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Donnerstag, 1. November 2012

Herzlichen Glückwunsch zum Gedenktag, Ihre Heiligkeit!

Heute feiern wir Allerheiligen. In manchen Bundesländern gibt es dafür sogar einen offiziellen Feiertag. Wir denken dabei an alle Heiligen: nicht nur an die offiziellen, sondern auch an diejenigen, die nicht offiziell von der Kirche heilig gesprochen wurden und die, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott selbst.

Der Begriff der Heiligen hat über die Jahrtausende einen Bedeutungswandel erfahren: heute verbinden die meisten damit Personen, die auf irgendeine Weise ein vorbildliches Leben geführt haben, oder von der Kirche so gesehen werden. Nicht jede Heiligsprechung ist dabei unproblematisch und unumstritten wie z.B. die des 2002 heiliggesprochenen Josemaría Escrivá, des Gründers des ebenfalls u.a. wegen seiner Geheimniskrämereien und seltsamen Selbstkasteiungspraxis nicht unumstrittenen Opus Dei.

Die ersten Christinnen und Christen hatten noch einen ganz anderen Heiligen-Begriff:

Anknüpfend an die hebräische Bibel war für sie Gott der Heilige schlechthin, der sich sein heiliges Volk, das Volk Israel erwählte. Zu diesem Volk Gottes gehörte nach den Erfahrungen von Jesu Tod und Auferstehung jede und jeder, der bzw. die sich auf seinen Namen taufen ließ. Alle Getauften Gemeindeglieder wurden Heilige genannt. So begrüßt Paulus z.B. am Anfang des 2. Korintherbriefs "alle Heiligen in ganz Achaia" (2. Kor 1,1) und endet mit der gleichen Vorstellung von Heiligkeit mit: "Es grüßen euch alle Heiligen." (2. Kor 13,12).

Quelle: Wiki Commons
Sicherlich waren die Menschen damals nicht wesentlich verschieden von uns heute. Natürlich gab es die ganzen technischen und naturwissenschaft- lichen Entwicklungen, die uns heute das Leben sowohl erleichtern als auch verkomplizieren, noch nicht. Und ganz sicher waren sie noch durch ein anderes Welt-, Gesellschafts- und Menschenbild geprägt. Aber "gläubiger" oder "tugendhafter" oder "moralisch und geistlich besser" als wir heute waren sie ganz sicher nicht. Von daher nehme ich mir die Freiheit "Heilige" im biblischen Sinn zu verstehen. Allerheiligen ist eine gute Gelegenheit, sich diesen umfassenden Heiligkeitsbegriff einmal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Wer also wissen möchte, wie ein echter Heiliger oder eine wirkliche Heilige heute aussieht, stelle sich am heutigen Allerheiligenfest einmal bewusst vor einen Spiegel, sehe hinein und lächle seinem Abbild, das auf einer anderen Ebene auch ein Abbild Gottes ist, zu. In diesem Sinne wünsche ich jedem Leser und jeder Leserin: Herzlichen Glückwunsch zum Gedenktag, Ihre Heiligkeit!

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Kommentare:

  1. Ich danke dir für den wichtigen Hinweis, wenn du uns auf die Alte Kirche verweist, die einen etwas anderen Heiligenbegriff hatte, dergestalt, das jeder Heilig war, der ihr angehörte. Allerdings möchte ich doch vorsichtig sein mit deiner Aussage, dass die Menschen damals genauso moralisch und tugendhaft waren wie heute. Auf's ganze gesehen richtig. Allerdings war das Urchristentum doch wesentlich mehr Entscheidungschristentum als heute und ich behaupte durchaus mal, dass die Christen damals wirklich moralischer und tugendhafter waren als heute.

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    1. Weder deine noch meine Ansicht wird sich belegen lassen, aber warum "Entscheidungschristen" moralischer gelebt haben oder leben sollten, erschließt sich mir nicht. Gerade wenn ich die neutestamentlichen Briefe und die Apostelgeschichte lese, entdecke ich da eine Menge Konflikte und menschliche Schwächen.

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  2. Dein Post hat mich zum Lächeln gebracht. Sich selbst als Heilige sehen - ist einfach schön. Niemand vergisst dabei die Unterschiede. Und mir ist gerade aufgefallen, dass der Priester in der Messe heute Morgen viele Heilige erwähnt, vieles erklärt hat, aber nicht von den Heiligen unter uns sprach. Es gibt bestimmt welche, selbst mit hohen Maßstäben.
    Und weils sie gibt, gegeben hat, wohl immer geben wird, ist es auch ein fröhliches Fest. Gott sei Dank, möchte ich da rufen.

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  3. von den heiligen unter uns hat paulus immer geredet.die probleme mit den heiligen des urchristentums stehen in seinen briefen und in der apostelgeschichte. die ersten glaubensprobleme zeigt das johannesevangelium. thema entscheidungschristen: da sind wir berliner ja gut dran, denn wer hier katholisch ist, ist erstens märtyrer (9 prozent kath) und zweitens entscheidungschrist und drittens exot.hat kardinal woelki schon entdeckt. dass man hier anders katholisch ist als im rheinland.man ist hier in ständiger auseinandersetzung.

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  4. Liebe Ameleo, auch Dir herzlichen Glückwunsch zum Gedenktag! Wir alle sind zur Heiligkeit "berufen" - das gefällt mir so gut! Es hört sich danach an, dass das unterwegs sein zu Jesus das Entscheidende ist und nicht nur die (unerreichbare) Perfektion. In diesem Sinn kann ich entspannt nach den Vorbildern schauen und mich an Deinem Post und dem Tag freuen!
    Liebe Grüße
    Martina

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  5. liebe ameleo, auch von mir die heiligsten wünsche zum 1. november.der papst (sua santita) hat gesagt, wir alle sind zur heiligkeit berufen..b e r u f e n. da muss also noch was kommen: jungfrau und märtyrerin,ordensgründer etc. liebe ameleo..ne mutter ,die sich für ihre familie kaputtmacht,(oder vater..) reicht nicht, wie es aussieht.denn, wer heiratet, hat das vergnügen auf seiner seite, während die anderen sich um des himmelreiches willen aufopfern.man kann aber als witwe oder als nikolaus von der flue noch... das berühmte "mehr", du weißt. und zu deinem herrn escriva( der vergleich hinkt etwas, aber ich sage damit, das volk spricht eigentlich heilig, nicht der papst) kann ich dir noch eine 19 jährige aus der fokularebewegung hinzugesellen. die hatte krebs und war jungfrau(das wurde extra erwähnt) und hat ihre krankheit mit würde getragen.ich empfehle den regelmäßigen besuch einer krebsstation..da sind sicher noch mehr heilige zu finden.so mancher, der uns ein beispiel gibt...die wurde auch in diesem jahr heiliggesprochen, ich lese ja den osservatore..hildegard von bingen wurde nur vom volk heiliggesprochen, die basis kann also auch was.manchmal habe ich aber auch den verdacht, es geht eher um die 3 wunder nach dem tod, nicht so sehr um das leben derer, die dann heiliggesprochen werden.

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  6. zum thema selbstkasteiung bei opus dei gibt es einen schönen film. den wirst du so schnell nicht vergessen.ameleo.

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