ACHTUNG: Zur Zeit gibt es bei Blogger Probleme mit dem Internet Explorer. Videos können beispielsweise nicht angesehen und Kommentare nicht abgeschickt werden. Bitte in diesem Fall einen anderen Browser wie z.B. Firefox benutzen!

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Gott: Vater und Mutter

Plädoyer für einen häufigeren und bewussten Gebrauch von weiblichen Gottesbildern

Im Blog "Das Ja des Glaubens", das sich am Apostolischen Glaubensbekenntnis orientiert, wird in diesem Monat der Satz "Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde" meditiert. Dass Gott nicht nur väterlich sondern auch mütterlich gedacht werden kann und muss, wurde dort bereits angedeutet. Ich finde es wert, diesem Gedanken breiteren Raum zu geben. (Die Facetten "der Allmächtige" und "der Schöpfer" lasse ich in diesem Post bewusst außen vor.)

Im Glaubensbekenntnis wird ausdrücklich der Glaube an Gott „den Vater“ bekannt. Jesus selbst hat so zu Gott und von ihm gesprochen. Mit Bezug auf ihn wird daher Gott in den Schriften des Neuen Testaments 261 Mal mit „Vater“ bezeichnet, gegenüber nur 20 Stellen in den alttestamentlichen Büchern (Quelle: Wibilex; Stichwort Vater). Das Wort „Abba“, mit dem Jesu Gottesbeziehung meist am intensivsten in Verbindung gebracht wird, kommt allerdings nur dreimal im Neuen Testament vor (Mk 14,36, Gal 4,6 und Röm 8,15).

Bilder und Vergleiche sind die einzig angemessenen Möglichkeiten, mit denen wir von Gott sprechen können. Mir scheint, heute wird allerdings häufig vergessen, dass auch die Bezeichnung Gottes als „Vater“ ein Vergleich und Bild ist, (Gott ist wie ein Vater) so sehr sind wir durch das Vaterbild geprägt.  Ebenfalls zu selten wird mir erwähnt, dass das Vaterbild zwar ein gewichtiges aber dennoch nur ein Gottesbild unter vielen ist.

Dabei ist die Rede von Gott als "Vater" in sich nicht unproblematisch. Es ist unvermeidlich, dass ein männliches, väterliches Gottesbild mit Erfahrungen mit realen Vätern und männlichen Autoritätspersonen in Beziehung gesetzt wird. Männer, zumal Väter haben es so leichter, sich mit Gott zu identifizieren, sich als sein Ebenbild zu verstehen.

Für Frauen bleibt da immer eine größere Distanz, obwohl bereits in den ersten Sätzen der Hebräischen Bibel und damit programmatisch betont wird, dass Gott den Menschen männlich und weiblich als sein Abbild geschaffen hat. Dazu kommt, dass im traditionellen Verständnis von Vaterschaft mit dieser Rolle nicht nur Fürsorge verbunden wird, sondern vor allem auch Macht. Davon jedoch waren Frauen lange Zeit ausgeschlossen, hatten aber um so häufiger unter deren Missbrauch, manchmal sogar angeblich im Namen Gottes und unter Berufung auf aus dem Zusammenhang gerissene Bibelverse, zu leiden.

Besonders problematisch ist ein väterliches Gottesbild für Frauen (vermutlich auch Männer) mit durch "Väter" begangene innerfamiliäre und/oder kirchliche Gewalt- und Missbrauchserfahrungen. Ihnen kann der Zugang zu Gott über ein Vaterbild überaus erschwert oder sogar ganz verbaut sein.

Dabei wird, wer das Bild von Gott auf das von einem Vater reduziert, Gott ohnehin nicht wirklich gerecht. Gott ist gleichermaßen wie ein Vater und wie eine Mutter. Beide bleiben Vergleiche aus unserer menschlichen Erlebniswelt, die Gott immer nur zu einem winzigen Bruchstück beschreiben können.

