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Freitag, 12. Oktober 2012

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung I

0. Vorbemerkungen


Wiederholt habe ich auf diesem Blog durchblicken lassen, dass ich von Katechismen wenig halte. Bei meinem Versuch einer kritischen Würdigung des Gemeinschaftsblogs "Das Ja des Glaubens" (siehe hier) habe ich dies erneut getan und damit (wie schon früher einmal) einiges an Reaktionen ausgelöst. Zum Jahr des Glaubens wünscht sich Papst Benedikt nun die Beschäftigung mit dem Glaubensbekenntnis und erwähnt als Hilfsmittel dazu aus- und nachdrücklich die Beschäftigung mit dem Katechismus (siehe hier u.a. unter 11f).

Ich bin nicht die erste, die Kritik an dieser alten und schon immer nicht unumstrittenen Form der Zusammenstellung von Glaubensinhalten äußert. Trotzdem will ich in den folgenden drei Beiträgen (der Text wäre für einen einzigen Post nach meinem Empfinden zu lang) einmal versuchen, Gründe für meine Bedenken zu Form, Inhalt und Methodik dieses Mediums zusammen zu tragen. Aber wie kann das bei einem solchen Thema gelingen, ohne auf gleiche Weise wie das Beschriebene dröge, abstrakt und blutleer zu schreiben? Vielleicht, indem ich versuche, auf der Erfahrungsebene zu bleiben und weitestgehend theoretische Überlegungen zu vermeiden.

Ich gehe davon aus, dass andere Personen andere Erfahrungen mit einem Katechismus gemacht haben und das von mir im folgenden Angesprochene anders sehen und/oder anders bewerten. Dafür ist Platz im Kommentarbereich.


1. In welchen Zusammenhängen ist mir ein Katechismus in der Vergangenheit begegnet?


Ich selbst bin ohne jeden Kontakt zu einem Katechismus aufgewachsen. Die Aufteilung des Religionsunterrichts in "Biblische Geschichte" und "Katechismusunterricht" sei bei meinem Schulstart bereits beendet gewesen, berichteten meine Eltern auf meine Anfrage. Ich selbst erinnere mich aus diesen Jahren nur noch an die eine oder andere biblische Geschichte, die wir damals besprochen haben. Von daher prägen mich aus dem Religionsunterricht weder positive noch negative Erfahrungen mit irgendeinem Katechismus.

Meine Eltern selbst erzählten manchmal anekdotenhaft von auswendig lernen Müssen des Katechismus' in früheren Zeiten. (Wozu sind wir auf Erden? Damit wir den Willen Gottes tun und dadurch in den Himmel kommen.) Von meinen evangelischen Mitschülerinnen und Mitschülern wusste ich, dass sie (im Religionsunterricht? beim Konfirmandenunterricht?) mit Luthers "Kleinem Katechismus" zu tun hatten und darüber stets stöhnten, weil es sie langweilte, sie viel auswendig lernen und das Gelernte dazu noch öffentlich vor ihrer Gemeinde präsentieren mussten. Da war ich froh, dass das bei uns anders war! Dies war es dann aber schon in Bezug auf das Thema „Katechismus“ in diesen frühen Jahren.

Auch der im Nachgang zum letzten Konzil in Deutschland herausgekommene "Katholische Erwachsenen-Katechismus" (KEK) ist völlig an mir vorbei gegangen, wobei ich seinen Text heute noch am ansprechendsten finde. Auf ihn gehe ich im folgenden nicht näher ein.

Wieder begegnet ist mir das Thema "Katechismus" erst bei der Veröffentlichung des neuen Weltkatechismus (Katechismus der katholischen Kirche = KKK) 1992 (der auf der offiziellen vatikanischen Seite auf deutsch interessanterweise nur in seiner vorletzten Form eingestellt ist. Die überarbeitete, aktuelle Version von 2003 in deutsch ist hier zu finden). In meinem Umfeld wurde ihm und seiner 2005 erschienene Kurzversion, dem Kompendium, gegenüber - wenn sie denn überhaupt zur Sprache kamen - von Anfang an eher ablehnend begegnet, beide spielten aber schon sehr bald gar keine Rolle mehr.

Dem 2011 veröffentlichten und mit großem Aufwand präsentierten "Youcat", dem Katechismus für Jugendliche, habe ich zwar kurz meine Aufmerksamkeit gewidmet, ihn aber sehr schnell als für die Jugendlichen in meinem Umfeld und meine Arbeit für nicht geeignet befunden.

