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Dienstag, 20. November 2012

Mein Glaubensgeschenk - heute

Teil 1: Damals

Heute


Mein Glaubensgeschenk "Ich glaube" ist heute nicht mehr genauso, wie es früher einmal war. Es ist bunt und wird durch das Leben - mein Leben - immer differenzierter und detaillierter geformt. Es ist lebendig und will genährt werden, doch die Suche nach wirklich Sättigendem gestaltet sich manchmal schwierig. Auf Festmähler folgen Wüstenzeiten. Durch den Gebrauch hat es aber auch Beulen bekommen, Kratzer, Macken, blaue Flecken und Narben. Sie gehören unwiderruflich dazu und sind in sich rückblickend wertvoll.


"Das Geschenk",
Margret Hofheinz-Döring/
Galerie Brigitte Mauch Göppingen
Quelle: Wiki Commons
Solche Gebrauchspuren sind unvermeidlich, denn mit dem, was mir unendlich wertvoll ist, geht nicht nur das Leben sondern auch der eine oder die andere - zum Glück nur vereinzelt - manchmal ziemlich ruppig um. Manche meinen, es durch den Dreck ziehen und mit den Füßen treten zu dürfen. Manche anders Beschenkte sagen mir gar, mein Geschenk sei nichts wert. Weil es oft eigenwillig aussieht und mit seinen Ecken und Kanten wenig vollkommen und ein bisschen unbequem wirkt. Und weil ich außerdem manchmal aus ihrer Sicht ungewöhnlich mit ihm umgehe. Ich müsse mehr dafür sorgen, dass es anderen Geschenken ähnlicher werde, höre ich sie dann schon mal mit Nachdruck sagen.

Es gibt sogar welche, selbsternannte Geschenke-Wächter, die behaupten, da sei gar kein Geschenk, aber sie wüssten, wo, wie und von wem ich eines bekommen könne, sogar zertifiziert mit "Geschenke-TÜV-Siegel". Möglicherweise ist das sogar - manchmal - nett gemeint. Aber geschenkt ist geschenkt. Und wie auf alle Geschenke habe ich auch auf den Empfang dieses so besonderen nur begrenzten Einfluss. Weil ich dem Schenker sehr dankbar bin, hüte und pflege ich es wie einen Schatz.

Mit meinem Geschenk bin ich nicht allein. Es macht mir Freude, mein "Ich glaube" mit anderen zu teilen, im öffentlichen Rahmen oder in eher vertrauter Runde. Es tut mir gut, immer wieder mit anderen Beschenkten zusammen zu sein, besonders mit solchen, mit denen es gelingt, uns gegenseitig zu ermutigen, zu stärken und zu unterstützen. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass wir uns wegen unserer Verschiedenheit aneinander reiben und auch mal streiten.

Oft aber gewinne ich viel daraus, wenn wir einander unsere Glaubensgeschenke zeigen und uns wechselseitig wertvolle Ergänzungen überreichen. Das eine oder andere gute Stück passt schon mal nicht zu mir, aber die damit verbundene Zuneigung ist meist intensiv zu spüren und wiederum ein kleines Geschenk in sich. Es gibt allerdings auch hin und wieder vollkommen lieblosen Glaubensmüll, der mir manchmal vor die Füße geworfen oder um die Ohren gehauen wird. Geistlicher Spam sozusagen, den ich in meinen inneren Mülleimer packe und schnellst möglich wieder entsorge. Ich kann nicht ausschließen, dass darunter – wie beim realen Sperrmüll an der Straße – auch Dinge sind, die andere als nützlich oder wertvoll erachten.

Idol Mutter mit Kind
Quelle: Wiki Commons
Inzwischen bin ich selber zur Älteren geworden. Als solche bemühe ich mich darum mitzuhelfen, anderen den Boden zu bereiten, ihnen das Staunen zu zeigen, das genaue Hinsehen, Hinspüren und Nachdenken. Ich male neue Bilder mit alten und neuen Worten und erzähle Geschichten von Gott und der Welt, wie ich sie erlebe. Ich höre mir die Geschichten anderer an, Älterer, Gleichaltriger und Jüngerer, und betrachte und rede über ihre Gemälde.