Eine mir wertvolle und meinen Blick weitende Sammlung von Namen und Bildern für Gott finde ich in der Namen-Gottes-Litanei im Gotteslob (GL 763). Viel zu selten werden sie und die sich anschließende "Litanei von der Gegenwart Gottes" und die "Jesus-Litanei" in den Gottesdiensten in meinem Umfeld gebetet. Allerdings wird auch in jeder der drei Wechselgesänge/ -gebete Gott mit überwiegend männlichen Bezeichnungen angesprochen, was aber für ein Gesangbuch aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht besonders verwunderlich ist. Das biblische Repertoire geht über diese Sammlungen noch hinaus und ist wesentlich reicher an männlichen wie weiblichen Gottesbildern, wobei die femininen Bilder oft leider immer noch nicht so vertraut sind.

„Gott ist uns Vater und mehr, er ist uns Mutter“ formulierte einmal Papst Johannes-Paul I in einem Gebet. Mit ihm finde ich es überaus lohnend, bewusst weibliche und mütterliche Gottesbilder mehr in den Blick zu nehmen und sich immer wieder neu zu vergegenwärtigen, auch und gerade im Gebet. Wie fremd uns eine Vorstellung von Gott in weiblichen Bildern und wie unvertraut uns ihr Gebrauch (noch) sind, wird deutlich, wenn ich im Folgenden einmal versuchsweise dem „er“ für Gott auch ein „sie“ zur Seite stelle.

Auch wenn Jesus sich nicht an Gott als Mutter gewandt hat, gebrauchte selbst er weibliche und mütterliche Bilder um Gott zu beschreiben, indem er auf die reichhaltige Tradition aus den ihm vertrauten alten Schriften zurückgriff, die ich hier kurz skizziere. (Die Bibelstellen füge ich um der besseren Lesbarkeit Willen erst unten an.)

An mehreren Stellen in den biblischen Büchern wird Gott als gebärende Frau beschrieben, an anderen als stillende Mutter, weiterhin als eine, die den Menschen kleidet, erzieht und laufen lehrt. Er/sie tröstet und handelt wie eine Geburtshelferin. Er/sie wird mit Tiermüttern verglichen: mit einer Bärenmutter, einer Adlermutter und einer Henne. Andere Bilder beschreiben ihn/sie wie eine Hausfrau, die für Angestellte verantwortlich ist, das Geld zusammenhält, das Haus reinigt und wie eine Bäckerin Brot backt. Das Wort für den Geist Gottes, die Ruach, ist sogar vom Genus her weiblich und wird daher inzwischen häufig mit dem ebenfalls femininen Begriff "Geistkraft" umschrieben.

Nun wird das Vorhandensein dieser weiblichen und mütterlichen Bilder und Vergleiche für Gott kaum jemand bestreiten. Allerdings hatten sie bislang kaum Einfluss auf kirchliche und persönliche Gottesbilder. Von dieser Realität kann sich jede_r selbst überzeugen, indem er oder sie sich klar macht, welch ein Bild vor dem inneren Auge auftaucht, wenn Gott als Person vorgestellt wird.

Immer wieder einmal hat es Versuche gegeben, Weibliches, Feminines in Gott zu sehen und zu betonen, mal auf gelungene mal auf weniger gelungene Art und Weise. In dem Roman „Die Hütte“ von William P. Young beispielsweise finde ich es ebenso faszinierend wie stimmig, dass der Hauptperson „Mack“ „Gottvater“ als fürsorgliche Afroamerikanerin begegnet. Im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass ihm ein Zugang zu Gott über eine Vaterfigur wesentlich weniger leicht möglich gewesen wäre, als durch die zunächst irritierende Gestalt einer schwarzen Frau.

