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Mittwoch, 3. Oktober 2012

Tag der Deutschen Einheit

Heute wird die Wiedervereinigung Deutschlands gefeiert. Für mich weiterhin am falschen Tag, nämlich dem der Vertragsunterzeichnung. Angemessener finde ich nach wie vor den Tag des Mauerfalls am 09. November, der aber wegen der Erinnerung an die Reichspogromnacht, die auf das gleiche Datum fällt, als nicht geeignet erschien. Aber beides gehört nun mal zu unserer Geschichte. An der Wahl des Datums wird allerdings deutlich: Papiere, also Bürokratie, Verwaltung und Verträge, sind für unser Land offenbar von größerer Bedeutung als seine Menschen, ihr Mut und Engagement. Schade!

Zu seinem 22. Geburtstag wünsche ich unserem Land und seiner Regierung
einen bessern Blick auf seine Bevölkerung und mehr Engagement für soziale Gerechtigkeit, inneren und äußeren Frieden, eine Fortsetzung des Zusammenwachsens und - eine andere Nationalhymne. Unsere finde ich nämlich grottenschlecht. Wie bei der Wahl des Termins für den Nationalfeiertag wurde auch hier eine Chance vertan. Die Chance für einen gemeinsamen Neuanfang. Eine neue Nationalhymne hätte diesen gemeinsamen Start sehr schön zum Ausdruck bringen können.

So gibt es die Doppelbotschaft: wegen seiner schlimmen Geschichte wurde nicht der 09. November als Nationalfeiertag gewählt, aber trotz seiner historische Verbindung mit dem Größenwahn und den Massenmorden durch die Nationalsozialisten die alte Nationalhymne genommen, die ja auch bereits 1952 bei ihrer Wiedereinführung nach dem zweiten Weltkrieg schon nicht unumstritten war. Hier hat die Politik anscheinend nichts dazu gelernt. Dass nur die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur Hymne wurde, ist da ein schwacher Trost, denn gemeinhin ist eine Melodie wesentlich prägender als ein Text, wenn auch der Text natürlich sorgfältig gewählt sein muss!

So ist es keine Frage: auch das patriarchale "Brüderlich" in der vierten Zeile bleibt ein Stein des Anstoßes und ein Ärgernis. Dabei haben uns die Österreicher und Österreicherinnen erst vor kurzem vorgemacht, dass man auch Texte einer Nationalhymne durchaus hinsichtlich ihrer Geschlechtergerechtigkeit verändern kann: seit dem 1. Januar 2012 wird in ihr nicht mehr nur die Heimat "großer Söhne" sondern die "großer Töchter und Söhne" besungen (natürlich nach dem obligatorischen und vorgeschobenen Streit darüber, ob man poetische Texte verändern darf). So weit scheinen wir in Deutschland leider noch nicht zu sein.

Wenn es um "Einheit" an diesem Tag geht, schwingt darin für mich als Kirchenfrau mit großer Leidenschaft für die Ökumene auch die Sehnsucht nach einer Einheit der Kirchen mit. Allerdings keiner Einheit, die sich am Vorbild der Wiedervereinigung Deutschlands orientiert, die ja nur ein Beitritt der östlichen Bundesländer in eine vorgegebene Staatsform war, sondern einer Einheit, bei der sich alle Kirchen gemeinsam auf gemeinsame Strukturen etc. einigen. Aber davon, so scheint mir, sind wir leider noch weiter entfernt als von einer Nationalhymne, die auch Frauen problemlos mitsingen können.

Allerdings: mit einer neuen Einheit Deutschlands hat ja auch lange Zeit niemand mehr gerechnet. Und letzlich in die Hand genommen haben es nicht die Regierungen, sondern die Betroffenen ...


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Kommentare:

  1. Hallo, wie wäre es denn mit dem 23. Mai?
    Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz in Kraft. Das wäre in meinen Augen ein ausgezeichneter Nationalfeiertag.

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    1. Wäre eine Möglichkeit, weil es die Basis für das geeinte Deutschland ist. Aber mit der Einigung an sich hat auch dieser Termin wenig zu tun.

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