Ich trage heute Spinnen genauso in die Freiheit, wie in die Wohnung verirrte Schmetterlinge, Fledermäuse, Stöcke und Steine. Ich betrauere liebe Menschen, begrabe Meerschweinchen und philosophiere mit Jüngeren über das Vorhandensein von Seelen in Pflanzen und Steinen. Ich sammle Kastanien, Muscheln, Bücher und Erfahrungen. Immer noch schaue ich mir Gewitterblitze draußen an (manchmal mit einem Kind im Arm, dem ich die Ohren zuhalte) und mehr oder weniger originelle Geistesblitze im WWW. Ich gehe weiterhin gerne in naturwissenschaftliche Museen und staune in Ausstellungen und anderswo über die vielfältigen - auch geistlichen - Ausdrucksmöglichkeiten von Künstlern und Künstlerinnen aus aller Welt. Ich tröste, höre zu, telefoniere, wenn nötig, über Stunden, verpflastere aufgeschlagene Knie und kümmere mich um Wunden, die das Leben schlägt. Ich singe, lese und schreibe, lache und streite. Mal fühle ich mich einer Martha sehr nahe, mal eher der Maria.

Womit kann ich mein Glaubensgeschenk heute vergleichen? Manchmal ist es wie eine Art Basisstation von der ich aufbreche und zu der ich zurückkehre. Manchmal eher wie ein Gefährt, mit dem ich unterwegs bin. Immer mal wieder betrete ich mit ihm und durch es neugierig neue Wege und berichte Interessierten von dem, was es dort zu entdecken gibt. Ein anderes Mal ist es wie ein Licht, dass sich nicht aufbraucht beim Teilen, sondern vermehrt. Manchmal ist es aber auch so zart, bunt und unbeschwert wie Seifenblasen: dazu gemacht, für einen Moment zu erfreuen und dann zu zerplatzen, weil es genügend neue davon gibt. Immer wieder ist es anders und braucht zur Beschreibung neue Bilder und Vergleiche.

Mit einigen wenigen Menschen mache ich mich von Zeit zu Zeit intensiver auf den Weg, ihr und mein Glaubensgeschenk neu zu entdecken, neben und unter den Bergen anderer (Lebens-) Päckchen und Pakete. Manchmal fühle ich mich in diesen Momenten den Emmausjüngern sehr nah.

Mein Leben und mein Glauben sind dabei durchdrungen von einem Staunen über und einer Dankbarkeit für die vielen und den einen, auf die und den ich mich verlassen konnte und kann, sowie das Gefühl, zutiefst beschenkt zu sein mit einer unverfügbaren Kostbarkeit, die sich durch ihren Gebrauch niemals abnutzt, sondern mit der Zeit nur wertvoller wird.

Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Ameleo, das ist aber sehr lang und ich greife mal das Wort Wüste heraus. Im Johannesevangelium ging Jesus nach seiner Taufe in die Wüste, um..den Teufel zu besiegen. Dafür sind Wüsten da. Zur Stärkung der Seelenkräfte. Um zu zeigen, was in Dir steckt. Das andere Wort ist..dass Dein Glaubensgeschenk nicht mehr ins System paßt. Congratulations, sage ich da. Hast Deine Wüstenzeiten gut genutzt.Weißt Du, was Teresa von Avila mit ihrem unpassenden Glaubensgeschenk gemacht hat? Sie hat sich am Ende nicht mehr angepaßt, trotz ständig drohender Inquisition.Ebenso andere Heilige. Selber Älterer sein ist was Feines, wenn man Jüngere hat, die was hören wollen. :-)Und seine Geschenke anderen zu zeigen und auszutauschen, ebenso.Sonst verstauben sie. Oder schimmeln.Oder schrumpfen.

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  2. Was mich besonders freut, ist das, was Du über Deine Art, mit Insekten und anderen Tieren umzugehen, schreibst. Als Tierschützerin kenne ich Sprüche wie "Ist doch nur ein Tier", oder "Ih, wie hässlich"...alle Tiere und Pflanzen sind ebenso von Gott geschaffen wie der Mensch, der nicht unbedingt die Krone der Schöpfung ist, wie sein Umgang mit der Schöpfung zeigt.Dass der Mensch am Ende Woche geschaffen wurde, kann auch heißen, dass Gott bereits müde war :-)

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  3. Was nützt es uns wenn wir uns abmühen und schaffen und Vorbildfunktion sind für andere und Gott nicht dabei ist. Da wird es uns nichts nutzen. Soll aber nicht heißen das wir uns nicht abmühen und schaffen sollen nur ohne Gott ist es umsonst. Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut. Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst. Martin Luther hat das mal so ausgedrückt:"Ich habe heute viel zutun muss also viel beten". Also wenn wir anderen was geben möchten von dem was wir als Geschenk erhalten haben heißt das auf Gott sehen und mit ihm im Gespäch bleiben, auf sein Werk musst du schauen wenn dein Werk soll bestehen, heißt es in einem Lied von Paul Gerhardt. Das ist mir eingefallen beim lesen diesen Postes.