2. Das Problem der unklaren Adressaten von "KKK" und "Youcat"


An wen richten sich "Youcat" und "KKK" eigentlich? Beim "Youcat" scheint es klar zu sein: er soll Jugendliche ansprechen, evtl. auch Erwachsene, die mit Jugendlichen zu tun haben. Allerdings scheinen eher solche Jugendliche gemeint zu sein, die ihn bereits mit einem umfassenden Vorwissen zu lesen bekommen. Solche mit eher wenig Kontakt zu Kirche und Glaube, wie sie z.B. zum überwiegenden Teil an der Firmvorbereitung teilnehmen, werden allein schon von der durch binnenkirchliche Formulierungen und Chiffren geprägten Sprache befremdet sein.

Der "KKK" hingegen richtet sich zunächst an die Bischöfe, an diejenigen, die daraus lokale Katechismen erstellen, als wesentliche Grundlage ebenfalls. Schließlich eigentlich an jede und jeden entnehme ich ihm selbst (4. Geltung des Textes). Das ist eine ziemlich unklare Umschreibung einer konkreten Zielgruppe! Gleichzeitig zeigt er seine eigenen Grenzen auf:
24 Wegen seiner Zielsetzung kann dieser Katechismus nicht selbst jene Anpassungen in der Darlegung und den katechetischen Methoden Vornehmen, welche die Unterschiede in den Kulturen, Lebensphasen, im geistlichen Leben, in den gesellschaftlichen und kirchlichen Situationen der Adressaten erfordern. Diese unerlässlichen Anpassungen sind Aufgabe entsprechender Katechismen, und vor allem der für den Unterricht der Gläubigen Verantwortlichen (…).
Wie jetzt: soll er also doch nicht von „Endverbrauchern“ verwendet werden? Seine Adressaten bleiben mir unklar, auch ob ich überhaupt und wenn ja in welcher Rolle dazu gehöre. Das wirkt wenig motivierend.

Auch für mich als „für den Unterricht der Gläubigen“ Mitverantwortliche sind die Texte der beiden Katechismen wenig hilfreich. Unkommentiert würde ich sie kaum jemandem in die Hand geben. Nutzte ich "Youcat" oder "KKK" für Bildungsveranstaltungen, bliebe die Hauptarbeit nach wie vor an mir hängen: die gesamte didaktische Analyse und die methodische Umsetzung müsste ich noch selber machen, allein schon um einen gewissen Qualitätsstandard aufrecht zu erhalten. Statt den beiden hier kritisierten Katechismen gibt es allerdings besseres Material von kompetenten Leuten, das bereits näher an der Lebenswelt und den Themen der Anzusprechenden dran ist und deshalb weniger Aufwand bei der grundlegenden Bearbeitung und konkreten Kontextualisierung verlangt.

Noch dazu nutze ich nicht nur in der Erwachsenenbildung lieber gleich die ursprünglichen Quellen anstatt von Sekundärliteratur (anknüpfend an ein zu einem früheren Zeitpunkt auf diesem Blog von mir gebrauchtem Bild: Ich nehme lieber „frische und unbearbeitete Zutaten“ als „Konserven und Fertiggerichte“). So können sich die Teilnehmenden besser ein eigenes Bild machen und eine persönliche Meinung bilden.


Weitere Gedanken zum Thema (wird nach Veröffentlichung verlinkt!):

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung II
3. Der Umgang mit den Leserinnen und Lesern, ihrer Lebenssituation, ihren Erfahrungen und Fragen
4. Fehlende theologische Aktualität

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung III
5. Glauben, lieben und vertrauen
6. Die Rolle von Bildern und Symbolen, Erzählungen und Geschichten bei der Entwicklung eines persönlichen Glaubens
7. Meine Vorstellungen über zum Katechismus alternative Ansätze der Glaubensweitergabe und -vertiefung


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Danke schön, schon mal, Ameleo.
    Ich kenne den Katechismus nur als etwas, dass die gutkatholische Familie evtl. im Wohnzimmerschrank liegen hat (wir hatten keinen) und mit dem man droht, wenn ein Kind nicht brav ist. Meine Mutter stöhnt auch noch vom Auswendiglernen. Lästert aber auch drüber, dass nicht mehr auswendig gelernt wird und daher 'sowieso alle das Wichtige gar nicht mehr lernen und nicht mehr wissen wofür alles gut ist'. Ich glaube sie findet, ein bisschen mehr Drill in der Jugend würde Christen eher zu treuen Christen machen als eine "lange Leine" und selbst entdecken lassen. Bei ihren Enkelkindern hält sie sich aber sehr zurück. Ich glaube, sie fühlt sich hilflos. Katechismus deklamieren kommt ihr fehl am Platz vor.

    Ich bin gespannt, wie deine Darstellung weitergeht. Zwischenzeitlich lese ich mal darin. Wer nicht ihn nicht anfasst, sollte sich wohl kein Urteil anmaßen.

    Liebe Grüße
    Huppicke

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    1. Spannend, dass du den Katechismus mit "gut katholisch" zusammenbringst, ihn aber offensichtlich auch erst jetzt kennenlernst. Bestätigt einmal mehr meinen Eindruck, dass er bereits seit langem keine große Rolle mehr spielt.