Die Stirn runzle ich dagegen bei dem Lied „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ von Nikolaus Herman (GL 134), das wir auch in diesem Jahr wieder zu Weihnachten gesungen haben. In der zweiten Strophe heißt es dort: „Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein“. Im Blog „Das Ja des Glaubens“ lese ich, dass Gott Vater(!) durch eine Synode im 7. Jahrhundert sogar ein "Uterus" zugesprochen wurde.

Mir Gott mit einer Gebärmutter vorzustellen finde ich dabei nicht problematisch, wohl aber die Vorstellung eines schwangeren und gebärenden männlichen Vatergottes. Hinter dieser Vorstellung kann ich neben mangelhaftem anatomischen Wissen nur den (und jetzt verwende ich einmal den Begriff, den ich sonst eher vermeide) patriarchalen Versuch sehen, Frauen, die durch ihre Gebärfähigkeit - stellvertreten durch Maria - ihren unverzichtbaren Anteil an der Heilsgeschichte haben, eben diesen ihren Anteil abzusprechen. Maria, die Frau und "Menschin", die Jesus zur Welt brachte, wird heilsgeschichtlich verzichtbar, wenn nicht nur das Zeugen sondern auch das Gebären von seinem himmlischer Vater gleich selbst übernommen wird. Da sind die Herren der Schöpfung damals wohl ein wenig übers Ziel hinausgeschossen (auch wenn es, so wie mir scheint, hier um eine christologische Aussage zu gehen scheint und um keine über den "Vater") mit schlimmen Folgen für die so abgewerteten Frauen.

O.g. Lied scheint in einer solchen Traditionslinie zu stehen. Allerdings hörte oder las ich auch irgendwo, dass Nikolaus Herman mit Martin Luther bekannt war und die betreffende Zeile sich bewusst gegen die zu seiner Zeit übertriebene Marienfrömmigkeit richtet. Das mag sie erklären, macht den Inhalt aber auch nicht wesentlich akzeptabler.

Gott lässt sich nicht auf ein Bild festlegen und sei es noch so gewichtig. Das Bilderverbot verweist damit auf etwas ganz Wesentliches! Wenn im Glaubensbekenntnis also von Gott, dem "Vater" die Rede ist, müssten im gleichen Atemzug auch all die anderen Bilder und Vergleiche von Gott mitschwingen, die ihn als weiblich und mütterlich charakterisieren. Andernfalls besteht die Gefahr, ein eingeengtes, schiefes Gottesbild zu transportieren und zu tradieren. Auch geben die femininen Gottesbilder gerade uns Frauen die Chance, eine größere und individuellere Nähe zu Gott zu erfahren.

Damit diese noch wenig vertrauten biblischen Bilder aber auch zu verinnerlichten werden können, müssen sie häufiger benannt und verwendet werden. Und warum in persönlichen wie liturgischen Gebeten nicht auch mal mit femininen Anreden Gott ansprechen? Zunächst wäre es sicherlich befremdend und irritierend, würde aber, so meine Vermutung, unseren Glauben an Gott und unsere Bilder von ihm/ihr überaus bereichern und erweitern! ("Ihm/ihr" ist und bleibt auch an dieser Stelle immer noch befremdlich, oder?)

Dann wird irgendwann einmal hoffentlich ein Bekenntnis selbstverständlich sein, in dem es wie in dem Kanon in Anlehnung an den Satz von Johannes Paul I heißt: „Gott ist uns Vater und mehr, mehr, viel mehr. Sie ist uns Mutter und mehr, mehr, viel mehr.“

Ergänzung:
Über das biblische Gottesbild vom Vater habe ich hier im Nachhinein noch einen interessanten Artikel gefunden.