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    1. Ist denn Gott nur dabei, wenn wir beten? - Im Kontakt bleiben, ist eine wichtige Basis, das sehe ich auch so. Aber Gott ist doch nicht nur ein Gegenüber während des Gebets: er ist bei und in allem, was wir tun und wo wir sind. Dafür brauchen wir nichts zu tun. Dass wir seine Anwesenheit nicht immer oder manchmal gar nicht spüren können, ist etwas anderes.

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    2. Sicher das ist richtig, Gott ist immer da nicht nur wenn wir beten aber wir müssen ihn auch annehmen, reinlassen. Mit ihm im Gespräch bleiben damit meine ich das Gott in unserem Leben präsent sein muss nicht nur zu bestimmten Zeiten und bei vorformulierten Gebeten, er ist da wenn wir uns für ihn öffnen, wir müssen es wollen weil Gott sich nicht aufdrängt. Dafür müssen wir auch was tun, dass meine ich. Sich für ihn öffnen damit er präsent sein kann. Jeden Tag immer wieder neu. Unser tun ist uns auf ihn einlassen, dann werden wir ihn auch spüren, immer. Und das glaube ich, ist harte Arbeit.

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  4. Vielen Dank für diesen wunderschönen Bericht über dein Glaubensgeschenk. Er hat mich daran erinnert, was auch ich bekommen habe, mir aber hab madig machen lassen. Er hat mir gezeigt, was ich mir wünschte, aber nicht bekam - sodass ich mich jetzt nochmal auf die Suche machen kann. Er gibt mir Bilder und Worte für Dinge, die ich in mein Leben holen will und meinen Kindern mitgeben will.

    Er ist wie ein guter fruchtbarer Boden. Laß den Zeitgeist drüber wehen wie er will, der Boden trocknet nicht aus sondern ist bereit für die guten Samen, die auch aus unserer Zeit darauf fallen.

    Liebe Grüße
    Huppicke

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  5. zum thema gott überall hat ja madeleine delbrel den berühmten spruch getan: frei zitiert, gott, du bist überall. warum bin ich nie da, wo du bist? thema vorformulierte gebete: in wirren zeiten helfen die mir sehr. da kann ich mich nur in der kirche beruhigen, konzentriere mich auf die liturgie..oder nehme bei meditationen vorformuliertes.rosenkranz ist für mich immer das entspannungsmittel, wenn er von anderen bei der andacht gesprochen wird. am besten aber ist immer noch das gespräch mit dem freund, wie teresa von avila es sagt.freund ist bei ihr jesus. dem kann man alles erzählen.thema glaube madig machen. der glaube ist heutzutage das, was einem am wenigsten gegönnt wird.

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    1. Ich sag ja nicht das vorformulierte Gebete nicht helfen, ich sag ja nur öffnen sollte man sich, eben präsent sein. Ja, und dem stimm ich auch zu am besten ist das Gespäch mit dem Freund dem man alles erzählen kann.

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  6. was hilft, muss jeder selber wissen. hier im blog ist das ja(hr) des glaubens, mir allemal lieber als so mancher kurs in unserer neokatechumenatsgemeinde.oder wenn der kaplan uns darauf hinweist, d a s s wir armselig sind und hilflos und beten sollen, dass jesus uns begegnet. sowas bekommen immer die ins gehirn gedrückt, die in die kirche gehen. ist also meines erachtens komplett unpassend.

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    1. Klar muss das jeder selber wissen. Ich bete weil ich eben gerne mit dem Freund im Gespräch zusammen bin und aufdrücken lass ich mir das auch nicht, dass muss freiwillig sein. Das sehe ich auch so.

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  7. Es berührt mich sehr wie liebevoll und umfassend hier Glaubensgeschenke - Damals und Heute – zusammen gestellt werde und in einem für mich neuen Kontext gesetzt werden. Danke!!

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