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Sonntag, 2. Dezember 2012

1. Advent: Besinnung bis zur Besinnungslosigkeit

Quelle: Pixabay
Unübersehbar ist es Advent geworden. Manche konnten es gar nicht abwarten und haben bereits zum letzten Wochenende geschmückt oder "Weihnachtsmärkte" veranstaltet. Adventskalender beim Discounter waren bereits in der vergangenen Woche, vor dem Beginn ihrer eigentlichen Nutzung, reduziert. Nicht nur einmal wurde ich von Bekannten angesprochen, doch auch ein Türchen an einem schon halb geplünderten zu öffnen und mir das dahinter verborgene Stückchen Schokolade zu nehmen. Ich habe abgelehnt.

Advent ist für mich immer noch eine besondere Zeit, der Inhalt von Adventskalendern mehr als nur ein Stück Schokolade in festlicher Verpackung. Das Angebot wird immer größer, mir zu groß.

Auch im Bereich des Nachdenklichen und "Besinnlichen" wird diese Zeit (über-)flutet: überall sind adventliche Bücher, Kalender, Emailangebote und Onlinekalender. Wohin ich auch schaue wird mir etwas angeboten: Leichtes "zum Naschen" bis zu deftigem "Schwarzbrot", manchmal langweilig oder aufdringlich, oft originell, persönlich gestaltet mit viel Herzblut. Daraus darf ich nicht nur wählen, ich muss es sogar, um vor lauter Besinnlichem nicht besinnungslos zu werden.

Mir kommt es vor wie ein überreiches Buffet, bei dem sich die Tische biegen. Vor lauter Leckerem spüre ich da meinen eigenen Hunger nicht mehr. Wir bereiten (uns) auf ein großes Fest vor, auf Weihnachten. Ein Buffet ist da durchaus angemessen in all seiner Fülle. Aber doch nicht schon vorher, sondern erst am Tag selbst!

Advent möchte ich viel mehr als Zeit erleben, in der ich ein neues Mal meinem eigenen (Lebens-)Hunger auf die Spur komme. Wo fehlt es mir - wie den Menschen zur Zeit des Propheten Jeremia - ganz konkret an Gerechtigkeit, und inwieweit kann ich etwas an dieser Stelle unternehmen? Wo brauche ich Orientierung auf meinem Lebensweg wie der Beter/die Beterin des 25. Psalms, und wer könnte sie mir geben? An welcher Stelle berührt mich der Aufruf des Paulus an die thessalonicher Gemeinde noch "vollkommener" zu werden, und wie kann ich dazu die Zeit bis Weihnachten nutzen?

In dem Zuviel an Angeboten sehe ich die Gefahr, die wirklichen Zeichen des anbrechenden Gottesreiches zu übersehen. Denn die zeigen sich beim genauen Hinsehen in meinem ganz normalen Adventsalltag: In meinen Gedanken, womit ich wem an Weihnachten meine Zuneigung, die nur ein äußerst schwacher Abglanz der Zuneigung Gottes zu uns Menschen ist, ausdrücken kann. Im bewussten Vorbereiten und Schmücken von unserem Zuhause, weil wir einen wichtigen Gast erwarten. Beim Backen von süßen Plätzchen, die von der Köstlichkeit erahnen lassen, die uns hoffentlich irgendwann einmal erwartet. Und im Adventsstress, der angemessen ist, weil es um ein großes Ereignis geht, dass seinen Schatten voraus wirft.

Daneben will ich diese Wochen erleben wie den letzten Monat einer Schwangerschaft: ja, es ist viel zu tun und vorzubereiten. Aber wenn ich mir nicht die nötige Ruhe und Schonung gönne, kann es gefährlich werden für mich und das Kind. Also werde ich versuchen, mich möglichst gesund zu "ernähren" und mit der nötigen Behutsamkeit das erwartete Kind bis zum 24. Dezember auszutragen.


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Kommentare:

  1. Liebe Ameleo,

    mit dir hoffe ich auf eine besinnliche Adventszeit.

    Herzliche Grüße
    Elisabeth

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  2. Direkt aus meiner Seele geschrieben. Wo führt der Weg weg vom Konsumismus zur Kontemplation, die doch gut in den Advent paßt?

    Ich habe meine eigenen Rituale, die mir Halt geben (Beginn und Ablauf der Andentsvorbereitung und der Adventszeit) und kann mich beim Blick in die Kerzen der Pyramide oder meines Adventsleuchters versenken in das, was Weihnachten mir ist.

    Und immer wieder denke ich an Jesus im Tempel, der die Wucherer hinaustreibt, wenn ich mich dem Konsum vor der Zeit verweigere und ihn in der Adventszeit nicht ausufern lasse ...

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  3. Stiftung Warentest hat dann zu spät viele Adventskalender als gesundheitlich bedenklich eingestuft..3 ganz stark und der Rest ging dann so. Wie ungemütlich, aber die Berliner haben mit nein gestimmt als es hieß, die Weihnachtsmärkte sollten vor dem Totensonntag öffnen. Der Berliner stimmt immer mit nein, wenn etwas geändert werden soll. Ich weiß auch von Weihnachtsfeiern im November.Vielleicht ist alles deswegen so früh, damit Weihnachten nicht wieder so plötzlich kommt?Für mich ist Advent warten auf...und viel Besinnung. Rorate Messen. Adventslieder.Und Peter Rosegger lesen.

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    1. Liebe Teresa,
      darf ich neugierig sein?
      Wie bist du zu Peter Rosegger gekommen? Bist du Österreicherin? Habe nicht gedacht, dass in Dtl. wer von ihm weiß. Ich mag ihn auch sehr!

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    2. hallo, regina, ih habe gerade erst deine frage gesehen. ich kenne die bücher seit meiner kinderzeit und lese sie immer wieder neu. er war halt fromm und hat dermaßen viel über die frühere frömmigkeit erzählt. das kann keine kirchengeschichte..seine sprache...mmmmmhhhh. ich bin berlinerin.es gab auch vor ewigen zeiten mal waldbauernbub im tv.einer seiner sprüche hieß: die leut sagen nicht mehr gott, sondern schicksal und zufall..er war damals bereits der meinung, das volk wird gottlos.seine naturbeschreibungen sind ebenso ein genuss. schöne heile welt war es damals nicht, aber verglichen mit heute doch.

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  4. Ameleo, nun wartet das Volk auf ein Gedicht von Dir. Advent,..,

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  5. Danke für deine Gedanken, liebe Ameleo!!!
    Ich habe jetzt alle online-Besinnungen abbestellt und werde auch (außer dem "anderen Advent") nichts anderes "Geistliches" mehr aufliegen haben.
    Fasten, gedanklich zur Ruhe und zum Frieden kommen, es mal mit dem Stundengebet probieren - das habe ich mir vorgenommen!
    Und einen Gedanken von Madeleine Delbrel verinnerlichen, den mir heute mein Seelsorger aus der Jugendzeit geschickt hat: "Lasst uns lernen, nach dem Herrn in jeder Minute unseres Lebens Ausschau zu halten, da wo wir gerade sind, und in dem, was wir gerade zu tun haben....." Der Text ginge noch weiter.

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