--------------------------------------------

ANHANG: Weibliche Gottesbilder in der Bibel

Gott als gebärende Frau:
Dtn 32,18b: du vergaßest den Gott, der dich geboren hat.
Jes 42,14b: Wie eine Gebärende will ich nun schreien, ich schnaube und schnaufe.
Num 11,12: Habe denn ich dieses ganze Volk in meinem Schoß getragen oder habe ich es geboren, dass du zu mir sagen kannst: Nimm es an deine Brust, wie der Wärter den Säugling, und trag es in das Land, das ich seinen Vätern mit einem Eid zugesichert habe?
Ijob 38,8: Wer verschloss das Meer mit Toren, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll...
Ijob 38,29: Aus wessen Schoß ging das Eis hervor, des Himmels Reif, wer hat ihn geboren?
Joh 16,21: Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. (Bild für das anbrechende Reich Gottes)

Gott als stillende Mutter:
Num 11,11-13: Habe denn ich dieses ganze Volk in meinem Schoß getragen oder habe ich es geboren, dass du zu mir sagen kannst: Nimm es an deine Brust, wie der Wärter den Säugling, und trag es in das Land, das ich seinen Vätern mit einem Eid zugesichert habe? Woher soll ich für dieses ganze Volk Fleisch nehmen? Sie weinen vor mir und sagen zu mir: Gib uns Fleisch zu essen!
Ps 131,2: Wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter, wie ein entwöhntes Kind ist meine Seele in mir.
Hos 11,4: Ich war da für sie wie die (Eltern), die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen.
1Petr 2,2: Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt.

Andere mütterliche Aspekte Gottes:

Gott kleidet:
Gen 3,21: Gott, der Herr, machte Adam und seiner Frau Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit.
Mt 6,25-34: Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. ... 28 Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. 29 Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. 30 Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!

Gott erzieht:
Jes 46,3-4: Hört auf mich, ihr vom Haus Jakob, und ihr alle, die vom Haus Israel noch übrig sind, die mir aufgebürdet sind vom Mutterleib an, die von mir getragen wurden, seit sie den Schoß ihrer Mutter verließen. Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet, bis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten.
Hos 11,1-4: Ich war es, der Efraim gehen lehrte, ich nahm ihn auf meine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie an mich, mit den Ketten der Liebe. Ich war da für sie wie die (Eltern), die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen.

Gott tröstet:
Offb 21,4: Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.

Gott als Geburtshelferin:
Ps 22,10-11: Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, mich barg an der Brust der Mutter. Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, vom Mutterleib an bist du mein Gott.
Jes 66: Noch ehe die Frau ihre Wehen bekommt, hat sie schon geboren; ehe die Wehen über sie kamen, brachte sie einen Knaben zur Welt. Wer hat so etwas je gehört, wer hat je dergleichen gesehen? Wird ein Land an einem einzigen Tag geboren, kommt ein Volk auf einmal zur Welt? Doch Zion, kaum in den Wehen, hat schon ihre Kinder geboren. Hätte ich ihr etwa den Schoß öffnen sollen, ohne sie gebären zu lassen?, spricht der Herr. Sollte ich, der die Frauen gebären lässt, ihnen den Schoß verschließen?, spricht dein Gott. Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum! Denn so spricht der Herr: Seht her: Wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und den Reichtum der Völker wie einen rauschenden Bach. Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln.

Gott als Bärenmutter:
Hos 13,8: Ich falle sie an wie eine Bärin, der man die Jungen geraubt hat, und zerreiße ihnen die Brust und das Herz.

Gott als Hausfrau:
Ps 123,2: Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn, wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin, so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott, bis er uns gnädig ist.
Lk 15,8-10: Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Gott als Bäckerin:
Mt 13,33: Und er erzählte ihnen noch ein Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.
Lk 13,20-21: Außerdem sagte er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist wie der Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Gott als Adlermutter:
Ex 19,4: Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe.
Dtn 32,11-12: wie der Adler, der sein Nest beschützt und über seinen Jungen schwebt, der seine Schwingen ausbreitet, ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt.

Gott als Henne:
Ps 17,8: Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel
Ps 57,2: Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig; denn ich flüchte mich zu dir. Im Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht, bis das Unheil vorübergeht.
auf Christus bezogen:
Mt 23,37: Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.
Lk 13,34: Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt.

