blogger!
 
Dass es manche Auseinandersetzung zwischen Theologie/Wissenschaft und Lehramt gegeben hat und gibt, bestreite ich nicht. Manchmal allerdings hat sich nicht ein Wissenschaftler sondern die Kirche selbst dabei ziemlich verrannt.Ich erinnere nur an die Ablehnung der historisch-kritischen Methode der Bibelauslegung, deren Ergebnisse dann aber letztlich ihren Eingang in Konzilstexte gefunden haben. Und wie schwer fiel es der Kirche, von ihrem Bild, die Erde sei der Mittelpunkt des Kosmos, abzurücken und ihren Fehler auch offiziell einzugestehen! Ohne Menschen, die sich intensivst der Lehre von Gott (= Theologie) widmen, bliebe die kirchliche Lehre wahrhaft „mittelalterlich“! (UPDATE: siehe dazu auch diesen interessanten, gerade erst veröffentlichten Beitrag auf dem Radio-Vatikan-Blog!)
 
Spannend fand ich die Bilder, die in verschiedenen Äußerungen gebraucht wurden, um das Gemeinte zu verdeutlichen. Die Suche nach sprechenden Bildern halte ich für sehr wichtig, aber auch für sehr anspruchsvoll. Manchmal kamen diese Vergleiche an ihre Grenzen, manchmal stimmten sie aus meiner Sicht nicht, ein andermal hatte ich den Eindruck, ich fülle ein Bild anders, als es möglicherweise gemeint war. Das soll aber niemanden davon abhalten, weiter nach für ihn oder sie stimmigen Bildern und Vergleichen zu suchen und sie ggf. differenzierend zu erklären.
 
Das Bild vom Feuer und vom Holz wurde gebraucht und daran argumentativ angeknüpft: „Was ist Glaube – Glaubenswissen oder Glaubenserfahrung? Genauso gut könnte man fragen: Was ist Feuer – Brennholz oder Flamme? Ohne Brennholz bleibt der Funke nicht, ohne dem Feuer bleibt das Brennholz sinnlos.“ Wenn ich zum Bild des Feuers das Grundschulwissen aus dem Sachunterricht hinzunehme, dann gehören zu einem „Feuer“ nicht nur zwei Dinge, sondern immer Dreierlei: 1. brennbares Material (= Feuerholz), 2. die richtige Temperatur und 3. Sauerstoff.
 
Was also ist Glaube (= die Flamme), wenn ich ihn mit einem Feuer vergleiche? Dem Sauerstoff würde ich das Wirken der göttlichen Geistkraft zuordnen. Ohne diese Kraft und den durch sie geschenkten „Glaubenssinn“ als fundamentale Basis jeden Glaubens, brennt da gar nichts. Mit der richtigen Temperatur würde ich die konkreten Umstände unter denen geglaubt wird, vergleichen. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ich als (Achtung Klischee!) „reicher weißer Mann“ oder als „rechtlose schwarze Frau“ von Gott spreche.
 
Was aber ist mit dem brennbaren Material? Welche Rolle spielt das „Brennholz“ in diesem Bild, wenn ich es mit der physikalisch-chemischen Realität abgleiche? Das Feuerholz ist als brennbares Material durchaus austauschbar! Um ein Feuer zu machen, ist es egal, ob ich Holz verbrenne, oder Öl, Gas, Wachs oder Alkohol. Immer entsteht eine Flamme. Wofür steht also das „Brennholz“? Für die Glaubenserfahrung? Dann stimmt das Bild: Erfahrungen sind sehr unterschiedlich. Soll damit aber das Glaubenswissen gemeint sein (wie ich eher vermute, denn ich habe zwar schon davon gehört, dass der Glaube leidenschaftlich „brennen“ kann, nichts dergleichen aber vom „Glaubenswissen“) würde es bedeuten, dieses Wissen ist nachrangig, austauschbar, eigentlich egal. Damit aber würden sich diejenigen, die es gebraucht haben, selbst widersprechen. Das Bild von Feuer und Brennholz spricht nicht für sich. Es bedarf dringend einer Erklärung!
 
Anderes Bild: Gerne wird von der „Mutter“ Kirche gesprochen, die für ihre Kinder sorgt und sie über alles wichtige belehrt. Doch welches Mutterbild wird damit transportiert? Meine Mutterrolle sehe ich darin, meine Kinder fit für ein selbstständiges Leben ohne mich zu machen. Meine Aufgabe besteht darin, ihnen das, was ich für wichtig halte, mit zu geben, sie dann aber loszulassen, damit sie ihren eigenen Weg gehen, der ganz anders aussehen kann, wird und soll, als der meinige. Es kann sein, dass sie sich von mir abwenden, zugunsten ihres eigenen Lebens. Das wird zwar für mich schmerzhaft sein, ist aber möglicherweise wichtig für sie. Ist das das Bild von „Mutter Kirche“? Mir scheint, wenn das Mutterbild dort gebraucht wird, wird damit eher eine ewige Abhängigkeit transportiert, „Hotel Mama“ für immer sozusagen. Das halte ich für wenig anstrebenswert! Auch dieses Bild muss nach meiner Ansicht differenzierter verwendet oder gestrichen werden.
 
