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Donnerstag, 22. November 2012

Origineller "Spendenaufruf"

Spendenmarathon heute auf RTL - "Africa for Norway" auf YouTube. Letzteres macht sehr originell auf die Art und Weise aufmerksam, wie Spendenaufrufe, die jetzt in der Vorweihnachtszeit wieder inflationsartig ungefragt auf jede einprasseln, in der Regel die Situation der Länder darstellen, für die sie sammeln: nämlich in Stereotypen, mit Vorurteilen, von oben herab bemitleidend und bevormundend (patronizing).

In dem Video, das den Life-Aid-Konzerten nachempfunden ist,
wird genau das gleiche getan, nur der Blick geht diesmal von Süd nach Nord: Afrikanerinnen werden aufgefordert, ihre Heizungen den armen, unter Frost und Kälte leidenden Norwegerinnen zu spenden. Wundervoll!


Im Hintergrund steht die Aktion "Radi-Aid" - Africa for Norway. Was die Organisatorinnen wollen, steht auf ihrer Seite - leider in Englisch. Andrea, über die ich neben Wolfgang auf diese geniale Aktion aufmerksam geworden bin (danke euch beiden!), hat die vier Ziele der Kampagne übersetzt:
1. Fundraising sollte nicht auf Stereotypen beruhen, sie lassen uns abstumpfen.

2. Sie wollen eine bessere Berichterstattung in der Schule, dem Fernsehen und in den Medien über das, was in der Welt vor sich geht

3. Die Medien sollten Respekt zeigen und ethischer in ihrem Handeln werden.

4. Die Hilfe sollte auf echter Notwendigkeit und nicht auf guten Absichten beruhen.
Inzwischen hat sich auch die BBC dieser Aktion angenommen (die Tagesschau, wie ich gerade sehe, gleichfalls). Das BBC Video ist ebenfalls sehenswert.


Wenn in der Vorweihnachtszeit wieder nervige Spendenaufrufe meinen Briefkasten fluten, wandern sie ohnehin ungesehen in den Papierkorb. Mein Geld geht an MISEREOR, missio und Adveniat. Die haben schon vor Jahrzehnten mit der Mitleidsmasche aufgehört.

UPDATE:
Eine Diskussion dieser Aktion findet auf Twitter unter dem Hashtag #africafornorway statt.

(Gemerkt? Dieser Post wurde geschrieben im generischen Femininum.)

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Kommentare:

  1. Total interessant!

    Und: nein, ich habe es nicht gemerkt, dass im generischen Femininum geschrieben wurde. Es ist mir aufgefallen, dass von Afrikanerinnen und Norwegerinnen die Rede war, habe beim schnellen Weiterlesen unterstellt, dass die Aktion eben 'besonders' oder nur für Frauen sei. Tja. De Kerle sind eben immer noch nich mit drinnen, wenns 'innen' heißt. Verflixt. Dabei hatte ich von diesem Aufruf zum generischen Femininum ja gelesen und fand es spannend. Aber nach ein paar Tagen schon wieder so weit weg. Schade. Ein guter Wachrüttler also. :-)

    Liebe Grüße,
    Huppicke

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  2. ich habe es auch nicht gemerkt, was meiner meinung nach beweist, dass wir in deutschland doch schon sehr weit sind mit den frauen.kannst dich also wieder hinlegen, ameleo. spenden gebe ich nur da, wo ich jemanden persönlich kenne.freundeskreis und stiftung xy. thema weihnachtszeit: wer spendet, bekommt die nötigen heiligen gefühle. in berlin dürfen nun wieder die obdachlosen und sonstigen bettler an die sonne. müssen sogar. wegen der heiligen weihnachtsgefühle.der anderen.das ganze restliche jahr über ist versenkung angesagt und der spruch, hat man denn nie seine ruhe vor diesen leuten?!dann kommt noch die tägliche abfrage an den umsatz der geschäfte, der muss höher sein als im letzten jahr. ist auch ne form von spende. wenn nicht, ist weihnachten nicht erlaubt. es geht alles dermaßen am wesentlichen vorbei.wie mich das alles ankotzt. the same procedure as every year.

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    1. Welches Bild hattest du bei den Worten "Afrikanerinnen", Norwegerinnen" und "Organisatorinnen" vor Augen? Gemischte Gruppen von Frauen und Männern? Wenn ja, dann sind wir in der Tat schon sehr weit in Deutschland!

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  3. Hab's die Woche bei spiegel online entdeckt. und mich weggeworfen vor Lachen. Besser fand ich allerdings deine Satire, die den Schwachsinn von Binnen_Is durch Überspitzung ad absurdum führt.Noch besser fand ich da lediglich den Feministenblog neulich, wo man sich über die Perfidie aufregte, mit der das Patriarchat sich nicht entblödet, hässliche Tiere zu Feminina zu machen. Die Qualle! Schweinerei! Da ist man in Regionen mit Sprachen ohne grammatisches Geschlecht schon viel weiter: von den Türken lernen, heißt Gleichstellung lernen!

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    1. Dein Kommentar ist entweder selbst Satire (im Gegensatz zu meinem Beitrag) oder ein gutes Beispiel dafür, warum solche Aktionen nötig sind. Danke!

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    2. Dann erklär mal, warum es nötig ist. Ich bin dem Link gefolgt, ein paar Klicks weiter war ich bei unheimlich seriösen Wissenschaftlern gelandet, die in Tests feststellten, dass es kein generisches Maskulinum gäbe. Allerdings hatten sie ihren Probanden auch keine Möglichkeit gegeben, sich dafür zu entscheiden. Der Punkt ist doch, was mein Beispiel der Turksprachen zeigen sollte, dass die Art und Weise der Verwendung grammatischer Geschlechter nichts, aber auch gar nichts über die faktischen Geschlechterverhältnisse in der die betreffende Sprache verwendenden Gesellschaft aussagt. Warum also widmet man sich mit solcher Verve einem solchem Nebenschauplatz? Meine Antwort wäre, dass es um Herrschaft und die dazu nötige Manipulation geht, also genau das Gegenteil von Emanzipation. Und da es bis in solche Details von alltäglichen Konventionen hineingeht, sehe ich Totalitarismus am Werk: alles aber auch wirklich alles hat der innerweltlichen Erlösung des Menschengeschlechts zu dienen und sich diesem unterzuordnen. Bis in kleinste Details ihrer Gewohnheiten haben die Menschen sich dem absolut Guten unterzuordnen.
      Und so diskutieren wir hier über solchen Firlefanz, anstatt uns über diese wirklich tolle Aktion von klischeemüden Afrikanern zu unterhalten. Weil DIR es so wichtig war, grammatikalische Eigenheiten des Deutschen anzuprangern. Als böser weißer Mann kann ich da nur anerkennend nicken: das ist die richtige Kolonialfrauenattitüde!

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  4. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/maedchenkultur-rosa-rollback-11970522.html

    Aber beschäftigen wir uns ruhig weiter mit Personalpronomen und Pluralbildungen! Das wird Prinzessin Lillifee gewiss das Geschäft versauen.

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