Gott als Weisheit:
Spr 1,20-33: Die Weisheit ruft laut auf der Straße, auf den Plätzen erhebt sie ihre Stimme. ...
Ijob 28: Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, eine Stätte für das Gold, wo man es läutert. (...) Die Weisheit aber, wo ist sie zu finden und wo ist der Ort der Einsicht? (...)
Weish 1,6-7: Die Weisheit ist ein menschenfreundlicher Geist, doch lässt sie die Reden des Lästerers nicht straflos; denn Gott ist Zeuge seiner heimlichen Gedanken, untrüglich durchschaut er sein Herz und hört seine Worte. Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis und er, der alles zusammenhält, kennt jeden Laut.
Weish 7,22 - 8,1: (...) Denn die Weisheit ist beweglicher als alle Bewegung; in ihrer Reinheit durchdringt und erfüllt sie alles. Sie ist ein Hauch der Kraft Gottes und reiner Ausfluss der Herrlichkeit des Allherrschers; darum fällt kein Schatten auf sie. (...)
auf Christus bezogen:
Mt 11,19: Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder! Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen.


Creative Commons LizenzvertragFrech.Fromm.Frau. von Ameleo steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.

Kommentare:

  1. Man kann noch so oft betonen, dass Gott über den Geschlechtern steht - bei mir als Kind ist überhaupt nicht angekommen, dass Gott in weiblichen Begriffen beschrieben, bedacht und erfahren werden kann. Und ich denke, dass auch meine Töchter eben einen Vater, deutlich einen Mann vor dem inneren Auge sehen, wenn wir beten. Ich muss da schon mal erklären und korrigieren. Ob's ähnlich unglücklich klingt wie bei Frau Schröder??

    Heute weiß ich, dass ich mich erst Gott wieder annähern konnte, als ich innerlich akzeptiert hatte, dass er kein Mann ist und auch keine Frau sondern Gott.

    Ich denke wie du, dass es schön wäre, wenn die Beschreibung 'weiblicher' sein könnte. Aber ich merke, dass ich zusammenzucke und den Atem anhalte, wenn ich solche Beschreibungen lese ("Bäckerin"). Ein ganz großer drohender Finger und ein dickes "Darf man das?" steigt dann auf. Muss nicht von der heutigen Kirche kommen, auch nicht von der damaligen. Kommt wohl von dem Gottesbild, dass ich mir als Kind geschaffen habe (und mit dem ich als Kind glücklich war).

    Vielleicht steckt doch viel mehr in: Sollst dir keine Bilder machen.

    Ich habe da noch viel Meditations- und Gebetsstoff auf diesem Gebiet. ;-) Aber ich merke immer mehr, dass ich es mag, wenn ich mich an Gottesbildern reibe, manchmal ist es schmerzhaft, aber meist bringt mir das Gott wieder ein wenig näher innerlich.

    Liebe Grüße,
    Huppicke

    AntwortenLöschen
  2. Abba heißt Väterchen.Wird bei uns in der Kirche vor dem Vater unser gesagt. Ich sage Gott und das genügt. Alles Menschenworte für Gott.Weiblich, männlich.. Störend für mein Gotteserleben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich las inzwischen an mindestens zwei Stellen, dass es sich bei dieser Vorstellung um einen tradierten Irrtum und bei "Abba" um einen Ausdruck von besonderer Verehrung handelt. Guck mal hier im Kommentarbereich: http://www.das-ja-des-glaubens.de/?p=502 und in diesem Wikipedia-Artikel unter "neuere Auslegungen": http://de.wikipedia.org/wiki/Abba_(Bibel).