Bei der Diskussion mit „Frischer Wind“ kam das Bild vom Autofahren als Vergleich für „Glauben“ auf. Es zeigten sich aber ob seiner Breite und Vielschichtigkeit sehr schnell seine Grenzen, die es für eine Diskussion ungeeignet machten, so dass ich hier nicht näher darauf eingehe.
 
Ein Punkt hat mich als letztes noch beim Lesen der unterschiedlichsten Beiträge bewegt: Als Ursache für heutige Probleme mit dem Glauben der Kirche wurde in einem Post die „anthropologische Wende“, also der Blick vom Menschen her, diagnostiziert. Aber war es nicht Gott selbst, der vor 2000 Jahren diese „anthropologische Wende“ eingeleitet hat? Das Besondere an unserem Glauben ist doch, dass wir davon überzeugt sind, dass Gott selbst Mensch geworden ist und sich – salopp formuliert – die Sache der Menschen mal mit deren eigenen Augen angeschaut hat.
 
Wenn es aber schon aus Sicht des menschgewordenen Gottes wichtig ist, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken, wie kann man dann diese Sichtweise als Problem empfinden und darstellen? In Jesus Christus sind Gott und Mensch eins. (Ist das jetzt dogmatisch korrekt formuliert???) Ist dann die Kirche in seiner Nachfolge nicht auch dazu aufgerufen, in jedem menschlichen Gesicht auch das Antlitz Gottes zu entdecken? Anders als beim Glauben der Muslime, die die göttliche Offenbarung in einem Buch, dem Koran, sehen, gehen wir von seiner Offenbarung eben durch/in einem Menschen aus. Für mich folgt daraus, dass eben der Mensch, seine Erfahrungen und Beziehungen von wesentlicherer Bedeutung für den Gottesglauben sind als eine Lehre zwischen zwei Buchdeckeln.
 
Was bleibt in der Summe der Diskussion? Deutlich zeigen sich verschiedene Kirchenbilder. Es ist altbekannt, dass diese Spannung bereits in den Konzilstexten auftaucht, wenn da zum einen von der Kirche als dem „Volk Gottes“ gesprochen wird, zum anderen von der „Hierarchie“. Da sich die Konzilsväter damals nicht auf ein Bild geeinigt haben, einigen konnten und/oder wollten, werden wir auch zukünftig mit diesem Nebeneinander leben und glauben müssen. Ich würde den Konzilsvätern gerne sogar eine gewisse (geistgewirkte) Weisheit unterstellen, dass sie beides gelten lassen: denn ihr Anliegen war nicht mehr (wie das anderer Konzilien), andere auszugrenzen und sie damit zu verlieren, sondern einen Raum für den Glauben an Gott zu öffnen. In gewisser Weise haben sie auf die heute erfahrbare Pluralität der Lebens- und Glaubenswelten hin schon damals die Konzilstexte mit erstaunlichem Weitblick formuliert!
 
Sehr gefallen hat mir an der Diskussion - wie schon an anderer Stelle gesagt - mit welcher Ernsthaftigkeit und welchem Respekt vor unterschiedliche Meinungen sie geführt wurde. Das ist gerade im Umfeld der katholischen "Blogoezese" nicht selbstverständlich, deshalb will ich das hier noch einmal betonen. In der Vergangenheit wurde oft sehr schnell ge- und verurteilt nach dem Motto "das ist nicht katholisch - werd doch einfach evangelisch oder geh zu den Altkatholik_innen!". Dieser Umgang miteinander ist weitestgehend ausgeblieben. Daher ein großes Dankeschön an alle, die sich daran beteiligt haben und möglicherweise weiterhin darüber diskutieren werden!
 

Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Hi, tolle Leistung, die Zusammenstellung und Mühe um das Thema! Kompliment und Respekt! Mir fällt aber auf, dass ich da gar nicht mitreden kann. Mir ist meine Zustimmung so selbstverständlich wie dass ich ja dazu sage, dass jemand was essen und trinken geht. Ich kann da eigentlich gar nichts diskutieren.
    Wenn ein Katechismus eigentlich nichts anderes ist, als das Zusammenschreiben und Vereinfachen eines Glaubens, dann heißt doch eigentlich gegen den Katechismus sein gegen einzelne Sätze des Glaubens sein. Dann müsste man doch die und nicht den Katechismus diskutieren. Oder man hat nicht gern, dass das Ausdrücken des Glaubens zusammengefasst und vereinfacht wird. Dass das jemand nicht will, kann ich mir nicht wirklcih vorstellen.

    Wenn etwas gibt, was ich an Luther schätze, dann ist es der Gedanke, einen Katechismus zu schreiben. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ... der aber ebenfalls von Beginn an bis heute in der Kritik steht ...

