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Samstag, 13. Oktober 2012

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung II

 Weitere Gedanken zum Thema: Siehe Links unten!

3. Der Umgang mit den Leserinnen und Lesern, ihrer Lebenssituation, ihren Erfahrungen und Fragen


Nicht nur die Frage nach den Adressaten von „Youcat“ und „KKK“ bleibt für mich letztlich unbeantwortet. Beim "Youcat" kommt hinzu, dass seine Form nicht unproblematisch ist: sie entspricht der althergebrachten examinierenden Weise mit (rhetorischer) Frage und anschließender abstrakter Antwort, die sich als einzig richtige auf die voran gegangene Frage versteht. Dass dahinter der Gedanke eines Gesprächs stehen soll, kann ich so nicht entdecken. Auf mich wirkt diese Gestaltung eher wie eine Prüfungsvorbereitung. Bei den Fragen handelt es sich nach meinem Eindruck auch nicht um solche, die Jugendliche tatsächlich stellen würden, sondern um den Versuch, zu einem bereits vorliegenden, zu vermittelnden Thema eine passende Frage zu konstruieren, dass heißt: erst war die Antwort da, dann kam die Frage.

In diesem Ansatz sehe ich ein Hauptproblem des "Youcat" aber auch des „KKK“: wirkliche Anliegen, Lebens- und Glaubensfragen spielen keine Rolle. Beide Katechismen nehmen die Situation der Lesenden weder in den Blick noch wirklich ernst. Im Zentrum des Interesses stehen vielmehr ausschließlich die zu vermittelnden Inhalte. Das kann man natürlich machen, z.B. wenn es in einem Buch um reine Sachinformationen geht. Die Katechismen wollen aber Lehrbücher in Glaubensfragen sein, entsprechen in ihrer Form, ihren Inhalten und ihrer Gestaltung aber weder aktueller Religionspädagogik noch gängigen Ansätzen heutiger Erwachsenenbildung.

Dabei wird heute sogar im Matheunterricht selbst bei komplexen Rechnungen von einem konkreten, dem Alltag und der Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen entnommenen Beispiel ausgegangen und dann erst abstrahiert! Wo aber wird in Youcat oder KKK auf Vorwissen zurückgegriffen, auf Lebenserfahrungen, auf Fragen, die wirklich gestellt werden? Wo wird argumentiert, motiviert oder geworben? Alles Fehlanzeige!

Beide setzen dagegen darauf, unabhängig von jeder realen Lebenswirklichkeit und Suche nach tragenden, belastbaren Antworten auf existentielle Fragen rezipiert, also unhinterfragt aufgenommen statt verstanden zu werden, auf abstraktes Wissen statt lebendiges Erfahren, auf gewusste Lehrsätze statt auf anwendbares Lebenswissen und auf Fakten über den dreieinen Gott statt in Beziehung treten zu ihm, woraus eher die Gefahr zu Rechthaberei (und in Folge dessen Fundamentalismus mit seinem Gewaltpotential) entstehen kann, statt eine Einübung in Dialog und Auseinandersetzung.

4. Fehlende theologische Aktualität


Aber nicht nur die Form der derzeitigen Katechismen halte ich für unzeitgemäß, auch der Inhalt von „KKK“ und „Youcat“ sind nicht auf dem aktuellen Stand gegenwärtiger Wissenschaft und Theologie bzw. stehen zu ihr in Spannung, ohne das dies benannt würde. Wenn zum Beispiel beim Thema „Schöpfung“ zwar zunächst geschrieben wird, dass die sieben Schöpfungstage sinnbildlich zu verstehen sind (337), später aber historisierend vom „ersten Menschen“ (374) und den „Stammeltern Adam und Eva“ (375) gesprochen wird und davon, dass diese ersten Menschen weder sterben noch leiden mussten (376), ohne dass das Symbolhafte und Theologische dieser Redeweise deutlich gemacht wird, rollen sich mir die Fußnägel hoch! Katechismen altern schnell, sagte mal jemand. Da sie aber dennoch von Zeit zu Zeit überarbeitet werden, erwarte ich auch theologische Aussagen und Formulierungen, die auf der Höhe der Zeit sind!

Weiterhin habe ich keine Stelle gefunden, die darauf hinweisen würde, dass manche der im Katechismus formulierten Behauptungen ja auch innerkirchlich nicht unumstritten sind und durchaus diskutiert werden. Einer Auseinandersetzung mit anderen Ansichten gehen sowohl der „KKK“ als auch der „Youcat“ durchgängig aus dem Weg. Auch kenne ich keinen Paragraphen, der kenntlich machen würde, dass es eine "Hierarchie der Wahrheiten" gibt, manche Glaubenssätze also fundamentaler sind als andere (christologische Aussagen sind z.B. von größerer Bedeutung als die über Engel). Alles scheint so gleich wichtig und damit gleich-gültig zu sein. Diese inhaltlichen Mängel und den fehlenden Diskurs finde ich problematisch, wenn nicht sogar in heutiger Zeit unredlich.

Wer in diesem Blog häufiger liest, weiß, dass mir in Glaubensdingen nicht nur (religiöse)Erfahrungen von großer Bedeutung sind, sondern auch theologisches Grund- und Fachwissen sehr am Herzen liegt. Beides muss für mich in einer Balance stehen, die von Person zu Person je nach Interesse, Begabung, Vorliebe, ... sehr unterschiedlich aussieht. Ein solches mit starken Argumenten untermauertes und diskutables, theologisch fundiertes Hintergrundwissen finde ich aber gerade nicht auf den Seiten der Katechismen. Dafür sind sie leider zu unwissenschaftlich, unkritisch und tendenziös, was (wenn man diese von mir benutzten negativen Zuschreibungen als positive Werte formuliert und füllt) möglicherweise ihrem eigenen Anspruch entspricht, sich aber nicht mit meinem Interesse deckt.