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  2. Hallo Ameleo,
    danke für den ersten Teil. Bin gespannt, wie es weitergeht. An meiner religiösen Sozialisation ist der Katechismus auch vorbeigegangen. Den 'Katholischen Erwachsenenkatechismus' habe ich mit Anfang 20 gelesen und empfand ihn über weite Strecken wenig hilfreich. Immer, wenn es interessant zu werden schien, kam die Flucht in binnenkirchliche Sprachspiele, die mir wenig verständlich waren. Damals habe ich mir auch mutig Rahners Grundkurs des Glaubens gekauft - klang so nett. Der hat mir natürlich auch nicht geholfen.
    Beim 'aktuellen' KKK sehe ich es ähnlich wie du: Wer soll das Teil lesen? Wem soll es eine Hilfe sein? Ich bin heute Religionslehrer und habe viel mit Jugendlichen zu tun, die noch auf der Suche sind. Sie haben die 'großen Fragen', lassen sich aber nicht mit Katechismussätzen abspeisen, die keinen Bezug zu ihren Erfahrungen und ihrem Leben haben. Sie fordern - völlig zu Recht - klare und verständliche Aussagen. Wenn aber oft nur vom 'Mysterium' oder dem 'tiefen Geheimnis' die Rede ist und die Sprache zwischen 'theologischem Suppenwürfel' (hochkonzentrierte Verdichtung theologischer Begriffe und Aussagen) und blumiger Prosa schwankt, bringt so ein Text nichts.
    Angesichts der Vielfalt anderer Themen, die viel attraktiver 'verpackt' sind, ist es schwer, das Interesse immer wieder neu zu aktivieren. Wer seine Botschaft nicht in die Sprache und Denkvorstellungen der heutigen Welt übersetzen möchte (oder kann?), dem scheint sie auch nicht besonders viel wert zu sein.
    Wenn ein Bauhandwerker es einem Fischer vermitteln konnte, müsste es doch auch noch heute möglich sein, wenigstens ein kleines Bisschen davon erfahrbar werden zu lassen. Aber der Bauhandwerker hatte auch noch mehr Mut, sich auf angstfreie Dialoge einzulassen. Ich hätte gerne etwas mehr katholische Weite und Gelassenheit in Texten der Glaubensvermittlung. Die Wahrheit hält das aus. Der nach Wahrheit Suchende auch. Der auf Sicherheit Bedachte nicht immer...

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    1. Der "theologische Suppenwürfel" gefällt mir gut, den kannte ich noch nicht!

      Kennst du die Bücher von Reinhard Körner? Den empfehle ich immer wieder gern. Dort schreibt ein "Kleinbauer", der jetzt in einem kontemplativen Orden lebt, über den Bauhandwerker, der zugleich in seinen Augen ebenfalls ein "Kleinbauer" gewesen ist, und deshalb so viele anschauliche Gleichnisse aus der Landwirtschaft erzählen konnte. Für mich immer wieder eine sehr lustvolle Lektüre. Jugendliche würde er aber vermutlich eher weniger ansprechen.

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    2. Kenne ich noch nicht, habe ich mir aber gleich bestellt :-) Danke für den Hinweis.

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  3. Danke schön, Ameleo, für den ersten Teil. Auch ich bin gespannt, wie es weitergeht.

    Im Gegensatz zu dir habe ich in den frühen 70ern noch Religionsunterricht mit Auswendiglernen des Katechismus kennengelernt (Doppelstunde samstags - auch das gabs da noch - bei einer Religionslehrerin mit schwersten Kriegstraumata. Heute habe ich Mitleid mit der Frau und finde es traurig, dass niemand sie geschützt hat; aber auch, dass niemand sich Sorgen um ihre Schüler gemacht hat)
    Auf jeden Fall hat dieser Unterricht mit dazu beigetragen, dass Religion und Glaube in meinem Leben lange kaum eine Rolle gespielt hat. Suchen und Fragen haben da keine Rolle gespielt. Und auch wenn danach guter Religionsunterricht kam, die Überzeugung, dass ich all den Regeln und Geboten gar nicht gerecht werden kann und dass mein eigenes Gewissen und meine Überlegungungen keine Rolle spielen, saß (und sitzt) sehr tief. Da musste ich auf dem Weg zurück viel Ballast los werden bis zur Gewissheit, dass ich wirklich gemeint bin.

    Liebe Grüße
    Martina

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  4. Nur so als Ergänzung:

    Meine Mutter hat nie vom Katechismus erzählt - mußte aber in "biblischer Geschichte" seitenlang die Schulbibel (Nacherzählung!) auswendig lernen.

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  5. Meine Gedanken dazu:
    Katechismus - ja bitte!
    http://frischer-wind.blogspot.de/2012/10/katechismus-nein-danke-teil-1.html

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