      Löschen
    2. Hier im zweiten Kapitel die Hintergründe, wie es zum gegenwärtigen "Abba"-Verständnis kam und was dem entgegensteht: http://www.bibfor.de/archiv/02-1.strotmann.htm#abba

      Löschen
    3. meine israelis hatten eine tochter, die hat abba gesagt und als ich sie gefragt habe, was das heißt,meinte sie: papa. aber, wie ich schon sagte: k e i n name für mich, das engt mich ein und gott eh..der unsagbare aber erfahrbare in allen variationen..angepaßt an die aufnahmekapazitäten des menschen. wird er verstanden bei seinen bemühungen? nein. jesus fiel einem justizirrtum zum opfer. die propheten, ,durch die er reden wollte,die heiligen und anderen großen gestalten der geschichte wurden..man weiß es.je mehr namen, desto mehr, "gott, warum?" tja. weil die namen nicht reichen. und die attribute auch nicht.

      Löschen
  3. Im wesentlichen stimme ich dem Bericht zu, das Gott weder Mann noch Frau ist. Ich könnte mich auch damit anfreunden ihn je nach Befindlichkeit mal maskulin oder feministisch anzureden weil er sicher in beiderlei Gestalt anwesend ist.
    Je nachdem in welcher Gefühlswelt ich mich bewege, ob ich gerade einen starken männlichen Gott brauche oder die gefühlvolle mütterliche Seite. Gott ist da sicherlich dafür offen mir in meiner momentanen Situation das zu geben was ich brauche.
    Nun mal ganz provokant gefragt und weiter gedacht wenn Jesus und Gott eins ist, der dreieinige Gott, dann müsste doch auch Jesus männlich und/oder weiblich sein. Er kam als "Kind" also könnte er theoretisch auch ein Mädchen gewesen sein?
    Aber ehrlich gesagt ich möchte mir überhaupt kein Bildnis von Gott machen, Gott ist die höhere Macht die über allen steht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Da vermischst du jetzt nach meinem Eindruck zwei Ebenen: die der bildhaften Sprache und die einer geschichtlichen Wirklichkeit. Jesus war in seinem real life ein Mann, was auch außerbiblisch belegt ist. Allerdings hat er, wie ich schon schrieb, immer wieder die weibliche Seite Gottes in den Blick genommen und ist den Frauen in seinem Leben i.d.R. mit Respekt begegnet und/oder hat ihnen ihre Würde zurück gegeben (was ja bis heute nicht unbedingt überall selbstverständlich ist).

      Löschen
    2. Nun liebe Ameleo ich wollte nur mal auf den Busch klopfen hab auch nur mal provokant gefragt. Was Gott in Wirklichkeit ist bleibt für mich unergründlich. Gott ist Gott.

      Löschen
  4. Ein sehr schöner Beitrag.

    Das Problem, das du ansprichst, wird natürlich von Frauen viel stärker empfunden als von uns Männer (wie du gesagt hast), und deswegen will ich mich hier auch zurückhalten.

    Drei Aspekte möchte ich hier aber noch anmerken:

    1. Historisch gesehen ist JHWH ein männlicher Gott. Besonders die Archäologie hat herausgefunden, dass JHWH, auch als das hebräisch-jüdische Pantheon bereits weitgehend absorbiert war, noch eine Göttin beigegeben war, die als seine Frau fungierte. Vermutlich wurde der letzte Schritt erst in der Spätzeit Judäas vollzogen, als auch sie aus den Tempeln verschwand. Von daher ist unser Reden immer von dieser männlichen Tradition her geprägt.

    2. Dessen ungeachtet sind weibliche Analogien oder Fähigkeiten ja auch im Polytheismus für männliche Götter nicht ungebräuchlich. So nährte Zeus den Dionysos in seinem Schenkel oder brachte die Athene aus seinem Kopf hervor (unterstützt durch eine Axt). Solches Reden ist damit zwar ungewöhnlich, durchaus aber im Rahmen des Möglichen.