Weitere Gedanken zum Thema (wird nach Veröffentlichung verlinkt!):

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung I
­0. Vorbemerkungen
1. In welchen Zusammenhängen ist mir ein Katechismus in der Vergangenheit begegnet?
2. Das Problem der Adressaten von „KKK“ und „Youcat“

Warum ich Katechismen für wenig geeignet halte zur Glaubensweitergabe und -vertiefung III
5. Glauben, lieben und vertrauen
6. Die Rolle von Bildern und Symbolen, Erzählungen und Geschichten bei der Entwicklung eines persönlichen Glaubens
7. Meine Vorstellungen über zum Katechismus alternative Ansätze der Glaubensweitergabe und -vertiefung


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Kommentare:

  1. Vorab, Ameleo, erst einmal Danke für die Mühe, die Du Dir machst, Deine Sichtweise zu erläutern!

    Ich denke, daß man den KKK gewiß - wie das heute so heißt - noch "optimieren" könnte (sofern man der Grundform eines Frage-Antwort-Schemas nicht von Anfang an total ablehnend gegenüber steht). Ich möchte drei Aspekte dazu einbringen ...

    1. Ich denke, man muß sich von den altvordern Vorstellung freimachen, die wir gemeinhin mit Katechismen verbinden.
    Das Frage-Antwort-Schema des KKK ist meines Ermessens keine, nennen wir es mal: Friß-oder-Stirb-Darbietung, sondern ein didaktisches Alternativkonzept zu fortlaufenden Texten, wie sie Glaubensbücher (etwa der dt. Erwachsenenkatechismus oder meinetwegen auch der Holländische Katechismus) bieten.
    Der KKK zentriert ein Thema erst in einer Frage, um es dann in einer Antwort zu entfalten den Leser "Schritt für Schritt" in die Glaubenslehre einzuführen. Die Anlage mit Fragen und Antworten ist also eher eine formale; die Antworten sind ja auch nicht darauf ausgelegt, daß man sie dumpf auswendig lernt und später herunterbeten kann.

    2. Glaube kommt vom Hören! Die wenigsten Menschen werden durch Selbststudium gläubig, sondern in einem dialogischen Prozess, welcher unter dem Einfluß der Gnade sowohl Begegnung (oder auch Konfrontation) mit Gott und mit Menschen umfasst und der umso fruchtbringender sein dürfte, wenn zum Wort das gelebte Zeugnis tritt und der Glaube nicht nur als Theorie, sondern als Leben erfahrbar wird. In diesem Prozess ist der KKK ein wichtiger Baustein, aber auch nicht mehr. Er legt die Lehre der Kirche dar. Punkt. Die Aneignung dieses Glaubens und die "Auseinander-Setzung" samt aller Fragen, Zweifel und Einwänden geschieht wieder im Gespräch: im Gespräch mit Gott, mit sich selbst und mit anderen.

    3. Hier erst - im Gespräch, in der Vertiefung - kann die Lebenswirklichkeit des einzelnen Menschen aufgefangen werden. Wie soll ein Buch zum Thema Glaubenslehre das leisten können? Und doch braucht es solche Bücher, denn jeder Suchende hat ein Recht darauf, gültige Antworten in einer gültigen Form angeboten zu bekommen. Salopp gesagt: Wenn ich in der Apotheke eine Auskunft zu Inhaltsstoffen eines Medikamentes verlange, dann wird mich die Antwort, ich werde mich durch die Einnahme besser fühlen und garantiert genesen, nicht zufrieden stellen. Und ich werde den Apotheker womöglich auch bitten, mir jene Ausführungen im Beipackzettel zu erklären, die mir unverständlich sind.

    Welchen Schluß nun könnten wir daraus ziehen im Jahr des Glaubens?

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    1. Danke für deine Anmerkungen! Zu deinem Punkt 2 habe ich mir in meinem letzten Teil Gedanken gemacht. Da denken wir möglicherweise in eine ähnliche Richtung.

      Dein Vergleich mit dem Medikament und dem Apother hinkt insofern, als da ja die Zusammensetzung klar ist. Bzw. klar zu sein scheint und dann gibt es doch vielleicht Parallelen: Denn manchmal sind es nicht speziell benannte Hilfs- und Trägersubstanzen, die das eine Medikament wirksamer machen als ein anderes, bei gleicher Wirkstoffzusammensetzung und -menge. In diesem Fall wäre der Katechismus solch eine "Trägersubstanz".

      Auch mit dem Bild vom (vielleicht etwas unbeholfen formulierten) "Beipackzettel" für die Rolle eines Katechismus könnte ich mich anfreunden. Der ist es in der Regel nicht, den ich einnehmen soll, um gesund zu werden ... ;-)

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  2. Liebe Ameleo,

    das ist ein schwieriges Thema. Meine Gedanken kann ich
    noch nicht in Worte fassen.

    Ich denke weiter nach.

    Alles Liebe

    Elisabeth

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  3. Hallo liebe Ameleo!

    Ich habe gerade deinen Kommentar gelesen und schreibe dir hier, ganz OT mal den Link hin:
    http://www.tagxedo.com/

    Total genial ist das - ich kann kaum noch aufhören so schöne "Wort-Bilder" zu machen!

    LG

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