      Löschen
  2. Nur zu EINEM Aspekt Deiner wortreichen Ausführungen:
    Das Bild vom Feuer und vom Holz...
    Du hast es ja oben richtig zitiert:
    Und da steht doch genau, was in diesem Fall mit Feuer, Brennholz und Flamme gemeint ist:

    Feuer = Glaube
    Brennholz = Glaubenswissen
    Flamme = Glaubenserfahrung

    Sowas von EINDEUTIG...
    Hast Du das übersehen?

    Birgitta

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da ich den ganzen Beitrag zitiere und nicht nur einen Ausschnitt, kann sich jede_r selbst überzeugen von der Eindeutigkeit des Bildes.

      Bei dieser Zuordnung hieße es konsequenter Weise: für das Feuer (den Glauben), ist das Brennholz (das Glaubenswissen/der Katechismus) letztlich austauschbar, denn Flammen und Feuer sind zwar auf irgendein brennbares Material angewiesen, Brennholz muss es allerdings nicht unbedingt sein. (Das Verhältnis von "Flamme" zu "Feuer" bleibt unklar!)

      Das würde also bedeuten, in meiner Einschätzung des Katechismus stimmst du mir zu: Ohne die Flamme der Erfahrung ist das Brennholz des Wissens sinnlos, noch dazu ist es austauschbar, was zwar schade ist für das Wissen/den Katechismus, für das Feuer des Glaubens und die Flammen, aus denen es besteht, aber ohne Belang. - Kann ich mir nicht vorstellen, dass du das meinst!

      Löschen
    2. Ähm, nein, ich stimme Dir nicht zu.

      Okay, ich zitiere mal den "ganzen Beitrag" (der sogar der vollständige (!) Beitrag von "zeitfragen" ist):

      "Was ist Glaube – Glaubenswissen oder Glaubenserfahrung? Genauso gut könnte man fragen: Was ist Feuer – Brennholz oder Flamme? Ohne Brennholz bleibt der Funke nicht, ohne dem Feuer bleibt das Brennholz sinnlos."

      Was ich oben geschrieben habe , brauche ich hier nicht noch einmal wiederholen, also s.o.

      Du dichtest alles mögliche dazu und achtest nicht auf das, was gegeben ist. Du ordnest die Begriffe willkürlich zu, wie es Dir gerade passt, ohne die Voraussetzungen zu beachten (z.B. Glaube = Flamme, statt Glaube = Feuer; oder Brennholz = Glaubenserfahrung obwohl Brennholz für Glaubenswissen steht).

      Dass "ohne die Flamme der Erfahrung (...) das Brennholz des Wissens sinnlos" ist (und umgekehrt), was Du jetzt als Deine neue Erkenntnis ausgibst ("...stimmst Du MIR zu:...", ist ja genau das, was dieser Vergleich schon ursprünglich verdeutlichen sollte. Genau das war gemeint!

      Aber das Brennholz ist nicht austauschbar, weil nichts anderes gemeint ist, und weil mit Glaubenswissen jede Form von Glaubenswissen (sprich "Brennmaterial") gemeint ist.

      Deine Phantasien sind also Konstrukte, die nur alles durcheinander werfen.

      Und genauso machst Du es mit der Lehre der Kirche: Du verdrehst sie und zimmerst sie Dir zusammen, wie es Dir gerade passt.
      Ich finde das nur respektlos.

      Birgitta

      Löschen
    3. Wir reden aneinander vorbei. Das Bild wird nicht eindeutiger nur dadurch, dass du es mehrfach wiederholst. Es stimmt schlicht nicht mit dem überein, was ein Feuer ausmacht. Da konstruiere ich nichts, sondern gehe einfach nur von einem gewissen Allgemeinwissen über Feuer aus. Das Bild ist nach meiner Ansicht in sich nicht stimmig. Mehr will ich nicht sagen.

      Wenn dir dieses Bild jedoch hilft, ist es o.k., nur kannst du nicht davon ausgehen, dass es das auf allgemeinverständliche Weise transportiert, was du damit aussagen willst.

      Löschen
  3. Sehe ich auch so. Wir reden aneinander vorbei.

    Birgitta

    AntwortenLöschen
  4. Was mich bei der ganzen Diskussion wundert, ist, dass außer acht gelassen wird, WIE unterschiedlich der Zugang von Menschen zu Glauben sein kann. Ein Mystiker kann vielleicht wenig mit dem Katechismus anfangen, weil sein Zugang die direkte, sinnliche Glaubenserfahrung ist. Ein eher prosaischer Pragmatiker ist vielleicht dankbar für eine "Auflistung der Glaubensgrundsätze". Soweit ich weiß, hat in der katholischen Kirche (wie in den anderen Religionen) BEIDES Platz. Das kann man doch würdigen, auch wenn man selbst einen bevorzugten Zugang hat.

    AntwortenLöschen
  5. Respondeo: http://prospesalutis.blogspot.de/2012/10/glauben-nach-gutdunken-teil-2-nochmals.html

    Und auf jeden Fall auch: Schönen Urlaub und gute Erholung am Wasser!

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.