    3. Dies bringt uns zum Aspekt des normativen Redens: Gott ist natürlich mehr als nur Vater, weshalb man zurecht auch weibliche Bilder benutzt, ihn zu beschreiben. Dessen ungeachtet ist das Reden von ihm als Vater nicht beliebig, sondern durch die Hl. Schrift - besonders durch Jesus - als Normalform normativ bestimmt. Ein Reden von Gott als Sie ist somit in Ausnahmefällen aus pastoralen Gründen möglich, nicht aber als Normalfall.

    Unabhängig davon sind alle Bilder natürlich immer problematisch. Dessen mag man sich bewusst sein. Doch da der Mensch nunmal ein Tier ist, das Sprache hat (Aristoteles), braucht er sie halt bis zu einem gewissen Grad. Ein Politikum muss man daraus aber - wie mancher - nicht machen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, wenn wir alles wörtlich nehmen und als normativ, was so in der Bibel auftaucht, dann können wir ja wieder dazu übergehen, Hexen zu steinigen und prinzipiell die Bibel nur im Aramäischen Original zu lesen.
      Diese Fixierung auf ein männliches Gottesbild (und das ist es letztlich; die Sprache bestimmt das Denken) hat mir auf JAHRE jeden Bezug zu Gott verstellt. Besten Dank auch, männlich dominierte Theologie und Tradition. Wo kommt eigentlich die Arroganz her, einfach ein so eingeschränktes Gottesbild als das normativ richtige darzustellen?

      Löschen
    2. Und selbstverständlich ist das ein Politikum - die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt. Was ich mir micht vorstellen kann, das kann mein Denken und mein Handeln nicht beeinflussen. Wenn sich eine Frau nicht vorstellen kann, dass sie ein gleichwertiger Mensch ist, weil sie das in ihrer Umwelt nie erfährt, wird sie sich nicht wehren, wenn man sie menschenunwürdig behandelt und für einen anderen Umgang mit ihr kämpfen.
      Natürlich ist das ein dramatischeres Beispiel als die Frage, ob Gott mit weiblichen ATtributen zu belegen sein - aber die gängige Praxis, Gott als männlich zu identifizieren (und was anderes passiert ja kaum) hat uns schon diverse Anfälle von Frauenfeindlichkeit in Kirche und Gesellschaft beschert oder sie zumindest erleichtert - wenn das kein Politikum ist, weiß ich auch nicht.

      Löschen
  5. Warum so lange Blog-Einträge? Wenn Jesus Maria zur Mutter hatte, dann konnte Gott wohl nicht auch Mutter sein. Basta. Ausser.... aber lassen wir das.

    Aber so interpretiert das Christentum seit Generationen die Bibel immer wieder so rum, dass es gerade passt.

    AntwortenLöschen
  6. Also, dass man das Abba als Papa in der theologischen Diskussion neuerdings kritisch betrachtet, finde ich erstaunlich. Die Übersetzung mit Papa macht zumindest vor dem Hintergrunde des menschlichen Spracherwerbs, wie Roman Jakobson ihn beschrieben hat, Sinn. Demnach sind Worte wie Mama und Papa in allen Sprachen der Welt die ersten Worte, die Kinder nach der Lallphase bilden können. Der offenen Vokal a, der Mund wird weit aufgemacht, wird mit einem Verschlusslaut kombiniert. Automatisch folgt mama, papa (nach wikipedia in 71% aller Sprachen) abba, ame, baba etc. Nun reagieren die Eltern und das Kind bemerkt dies, ein Wort entsteht, sobald es bewusst vom Kind eingesetzt wird. Abba mit Papa zu übersetzen erscheint mir sehr schlüssig.

    AntwortenLöschen
  7. Hier noch ein Link zum Gesagten:

    http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/7sprv/pama/mama.htm

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Link. Um entscheiden zu können, was jetzt nun stimmt, fehlen mir letztlich Kriterien, die ich dafür anwenden könnte und der Überblick darüber, wie relevant die Quellen sind, die ich kenne.

      Löschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.